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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Regents Park
Eingestellt am 24. 07. 2008 11:44


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Alexander Hill
Hobbydichter
Registriert: Jul 2008

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„Du kannst immer noch aufhören, wenn du willst.“ Kazinsky warf Sarah einen beschwörenden Blick zu.

„Nein, Will“, sagte Sarah. „Der Typ muss zur Strecke gebracht werden.“ Mit der rechten Hand zog sie ihre Smith & Wesson .38 Special aus dem Schulterholster. Sie ĂŒberprĂŒfte die Patronen im Licht der Straßenlaterne und steckte die Waffe wieder weg. Innerlich biss sie die ZĂ€hne zusammen, um Will ihre Unsicherheit nicht bemerken zu lassen.

Kazinsky sah ihr in die Augen. „OK, wenn du keinen RĂŒckzieher machen willst, legen wir los. Sieh zu, dass du dich nicht verlĂ€ufst. Viel GlĂŒck!“ Kazinsky startete seinen Wagen und liess sie am Parkeingang stehen.

Sarah sah dem Rover nach. Will wĂŒrde das letzte StĂŒck durch den Park absichern. Die anderen waren bereits im Park verteilt. Jetzt war sie allein. Einen kurzen Moment lang dachte sie an Paul. Was gĂ€be es schöneres, als jetzt mit ihm gemĂŒtlich auf der Couch zu sitzen, ein Glas Rotwein, ein gutes Buch.

Sarah atmete noch einmal tief durch. „Ich geh’ rein“, sagte sie in Richtung des verborgenen Mikrofons an ihrem Revers. Sie drehte sich um und musterte den vor ihr liegenden Weg in die Dunkelheit. Ein kalter Schauder lief ihr ĂŒber den RĂŒcken. Von der gut beleuchteten Straße aus gesehen war der Park fast pechschwarz. Nur wenige Laternen verbreiteten mĂŒdes Licht ĂŒber den mit Kies bestreuten Weg. Ihr Kopf juckte wie verrĂŒckt unter der PerĂŒcke, aber der Killer stand nun mal auf Blondinen.

Nach einem tiefen Atemzug machte sie die ersten Schritte.

Rechts von ihr standen die KlettergerĂŒste eines Kinderspielplatzes. Das kalte Mondlicht ließ die Umrisse von BĂŒschen und BĂ€umen erkennen. Sarah war dankbar dafĂŒr, dass der berĂŒchtigte Londoner Nebel heute ausgeblieben war.

Der Weg leitete sie auf eine HolzbrĂŒcke zu, die zu einer kleinen, bewaldeten Insel in einem Seitenarm des Sees fĂŒhrte. Das Licht der letzten Straßenlaterne hinter ihr verlor sich im Strauchwerk am Ufer des Sees. Auf der etwa hundert Meter langen und zwanzig Meter breiten Insel befand sich nur eine Laterne, die noch dazu von BlĂ€ttern umrankt war.

Vor der BrĂŒcke blieb Sarah kurz stehen. Hier begann der Abschnitt ihres Weges, der jederzeit mit einem aus den BĂŒschen springenden Serienkiller enden konnte. Ihre Augen versuchten, das Schwarz der Vegetation zu durchdringen. Ihre Ohren reagierten auf das kleinste Rascheln. Aus dem Zoo am anderen Ende des Parks klangen GerĂ€uschfetzen bis hierher. An ihren Unterarmen stellten sich die Haare auf. Auf der anderen Seite der Insel musste Detective Sloman irgendwo stecken. Sie biss die ZĂ€hne zusammen und rief sich mit Gewalt zur Ordnung.

„Ich bin gut ausgebildet“, versuchte sie, sich Mut zu machen. „Ich kann das. Der Kerl soll nur kommen!“

„Sarah, alles in Ordnung?“, meldete sich Will ĂŒber ihren Ohrenstöpsel. Sarah war so ĂŒberrascht, dass sie einen kurzen, spitzen Schrei ausstieß. Sie hatte ihr Motivations-Mantra wohl aus Versehen laut ausgesprochen

„Will, verdammt noch mal, ich versuche mich zu konzentrieren. Halt’ die Klappe.“

Sie schloss die Augen, atmete tief ein und aus. Durch den Park gehen, auf GerĂ€usche achten, Pistole griffbereit, Selbstverteidigungsgriffe fĂŒr den Notfall. Sie ging alles noch mal wie auf einer Checkliste durch. Mit geflĂŒsterten Worten meldete sie ihre Position: „Ich komme jetzt zur Insel.“

Dann ĂŒberquerte sie die BrĂŒcke.


