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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Regenroman
Eingestellt am 04. 09. 2003 00:26


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Grit1962
???
Registriert: Jul 2003

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Karen Duve, 1961 in Hamburg geboren, schafft es auf fast magische Art den Leser in ihren Bann zu ziehen. Das gelingt ihr durch ihre unumschweifliche, direkte Wortwahl, verbunden mit dem nötigen Tiefgang fĂŒr die Emotionen ihrer meist merkwĂŒrdig anmutenden Protagonisten. Die magersĂŒchtige Ehefrau des Schriftstellers Leon, die ihren Namen Ă€ndert um seiner Liebe gerecht zu werden und erkennt, das sie sich nie selbst gerecht wird, wenn sie sich in AbhĂ€ngigkeiten begibt, die sie immer wieder kotzen lassen. Die neuen Nachbarn im Moor. Geheimnisvoll und derb kommen die so unterschiedlichen Schwestern daher. WĂ€hrend die eine um die Gunst der MagersĂŒchtigen buhlt, schwebt die anderen in moorlastigen SpĂ€hren, auf der Suche nach sexueller Lust, die sie trotz ihrer Körpermassen findet und gerade dort, wo es keiner vermutet hĂ€tte. Das diese Geschichte ein blutiges Ende findet, ist mehr ein symbolischer Akt der Befreiung und wird als ein Aufatmen empfunden, der den zwischenzeitlich auch humorigen Roman letztendlich zu einem wahren Meisterwerk macht.


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Grit62

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jon
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Anfrage: Heißt der Roman "Regenroman"?

Um aus diesem Lesetipp eine (nicht unĂŒble) Kurz-Rezension zu machen, muss im Anlauf oder Abspann nochmal explizit Autor und Titel sowie der Verlag (und möglichst das Erscheinungsjahr) genannt werden.

Details:
* An dem Satz „Die magersĂŒchtige Ehefrau des Schriftstellers Leon, die ihren Namen Ă€ndert um seiner Liebe gerecht zu werden und erkennt, das sie sich nie selbst gerecht wird, wenn sie sich in AbhĂ€ngigkeiten begibt, die sie immer wieder kotzen lassen.“ stimmt was nicht

* Es heißt „SphĂ€ren“.
* Es heißt: "Dass diese Geschichte
"
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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Grit1962
???
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Nun regnet es... ;-)

Hallo Jon,

lieben Dank fĂŒr deine konstruktive Kritik. Das war ein Versuch fĂŒr mich und ich nehme deinen Vorschlag gerne an.

Ja....Regenroman, so heißt das Buch, wirklich lesenswert ĂŒbrigens.

Gruß Grit
__________________
Grit62

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Parsifal
Guest
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Karen Duve

Hallo jon,

gelegentlich ist es gut, das GedĂ€chtnis eines Elefanten zu haben und vor allem zu wissen, wo man etwas abgelegt hat. In diesem Fall handelt es sich um eine Kritik zu Karen Duves REGENROMAN. Ich möchte damit keine Kritik an Grits Besprechung ĂŒben, sondern nur an einem Beispiel aufzeigen, wie unterschiedlich Rezensionen ausfallen können.
Hier die Kritik:

