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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Ray`s leben...Ein Jahr danach
Eingestellt am 19. 11. 2006 15:50


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Melanie Andrea
Hobbydichter
Registriert: Nov 2006

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Ray┬┤s Testament


Mein letzter Wille
Ich h├Ątte nie gedacht, dass ich im Alter von 30 Jahren mein Testament schreiben w├╝rde.
Es f├Ąllt mir schwer.
Wie schwer, wei├č nur G`tt allein.
Ich, Ray Jr , im Vollbesitz meiner geistigen und k├Ârperlichen Kr├Ąfte, vermache
hiermit meine westlichen Besitzt├╝mer wie folgt:
Bill, meinem altern Freund, dem besten Kameraden aus meiner Kindheit, der unsere Geheimnisse und schmutzigen Fantasien treu bewahrt hat, hinterlasse ich meine Lederjacke, meine Cowboystiefel und mein Motorrad , und.... alle Kondome die ich nicht schon verwendet habe!
Hella bekommt meine s├Ąmtliche M├╝tzen, die sie mit ihren roten Haaren vor Sonnenbrand und Frost sch├╝tzen soll.
( Da ihr immer so kalt ist)!
Alex altes Haus, dir hinterlasse ich meine geliebte Playboymagazine, mein Mountenbike, meine Baseball - Handschuhe und meine umfangreiche Sammlung an unbenutzten Socken und coole Unterhosen.
Alex: Ich Liebe dich und Hella als w├Ąhrt ihr meine Geschwister.
Haltet immer zusammen und denkt manchmal an den Glatzkopf.


Mein Goldst├╝ck,
wenn du das hier liest, bedeutet es das ich nicht mehr lebe.
Du weisest, ich liebe dich ├╝ber alles, und du bist der beste Teil meiner kurzen Existenz.
Ich dachte wir werden als Opa und Oma noch viele fernen L├Ąnder bereisen.
So eine Kacke, das wird mir fehlen, dort wo ich sein werde.
Nicole, du aufregende, leuchtende, leidenschaftliche Liebe meines Lebens, dir hinterlasse ich mein Herz, meine Seele, meinen K├Ârper, meine Leidenschaft und meine Ewigkeit.
Du meine geliebte Frau bist der Grund daf├╝r, dass ich nicht traurig oder w├╝tend bin, weil ich gehen muss oder weil ich nicht genug Zeit mit dir gehabt habe, denn du hast mit deiner Kraft, deiner G├╝te und deiner Liebe daf├╝r gesorgt, dass es genug war.
Ich danke dir!
Ich hinterlasse dir all meine privaten Dinge wie B├╝cher, Notizen, Briefe und Bilder und meine s├Ąmtlichen weltlichen Besitzt├╝mer, soweit sie nicht anderweitig vergeben sind.
Insbesondere meine Hemden, die du so gerne zum schlafen angezogen hast, mein Adressbuch auf das du immer so neugierig warst, meine Cordjacke, die du praktisch bei jedem kalten Wetter aus dem Schrank gestohlen hast, meine Fotos, auf denen ich oft krank und ohne Haare zu sehen bin, ( hab sie versteckt im Keller hinter dem Schuhschrank- nicht b├Âse sein!)
Meine Digitalkamera, die noch mehr Fotos von dir machen soll, und alles andere was du noch von meinen Sachen haben m├Âchtest.
Ich hinterlasse dir, meine Nicole, mein Herz gef├╝llt mit liebe, all meine Tr├Ąume von Erfolg und Ruhm, meine Sehns├╝chte und mein Engagement, alles was ich bin und was mich ausmacht, auch wenn du es nicht brauchst, weil du mehr hast.
Ich hinterlasse dir das ganze Geld, das du mit mir in Verbindung bringen kannst, die Lebensversicherung und den Bausparvertrag der in meinem Namen gef├╝hrt wurde.
Wie ich dich kenne wirst du schon wissen wie du es ausgeben musst.
Ich werde dich immer lieben!
Das ist mein Wille, und niemand hat das Recht, das anders zu entscheiden.
Dankt bitte dem Rest der Bande f├╝r alles, bitte!!!
Aber vielleicht treffen wir uns noch mal.
Im Himmel bei einem Glas Wein?
In einem anderen Leben?
Es f├Ąllt mir schwer von euch Abschied zu nehmen.
Ich weine

Euer Ray


Wenn sich etwas als endg├╝ltig vorbereitet,
Wollen wir nichts davon wissen.
Es soll nicht am Ende endg├╝ltig sein.
Nicht so.
Nicht jetzt.
Nicht auf diese Weise.
Es kommt immer zu fr├╝h und zu pl├Âtzlich.
Das Endg├╝ltig ist auf die vertrackteste Weise voreilig.
Es h├Ątte viel sp├Ąter erst kommen sollen.
Morgen.
In einem Jahr.
In hundert Jahren.


Gedanken aus ... Eine Liebe in Schweden



Ein Jahr danach!