***


Der Weg vor ihr war nur noch ein dunkelgrauer, schemenhafter Streifen im Schwarz der Nacht. Sie wusste, dass nach ein paar Metern eine helle Lichtung kam, aber diese war durch ein paar BĂŒsche und eine Wegbiegung abgeschirmt. Sie drehte sich um und warf einen sehnsĂŒchtigen Blick auf die helle Sicherheit der beleuchteten Straße. „Reiß dich zusammen“, schalt sie sich. Langsam setzte sie einen Fuß vor den anderen. Die dunklen BĂŒsche und BĂ€ume rechts und links schufen einen Tunnel aus Dunkelheit. Schatten schienen nach ihr zu greifen. Sie beschleunigte ihre Schritte, um die erdrĂŒckende SchwĂ€rze schneller hinter sich zu lassen.

Zögernd trat sie auf die Lichtung. Alle Sinne waren aufs Ă€ußerste gespannt. Ein Rascheln schickte ihr einen Adrenalinstoß durch den Körper. UnwillkĂŒrlich ging sie in die Hocke und griff mit ihrer Hand nach der Waffe. Scharf musterte sie den Bereich, von dem das GerĂ€usch gekommen war. Sie sah unterhalb der Laterne einen metallenen MĂŒlleimer, der fĂŒr den tĂ€glichen Andrang an Besuchern eindeutig zu klein war. Der meiste MĂŒll lag um den Eimer herum verstreut. Sie atmete auf. Ratten. Sie hasste Ratten.

Die beiden Ratten verzogen sich ins GebĂŒsch und Sarah ging langsam ĂŒber die Lichtung. Nach der Überquerung einer weiteren, kurzen HolzbrĂŒcke hatte sie den See hinter sich. Sie blieb kurz stehen, atmete tief durch und sah sich vorsichtig um.

Der Weg gabelte sich vor ihr. Ihr Auftrag war, möglichst lange im Park zu bleiben. Bei einer Strecke von geschĂ€tzten 1500 Metern wĂŒrde sie bei flotter Gangart etwa zwanzig Minuten fĂŒr den ganzen Weg brauchen, bis sie wieder in Sicherheit war. Niemand ging um Mitternacht langsam durch einen verlassenen Park.

Sie nahm wie abgemacht den Weg am Seeufer entlang. „Ein romantisches Fleckchen“, dachte sich Sarah. Der See zu ihrer Rechten, das sanfte Mondlicht, das sich darin spiegelte, der schön gepflegte Park um sie herum, ParkbĂ€nke, die am Ufer verstreut waren. Das alles lud zu einem Abendspaziergang geradezu ein. Sie ging gerne mit Paul abends spazieren. Seine starken Schultern gaben ihr die Geborgenheit, die sie so brauchte. Aber Paul hatte auch Geheimnisse. Sie wusste, dass sein Einsatz in Afghanistan tiefe Narben hinterlassen hatte, ĂŒber die er immer noch nicht mit ihr sprechen konnte.

Sie schweifte schon wieder ab. Sie ließ wĂ€hrend des Gehens den Blick schweifen. Von Sloman, der hier irgendwo stecken musste, war nichts zu sehen und zu hören. Kein Mensch traute sich nachts hier her, weil der von den Medien weidlich ausgebeutete „SchlĂ€chter vom Regent’s Park“ bereits drei junge Frauen ermordet hatte. Jedes Mal war ein ziemlich großes Messer im Einsatz gewesen. Sarah hatte die Bilder deutlich vor Augen. Durchschnittene Kehle. Zerfetzte Kleidung. Alle blond. Alle vergewaltigt. Meistens an Wochenenden, gegen Mitternacht. Die drei Morde hatten sich ĂŒber vier Monate hingezogen. Der Plan war, dass Sarah regelmĂ€ĂŸig an den nĂ€chsten Wochenenden als Lockvogel nachts durch den Park wanderte. Paul hatte VerstĂ€ndnis fĂŒr ihre extremen Arbeitszeiten. Allerdings wusste er nicht, an welchem Fall sie genau arbeitete. Sonst hĂ€tte er ihren „Spaziergang“ verboten, da war sie sich ganz sicher. Sie kam an eine weitere BrĂŒcke, die wieder auf die andere Seite des Sees fĂŒhrte.

