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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Regen im April
Eingestellt am 11. 06. 2009 15:53


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Retep
Manchmal gelesener Autor
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Danach hatte er von ihr nichts mehr geh√∂rt. Briefe kamen nicht mehr. Morgens wartete er vergeblich auf einen Anruf. Ihm fehlten diese kleinen Wortwechsel, inhaltlich nichtssagend, aber am Schluss immer Sehnsucht, Z√§rtlichkeit, ein "Ich-hab-dich-lieb". Andere fragten ihn √∂fter, wo er gerade sei, er h√∂re ja gar nicht zu. Er sch√ľttelte nur den Kopf.
Nachts hatte er noch schlechter geschlafen als sonst. Er lag oft lange wach, dachte an sie. Ob ihre Ohren wohl klingen w√ľrden?


Es war nicht so gut gelaufen in diesen drei Tagen, die sie zum ersten Mal wieder alleine zusammen verbrachten. 17 Jahre waren seit damals vergangen. Er machte sich Gedanken, woran es wohl gelegen haben k√∂nnte, versuchte sich an die einzelnen Tage, Stunden, Minuten, Worte und Gesten zu erinnern. Er meinte L√∂sungen und Gr√ľnde gefunden zu haben, verwarf dann aber alles wieder.

Er war schon fr√ľher im Hotel angekommen, hatte aus dem Fenster gesehen und getr√§umt.
Damals war sie 31 Jahre alt gewesen, voller Z√§rtlichkeit hatte sie ihn geliebt, wie ihn wohl noch niemand geliebt hatte und wohl auch niemand mehr lieben w√ľrde. Es war eine andere Zeit gewesen, "leider nicht unsere Zeit", hatte sie einmal gesagt. Er war von anderen Dingen gefangen gewesen, wollte ihre Zuneigung nicht erwidern, "ich w√§re ja verr√ľckt, wenn ich mich in dich verlieben w√ľrde". Er glaubte sie aus allem heraushalten zu m√ľssen und konnte doch ihre Traurigkeit nicht verhindern. Es war ihm nicht schlecht gelungen, seine Gef√ľhle zu verbergen. Sie sei dennoch gl√ľcklich, hatte sie ihm immer wieder gesagt, hatte ihm dennoch oft ein schlechtes Gewissen vermittelt, weil er ihr das nicht zur√ľckgeben konnte, was sie ihm gab. Sie hatte ihm viele Seiten geschrieben.
Er merkte damals, dass er sich zu verlieren begann, Tränen und Schreie anderer bewahrten ihn davor. Wie musste sie gelitten haben, hatte dennoch ihren Humor, den Versuch, ihn zu verstehen und ihre unendliche Zärtlichkeit und Liebe lange bewahrt, verloren und dann zum Teil wieder gefunden.

Dann sah er das Taxi, lief zu ihr, holte sie ins Zimmer, sie umarmten sich, er konnte nicht erwarten, in sie einzudringen. Mit wenig Z√§rtlichkeit nahm er sie, als wenn er alles nachholen m√ľsste, was einmal nicht gewesen war, als wenn er die Zeit einholen wollte, zur√ľckdrehen k√∂nnte.
Sie tranken Sekt, wie sie es fr√ľher auch gemacht hatten.

Sie waren in diesen drei Tagen viel zusammen gewandert, hatten √ľber vieles miteinander gesprochen, was sie eigentlich gar nicht so sehr interessierte.
Ihr K√∂rper war jung geblieben, sie war h√§rter geworden. Es war ihr √∂fter nicht sehr gut ergangen, wie sie erz√§hlte. Sie war empfindlicher, ungeduldiger geworden, ihn zu verstehen. Seine Ironie, sein Husten und Schnarchen st√∂rten sie jetzt. Als er ihr damals erz√§hlte hatte, dass seine Frau bei seinem Schnarchen nicht schlafen k√∂nne, ihn sch√ľttele und trete, hatte sie gesagt: " Wie k√∂nnte mich so etwas an dir st√∂ren."