Sprachlich gibt es am REGENROMAN nicht viel zu mĂ€keln, keine stilistischen MĂ€tzchen, kein Geraune. Die Duve schreibt eine flotte Feder, ehrlich, direkt, ohne Schnörkel. ErzĂ€hlerisch fĂŒhlt man sich bei ihr vom ersten Satz an in guten HĂ€nden, eine gewisse epische Stimmung entfaltet sich fast spielerisch, und das versteht sich keineswegs von selbst in der neudeutschen Literatur, ganz im Gegenteil. Doch dann, schon nach 30, 40 Seiten beginnt die Geschichte abzusacken. Es regnet pausenlos, alles ist voller Schnecken.
Schlimmer ist, die Sache wird zu schnell durchschaubar. Dösiger als die Polizei erlaubt stellt sich der Held des Buches an, Leon, ein schwach begabter Schriftsteller, der als Mietschreiber gegen fette Löhnung die Biographie eines Hamburger ZuhÀlters verfassen soll. Dabei tut er alles, um seinen Auftraggeber zu vergrÀmen, und Martina, seine Gattin, agiert nicht wesentlich gescheiter, wÀhrend es immer weiter regnet und regnet und das Wasser steigt.
Hat sich der noch geneigte Leser, zunehmend ratloser um den Sinn des Ganzen, bis dahin durchgefrettet, schlĂ€gt das Buch um. Leon erledigt seine Aufgabe nicht in der gewĂŒnschten Weise, versucht trotzdem linkisch, seine SchĂ€fchen noch ins Trockene zu bringen, da sieht Harry, der ZuhĂ€lter, rot. Brutal nimmt er Rache nach alter ZuhĂ€lterart durch eine Vergewaltigung an Martina, ’comme il faut‘, und leider beschreibt es die Duve so, ’comme il faut‘, will heißen ĂŒberflĂŒssig genau, kein Detail bleibt dem Leser erspart.
Das hat einen merkwĂŒrdigen Effekt. Die sinnlos prĂ€zise Darstellung des Gewaltaktes vergewaltigt auch den Roman, er zerbricht. Die wĂŒtende Schonungslosigkeit, ja Besessenheit der Beschreibung will durchaus nicht zum gemĂŒtlich-netten, harmlos-ironischen Plauderton des restlichen Buches passen. Unverhofft wie ein Flaschengeist erscheint die real existierende Autorin Duve erinnyenartig im Text und fuscht der fiktiven ErzĂ€hlerin ins Handwerk.
Wir konstatieren groben Stilbruch. Warum bricht die Autorin retrograd ihr episches Versprechen? Sie hÀtte andere Lösungen finden können. Will sie uns etwas mitteilen, das sie persönlich beschÀftigt, das sie gar verarbeiten, schlimmer: bewÀltigen will?
Wir wissen es nicht, und so genau wollen wir es auch gar nicht wissen, private Mitteilungen von Autoren schĂ€tzen wir nicht, aber wir vermuten etwas. Durch die Vergewaltigungsszene, genauer deren Beschreibungsweise fiel uns die extrem klischeehafte Darstellung der Geschlechter in diesem Buch plötzlich stark ins Auge. Die MĂ€nner, die hier auftreten, sind sĂ€mtlich eitel, egoistisch, dumm und grĂ¶ĂŸenwahnsinnig, sie sind pervers und fetischistisch, sie sind ZuhĂ€lter und Vergewaltiger. Die Frauen dagegen sind Opfer, manchmal etwas hysterisch-neurotisch, aber ansonsten intelligent, geheimnisvoll, melusinenhaft, sinnlich und kommunikativ.
Offensichtlich ist das Buch sexistisch, mĂ€nnerfeindlich, aber das allein wĂŒrde uns nicht weiter stören. Uns stört, daß wir gelinkt wurden. Die Autorin weckt Erwartungen, die sie nicht befriedigen kann, um am Ende ein billiges Ressentiment zu verkĂŒnden.
Wir nennen so etwas Mißbrauch, und vermutlich war das Vorsatz, verkrustete Lesererwartungen sollten wieder einmal aufgebrochen werden, man wollte uns belehren. Eigentlich hatten wir gedacht, diese Masche wĂ€re lĂ€ngst vorbei.
Mit anderen Worten: Dieses Buch ist eine besonders faule Nummer, man könnte sogar sagen, BĂŒcher wie diese sind doppelt schlecht, weil ihre Autoren die Fertigkeit besitzen, ein gutes Buch zu simulieren, und von Simulation lĂ€ĂŸt sich die deutsche Rezensentenschaft jederzeit gerne einlullen. (Merke: einfach schlechte BĂŒcher erkennt gelegentlich auch Volker Hage).
Und das ist dann schade, doppelt und dreifach.


Nachdenklich
Parsifal

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jon
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Danke fĂŒr diese GegenĂŒberstellung! Weit mehr als die unterschiedliche Meinung zum Buch und die unterschiedliche LĂ€nge des Textes werden hier zwei völlig verschiedene AnsĂ€tze sichtbar – und zwar die beiden Extreme der Skala.

Grits Text ist ein typisches Beispiel fĂŒr eine (empfehlende) Kurzrezension, wie sie in Tages- oder Wochenzeitungen eingesetzt werden. Alles, was so ein Text will, ist einen Vorabeindruck zu vermitteln: Grundstimmung, Sujet, Lesbarkeit. Infos zum Autor und zum BĂŒcher-Umfeld sind belanglos. Das Buch wird als Schmökerstoff betrachtet, als Unterhaltung. Und eigentlich ist es dem Rezensenten egal, was der Leser dann aus dem Buch herausliest – Hauptsache, er liest es. (Sorry Grit, das hört sich zwar ein bisschen böse an, ist aber als Tendenz dieser Art Rezi gemeint.)

Parsifal dagegen legt "literarische MaßstĂ€be" an. Das ist die eher klassische Rezension. Sie zielt „nur“ darauf ab, dass der Leser das Buch – wenn es es liest – aufmerksam liest, dass er unter die OberflĂ€che der Unterhaltung schaut. Ziel ist also nicht, den Rezi-Leser zum Buchleser zu machen. (Sorry Parsifal, aber tendenziell wendet sich so eine Rezi doch eher an Leute, die das Buch ohnehin lesen wĂŒrden
)

Der grĂ¶ĂŸere Teil der Rezension, die einem Nicht- oder Hobby-Literaten im Alltag begegnen, gehören eher zur ersteren Variante (auch in den „Buch-Empfehlungen“ der Leselupe!). Das ist gut – man kann nicht genug Leute zu Lesern machen.
Zu oft aber fehlt der literarische Aspekt, der ganz nebenbei und unaufdringlich dem Schmökerer eine gewissen Kontrolle darĂŒber in die Hand gibt, nicht jedem Trend zu erliegen, damit Lesen neben der Unterhaltung auch Erfahrung bringt.
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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