Mein geliebter Schatz!
Seit ich beschlossen habe, dieses Buch zu schreiben, frag ich mich, warum jetzt, warum gerade du und nicht ich.
Wenn du doch dabei sein k├Ânntest, dich ├╝ber meinen versuch ein Buch zu schreiben am├╝sieren k├Ânntest.
Was w├╝rdest du mir erz├Ąhlen?
Zum Gl├╝ck habe ich deine Krankheit als Pr├╝fung gesehen - Heilung als unsere Aufgabe gelesen, und ich wusste was ich wollte und was ich mit Liebe empfand, f├╝r dich.
Im leben und im Tod waren und sind wir eins!
Keiner kann mir etwas von Trauer erz├Ąhlen, von dem grenzenlosen Schmerz und seine Abgr├╝nde ins Nichts.
Von dem Feuer im Herzen das schmerzhaft brennt und das nicht gel├Âscht werden kann.
Ganz egal, wie oft ich nun das Wort Endg├╝ltig h├Âre, es bedeutet so lange nichts, bis man selbst am Ende des Lebenswegs steht.
Ich frage mich: Was ist ein Leben?
Ist es blo├č Wasser, das durch die Finger rinnt und das wir weder fassen noch festhalten k├Ânnen?
Hinterl├Ąsst es eine Spur, wie Salz von verdunstetem Meereswasser?
Oder verschwindet es einfach, wird unsichtbar, verdampft, ohne dass wir es bemerken?
Ich sitze gerade in deinem Arbeitszimmer und freue mich auf Dich, auf die vielen Gedanken und Gespr├Ąche in meinem Geist mit Dir, mein Engel.
Hier zwischen all deinen ach so wichtigen Dingen , den kalten Rauch noch immer in den Vorh├Ąngen gefangen, hier alleine habe ich die Ruhe, um mich fallen zu lassen ÔÇô in die Erinnerung unserer Liebe und dem Schmerz deines Kampfes.
Bei der Suche nach einem Foto von dir, stie├č ich auf einen Karton mit deinem Tagebuch, Briefen, Notizen und Gedichten, die Du f├╝r mich geschrieben und verwahrt hast- f├╝r mich!
Gestern erst las ich ein paar Seiten aus deinem Tagebuch, eine schwere Lekt├╝re!
Trotzdem war es gut, hier ganz nahe bei dir daraus gelesen zu haben.
So konnte ich dir im Geiste sagen, wie gl├╝cklich ich bin, dass wir uns begegnet sind, dir danken f├╝r jeden Augenblick, den wir gemeinsam erlebt haben.
Du warst und bist gro├čartig.
Hatten wir eine Chance? -Ich wei├č es nicht!- Es darf nicht sein oder doch...
In den letzten paar Wochen als sich der Krebs rapide jenem ultimativen Pyrrhus- Sieg n├Ąherte, mit dem er deinen Lebenshauch t├Âtete, hatte ich sehr oft das Gef├╝hl, das auch ich mit dir starb.
Fr├╝her als Kind und auch als junge Frau stellte ich mir den Tod als pl├Âtzliches Ereignis vor, als einen sauberen Schnitt zwischen Sein und Nichtsein, Besitz und Verlust.
Eine Art von nehmen und geben wenn der j├╝ngste Tag kommt.
Aber bei dir mein Engel war das Sterben kein sauberer Schnitt sondern ein erbarmungsloser, zerm├╝rbender Proze├č mit der Entfremdung von deinem Sein.
Vielleicht war das unsere Bestimmung.
Eine Geschichte von Liebe und Absurdit├Ąt.
Ich selbst wollte doch immer da sein f├╝r dich, gerne das richtige Sagen und tun, deinen Schmerz lindern, aber ich war verdammt zu Versagen in der Trauer meines eigenem Schmerz.
Wie gerne h├Ątte ich mein Lebenshauch dir geschenkt, dich wieder gesund gemacht mein Engel.
Das aber ist die g├Âttliche Aufgabe, die ich dir nicht erf├╝llen konnte.
Es ist nun knapp ein Jahr her, da├č du mir vorausgegangen bist, als Engel im Himmel und ich bin noch immer in meinem Schmerz wie gel├Ąhmt.
F├╝r das Leben gibt es keine Garantie.
Soweit ich wei├č gibt es nur die einzige Gewi├čheit, und die ist ebenso absolut wie das wissen darum, das du Tod bist.
Es ist die Gewi├čheit, da├č ich durch dich und dem Krebs eine neue Sprache gelernt habe und noch immer lerne.
Die Sprache des Verlustes und dem Schmerz um dich.
Genau wie die Sprache unserer Liebe ist sie universell.
Man braucht keinen Dolmetscher, kein Lexikon, kein W├Ârterbuch.
Um es zu erlernen, braucht ein Mensch es nur einmal durchzumachen, ein einziges Mal gen├╝gt. Verlust- Trauer- Schmerz und Leid.
Nun versuche ich hier und heute, die Intensive Jahre meines Lebens und meiner Liebe zu dir, das letzte Jahr deines Lebens- meinem Herzen folgend, zu durchwandern.
Es war ein Jahr mit H├Âhepunkte und unsagbarem Schmerz, eine Zeit der Hoffnung und tiefster Verzweiflung.
Ich erlebte, wie sich aus dir- einem lebensfrohen Mensch innerhalb ein paar Monaten eine kranke aber starke Pers├Ânlichkeit entwickelte.
Unsere Familie und Freunde, ├╝berhaupt alle Menschen, die in dieser Zeit an deinem Schicksal teilnahmen, wurden von deiner Kraft und der Willen am leben zu bleiben angezogen.
Das du mein Engel wie ein Fels in der Brandung standst und wie ein Held gestorben bist, das denke ich- war die Gnade deines Schicksals.
Auf der letzten Reise deines Lebensweg, hast du aufgeh├Ârt eine Rolle zu spielen und erkannt, da├č du nur das bist, was deine Liebe zu mir aus dir machte.
Du hast dein Leben in G┬┤totes Hand gegeben.
Ich war dein Dich- dein Sein- ein wir.
Es gibt von dort oben kein Zur├╝ck mehr und ich mu├č lernen, es anzunehmen.
Bei diesem Gedanken wird das Feuer in mir drei mal so hei├č....
F├╝r immer du und es wird mir fehlen dein Leben!!!!



Abschied

Tausend Worte k├Ânnen nicht sagen, wie gro├č der Schmerz ist als Du von mir mu├čtest.

Tausend Worte k├Ânnen nicht beschreiben, wie tief meine liebe zu dir ist.

Tausend meiner Gedanken werden dich bekleiden, auf der langen Reise in den Himmel.

Tausend Gedanken, in denen ich immer bei dir bin.


