Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92207
Momentan online:
334 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Regensburg
Eingestellt am 06. 05. 2001 22:36


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Omar Chajjam
???
Registriert: Feb 2001

Werke: 83
Kommentare: 194
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Regensburg

Das Café am Bahnhof

Ich mag nicht klagen, aber ich fĂŒhl mich hier nicht wohl. Eigentlich möchte ich weg aus Regensburg. Immer wenn ich den Eurocity einfahren hör, drĂŒben in den Bahnhof, den nach Budapest, denk ich an den Plattensee und an die große ungarische Stadt. Dann wĂ€r ich gern ein CafĂ© aus der GrĂŒnderzeit mit eleganten Damen und Herren an meinen mit den Blumen des Tages geschmĂŒckten CafĂ©haustischchen, die ĂŒber die neueste serbi-sche Krise plaudern und sich ĂŒber den Kaiser in Wien Ă€rgern. Statt dessen stehe ich hier dumm herum in Regensburg – oder vielmehr, die Leute sitzen in mir dumm herum und trinken KlosterbrĂ€u statt Kaffee. Ja, so sinds halt, die Regensburger.

Man kanns kaum glauben, daß hier amal die Residenz der bayerischen KurfĂŒrsten war und daß hier Reichstage abgehalten wurden. Am Bahnhof merkt man sowieso nichts da-von. Hier kommen nur Reisende her, wenns draußen regnet in Regensburg, die gleich erschrecken und schnell wieder gehen wollen oder Rentnerinnen, die sich beim Bier eine warme Nase holen.

Die Sprache der Regensburger kann ich auch nicht richtig verstehen, trotzdem ich schon so lange da bin. Manchmal ertapp ich mich dabei, daß ich a bisserl Dialekt spreche und dann schĂ€m ich mich vor meinen Kollegen in Wien. Eigentlich bin ich ja gar kein richtiges CafĂ© mehr, seit sie bei mir Pizza und Spaghetti bestellen können und ein italienischer Be-sitzer der Chef ist. Der hiesige Dialekt hat sowieso nur wenig mit dem Deutschen gemein-sam. Er ist auch inhaltlich auf das Wesentliche reduziert wie „I hĂ€d gern noa Bia“ oder „Hams vieleichd noa Semml“, daß einem ehemals anstĂ€ndigen CafĂ© wie mir die Sau graust.

Die schönste Zeit hatt ich ĂŒbrigens damals, als ich ĂŒber und ĂŒber mit roten Fahnen ge-schmĂŒckt war. Das war , als die MĂ€nner mit den braunen Uniformen und den SchnurrbĂ€r-ten unter den roten Nasen bei mir einkehrten mit kleinen, schĂŒchternen Frauen am Arm. Heut stehen statt des Fahnenschmucks nur Plastikblumen und durstige Zimmerpflanzen auf meinen FensterbĂ€nken. Nur die gleichen kleinen Frauen kommen immer noch zu mir – und manchmal, aber immer seltener auch die gleichen MĂ€nner, aber ohne die Unifor-men. Und sie unterhalten sich immer noch ĂŒber die gleichen Themen in ihrer fremdartigen Sprache. Nur, daß sie sich nicht ĂŒber Juden auslassen, sondern von den AuslĂ€ndern re-den, die sie rauswerfen möchten, aus Regensburg.

Dann möcht ich als CafĂ© ganz weit weg sein, weiter noch als bis Budapest. Denn da stamm ich eigentlich her, aus der TĂŒrkei.


Das Theater

Ich wird gerade umgebaut, daher fĂŒhl ich mich innerlich so leer, ganz ohne Schauspieler und Besucher. Aber im Grund geht’s mir gut, ich kann mich vom Regensburger Publikum erholen. In den letzten Jahren sind mir die vielen Abonnenten schon ganz schön auf die Nerven gegangen mit ihren ewiggleichen Themen „Wie gehds eana denn. Scho long nimma gseng. Des moderna Zeig mogi ned, oba mei Abo bhold i“. Trotzdem, ein bißchen fehlt mir der Duft der Frauen in den Abendroben und schwarzen Kleidchen.

Bald bin ich ja fertig geputzt. Dann kommt ganz sicher der bayerische MinisterprĂ€sident zu meiner Einweihung und hĂ€lt a Red. Das wĂ€r dann ein Höhepunkt in meinem Leben. Dann gebens sicher die CzardasfĂŒrstin. Zum Wagner reichts ja nicht richtig bei dem un-terbesetzten Orchester. Wenn das alles so kommt, dann soll nur noch amal einer sagen, daß ich eine ProvinzbĂŒhne bin und daß die TĂ€nzerinnen nur in der Gegend herumham-peln, wenn sie einen echten Czardas tanzen. Ich bin immer noch ein Dreispartentheater und das sind andere schon lange nicht mehr. Verzeihns mir ĂŒbrigens meine Aussprach, aber ich bin ja schließlich der kulturelle Höhepunkt der Oberpfalz.


Die Donau

Also, ich bleib nicht hier in Regensburg. Lieber fließ ich ins Schwarze Meer. Servus.





Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Omar Chajjam
???
Registriert: Feb 2001

Werke: 83
Kommentare: 194
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Ohne Antwort geblieben

Bearbeiten/Löschen    


Kadra
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Omar!

Du wirst wohl damit leben mĂŒssen, dass einige deiner Sachen ohne Antwort bleiben. Mich wundert die Art, wie du hier (immer wieder) Feeback einforderst, ohne jedoch selbst zu anderen Autoren Kommentare zu verfassen.

Gruss von
Kadra

Bearbeiten/Löschen    


Omar Chajjam
???
Registriert: Feb 2001

Werke: 83
Kommentare: 194
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Wo ist die Logik?

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!