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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Rechtsfahren und ars scribendi
Eingestellt am 04. 04. 2009 18:19


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HerbertH
???
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Sie wissen es doch auch: Rechts fahren soll man, rechts ├╝berholen darf man nicht. Halten Sie sich immer dran?

Ich will mich heute an etwas anderes nicht halten und das sind die regeln, wie man etwas richtig schreibt. Manche sagen rechtschreibung. Vor allem will ich mal einfach einfachere regeln aufstellen. Die sollen nichts verbieten sondern nur etwas erlauben. Hier kommt die erste regel:

        Am anfang eines satzes darf man das erste wort gross schreiben.

Klingt einfach, oder? Ja ich weiss, das machen unsere nachbarn in England auch so. Aber st├Ârt uns das?

Eigentlich ist diese erste regel gar nicht die wichtigste. Die sollte so lauten:

        Schreibe jedes wort so wie es klingt, wenn du magst.

Auch f├╝r eine solche regel gibt es vorbilder, z.b. in Spanien. Gut, ich gebe zu, die Spanier lassen gar nichts anderes zu. Vielleicht kann hier jemand noch einen vorschlag machen, welcher laut m├Âglichst wie geschrieben werden soll.

Viele st├Âren sich vielleicht an der art wie ich kommata setze. Sei es drum. Hier kommen meine letzten beiden regeln:

        Ein komma kann gesetzt werden um sinnzusammenh├Ąnge zu verdeutlichen.
        Einen satz beende m├Âglichst mit einem punkt oder einem fragezeichen.

Viel mehr brauche ich eigentlich nicht, weder zu sagen noch als regel.
Und wem der letzte Unsatz nicht gef├Ąllt, dem rate ich: Links ├╝berholen.

Ach ja, eins noch: Weitere regeln darf man hinzuf├╝gen, solange sich niemand dran halten muss.

        Bem├╝he dich so zu schreiben dass andere dich verstehen.

Ist das jetzt eine regel oder einfach gesunder menschenverstand? Wer mich wegen meiner schreibregelbr├╝che nicht verstehen konnte, melde sich bitte.

In diesem sinne ein sch├Ânes wochenende



Version vom 04. 04. 2009 18:19

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HerbertH
???
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Lieber Jon,

in folgendem Punkt gebe ich Dir recht: Wer kein Hochdeutsch spricht, tut sich mit meinen Regeln eventuell schwer. Dazu komme ich unten noch mal.

Dass man im Deutschen so schreibt, wie man spricht, ist angesichts vieler Beispiele m.E. nicht gegeben ( Sieb - vergib, Fama - Phantasie , die fallen mir jetzt spontan ein).

Worum es mir eigentlich ging, und das hast Du nat├╝rlich richtig erkannt, ist, die "typisch deutsche Regelwut" aufs Korn zu nehmen.

Aber, und das ist der Witz, mit Kann-Regeln . Das halte ich ├╝brigens tats├Ąchlich f├╝r m├Âglich, wenn man den Leuten klar macht, dass sie nicht richtig verstanden werden k├Ânnen, wenn sie v├Âllig regelfrei schreiben.

In gewisser Weise kann man das in Parallele setzen zum gesprochenen Wort: Wer zu "eigenwillig" im Dialekt spricht, wird anderswo nicht verstanden und lernt eine Hochsprache zus├Ątzlich. Dass diese dann "eingef├Ąrbt" ist, tut dem Verst├Ąndnis meist keinen gro├čen Abbruch. Wie unsere Sprache allgemein ist m.E. auch die Schriftsprache fast immer ausreichend redundant, so dass der Zusammenhang ├╝ber die eine oder andere Zweideutigkeit - die es nat├╝rlich gibt, wie ich behaupte, sogar mit jetzigen Regeln - im geschriebenen Wort in der Regel hinweghilft.

Also rein als Satire m├Âchte ich den Text nicht verstanden wissen.

Dass Du mir ein gewisses Geschick attestiert hast, den Gedanken sogar hier unterzubringen, freut mich nat├╝rlich.

Liebe Gr├╝├če

Herbert

PS: Ich bin in der strengen Rechtschreibschule fr├╝her Jahre noch ausreichend verhaftet, um mich an manchen Eigenheiten der neuen Rechtschreibregeln ausreichend zu sto├čen... Mir fallen in diesem Zusammenhange immer Briefe aus der Mozart-Zeit ein, als die Rechtschreibung (noch) nicht normiert war.

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HerbertH
???
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Lieber Jon,

ich gebe Dir recht, dass klares und eindeutiges Schreiben (und Reden) eine Kunst ist, die nur wenige beherrschen. Auch ich bin hier wie die meisten immer noch am Lernen. Dies ist besonders in den Naturwissenschaften und der Technik sehr wichtig, hier geht es allerdings meist um scharfe Begrifflichkeiten.