Meine Liebe zu dir ist unsterblich- f├╝r die Ewigkeit!
XOXO Ray XOXO


In der ersten Zeit behauptete Ray, der Haarausfall w├╝rde ihm bestimmt nichts
ausmachen.
So sehr h├Ąnge ich nun auch wieder nicht an diesen Haaren, sagte Ray, doch seine sonst so kr├Ąftige Stimme zitterte kaum merklich dabei.
Das war an einem strahlend sch├Ânen Julitag, als wir das erste mal bei Doktor Soltis unserem Onkologen waren.
Onkologe. ....!?
Ein Wort , von dem man glaubt, da├č man es nie im Leben benutzen mu├č.
Das man es h├Ârt, sicher.
Aus dem Munde anderer Leute h├Ârt, von Fremden oder auch von Menschen, an deren Leid man aus der Ferne teilhat.
Aber dieses Wort in Verbindung mit dem Menschen ausgesprochen zu h├Âren, der f├╝r einen selbst das leben bedeutet, ist unvorstellbar, undenkbar , absurd.
Damals hatte Ray, gl├Ąnzende rote Haare, die ich bewunderte und gerne zwischen meinen Fingern f├╝hlte und die ihn f├╝r mich so ungeheuerlich attraktive machten.
Nun musste ich mir meinen Mann mit einer Spiegelglatze vorstellen und bei dem was er sagte, zwischen den Zeilen lesen.
Erst nach einigen Minuten begriff ich, was er meinte.
Wenn er einzig und alleine seine Haare opfern m├╝├čte, um diesen M├Ârder Namens Krebs zu besiegen, h├Ątte er nichts dagegen einzuwenden.
Da Ray sehr viel Sinn f├╝r Humor hatte, brachte er Doktor Soltis in den n├Ąchsten Stunden immer wieder zum Lachen.
Mit der Anekdote zum Beispiel, wie er nicht fassen konnte, da├č ihn vor einigen Wochen in Costa de Sol unserem letzen Urlaub in Spanien eine Welle glatt umwarf, ihm buchst├Ąblich die Luft raubte und er sich nicht erkl├Ąren konnte, warum ihm damals alles so weh tat.
Wie das ├ärzteteam in Spanien nach allen nur erdenklichen Tests gesagt hatten, es sehe so aus, als habe er lediglich nur einen Verschleppten grippaler Infekt. Penizillin die Therapie und die Lunge nach abklingen des leichten Fiebers zur├╝ck in New York bei unserem Hausarzt r├Ântgen zu lassen so die Empfehlung.
Wie sie uns l├Ąchelnd empfohlen haben das warme Wetter in Spanien zu genie├čen und uns keine Sorgen mehr zu machen.
Wie wir ihren Rat befolgten und an die Gesundheit glaubten.
Das Fieber ging im Urlaub zur├╝ck, aber Ray wurde immer schw├Ącher.
Zur├╝ck in New York zeigte sich eine kleine Beule auf seiner Rippe, die aber nicht blau war, und er wu├čte nicht einmal woher sie kam.
Als ich Ray kennerlernte, verdiente ich mir mein Studium mit Zeichnen.
Der Verdienst war nicht gro├čartig, aber die Arbeit gefiel mir.
Mit Ray wuchs die Leidenschaft zu malen.
Es gelang mir, seinen K├Ârper auf dem Papier so aussehen zu lasen wie im wirklichen Leben.
Ich betrachtete Ray oft mit den Augen eines K├╝nstlers und insgeheim wuchs in mir der Wunsch ihn Akt malen zu d├╝rfen.
Eines Morgens, kurz nach unserem Urlaub war es soweit.
Ray kam gerade aus der Dusche und ich f├╝hlte seinen Blick auf meinem R├╝cken.
Goldst├╝ckchen, hast du nicht mal Lust mich Nackt zu malen?, fragte er, so als sei es das normalste auf der Welt.
Sofort?
Ja sicher, sagte er l├Ąchelnd.
Jetzt und gleich, setzte er noch einen obendrauf.
Dankbar sah ich ihm in die Augen.
Sie wirkten so blau wie der Himmel, ohne eine Spur von braun.
Seit ├╝ber f├╝nf Jahren zeichnete ich nun schon nackte Menschen, Ray mein geliebter Mann war nun das erste Modell, das mich nerv├Âs machte.
Er sandte mir ein verstohlenes L├Ącheln, eines von vielen, die ich heute so sehr vermisse.
Obwohl ich mich bem├╝hte, es zu unterdr├╝cken, musste ich l├Ącheln.
Ich bin bereit wenn du bereit bist meine s├╝├če, sagte Ray und lies sein Badetuch zu Boden gleiten.
Mein Herz schlug schnell, und im Spiegel sah ich das mein Dekollete rot angelaufen war.
Also f├╝r die Zeichnung werde ich mich auf deinen Rumpf, den R├╝cken und die H├╝ftgegend konzentrieren, h├Ârte ich mich sagen und sah seinen wunderbaren K├Ârper an.
Eiligst z├╝ndete ich ein paar Kerzen an um es f├╝r Ray noch ein weniger sinnlicher zu machen.
Selbst im entspannten Zustand auf dem Bett waren seine Muskeln deutlich zu erkennen, sie waren weich modelliert, dynamisch und so geformt, wie es wohl in den Lehrb├╝chern stand.
Ich ging zu meinem Stuhl und der Staffelei, blieb aber stehen und sah ihn pr├╝fend an.
Beginnen wollte ich mit seinem linken Arm, dem oberen R├╝cken und seiner Brust, alles im Profil.
Ich machte mich mit voller hingabe daran, meinen Mann, seinen K├Ârper mit s├Ąmtlichen Beugungen, Kurven und H├Âhlungen mit dem Kohlestift zu skizzieren. Schweigend schattierte, betonte, konturierte und formte ich.
Es kann sein, dass dem Aktzeichnen mit seiner Konzentration auf den nackten K├Ârper und dessen intime Details, etwas erotisches innewohnt.
Aber f├╝r mich hatte das Zeichnen bisher nie den Charakter von sexuell gepr├Ągtem Abtasten gehabt.