Plötzlich lief ihr ein Schauer ĂŒber die Oberarme und den RĂŒcken. Sie wurde beobachtet! Ihre Nackenhaare stellten sich auf. Bildete sie sich das nur ein? Sie lenkte ihre Schritte nĂ€her an das linke BrĂŒckengelĂ€nder und suchte aus den Augenwinkeln hektisch die Umgebung ab. Da! War da nicht eine Bewegung in den BĂŒschen? Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Das Blut rauschte in ihren Ohren. Sie hatte plötzlich einen Kloß im Hals.

Trotz der angenehmen Temperatur rann ihr ein Schweißtropfen das RĂŒckgrat entlang. Sie war wie gelĂ€hmt. Da war eine Bewegung gewesen! Sie war ganz sicher. Irgendwas in den BĂŒschen am anderen Ufer des Sees. Jetzt konnte sie keine Bewegung mehr erkennen. War das Miller? Unter ihr plĂ€tscherte Wasser. Erneut zuckte sie zusammen. Die BrĂŒcke lag in fast völliger Dunkelheit. Am jenseitigen Ufer neben den BĂŒschen war wieder eine Laterne. „Ich bin jetzt bei der großen BrĂŒcke“, flĂŒsterte Sarah. „Ich denke, da war eine Bewegung in den BĂŒschen.“

Aus ihrem Ohrhörer kam nicht der leiseste Ton. Sarah sah unsicher auf ihr Revers, wo das Mikrofon verborgen war. „Will?“, flĂŒsterte sie. Ein kurzes Rauschen im Ohr war die einzige Reaktion. War der Funk ausgefallen? Das war unmöglich! „Will, verdammt, meldet euch!“ sagte sie etwas lauter. Wenn der Funk ausgefallen war, musste sie die Aktion abbrechen. Andererseits hatte sie bereits mehr als die HĂ€lfte des Weges hinter sich gebracht. Was sollte sie tun? Wenn sie zurĂŒck ging und der Funk wieder funktionieren sollte, blamierte sie sich womöglich. Andererseits: ihre Helfer waren so verteilt, dass sie ziemlich gut geschĂŒtzt war. Notfalls konnte sie auch um Hilfe rufen.

Sie spĂŒrte einen Druck auf der Blase. Sarah atmete mehrmals tief ein und aus und spĂŒrte, wie das Zittern nachließ. Langsam bewegte sie sich weiter, setzte einen Fuß vor den anderen, mit der linken Hand auf dem BrĂŒckengelĂ€nder. Mit weit aufgerissenen Augen musterte sie das gegenĂŒberliegende Ufer. Nichts zu sehen. Ihr Puls raste. Sie widerstand der Versuchung, die Waffe zu ziehen. Jeder Schritt bedeutete eine Überwindung, die sie bis heute nicht fĂŒr möglich gehalten hatte. „Paul, hilf mir!“ dachte sie. Ihre Liebe war ihr eine StĂŒtze. Sie wĂŒrde das hier schaffen. Bald wĂŒrde sie wieder in seinen starken Armen liegen und ĂŒber ihre Angst lachen!

Etwas entschlossener ĂŒberquerte sie die BrĂŒcke. Sie tat die Bewegung, die sie gesehen hatte, schon als Einbildung ab. Ihre ĂŒberreizten Nerven hatten ihr mit Sicherheit einen Streich gespielt. Sarah bezweifelte, dass sie nach dieser Nacht ĂŒberhaupt jemals wieder einen Fuß in einen nĂ€chtlichen Park setzen wĂŒrde.

Sie erreichte den Inner Circle, eine ringförmigen Weg um eine zentrale ParkflĂ€che. Hier war die Beleuchtung ein wenig besser und Sarahs Puls beruhigte sich etwas. Der schwierigste Teil stand ihr allerdings noch bevor. Um den Park zu durchqueren, musste sie den Weg weiter gehen, und der fĂŒhrte wieder durch dichtere Vegetation.

