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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Relativ
Eingestellt am 05. 10. 2000 13:52


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Frank Zimmermann
Junior Mitglied
Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 1999

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Relativ

Feldmann sah den Rollstuhlfahrer auf sich zukommen und seine Stimmung tr├╝bte sich. Nur die Augen hin- und herschweifen lassend, suchte er die Umgebung ab; vielleicht konnte er noch unauff├Ąllig die Stra├čenseite wechseln. Doch die parkenden Autos waren ihm im Weg und der B├╝rgersteig war breit genug, der Rollstuhl w├╝rde problemlos an ihm vorbeikommen. Also ging Feldmann weiter geradeaus. Jetzt konnte er schon das Herbstlaub unter den R├Ądern des elektrischen Gef├Ąhrts knistern h├Âren. Feldmann wurde unwohl. Verflixte Situation! Er war sich jetzt fast sicher, da├č der Behinderte ihn ansprechen w├╝rde, es schien geradezu unausweichlich. Im Schnelldurchlauf spielte er die M├Âglichkeiten durch, in welcher Weise sich der Mann an ihn wenden k├Ânnte: nach Geld k├Ânnte er fragen, das w├Ąre das banalste. Er k├Ânnte etwas verkaufen wollen, das w├╝rde erkl├Ąren, warum er in dieser netten Einfamilienhausgegend unterwegs war. Schlie├člich k├Ânnte er einfach noch versuchen einen Schwatz anzufangen, das w├Ąre das l├Ąstigste.
Der Stuhl rollte surrend heran, jetzt blieb nur noch die Flucht der Augen, doch auch die mu├čte bed├Ąchtig vorgenommen werden, durfte nicht ins Stieren oder Starren abrutschen, durfte kein verd├Ąchtiges "In-die-Luft-Gucken" werden. Er durfte den Mann nicht ignorieren und ihn gleichzeitig nicht anglotzen.

Die frische Oktoberluft tat ihm ausgesprochen gut. Bald w├╝rden es Wind und Wetter sicher erschweren sich noch im Freien zu bewegen. So dachte Roth, als der Fremde in seiner Stra├če auftauchte. Einen Trenchcoat, dem ein Besuch in der Reinigung sicher gut getan h├Ątte, eine braune Hose und schmutzige Schuhe. So schmutzig, da├č er es sogar auf diese Entfernung erkannte. Ja, die Natur hatte ihm zwar bez├╝glich seines K├Ârpers den ein oder anderen Streich gespielt, aber seine Augen waren gut. Kurz dachte er ├╝ber ein Ausweichman├Âver nach, aber die hohe Bordsteinkante lie├č ihn diesen Gedanken verwerfen. Dann ├╝berlegte er, ob er vielleicht umkehren sollte, aber dann h├Ątte der Fremde ihm sogar bis zum Haus folgen k├Ânnen, woran ihm nun ├╝berhaupt nicht gelegen war. Also rollte er weiter geradeaus. Er ├╝berlegte, was der fremde, nachl├Ąssig gekleidete Mensch hier in dieser vornehmen Gegend zu suchen haben k├Ânnte: er k├Ânnte ein Hausierer sein, aber dagegen sprach, da├č er keine Tasche mit sich f├╝hrte. Vielleicht versuchte er den leuten unter Vorbringung dubioser Erkl├Ąrungen Zeitungsabonnements aufzuschwatzen. Er k├Ânnte auch auf der Suche nach einem Schlafplatz sein oder sich nach geeigneten Objekten f├╝r einen Einbruch umsehen. Vielleicht war er auch einfach einer dieser verwirrten Leute, die auf der Stra├če Fremde ansprechen, nur um mit jemandem reden zu k├Ânnen, um ihre Meinung jemandem mitzuteilen, egal ob dieser sie h├Âren m├Âchte oder nicht. Dann h├Ątte Roth nat├╝rlich schlechte Karten gehabt, denn mit dem Rollstuhl konnte er schlecht vor einer solchen Bel├Ąstigung fliehen. Er dr├╝ckte den Steuerhebel ganz nach vorne, um m├Âglichst schnell an jenem Unangenehmen Passanten vor├╝ber zu kommen und nahm sich vor, ganz beil├Ąufig zu ihm hin, dann aber betont uninteressiert geradeaus zu blicken, da├č schien ihm die beste Handhabung dieser unangenehmen Situation.

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fz

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