An diesem Morgen war es allerdings anders, es kam mir vor, als streichle mein Stift ├╝ber Rays Haut entlang seines wundersch├Ânen K├Ârpers und nicht ├╝ber das Papier.
Ich konnte seine W├Ąrme sp├╝ren, seine Haut riechen, ihn erbeben f├╝hlen wenn ich ihn zart ber├╝hrte.
Vielleicht war das, was ich sp├╝rte auch mein eigener K├Ârper, der aus Rays r├╝cksichtsloser Sinnlichkeit mit pl├Âtzlicher Lebendigkeit reagierte.
Nachdem ich zweieinhalbe Stunden ohne Pause gezeichnet und Ray sich kaum ger├╝hrt hatte, war das Kunstwerk perfekt.
Ray stand auf und streckte sich und ich wusste nicht genau, wohin ich zuerst sehen sollte.
Sein Augenblick war sch├Ân und hei├č, zu hei├č.
Ich lief zu ihm und k├╝sste ihn.
Nicole, ich liebe dich, sagte er und umarmte mich.
Ich liebe dich auch mein Engel.
Komm, wir schlafen miteinander, sagte er und sein vertrautes L├Ącheln traf mich v├Âllig ├╝berraschend.
Ich hab Hunger.
Dann machen wir eben oralen Sex.
Ich lachte, und er stimmte ein.
Sein Gesicht war von der Sonne Spaniens noch immer braun gebrannt, genau wie sein K├Ârper.
Im Schlafzimmer war es ein wenig d├╝ster, aber seine Z├Ąhne gl├Ąnzten in dem Licht, das von den Kerzenlicht her auf uns fiel, sein Mund war warm und seine H├Ąnde gl├╝hten.
Ich k├╝sste ihn, und wir schliefen miteinander, gegen den rauen Teppichboden gepresst, mit weichen flachen eingespielten Bewegungen.
Als ich kam, umklammerte ich seinen R├╝cken.
Meine Finger fassten nach zwei Muskelbepackten Schulterbl├Ątter ich war gl├╝cklich.
Das leben war sch├Ân, vielleicht zu sch├Ân!
Tags darauf viel ihm am Fr├╝hst├╝ckstisch das sprechen schwer und ich rief Hella unsere Nachbarin und beste Freundin an.
Sie kam sofort und wir fuhren gemeinsam mit ihm ins Krankenhaus.
Schon nach dem Durchleuchten seiner Lunge sagte man uns, Ray m├╝sste sofort station├Ąr behandelt werden, da er in akuter Lebensgefahr schwebte.
Seine Lunge mu├čte sofort punktiert werden, damit er nicht erstickte.
Hella und ich wichen nicht von seiner Seite, sahen wie die Fl├╝ssigkeit, die man aus seiner Lunge absaugte, braun war.
Als der Arzt die zweite Kan├╝le ansetzte, schickte er die erste ins Labor zur Untersuchung.
Hitze stieg schmerzend in mir hoch, ich musste mich vor Angst um ihn an der Stuhllehne festhalten.
Nur meine H├Ąnde waren eiskalt.
Der Hals war wie zugeschn├╝rt, mein Gesicht erstarrt.
Ich f├╝hlte Tr├Ąnen aufsteigen.
Unverwandt starrte ich auf einen Punkt an der Wand und konzentrierte mich drauf, die Tr├Ąnen niederzuk├Ąmpfen.
Wie gerne h├Ątte ich seine gro├če Hand ergriffen, sie hilfeschreiend an mich gepresst und jeder Fingerspitze gek├╝sst..
Ich bin es nicht die schmerzen hat, ich muss klar zu denken versuchen, dachte ich.
Bilder von lachenden Clowns hingen an den wei├čen W├Ąnden des Untersuchungszimmers.
Sie waren so freundlich und so fremd.
War dies der Anfang einer Trag├Âdie?
Hilflos betrachtete ich Ray und w├Ąhre beinahe in meinen Tr├Ąnen ertrunken.
Er war noch nicht richtig von der Narkose erwacht, blass und regungslos lag er da.
Mit einem feuchten Tuch wischte ich ihm den Schwei├č von der Stirn.
Sch├╝chtern begann ich, ihn zu streicheln und zu k├╝ssen.
Was er im D├Ąmmerzustand zu mir sagte wei├č ich nicht mehr doch war er erleichtert und schlief benommen von den Schmerzmitteln die er bekommen hatte, sofort wieder ein.
Bis vier Stunde sp├Ąter dann der Biosiebbefund kam, den uns, wie es das Schicksal wollte, ausgerechnet Axel Hella`s Mann ├╝berbrachte, der selbst Arzt in der Klinik war.
Das Untersuchungsergebnis waren katastrophal, erkl├Ąrte Alex.
Die Blutwerte waren mehr als schlimm, und ein Tumor sei durch die Biosie au├čer Zweifel.
Der Test ergab, da├č es nicht nur ein Infekt war, sondern ein Tumor auf der Lunge.
Das dieses gro├če etwas b├Âsartig war, das es Lungenkrebs war, da├č dieser Geschwulst wahrscheinlich schon seit mehr als einem Jahr unentdeckt in seinem K├Ârper wucherte und in aller stille sein Todesurteil vorbereitete.
Auch sah es so aus als gebe es schon Knochenmetastasen, woher auch die schmerzen im Brustbein zu erkl├Ąren waren.
Laut den Fach├Ąrzte w├╝rde Ray kein halbes Jahr mehr zu leben haben!
Hier, fing Axel und Ray an zu Weinen und die beiden M├Ąnner lagen sich schweigend eine Zeitlang in den Armen.
Dann sagte Axel: Wei├čt du, das mag ja alles stimmen, aber du darfst nicht aufgeben.
Wir werden das irgendwie schaffen, wie, wei├č ich noch nicht, aber wir werden es mit G`ttes Hilfe hinbekommen.
Alex schaute Ray tief in die Augen.
Wei├č der Himmel, ich habe noch nie einen Patienten gehabt der so ein hartn├Ąckiger Dickkopf ist wie du.
Und ich als Arzt bin noch l├Ąngst nicht mit diesem Tumor fertig, verdammisch noch mal Ray las und gemeinsam K├Ąmpfen, sagte er dr├╝ckte Ray┬┤s Hand und verlies das Zimmer.

