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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Regenfahrt
Eingestellt am 12. 11. 2014 15:43


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Wolle
Hobbydichter
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Regenfahrt

Es ist stockdunkel und drau├čen tobt es. Die Scheibenwischer kommen kaum gegen die Wassermassen an. Mir ist kalt.
Unaufh├Ârlich prasselt der Regen aufs Autodach. An den Fensterscheiben ziehen Tropfen ihre Bahnen.
Ich fahre trotzdem schnell, zu schnell, bleibe durchg├Ąngig auf der linken Spur, ziehe an LKW-Riesen vorbei, den Blick starr geradeaus.
In mir tobt es, meine Gedanken ├╝berschlagen sich, fahren Karussell.
Immer wieder tauchen Szenen des vergangenen Tages vor meinem inneren Auge auf, setzen sich in meinem Kopf fest, lassen mich die letzten Stunden in Gedanken immer und immer wieder durchspielen.

Stunden sa├čen wir im Caf├ę und haben geredet, die Zeit vergessen.
Ich habe mich so verstanden gef├╝hlt. So unglaublich richtig in diesem Moment.
Alles so wunderbar-leicht und vertraut.
Lange Blicke in deine gr├╝ne Augen und ich habe pl├Âtzlich Angst.
Angst, mich zu verlieren. Ich kann das nicht.

Die Autos vor mir bremsen ab. Stau. Auch das noch.
Ich gehe auf die Bremse, werde langsamer. Langsamer und auch endlich ruhiger.
Das Auto kommt zum Stehen, und ich starre auf die R├╝ckleuchten der Autos vor mir.
Mein Handy vibriert, das Display leuchtet auf.
Dein Name auf dem Bildschirm reicht, um mir ein L├Ącheln aufs Gesicht zu zaubern.

Ich lese deine Zeilen und du schaffst es, mich gl├╝cklich zu machen ÔÇô mit ein paar S├Ątzen.
Einfach so.
Und ist es nicht das was z├Ąhlt ÔÇô dieses Gef├╝hl?

Ist es nicht total unwichtig, wie alt du bist, wie alt ich bin, wenn wir uns so viel zu sagen haben?
Hei├čt es nicht, Liebe ist blind? Wieso sollte ich mich dann nicht in eine Frau verlieben, die so ein wunderbarer Mensch ist und sich das Ganze einfach so richtig anf├╝hlt und nur f├╝r den Rest der Welt so unverst├Ąndlich ist.
Ist es nicht total unwichtig, was die Leute sagen werden?
Meine Mutter wird es vielleicht nach einiger Zeit akzeptieren, aber meinen Vater, so wie ich ihn hatte, werde ich verlieren. Weihnachten nicht mehr zu Hause verbringen k├Ânnen. Der Gedanke tut weh.
Aber der Gedanke macht mich auch w├╝tend. Es ist doch nicht zu viel verlangt oder? Ich kann das nicht l├Ąnger, mich verstellen, verstecken, nur um nicht aus der Reihe zu tanzen.

Ist nicht die Frage, auf wessen Seite tats├Ąchlich das Problem liegt?
Ist es nicht mein Vater, mein Umfeld, das an seiner Einstellung arbeiten muss.

Ist es nicht mein Leben, meine Entscheidung, wie ich es gestalte?
Wieso soll falsch sein, was sich so leicht und gut und richtig anf├╝hlt?
Nur weil meine Eltern ein vorgefertigtes Bild meiner Zukunft haben?
Ein gebildeter, gutaussehender Mann an meiner Seite, ein Haus und Kinder?

Das f├╝hlt sich aber gerade einfach so falsch an. Das bin ich nicht. Nicht mehr.
Und habe ich nicht gelernt, auf meine innere Stimme zu h├Âren, meinem Gef├╝hl zu trauen?
Es ist nicht meine Aufgabe, allen anderen zu entsprechen.
Ich bin erwachsen, ich bin nicht mehr das kleine abh├Ąngige M├Ądchen, der Spielball aller Interessen und Launen. Daran muss ich mich nur immer wieder erinnern.
Ich wei├č eigentlich sehr gut wer ich bin. Und ich wei├č, was ich f├╝hle und was ich mir w├╝nsche.

Die Autos vor mir fahren wieder. Ich drehe den Z├╝ndschl├╝ssel und starte den Motor. Langsam fahre ich an. Der Regen hat nachgelassen und die Scheibenwischer gleiten fast tr├Ąge ├╝ber die Windschutzscheibe.
Der Stau l├Âst sich auf.
Die ├╝bern├Ąchste Abfahrt und ich bin fast zu Hause.

Wenn ich die T├╝r aufschlie├če, wird mir Sira schon schnurrend entgegenkommen und mich begr├╝├čen.
Ich werde meinen Mantel in den Flur h├Ąngen und Teewasser hei├č machen.
Und dann werde ich nach dem Telefon greifen und mit zitternden Fingern deine Nummer w├Ąhlen.







Version vom 12. 11. 2014 15:43
Version vom 19. 11. 2014 21:19

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DocSchneider
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In Deiner Geschichte fehlt mir ein Blick auf die Mutter. Und auch ein Hinweis darauf, dass ein Coming-Out l├Ąngst ├╝berf├Ąllig ist. Die Prot ist ja nicht von heute auf morgen lesbisch.

Der Hinweis "Du bist 13 Jahre ├Ąlter - und du bist eine Frau" kommt m.E. zu fr├╝h und hebt die Spannung auf.

Sonst gute Ans├Ątze der Stimmungserfassung!


Viele Gr├╝├če von DocSchneider

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Wolle
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Habe die Aufl├Âsung, dass es eine Frau ist, in die sich der Prot verliebt hat, sp├Ąter eingeschoben und auch die Mutter einbezogen ...

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