Er verstand sie und sie ihn nicht mehr.

Warum ich Dich liebe? Weil Du Du bist und ich verr√ľckt bin. Weil Du mich von meiner Liebe zu Dir wieder und wieder √ľberzeugst, nachdem ich mir einzureden versuche, dass das alles nur "leseras" sind. Weil Du etwas hast, was mich alles andere vergessen l√§sst, mich gleichg√ľltig macht, mich zum Zittern bringt, meine Z√§rtlichkeit und mein Begehren weckt, weil ich mit Dir √ľber alles reden kann (Du bedauerlicherweise aber nicht mit mir, naja und oje), weil Du viel Liebe brauchst (und ich nat√ľrlich meine f√ľr Dich am besten halte), manchmal traurig bist und ich Dich tr√∂sten m√∂chte. Weil Du Ruhe brauchst und bei mir m√ľde sein darfst.
Du bist der erstaunlichste Mann f√ľr mich, anregend, aufregend, erregend. Der Mann, f√ľr den ich alles aufgeben w√ľrde, bei dem ich vor Schwierigkeiten keine Angst h√§tte.


Das hatte sie vor langer Zeit einmal in ihr Tagebuch geschrieben.

Hatte sie am ersten Tag beim Wandern noch seine Hand gesucht, ihre in seine Jackentasche gesteckt, so gingen sie am dritten Tag nur noch nebeneinander wie ein altes Ehepaar, jeder seinen eigenen Weg, nur räumlich nahe.

Bevor er am dritten Tag den Bus verließ, streichelte sie noch einmal zärtlich seinen Arm, er stand auf, nahm seinen Koffer, "Paß gut auf dich auf", sagte er, stieg dann aus, ohne sich noch einmal umzuschauen.

Es kam dann noch einmal ein Anruf. "Bis bald!"

Und noch einmal wollte er die Zeit nicht nur anhalten, " ich will bei Dir sein, und dann soll die Zeit stille stehen..", hatte sie vor langer Zeit gesagt, zur√ľckdrehen m√ľsste er sie, bis zu dem Augenblick, als etwas verloren gegangen war, wann war das?

Was erwartest Du jetzt von mir? Was glaubst Du, wie sich das mit uns entwickeln wird? W√§rst Du froh, h√∂rte ich bald auf, Dich zu lieben? Ich frage nicht, wie Du das f√ľr mich selbst, sondern f√ľr Dich, aus Deiner Sicht siehst. W√§rst Du entt√§uscht von mir, wenn sich das langsam aufl√∂ste? Sag nicht, dass sei normal. Das mag so sein: nur w√§rst Du dann traurig, weil Du damit etwas verlieren w√ľrdest?

Er ging zu einer Telefonzelle, begann zu w√§hlen und legte dann aber wieder auf. Es hatte zu regnen begonnen, Aprilwetter! Tr√§nen liefen ihm √ľber das Gesicht, er hatte lange nicht mehr geweint. Eine alte Frau, die telefonieren wollte, seine Tr√§nen sah, fragte ihn: "Geht es Ihnen nicht gut?"
Er sagte: "Doch, doch, es ist nur der Aprilregen, der mir √ľbers Gesicht l√§uft, der wischt alles weg."









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>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann bei√üen sie hinein und sagen: ‚ÄěSchmeckt gar nicht wie Birne.‚Äú< (Max Frisch)

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MarenS
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Oh, dieser arme Idiot!
Das war mein erster Gedanke.
Der zweite:
Man kann nur tun, zu was man in der jeweiligen Lage fähig ist.
Später sagt man oft: Das war ein Fehler. Aber es war keiner, denn zu dem Zeitpunkt, als wir uns so und nicht anders entschieden zu handeln, konnten wir wohl nicht anders.
Wichtig ist, dazu zu lernen, den Mut zu haben Dinge umzust√ľrzen, Neues anzugehen.
Unser Klammern an gewohnten Dingen lässt uns oft kein Neuland betreten.
Mir gefällt deine Geschichte, Peter, sie ist gut erzählt.