Zwei Tage sp├Ąter (nach mehreren Tests wie R├Ântgenaufnahmen und Knochen ÔÇôSzintigramm) konnte mein Engel wieder das Krankenhaus verlassen und unser erster Schritt f├╝hrte uns in die nahe gelegene Synagoge, wo er betete und schlie├člich fuhren wir zu unserem Hausarzt.
So versuchte Ray also bei unserem Termin bei Dr. Moody noch, seine Sp├Ą├če zu machen, obwohl ich in all den Jahren, die ich ihn kannte, noch nie eine solche Hilflosigkeit in seinem Gesicht hatte stehen sehen.
Er dr├╝ckte meine Hand mit solch einer ├Ąngstlichen Kraft, da├č er mir weh tat.
Da ich mit einem Mann verheiratet war, der es f├╝r seine Pflicht hielt, andere Menschen aufzumuntern, sollten wir die n├Ąchsten zw├Âlf Monate noch viel zu Lachen haben.
Je mehr das leben ihm Entglitt, desto mehr hielt ich nun seine Hand.
Und wir lachten weiter.
Bis das lachen uns schlie├člich verging
Damals wollten wir uns beiden nicht eingestehen das die Chance um ihn sehr schlecht standen.
Die Monaten die nun folgten, empfinde ich nun im nachhinein als eine Art Zwischenzeit.
Eine Zeit der Vorbereitung auf das, was kommen sollte.


Mein Weg

Weit weg- von vergangenen gl├╝cklichen Tagen.
Weit weg- mit Tausenden von ├Ąngstlichen fragen.
Im Herzen - hier h├Ârt mich keiner weinen.
Im Herzen - hat die Sonne aufgeh├Ârt f├╝r mich zu scheinen.
Meine Liebe, die sagt ich brauche Dich.
Krebs der schreit- ich hole dich.
Tr├Ąnen die sagen, ich verlasse dich.
Tr├Ąnen die ├╝ber meine Wangen rollen, weil ich dich schon jetzt vermisse.
Tr├Ąnen aus Wut ├╝ber mich selbst geweint.
H├Ątte ich als dein Mann, diese Tr├Ąnen nicht geweint, h├Ątte ich es mit unserer liebe nicht ehrlich gemeint.
Nun atme ich den Tod und werde sentimental.
Ich weine aber nicht um mich sondern um Dich!
Love XOXO Ray XOXO