„Bin jetzt am Inner Circle“, gab Sarah wieder flĂŒsternd ihre Position durch. Keine BestĂ€tigung. Vielleicht war nur der Ohrhörer ausgefallen und die anderen konnten sie trotzdem hören?

Zögernd setzte sie sich wieder in Bewegung. Noch immer hatte sie das unangenehme GefĂŒhl, dass sie angestarrt wurde. Dass ihr Blicke folgten. Mittlerweile war sie wieder im Halbdunkel unter den BĂ€umen.

Vor ihr in den BĂŒschen bewegte sich etwas. Sie erstarrte. „Geh weiter, verdammt“, sagte sie sich. Etwas fiel durch die BlĂ€tter. UnwillkĂŒrlich stockten ihre Schritte. Was war das? Keine weitere Bewegung. Wahrscheinlich nur ein kleiner Ast, der sich gelöst hat.

Erst jetzt merkte sie, dass sie ihre Hand um den Griff ihrer Waffe geklammert hatte. MĂŒhsam lockerte sie ihre verkrampften Finger und entspannte sich. Als sie gerade wieder weitergehen wollte, wusste sie plötzlich, dass sie sich auf die falsche Stelle konzentriert hatte. Das GefĂŒhl, dass jemand hinter ihr stand, wurde geradezu ĂŒbermĂ€chtig.


***


Mit brutaler Kraft legte sich eine Hand auf ihren Mund und riss ihren Kopf zurĂŒck. Sie bekam nur ein krampfhaftes Stöhnen durch die Nase heraus. Etwas Kaltes, Gemeines, Scharfes, legte sich auf ihre Kehle. Sie erstarrte. Es war zu spĂ€t. Der Killer hatte sie erwischt. Welche Optionen blieben ihr noch? „Weglaufen!“, schrieen alle ihre Sinne. Sie konnte nicht weglaufen. Jede Bewegung hĂ€tte ihren Kopf vom Körper getrennt. „Waffe“, blitzte in ihrem Kopf auf, und „Kazinsky“. Diese Dinge liefen ihr im Bruchteil einer Sekunde durch den Kopf. Alles war blockiert. Ihre ganze Ausbildung, ihre Waffe, ihre Begleiter, alles reduziert auf die scharfe Klinge, die an ihrem Hals lag. All die sorgfĂ€ltigen Planungen, Besprechungen, Vorbereitungen wirkten lĂ€cherlich im Vergleich zu der brutalen RealitĂ€t des Messers an ihrem Hals.

Der Angreifer hatte sie zu sich hingezogen, so dass er sich jetzt an ihren RĂŒcken schmiegen konnte. Eine gierig verzerrte Stimme flĂŒsterte ihr zu „Na, SĂŒĂŸe, so spĂ€t noch unterwegs?“

Die Hand vor ihrem Mund erstickte sie fast. Verzweifelt sog sie durch die Nase Luft ein. Ihr Puls raste, Schweiß rann ihr von der Stirn. Sie hatte die Augen unnatĂŒrlich weit aufgerissen und versuchte, einen Blick auf den Mann zu werfen, ohne den Kopf zu bewegen. Er war grĂ¶ĂŸer und wesentlich stĂ€rker als sie. Seine Hand lag wie eine Stahlklammer auf ihrem Mund.

Der Killer beugte sich vor und brachte seinen Mund dicht an ihr Ohr. „Ich nehme dir jetzt die Hand vom Mund, SĂŒĂŸe. Wenn du einen Mucks von dir gibst oder dich auch nur ein wenig bewegst, bist du tot!“ Bei diesen Worten zog er das Messer unter Sarahs Kinn ein wenig nach oben, so dass sie sich unwillkĂŒrlich auf die Zehenspitzen stellte. Langsam löste der Mann seine Hand von Sarahs Mund. Sie wagte kaum zu atmen. Sie spĂŒrte deutlich, dass das riesige Messer ihr bereits einen Schnitt zugefĂŒgt hatte.

Der Mann tastete sie ab. Ihr Ekel war kaum in Worte zu fassen. Dieses Schwein. Langsam gewann die Wut Oberhand ĂŒber ihre Furcht. Wenn sie schon so gut wie tot war, wollte sie keine Gelegenheit auslassen, diesen Wichser mitzunehmen.

