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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Reisen sie etwa allein?
Eingestellt am 06. 04. 2008 20:49


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Inge Anna
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Reisen sie etwa allein?


Es liegt ├╝ber 40 Jahre zur├╝ck; doch es k├Ânnte auch gestern gewesen sein, denn ich erinnere mich jeder Einzelheit genau.

Ich hatte damals - w├Ąhrend eines Winterurlaubs im Schwarzwald - die Bekanntschaft eines jungen Ehepaares gemacht. Uns verbanden viele gemeinsame Interessen, und so war es uns wichtig, den Kontakt auch weiterhin aufrecht zu halten.
Ein Abschied verschmerzt sich leichter mit der Aussicht auf baldiges Wiedersehen.

Die neu gewonnenen Freunde wohnten in W├╝rzburg, und ich wurde ├╝berraschend schnell dorthin eingeladen. Nach R├╝ckversicherung meiner Zusage benachrichtigte ich die Bahnhofsmission wegen erforderlicher Umsteigehilfe.

So kam der Reisetag und ich sa├č in erwartungsfroher Stimmung in einem zun├Ąchst noch leeren Zugabteil. Ich ├╝berlegte gerade, womit ich mir f├╝r etwa 2 Stunden die Zeit vertreiben k├Ânnte, als ich Gesellschaft bekam. Die Zugestiegenen kannten sich offenbar. Es wurde sogleich Proviant ausgepackt, Bierb├╝chsen im Gefolge. Mir wurde unbehaglich. Da fiel mir das R├Ątselheft ein. Meine Freundin hatte es mir noch am Bahnhof zugesteckt. Ich zog's aus einem Beit├Ąschen, legte es mir zurecht und gebot mir eiserne Konzentration. Mit einem Mal wurde es still, beunruhigend still. Nun, ich nahm mir das erste Silbenr├Ątsel vor, konzentrierte mich, bis mein Gegen├╝ber zu meckern begann: "Das Fingerscharren dieser Blinden Person nervt mich. Es gibt doch ein Schwerbehindertenabteil." Meine Nebendame wandte sich dann direkt an mich mit der Frage: "Wo ist denn ihre Begleitperson - oder reisen sie etwa allein?" Ich z├Âgerte mit einer Antwort; da ging es weiter: "Die ist nicht nur blind, scheint auch taub zu sein. Man sollte sie umverfrachten." Dieses Wort wird mir unvergesslich bleiben.
Jemand nahm mir das R├Ątselheft weg. Ich wollte nur noch raus, raus aus diesem Abteil.
Ich bat den Schaffner, der wenig sp├Ąter hereinschaute, mich "umzuverfrachten". Allgemeines Gel├Ąchter gab mir Geleit.

Im Schwerbehindertenabteil genoss ich bis Frankfurt die Anwesenheit einer ├╝beraus gespr├Ąchigen Mitreisenden. Man k├Ânne die Leute von der Bahnhofsmission entlasten; sie wolle gern ├╝bernehmen und mich zum Zug nach W├╝rzburg bringen. Sie habe Zeit.
Wir tranken vor der Weiterfahrt nach W├╝rzburg noch ein T├Ąsschen Kaffee. Ich hatte in Frankfurt ja noch gut eine Stunde Aufenthalt. Alles lief bestens.
Im Zug nach W├╝rzburg vermisste ich dann meine Reisetasche.
Die hilfreiche Dame hatte fette Beute gemacht. In der Handtasche verwahrte ich nur ein wenig Kleingeld.

"Reisen sie etwa allein", "Umverfrachtung" und geklaute Barschaft:
Meine Albtraumstation - ├╝ber Jahre.
__________________
Die ├╝ber Nacht sich umgestellt, zu jedem Staate sich bekennen, das sind die Praktiker der Welt; man kann sie auch Halunken nennen.
(Heinrich Heine)

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