In der ersten Zeit versuchte Ray wie immer ein fr├Âhliches Gesicht zu machen doch seine sonst so strahlende Augen hatten den Schein verloren.
Sag mal Nicole, fragte er mich.
Was denkst du hat der Krebs mit meiner Lunge vor?
Ich verstand die frage nicht.
Schau , das Monster in mir ist doch wie ich, es gibt sich mit halben Sachen nicht zufrieden. Kein normaler kleiner Krebs- Nein, gleich eine Terminator - musste es sein ,witzelte er doch sprach er sehr leise.
Ich schluckte und sagte kein Wort.
Mit Tr├Ąnen in den Augen sah ich ihn an, er sah alt aus.
In den n├Ąchsten Stunden nahm ich nicht viel wahre von dem, was um mich geschah.
Ich war wie taub, wie an dem Tag als Dr. Soltis und Alex uns zum ersten mal mitgeteilt hatten, das Ray an einem Tumor litt, der zu 95 Prozent t├Âdlich verlief.
Nun mu├čte ich schon wieder die Hoffnungslosigkeit begreifen lernen.
Laut Diagnose - Vier bis sechs Monate, wenn wir Gl├╝ck hatten.
Aber was hie├č das schon?
Eine Operation zur Entfernung kam offenbar nicht in frage.
Ebensowenig wie eine Lungentransplatation.
Ich Pers├Ânlich h├Ątte f├╝r ein wenig Hoffnung meine Seele an den Teufel verkauft oder w├Ąhre mit Ray ans Ende der Welt gefahren.
Nordpol, kein Problem aber es gab keine Hoffnung f├╝r ihn
Es ist und war irrational.
Einen bevorstehenden Tod wirklich zu begreifen.
Es ├╝bersteigt die menschlichen M├Âglichkeiten.
Rational war ich mir ├╝ber die Krankheit und die folgen im klaren, man hatte mir die Lage in eindringlichen, deutlichen Worten beschrieben.
Emotional konnte und wollte ich diesem wissen nicht folgen.
Bis zu seinem letzten Tag hinein hoffte ich auf ein Wunder.
Vermutlich war es diese Hoffnung, die mich getragen hatte, mir half, meinen Mann in seiner schweren Zeit zu begleiten.
Nun hatte der Krebs, dieses Monster in meiner kleinen Familie auch noch einen Namen bekommen Terminator- Kampfmaschine!
Wie sehr ich ihn ha├čte und doch mu├čte ich mich an diesen Namen gew├Âhnen!
Tag um Tag redete er nun davon den Krebs zu besiegen.
Er ging weiter ins B├╝ro, war in seiner Freizeit viel zu oft online (auf der Suche nach einer Antwort f├╝r ÔÇ×den Terminator ÔÇ×) und schrieb seine Gedichte .
Ray redete viel, aber gespr├Ąchig war er schon immer gewesen.
Typisch war dabei die Art, wie sich bei ihm Elemente von Raymond Chandler und Dashill Hammett vermischten, ohne da├č seine Umgangsformen dabei die Charaktere verlor.
├ťber den Krebs und das sterben sprachen wir kaum.
Tag f├╝r Tag nannte er mich sein Goldst├╝ck und dankte es mir mit viel Z├Ąrtlichkeiten und kleinen Aufmerksamkeiten wie Pralinen oder Blumen, da├č ich es mit ihm aushielt.
Oft w├╝nschte ich mir, dass die Liebe in meinen Blick sich zu einer Art Kraft versichtete, die ihn schweben lie├č.
Gott im Himmel, la├č ihn nicht sterben.!, flehte ich. Senke Hoffnung in unseren Herzen! Wie sollen wir sonst alles ertragen?
Mindestens einmal am Tag nahm er mich in den Arm, streichelte meine kurze schwarze Haare und sagte mir, er selbst wisse nicht, ob er an meine Stelle auch die Kraft und Courage h├Ątte, so f├╝r ihn da zu sein wie ich es bin.
Das ich f├╝r ihn da bin??
Ich stehe nur dabei und sehe zu wie mein leben stirbt!, dachte ich traurig.
Ich stand daneben, machtlos und sah zu wie der Krebs ihn zerst├Ârte.
Sah wie ein Zug mit seinen zermalmenden R├Ądern auf das liebste das ich hatte zukam und konnte ihm auf seiner Flucht nicht helfen.
Ray mein Engel war genauso f├╝r mich da, wie ich f├╝r ihn.
Meine Krankheit heilt sich nicht von selbst, war sein Satz den ich regelm├Ą├čig zu h├Âren bekam, wenn ich ihn gelegentlich in einem all zu bissigen Ton vorhielt, da├č ihn das viele lesen ├╝ber den Krebs im Internet und seine Gedichte und Gedanken die er aufschrieb zu sehr ans Haus fesselte und wir nichts mehr zusammen unternahmen.
Wenn er nie Zeit hatte f├╝r mich und ich alleine abends essen mu├čte, wozu bitte hatte ich ihn geheiratet.
Keine Party keinen Oper, ohne da├č er schnell wieder an den PC wollte um zu suchen nach einer Antwort wof├╝r er keine Hoffnung gab.
Ich f├╝hlte mich wie ein Elefant im Glashaus.
Ohne R├╝cksicht auf seine Gef├╝hle fuhr ich fort und tat ihm weh.
Meine Worte waren hart , gar vorwurfsvoll.
Kurz gesagt es war zum kotzen den ich f├╝hrte mich ihm gegen├╝ber selbsts├╝chtig und egozentrisch auf.
Sicher war unser leben eingeengt und der Alltag war anders.
Wie belanglos mir die Reibereien nun vorkommen, seit ich Ray nie wieder an meiner Seite habe und er auch nie wieder zur├╝ck zu mir kommen wird.
Niemand ist vollkommen, mein Schatz sagte er oft bes├Ąnftigend, wenn ich ihn anschrie.
Dieser schei├č Spruch mit so viel liebe und w├╝rde gesagt, traf mich mitten ins Herz und lies mich besch├Ąmt in den Garten laufen um ├╝ber meine Dummheit zu weinen.
Als ich damals kurz vorm schlafen gehen ins Bad ging um mein Gesicht zu waschen und Z├Ąhne zu putzen fand ich ein Brief auf meinem Nachthemd.



Meine Nicole!

Bevor ich zu Bett gehe, noch ein kleiner Plausch mit Dir.
Ich bin ziemlich traurig.
Wahrscheinlich weil ich dir so viel zumute und dir die Kraft raube die Du deiner Pers├Ânlichkeit wegen selbst brauchst.
Bitte verzeih mir mein Schweigen.
Mein ganzes Leben scheint sich nur noch um diese verfluchte Krankheit zu drehen.
Innerhalb k├╝rzester Zeit bin ich zu einem verbitterten Ochsen geworden, der sich noch nicht einmal aufraffen m├Âchte um mit dir meine geliebte Frau was zu unternehmen.
Ich denke, ich werde Dr. Soltis mal nach ein paar Pillen f├╝r an Anti- Depressive fragen.
Nun bin ich neunundzwanzig, wiege zehn Kilo zuviel, habe Depressionen wegen dem Krebs und bin nie ├╝ber meine Schweins├Ąuglein wegbekommen, aber sonst ist das leben im Augenblick doch ganz toll.
Ich habe eine Ehefrau, die ich ├╝ber alles liebe und bin auf dem besten Weg sie zu verlieren...bitte verzeih mir mein Herz!
Aber..die neunundzwanzig zu erleben mit dir ist ein besonderes Geschenk von G`tt, besonders weil auch du meine Nicole mich liebst.
Dem n├Ąchsten der mir im Internet erz├Ąhlt (ob Rat oder nicht) hom├Âopathischen Schweine- Urin zu trinken,(hilft bei Krebs)?!- ramme ich eine nichtbiologische Gurke in den Hintern.
Und alle aufrufe zur Rettung der Stinktiere wegen Ausbeutung ihres Stinksekretes wandern direkt in den Papierkorb zum l├Âschen.
Okay, meine Haare kannst du dank der Chemo jeden Morgen vom Kissen saugen, aber auch daf├╝r mein Liebling danke ich es dir mit meiner liebe die leider nicht so r├╝ber kommt wie ich es f├╝r dich f├╝hle.
Du mein Herz bist mein Leben und das sp├╝re ich jeden Tag aufs neue.
Nicole, eines Tages wird ein Punkt kommen, an dem mein Weg zu Ende geht, doch zwei bleiben wir immer, vergiss das nie!
Ich bitte Dich, verzeih einem Idioten wie mir!
Gute Nacht mein Schatz.
PS: Ich Liebe Dich.................soooooooooooooo sehr......................!