Seine HĂ€nde wanderten langsam ĂŒber ihren Oberkörper und stutzten, als sie auf das Schulterhalfter trafen. „Was haben wir denn hier?“ fragte er und nesselte die 38er aus der Halterung. „Waren wir doch nicht so schutzlos unterwegs, was?“ Diese Stimme. Irgendwas irritierte sie an der Stimme. Sie konnte nicht den Finger drauf legen, aber etwas stimmte nicht.

„Lass das Messer locker“, wĂŒnschte sie sich in Gedanken. „Lass das Messer nur etwas lockerer und ich mache dich kalt“.

Der Mann steckte die 38er weg und fuhr ihr mit den Fingern durch die PerĂŒcke.

„Was zum...“ fing er an zu fluchen, als sich die falschen Haare lösten und ihre dunklen, hochgesteckten Haare plötzlich zum Vorschein kamen. Der Ohrhörer verfing sich in der PerĂŒcke und wurde aus ihrem Ohr herausgerissen. Der Mann starrte die PerĂŒcke und das Kabel mehrere endlose Sekunden an. „Verdammte Scheiße. Du bist ein Bulle“, rief er, nahm das Messer weg und stieß sie im gleichen Augenblick grob nach vorne, so dass sie stolperte und in den Kies fiel.

„Dreh dich um“, forderte er mit hysterischer Stimme. Sie drehte sich um und saß jetzt vor dem Killer auf dem Boden. Er trug eine schwarze Skimaske. Sie fĂŒhlte, wie etwas Warmes an ihrem Hals herab lief. Blut! „Sind hier noch mehr von euch in der NĂ€he?“, fragte er, wĂ€hrend er mit der 38er vor ihr herumfuchtelte. „Antworte!“

„Hier kommst du nicht mehr raus“, gab Sarah trotzig zurĂŒck „Lass mich laufen, dann wird’s leichter fĂŒr dich.“

Er lachte hĂ€misch. „Vielleicht wird’s schwer fĂŒr mich, aber fĂŒr dich wird es hĂ€sslich.“ Das letzte Wort betonte er mit einem hĂ€mischen Unterton. Er spannte den Hahn und zielte auf ihr Gesicht. Die Waffe war nur noch einen guten Meter von ihr entfernt. Er konnte sie nicht verfehlen. Sie schloss die Augen.

Das war’s also: ihr Leben. Sie hatte keine Möglichkeit, zu handeln. Kazinsky, Miller und Sloman waren bestimmt schon unterwegs. Sie wĂŒrden zu spĂ€t kommen. Dumpfe Resignation machte sich breit. Sollte sie um ihr Leben betteln? Den Gefallen wollte sie ihm nicht tun.

Schieß doch endlich. Warum dauerte das so lange. Sie wusste, wenn sie die Augen öffnete, wĂŒrde der Typ abdrĂŒcken.

Sie blinzelte vorsichtig aus halb geschlossenen Lidern. Die Waffe schwebte immer noch einen Meter vor ihrem Gesicht. Allerdings zitterte sie heftig. Sie öffnete die Augen ganz und sah, dass nicht nur die Waffe, sondern auch der Arm des Killers immer stÀrker zu zittern anfing. Die Waffe senkte sich, zielte auf ihre Brust, den Bauch, die Knie, bis sie vor dem Killer auf den Boden gerichtet war.

Der Mann stolperte kraftlos ein paar Schritte zurĂŒck. Dann knickten die Beine weg. Er fiel auf seinen Hintern wie eine Marionette mit gekappten FĂ€den. Er starrte die Pistole an, dann sie. „Sarah...“ krĂ€chzte eine Stimme, die mit der vorigen nicht mehr viel gemeinsam hatte.

Sarah war völlig ĂŒberrascht. „Woher kennen Sie...“. Sie stockte.

Er griff mit seiner freien Hand nach der SkimĂŒtze und zog sie mit einem kraftlosen Ruck vom Kopf. Sie sah ein scharf gezeichnetes Gesicht mit hohen Wangenknochen, dichte Augenbrauen, schulterlange Haare. Sarah konnte nicht glauben, was sie hier sah. Ihr Gehirn weigerte sich, das anzunehmen, was offensichtlich war.

„Paul...“ flĂŒsterte sie entsetzt.

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