Gr√ľ√üe von Maren

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bluefin
Guest
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also ehrlich gestanden, lieber @retep - man versteht die frau nicht so recht, vor allem ihren tagebucheintrag nicht. was mag an diesem typen denn so besonderes sein, das ihn vor anderen auszeichnet? aus dem text geht dazu nichts hervor - er tut sich selbst leid, wie so viele, und als er sein vormaliges g'spusi nach ein paar jahren wieder trifft, macht er sofort einen auf rammelmaier und langweilt sich danach wieder. auch wie so viele.

ebensowenig erfahren wir, was die ersch√ľtterung des protagonisten am ende glaubhaft machen k√∂nnte. die frage "w√§rest du traurig, wenn du mich verlieren w√ľrdest" allein reicht jedenfalls nicht. so lange nicht gesagt wird, was dem am ende schluchzenden denn da wirklich entgangen sein sollte, bleibt die geschichte eine ziemlich flache sache. u. a. hei√üt es da:

quote:
Seine Ironie, sein Husten und Schnarchen st√∂rten sie jetzt. Als er ihr damals erz√§hlte hatte, dass seine Frau bei seinem Schnarchen nicht schlafen k√∂nne, ihn sch√ľttele und trete, hatte sie gesagt: " Wie k√∂nnte mich so etwas an dir st√∂ren."
dem entnimmt der leser, dass die holde schon damals nur ein au√üereheliches verh√§ltnis war und dass ihr die bereitschaft, √ľber die unarten des protagonisten hinwegzusehen, abhanden gekommen ist - der einsatz rentiert ja nicht mehr. die anschlie√üende k√ľhne behauptung
quote:
Er verstand sie und sie ihn nicht mehr.
hat mich doppelt schmunzeln lassen. der typ hat bis ganz zum schluss nicht gerafft, worum's der frau eigentlich ging, aber sie hat am ende erkannt, dass er nur ein schnarchender langweiler war und ist.

da nach alledem kein zusammenfinden mehr ist, gibt's auch keinen trennungsschmerz. die tränen des prot können am ende also nur theatralische sein. vielleicht weint er ja seiner vergangenen jugend nach, wenn er "etwas" vermißt?

tipp: entweder die typen der geschichte so charakterisieren, dass deren handlungen tats√§chlich nachvollziehbar werden, oder aber das motto anders w√§hlen, z. b. "weil nichts bleibt", oder so √§hnlich - und dar√ľber filosofieren, warum man zeit nicht zur√ľckholen wollen darf, sondern immer in der leben muss, die gerade ist.

dann w√ľrz.

liebe gr√ľ√üe aus m√ľnchen

bluefin

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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Peter,

mir gef√§llt deine Kurzgeschichte, in die ich mich leicht einf√ľhlen kann.- Zeigt sie doch einmal mehr die Unf√§higkeit der (meisten) Menschen, auf Dauer zu lieben.

Formal gesehen freut es mich, dass es dir immer √∂fter & besser gelingt, dich auf das Wesentliche zu beschr√§nken, f√ľr mich eine Grundvoraussetzung gelungener Kurzgeschichten (wie der Name schon sagt ).

Die Protagonisten scheinen mir "austauschbar", zeigen sie doch letztendlich das "gleiche" Verhalten (ein weiterer Pluspunkt dieser Story).