XOXO Dein Ray XOXO



Mein Mann sprach nie ├╝ber seine Vergangenheit.
Er wu├čte das ich von ihm mehr erfahren wollte, und bestimmt war mein Gesicht des ├Âfteren ganz rot vor Anspannung, auf der Suche nach seiner Welt vor mir, und nach der Suche der wie ich glaubte eine verlorenen schreckliche Kindheit war.
Du schaust mich immer so fragend an, mein Goldst├╝ckchen, was m├Âchtest du aus meinen leben h├Âren?
Es gibt nichts sch├Ânes zu erz├Ąhlen wenn man als armer Judenbub im Getto von New York City aufw├Ąchst.
Eigentlich hatte mit der Ankunft seiner Eltern in Amerika das Vergessen angefangen.
Ich wu├čte nur, das in Ostrow- Matzowiecka einmal der Jude Schlomo Laubenstein gelebt hatte, der einen Sohn als einziges Kind hatte, mit Lederwaren handelte und gro├č und dick war.
Meine Schwiegereltern hatten mir nichts erz├Ąhlen wollen ├╝ber die orthodoxen Welt, die sie in Deutschland verlassen hatten und die sie totgesagt hatten.
Ich selbst lebe als Christ in Amerika ( meinem Geburtsland), doch meine
Kindheit glich bestimmt nicht der ihren.
Mir hatte es an nichts gefehlt.
Ray hatte mit seinen Eltern den Kaddisch beantwortet, indem er die, die ihn und seine Eltern vermissten und vermutlich ├╝ber sie gesprochen hatten, nun selbst totschwieg.


Osseh scholaum bimraumow, ha jáaseh sholaum olenu weal kol jissroel weimru Omen.
Der Frieden stiftet in seiner H├Âhen, er stiftet Frieden ├╝ber uns und ganz Israel, darauf sprecht : Amen!

