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Leselupe.de > Kurzprosa
Reifeprozeß
Eingestellt am 07. 09. 2001 13:00


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Sigfrid
Hobbydichter
Registriert: Sep 2001

Werke: 2
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Jahre waren vergangen, seit sie das letzte Mal hier war, an diesem Fenster stand und in diesen Garten hinausstarrte.
Jahre waren vergangen, seit sie das letzte Mal, die sie ermahnende Stimme ihres Vaters oder ihrer Mutter hörte.
Ja, sie waren immer gute Eltern gewesen.
Immer besorgt darum, dass das Kind den Boden unter den Füßen behält.
Immer darauf aus, dass ihr Mädchen etwas handfestes vor sich bringt, damit es mal ein geordnetes, perfekt funktionierendes Leben führen kann.
Denn mit einem exakt vorhersehbaren und nach Zeitplan funktionierenden Leben ist doch jeder zufrieden, oder? Zufrieden reicht doch? Nicht wahr. Besser immer das nehmen, was die wenigsten Anstrengungen mit sich zieht, nicht zu hohe Ansprüche stellen.
Besser den Spatz in der Hand, als wie die Taube auf dem Dach.
An Worte dieser Art konnte sie sich noch zu genüge erinnern und das nicht nur von ihren Eltern. Irgendwann hatte sie ja auch eingesehen, wie gut es alle meinten. Es ist ja auch besser auf die gut gemeinten Ratschläge anderer zu hören, denn die kennen einen eben auch besser, als man selbst. Die anderen sagen Dir schon, was Dich glücklich macht.
Das waren die Erkenntnisse, die sie mit den Jahren zuließ.
Aber vor langer, langer Zeit, vielleicht war es da, als sie noch Kind sein durfte, da lebte noch diese Andere in diesem Haus.
Eine sehr enge Vertraute.
Doch irgendwann passte sie nicht mehr in ihr Leben und war dann letztendlich von ihr selbst vertrieben worden.
Bedauerlich, dachte sie jetzt, nach all den Jahren.
Eigentlich hatte sie sie sehr gemochte, wenn nicht sogar geliebt. Phantasievoll war sie gewesen.
Oh ja, das mußte man ihr lassen. Unterhalten konnte sie am laufenden Band mit phantastischen Geschichten, die sich nicht unbedingt auf dieser Welt abspielten.
Ja, sie war natürlich auch realitätsfremd und ein wenig chaotisch gewesen , was zuweilen Ärger mit sich zog. Keine Regel hatte sie sich einprägen können und nie ging sie bei einer Sache systematisch vor.
Wobei, das doch so wichtig ist, um die Kontrolle zu behalten.
Manchmal war sie auch etwas zu sensibel, was aber wiederum den Vorteil hatte, dass sie sich in jede Person, auch wenn sie noch so verschlossen war, hineinversetzen konnte. Sie verstand es das Denken anderer Menschen nachzuvollziehen und somit ihre Handlungen zu verstehen.
Und nun , als sie so am Fenster stand, merkte sie, wie sehr sie doch ihre alte Vertraute vermisste.
Eine Träne rann ihre Wange herunter, die sie mit einer Handbewegung wegwischte, während sie darüber nachsann, wie sie damals zur Vernunft gekommen war und diese andere, noch fremde Frau, Schritt für Schritt in ihr Leben ließ.
Diese Frau war eine bewundernswerte Ausgabe purer Perfektion.
Organisiert und genau in allem was sie tat.
Vorstellungskraft besaß sie leider keine, aber das glich sie mit ihrer Realitätsnähe wieder aus. Praktisch veranlagt wie sie war, gab es kein Problem, welches sie nicht gelöst hätte.
Kurzum, sie besaß alle Eigenschaften, die sie immer zu besitzen anstrebte.
Doch irgendwann bekam sie Angst, das sie vor dieser Frau, die ihr doch so vertraut hätte sein müssen, nicht mehr bestehen könne.
Doch vertreiben wollte sie sie auch nicht, denn ihre erste Vertraute, die chaotische Kreative wollte sie auch nicht zurück.
So musste sie wohl sich selbst neu zusammensetzen und ihren Reifeprozess abschließen.
Sie vereinigte die zwei Seiten ihres ich’s und geboren war sie.
Sie, die bodenständige, phantasievolle Frau, die mit einem Lächeln auf den Lippen in den Garten hinaus sah.
Denn sie wusste doch, das sie sie letztendlich doch in sich vereinigt hatte, die verschiedenen Seiten ihrer Selbst.


__________________
Ich lerne immer wieder gerne dazu!

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Intonia
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2001

Werke: 85
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Hallo Sigfrid,

Du hast auf diese Geschichte hingewiesen und ich habe sie gelesen, zum zweiten Mal jetzt. Beim ersten Mal habe ich keinen Kommentar abgegeben; ich wusste einfach nicht, was ich dazu sagen sollte.

Vielleicht hast Du das Thema nicht überzeugend genug verarbeitet. So wie ich es verstehe, kommt am Ende doch nur ein Kompromiss raus. Ich bin ausserdem davon überzeugt, dass der Reifeprozess zu Lebzeiten nicht abgeschlossen werden kann. Auch der vollkommenste Mensch kann noch wachsen; man muss sich ja auch ständig neuen Herausforderungen stellen. Wie wäre es, wenn Du die Geschichte nochmal überarbeitest?

Liebe Grüsse
Intonia

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"Liebe kostet nichts und ist doch das Teuerste auf der Welt."

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Sigfrid
Hobbydichter
Registriert: Sep 2001

Werke: 2
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Danke Intonia, daß Du Dir die Mühe gemacht hast meine Geschichte zu lesen und anschließend zu kritisieren.
Ich werde mir Deine Kritik zu Herzen nehmen und überlegen, wie ich meine Geschichte nochmal ausbessern kann.
Im übrigen bin ich auch der Meinung, das der Reifeprozeß nie richtig abgeschlossen wird.

Gruß Sigfrid
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Sigfrid
Hobbydichter
Registriert: Sep 2001

Werke: 2
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Ich würde mich immer noch sehr über Kommentare zu meiner Geschichte freuen.
__________________
Ich lerne immer wieder gerne dazu!

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