Also: Juuut!
Heidrun

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Kafkarules
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Registriert: Apr 2009

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hallo retep,
ich w√ľrde mein Feedback zum Text nicht zu krass formulieren wie bluefin, denn ich finde schon, dass der Text etwas aussagt oder dass er etwas erz√§hlt, was wert ist erz√§hlt zu werden. Nicht √ľberzeugt hat mich aber, wie Du das Thema darstellst. Mir kommt der Text wie ein gro√ües Durcheinander vor, wo Du zwischen Orten, Personen und Zeiten hin und herspringst. Eine gute Kurzgeschichte hat f√ľr mich mit einer guten Struktur zu tun und einer kompakten Gestaltung. Nicht gut finde ich zun√§chst den Einstieg. Ich w√ľrde eine Geschichte nicht mit "Danach" beginnen. Au√üerdem erschlie√üt sich mir nicht, warum der Mann auf einen Anruf von ihr wartet. Warum ergreift er nicht selbst die Initiative und k√§mpft um seine Liebe und ruft die Frau an?
Vielleicht wäre es besser, die 3 Tage in chronologischer Reihenfolge zu erzählen.
Wichtig ist mir auch immer die Sprache und da finde ich, dass viele deiner Beschreibungen zu allgemein sind. Was z.B. habe ich mir unter "voller Z√§rtlichkeit hatte sie ihn geliebt" vorzustellen - da f√§nde ich es besser, bestimmte Ber√ľhrungen oder spezielle Handlungen der Person darzustellen. Zu allgemein sind auch Worte wie "ging" "sagte" oder sie "gingen nebeneinander". Hier k√∂nnte man stets fragen: Wie ging er? Wie sagte er es? Oder wie gingen sie nebeneinander? Dies kann man besser darstellen, indem man z.B. versucht f√ľr die Handlungen der Personen spezielle Beschreibungen zu finden (z.B. indem man unter "gehen" im Thesaurus nachsieht und dann ein anderes Wort w√§hlt).
Den Schluss finde ich allerdings sehr gut, vor allem den letzten Satz.
Viele Gr√ľ√üe
kafkarules

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Retep
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Morgen Kafkarukes,

quote:
ich w√ľrde mein Feedback zum Text nicht zu krass formulieren wie bluefin, denn ich finde schon, dass der Text etwas aussagt oder dass er etwas erz√§hlt, was wert ist erz√§hlt zu werden.
- so sehe ich das auch

quote:
Mir kommt der Text wie ein großes Durcheinander vor,
- das höre ich zum ersten Mal

- Das eine kompakten Gestaltung fehlt, meinst du. Ich hörte schon öfter das Gegenteil.

- Mit "danach" zu Beginnen halte ich f√ľr einen guten Einstieg und nicht nur ich.

quote:
Wichtig ist mir auch immer die Sprache und da finde ich, dass viele deiner Beschreibungen zu allgemein sind.
- das mag sein, das kann man sicher besser beschreiben, statt nur zu erzählen

quote:
Den Schluss finde ich allerdings sehr gut, vor allem den letzten Satz.
- freut mich. Den letzten Satz finde ich auch gelungen.

Ich danke dir, dass du dich mit dem Text beschäftigt hast. Wegen solcher konstruktiven Kommentare stelle ich meine Texte hier ein.

Gruß

Retep

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raggedy
Autorenanwärter
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Die story ist gut; das Thema auch. Denn ganz gleich wie oft diese Geschichte schon passiert sein mag, jeden Erzaehler (be)trifft es auf seine ganz eigne Art.
Ich stimme allerdings mit ((Kafkarules)) darin ueberein, dass Du die Handlung etwas straffer organisieren solltest. Am besten wohl chronologisch. Den Hoehepunkt der story wuerde ich nach dem Liebesakt plazieren. Ich wuerde den Erzaehler dann in die Ernuechterung schicken.

Eine Unklarheit: der Tagebucheintrag der Frau. Normalerweise waere der Eintrag nur ihr bekannt. Wieso kennt der Erzaehler ihn?


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Nothing fails like success because we don't learn from it. We learn only from failure. (K. Boulding)

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