Wie oft h├Ârte ich ihn sp├Ąter in seiner Angst ihn leise vor sich her Beten und wie sehr vermisse ich es nun.
Wir versuchten aus jedem Tag nun das Beste zu machen.
Auch mu├čte Ray lernen sich selbst wieder zu gefallen.
In den Spiegel zu schauen war f├╝r ihn eine Qual.
Sein Spiegelbild widerte ihn an, sagte er.
Ich kann mir vorstellen, da├č es ihm auch Angst machte, da doch der Verlust seiner Haare und die graue Haut ein so krasser, un├╝bersehbarer Beweis daf├╝r war, das er um sein Leben k├Ąmpfte und den Qualen der Chemotherapie hilflos ausgesetzt war .
Die sch├Ânen roten Haare waren durch die Therapie ausgerottet und von mir nur Laienhaft gek├╝rzt worden.
So wollte er sich der ├ľffentlichkeit nicht zeigen oder selbst akzeptieren.
Ich sehe aus wie eine dicke, fette Kr├Âte.
Jetzt fehlt mir nur noch ein Stein im Teich, auf den ich mich setzen kann.
Er versuchte ├╝ber seinen seine kalten Humor zu lachen.
Und weil ich nicht wu├čte, was ich sonst tun sollte, lache ich mit.
Verschone mich du kranke graue Kr├Âte, versuche auch ich Witzig zu sein.
Als ich merkte, was ich gesagt hatte, wurde ich furchtbar verlegen.
Ich bat Therese meine Spanische Friseuse zu uns nach Hause, und die gute alte Lady mit dem g├╝tigen Herz und wirklich m├╝tterlichen Wesen kam und schnitt ihm aus den verbleibenden Haaren ein kleines Fellchen.
W├Ąhrend sie an seinem Fellchen arbeitete, erkundigte sie sich vorsichtig nach seinem befinden, Tr├Ąnen standen in den Augen, und ihr Gesicht spiegelte Mitleid.
Nun konnte man wenigstens sein Markantes Profil mit dem sch├Ânen Mund bewundern.
Sp├Ąter fragte ich mich, warum nur hatten wir das nicht zu Beginn der Chemo gemacht?
Chanukka und auch Weihnachten war nun in Windeseile vorzubereiten.
Geschenke f├╝r die sieben Tage hatte mir die Frau unseres Rabbiners besorgt und die Weihnachtsgeschenke f├╝r Freunde und Familie bestellten wir im Internet.
Weihnachtskekse kamen Paketfertig von Mom und f├╝r die kleine K├Âstlichkeiten aus Israel sorgten die guten alten Tanten in der Nachbarschaft.
Allseits sp├╝rten wir die Anteilnahme und die Freude dar├╝ber, das Ray ├╝ber die Feiertage im Kreise seiner Freunde und mir sein konnte.
Diese Feiertage waren eigentlich als sehr gl├╝cklicher geplant.
Suschana- Ray`s Tante ÔÇô liebevoll Nana in der Familie genant kam an diesen Feiertagen von ihrer Israel- Reise nach Amerika zur├╝ck.
Sie wollte ein paar Tage mit ihrem Neffen und mir verbringen.
Urspr├╝nglich hatten wir beide vor, sie vom Flughafen abzuholen und ihre R├╝ckkehr zu feiern.
Doch Ray hatte seit dem fr├╝hen vormittag Fieber und schmerzen.
Von zuhause aus hatte ich eiligst alles abgesagt und mit Alex`s Hilfe neu
organisiert.
An diesem Abend- Ray war ersch├Âpft und m├╝de, fuhren Alex, Hella und ich alleine zum Flughafen um Suschana nach Hause zu holen.
Ich wollte mit ihr alleine ├╝ber ihren Neffen sprechen.
Ich glaube ich erw├Ąhnte das Wort Krebs und Tumor nicht, sondern sprach nur von einer sehr schweren Krankheit.
Seine Tante war der erste Mensch, der mir ein bisschen von meiner Last abnahm.
Nana ist nie eine gebildete Frau gewesen, sie war eher einfach.
Aber sie war weise und besa├č ein gro├čes Herz.
Doch hatte in ihrem Leben sehr viel erlebt.
Sie war mit sieben Geschwister aufgewachsen, zwei lebten noch,
ein Bruder lebte noch in Israel, sie war eins davon.
Ihre Geschwister wurden in der Nazi Zeit ermordet , und einer starb in jungen Jahren an einer Hirnhautentz├╝ndung, die damals kein Arzt behandeln konnte.
Alles was Ray und ich zum allerersten mal erlebten, die Verzweiflung und die Traurigkeit, den tiefen Schmerz und die Angst vor dem Tod und dem drohenden Verlust, das war Nana l├Ąngst vertraut.
Oft sagte sie nur einen Satz, und in ihm steckte eine solche Lebenserfahrung und Weisheit, da├č wir beide uns getr├Âstet f├╝hlten.
F├╝r einige Momente hatte ich nicht mehr das Gef├╝hl alleine mit Ray und dem Krebs zu sein.
In dieser Nacht schenkte Nana mir einen kleinen goldenen Davidsstern der an einer Kette hing.
Das Amulett sollte mir halt im Glauben, Kraft und Gl├╝ck schenken.
Noch heute trage ich es am Hals und f├╝hle mich ihr sehr nahe.
Ansonsten f├╝hlte ich mich recht isoliert.
Wer in unserem Bekanntenkreis kannte schon diese Situation, da├č der eigene Lebenspartner stirbt?
Doch Nana wu├čte es.
Das einzige was sie bis zu Rays Tod nicht begriff, war, da├č man ihrem Neffen in einem Land wie der USA medizinisch nicht helfen konnte.
Die meisten unserer Bekannten reagierten unbeholfen und ratlos, nachdem sie sich vom ersten Schock erholt hatten.
Sie wu├čten nicht, wie sie uns und der Familie begegnen sollten.
Mehrere Stunden sa├č Nana mit Ray in den folgenden Tagen auf dem Sofa zusammen, und sie sprachen ├╝ber den Tod, dar├╝ber wie es ist wenn ein Mensch stirbt.
Ich zog mich in solch Augenblicke ins Schlafzimmer zur├╝ck weil ich es nicht ertragen konnte.
Ganz alleine stand ich so, Minuten und Stunden vor seinem Foto, schaute das liebste das ich hatte an und in diesen Augenblicke starb ich Teil um Teil mit ihm.
Wieviel Kraft haben mir die Fotos von ihm gegeben, die ich von Ray gemacht habe.
Sie spielten T├Ąglich eine gr├Â├čere Rolle in meinem Leben, als es ihm schlechter ging.
Hella mein Sonnenschein merkte es und vergr├Â├čerte das Glatzk├Âpfchenbild, das von mir am meisten geliebte von ihm und eine Gro├čaufnahme von ihm von Schaum umgeben in der Badewanne.
Beide Bilder zog sie auf Pressholz auf, so das ich sie ├╝ber meinem Bett aufh├Ąngen konnte.
Irgendwann lag ich im Bett und schlief mit dem Duft seiner Haut auf dem Kissen ein.
Noch heute h├Âre ich seine Worte als ich ihn eines Abends fragte, was er tun w├╝rde, wenn er mit einem Piper, wie in Charmed, die Zeit anhalten k├Ânnte, antwortete er lachend.
Ich w├╝rde den Moment deines Orgasmus anhalten!
Dieser Moment ist so unbeschreiblich sch├Ân, dass ich ihn f├╝r die Ewigkeit in meinem Herzen festhalten m├Âchte.
Ray brauchte einen Menschen, dem er sich ├Âffnen konnte ohne R├╝cksicht ├╝ber Gef├╝hle des anderen nehmen zu m├╝ssen.
Eben ├╝ber Dinge, wie der Tod, die er nicht mit mir besprechen wollte...noch nicht!
Drei Monate nach Rays Tod habe ich Nana in Florida besucht.
Sie war sehr krank und schwach und wu├čte, da├č sie ebenfalls bald sterben w├╝rde.
Ich sa├č bei ihr, und wir sprachen ├╝ber ihren nahen Tod und auch ├╝ber Ray.
Es geschah in dieser Art, die so unnachahmlich und typisch war f├╝r Nana.
Ich wurde fast eifers├╝chtig, da├č sie bald sterben und Ray besuchen konnte, sozusagen.
Nana nahm mich mit in ihre fleischige Arme und ich lies meinen Gef├╝hlen freien lauf.
Ich weinte obwohl ich doch tapfer f├╝r meinen Engel im Himmel sein wollte.
Diese wunderbare Frau hatte mich verstanden.
Sie sagte: Ich erz├Ąhle Ray von dir, dabei ├╝berlegte sie bestimmt was sie alles mit ihm im Himmel unternehmen w├╝rde.
Nicole mein M├Ądel, sagte sie.
Wir beide werden immer bei dir sein, auch wenn du uns nicht mehr sehen kannst.
So lange du die Augen schlie├čt und ganz tief in dir unsere liebe sp├╝rst werden wir weiter leben!
Besonders dann, wenn du Feste feierst und gl├╝cklich bist!
Ihre Worte taten meiner verletzten Seele so gut.
Nana, warum hast du keine Angst vorm sterben?, fragte ich.
Bevor sie antworten konnte, gab ich mir die Antwort selbst.
Nicht jeder hatte einen so gro├čartigen Familie und so viel liebe genossen wie sie!
Ich hatte das Gef├╝hl, auch heute noch, da├č es ihr keine Schwierigkeiten bereitete, sterben zu m├╝ssen.
Sie war einmalig!
Ich habe und werde sie immer lieben!



Ich werden ein Stern f├╝r dich sein...

Es gibt viele Sterne am Himmel Nicole,
ich aber meine ein ganz besonderen Sterne unter ihnen, schau nach oben,
finde ihn, er ist da!
Nur du kannst ihn sehen.
Wenn du an mich denkst, dann leuchte ich ganz hell,
weil ich lache und weil ich gl├╝cklich bin, das ich nicht vergessen werde!
Ich liebe Dich meine Sternbesucherin..!
XOXO Dein Ray XOXO

fortsetzung folgt-wenn ihr es m├Âchtet!

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