Im literarischen Bereich sollte man nat├╝rlich auch die bewu├čten Mehrdeutigkeiten als Stilmittel zulassen.

Aber beide Bereiche sind in der Regel von Rechtschreibregeln nur sehr indirekt betroffen sind, au├čer evtl. in juristischen Dingen, die m.E. hinsichtlich Schreibstil und Inhalt eine Sonderrolle spielen m├╝ssen.

Herzliche Gr├╝├če

Herbert

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bluefin
Guest
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lieber @herbert,

du gehst bei deinen ├╝berlegungen davon aus, dass geschriebene sprache nur stumme konsumenten hat.

de facto dient die schrift aber auch zum rezitieren oder zum singen. wenn keine einigkeit ├╝ber die "richtige" schreibweise besteht, funzt das nicht mehr. dein beispiel mit "sieb" und "vergib" beweist, dass du zu jenen geh├Ârst, die den imperativ von "(ver)geben" falsch aussprechen (manche schreiben sogar "gieb").

wenn ein satz nicht auf anhieb so vorgelesen werden kann, wie er zu seinem verst├Ąndnis gesprochen werden muss, stimmt etwas nicht. fl├╝ssiges "vom blatt lesen" ist ohne exakte orthografie unm├Âglich - ebenso wie vom blatt singen ohne konkrete notierung ausgeschlossen ist. ganz wichtig bei beidem: die atempausen! in der schrift sinds die kommas, die gedankenstriche und die doppelpunkte; f├╝r's timbre dann noch das semikolon, den punkt, das frage-, das ausrufezeichen und die g├Ąnsef├╝├čchen.

die rechtschreibreform mit ihren d├Ąmlichen neuen kommaregeln und der idiotischen getrennt schreibung ist f├╝r jeden sprecher ein graus - ohne vorherige ├╝berarbeitung eines textes kommt er garantiert sp├Ątestens beim dritten satz in die bredouille.

"fantasie" und "fotograf" sind l├Ąngst erlaubt. lustig, dass wegen falscher ableitung aus dem "stengel" ein anders zu sprechender "st├Ąngel" wurde. man dachte nur an "stange" und ├╝bersah die "stenge" - jenen d├╝nnen stab, der die mastspitze bildet. ob man die jetzt "st├Ąnge" nennen muss, wei├č ich nicht. es gibt ja kaum noch segelschiffe.

nix gegen dada - wer sich aber nur deshalb f├╝r einen sprachk├╝nstler h├Ąlt, weil er zeilen willk├╝rlich umbricht und die zeichensetzung ├╝ber bord wirft, irrt - er macht sich nur wichtig, nicht verst├Ąndlich.

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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HerbertH
???
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Hallo bluefin,

wer sagt, dass vergib mit langem i gesprochen falsche Aussprache ist? Sprache ist Konvention.

LG

Herbert


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HerbertH
???
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In den Wissenschaften kommt es auf scharfe Begriffe an, nicht so sehr auf deren Rechtschreibung.... Ob ich nun impuls oder Impulls schriebe, der Kontext w├╝rde es richten....

LG

Herbert
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suzah
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Rechtsfahren und ars scribendi

hallo herbert,

ÔÇ×In den Wissenschaften kommt es auf scharfe Begriffe an, nicht so sehr auf deren Rechtschreibung.... Ob ich nun impuls oder Impulls schriebe, der Kontext w├╝rde es richten....ÔÇť

also ein wissenschaftler w├╝rde wohl kaum lust haben, aus dem satzteil

"pullsae oda neu drohn scht├Ąne..."

herauslesen zu m├╝ssen: "die Pulsare oder Neutronensterne...",

denn er w├╝rde dem verfasser eines solchen textes gar nicht zutrauen, etwas vern├╝nftiges zu papier gebracht zu haben.

Wenn er den text per mail empfangen hat, kann er ihn durch sein rechtschreibprogramm laufen lassen, das dann bei ÔÇ×impullsÔÇť richtig ÔÇ×ImpulsÔÇť vorschlagen w├╝rde.
Aus dem o.g. satzteil w├╝rde jedoch ein ÔÇ×pulsarm drohenÔÇť und f├╝r scht├Ąne keine l├Âsung erscheinen.

Also die richtige rechtschreibung ist doch erforderlich, wer sie nicht beherrscht, den korrigiert bereits bei eingabe das rechtschreibprogramm, das mich z.b. bei der kleinschreibung und tippfehlern sofort mit roten unterstreichungen aufmerksam macht.


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