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Leselupe.de > Anonymus
Reflektionen
Eingestellt am 04. 03. 2006 22:37


Autor
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann


Der Spiegel zeigt hellblauen Fliesen.
Ein grÀssliches Blau. Das Bad ist abgewohnt. Abgewohnt, wie der ganze Gasthof. Er hat das Zimmer telefonisch auf meinen MÀdchennamen bestellt. Ich wollte es von Anfang an so.
Er steht hinter mir. HĂ€lt mich umarmt. Betrachtet mich im Spiegel. Er hat ein zartes Gesicht, lĂ€chelt mir zu. Seine Lippen sind schmal. Wenn wir uns kĂŒssen spĂŒre ich nicht, dass sie schmal sind. Zart umfasst er meinen Bauch. Es ist sein Kind. Ich werde sein Kind nicht gebĂ€ren. Er wird es nicht erfahren. Ich liebe ihn.
Die Badezimmerleuchte wirft Schatten auf unsere Gesichter. Auf die blauen Fliesen und auf den Duschvorhang. Manchmal standen wir in dieser Dusche und haben den Urin ĂŒber unsere Beine laufen lassen. Am Anfang lachten wir verschĂ€mt dabei. Heute sind wir uns so vertraut.
Ich bitte ihn, mich loszulassen. Tiefe Beziehung zu jemand bereiten mir Sorgen. Ich liebe die Freiheit. Unser VerhĂ€ltnis wĂ€re mir zu konkret. Ich hĂ€tte keine Energie mehr ĂŒbrig. Ich mĂŒsste mir um so viele Leute Sorgen machen, die ich liebe und jetzt gĂ€be es ihn auch noch.
Und jetzt gibt es ihn auch noch. Es war nicht schwierig den frĂŒhen Termin im Krankenhaus zu bekommen. Schwieriger war das andere. Alles andere. Alles andere hĂ€tte ich teilen mĂŒssen.
Wie ihn, mit seiner Frau.
Miteinander weinen wir. Ich mit TrÀnen. Ich verlasse ihn und werde trotz allem die Verlassene sein.
Seine KĂŒsse lösten trotz allem Erwartungen in mir.

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ENachtigall
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???

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Hallo Anonymus,

...MĂ€rtyrertum; die Verheimlichung der Schwangerschaft,
um ihn zu schonen, aus Liebe, ist falsche RĂŒcksichtnahme.

quote:
Es ist sein Kind. Ich werde sein Kind nicht gebÀren. Er wird es nicht erfahren. Ich liebe ihn.
Die Liebe teilt. Egal ob GlĂŒck, Lust oder Leid. Das geschieht hier nicht. Deshalb ist das Ende unabwendbar. Insofern ist die Handlung stimmig, wenngleich nicht sonderlich spannend beschrieben. Der Mitleid erheischende Moment ĂŒberwiegt hier. Da wĂ€re ein Bekenntnis zur eigenen SchwĂ€che der Protagonistin - mir als Leserin - ein stĂ€rkeres Ende.

Viele GrĂŒĂŸe
Elke



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Anonymous
Unbekannter Verfasser
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Reflektionen

Hallo Elke,

ich bin dafĂŒr, dass wahre Liebe gar nicht teilt sondern schont. Wer wahr liebt, der schont den anderen von Leid.
Zum Text. Ich wollte die Dramatik absichtlich nicht mit Spannung untermalen. Sie soll fĂŒr sich sprechen. die Dramatik: in einer Absteige trifft sich(beide verheiratet)regelmĂ€ĂŸig ein Liebespaar. Trotz der Vertrautheit reicht es nicht fĂŒr mehr. Sie macht ihm was vor von StĂ€rke und satt sein.
Die Protagonistin sollte stark sein
“Alles andere hĂ€tte ich teilen mĂŒssen“ also auch sein Leid mit seiner Ehefrau und das mit ihrem Ehemann.
wenn das aus dem Text nicht hervor kommt, habe ich wohl daneben gehauen.
Ich danke dir fĂŒr deinen Eindruck

liebe GrĂŒĂŸe

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ENachtigall
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???

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Aber welche Grundlage hat man ohne das Vertrauen, das in der Offenheit liegt? Dann leben beide, vielleicht verliebt, aber doch aneinander vorbei. Dieses "aneinander vorbei" könnte ich mir schon recht gut zur Geltung gebracht in der von Dir gewÀhlten Szene vorstellen.

Gruß
Elke


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Die beiden leben tatsÀchlich aneinander vorbei, sie haben ja Partner. Ihre Grundlagen liegen also nicht einer partnerschaftlichen Gemeinschaft. Die leben sie in ihrer Partnerschaft.
Und die kann nur in einem gewissen Grad offen sein. Die Grenze ist, den anderen nicht mit der letzten Offenheit zu verletzen, nĂ€mlich der wie in diesem Fall, zu betrĂŒgen. Deshalb ist meine Protagonistin stark. Sie betrĂŒgt und trĂ€gt die Konsequenzen allein.
Wie könnte ich deiner Meinung nach die Mitleid heischende Situation, ohne ein Bekenntnis der SchwÀche der Prot. lösen.

Gruß Anonymus

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ENachtigall
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hallo Anonymus,

eine interessante Frage. Ich sehe allerdings die Protagonistin, auch nach mehrmaligem Lesen des Textes, immer noch nicht als stark. Zweifelsohne hat sie sich in eine extrem KrĂ€fte zehrende Situation manövriert. Ihre GefĂŒhlslage ist geprĂ€gt von Zerrissenheit; Freiheit, Verantwortung der Familie gegnĂŒber, neue Liebe. Mutig und stark fĂ€nde ich an der Stelle eine, im wahrsten Sinne des Wortes Entwicklung. Schließlich sind die VerhĂ€ltnisse auf komplizierte Art mit einander verknĂŒpft. Diese Entwicklung könnte ein RĂŒckzug zur Selbstbesinnung sein, ein Aufdecken der Karten gegenĂŒber der Familie, oder ein Entschluss zur Trennung. Sicher gĂ€be es noch andere, von mir nicht erwĂ€hnte Varianten.

Gruß
Elke
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Liebe Elke,

also ich danke dir fĂŒr deine Entwicklungs-VorschlĂ€ge. Ich arbeite jetzt schon mehrere Tage an diesem Text, aber ja, du hast recht, es muss sich was entwickeln. Ich habe eine Form ohne AusschmĂŒckung gewĂ€hlt, weil mich die Herausforderung, fast ohne Adjektive auszukommen, absolut gereizt hat und da dies ein Textende einer Geschichte ist, die aus der ErzĂ€hlperspektive des mĂ€nnlichen Prot. beginnt werde ich sie aus dieser Perspektive fertig erzĂ€hlen lassen. Damit kann ich vielleicht ohne Mitleid punkten.
Ich danke dir fĂŒr deine konstruktive Mitarbeit
Anonymus

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