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Leselupe.de > Humor und Satire
Rendezvous der Sinne und Kater vom Essen
Eingestellt am 30. 08. 2011 12:52


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Wolfgang Bessel
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Rendezvous der Sinne

Eine Rhone-Kreuzfahrt endete vor drei Tagen in Lyon, dort, wo Rhone sich und Saone k├╝ssen.
Acht Tage mit verf├╝hrerischen Essgen├╝ssen, die von der Gourmetcrew des Schiffes zubereitet wurden,lagen hinter uns.
Die Millionenmetropole Lyon, deren reizende Altstadt zum Weltkulturerbe z├Ąhlt, wird in Frankreich ÔÇ×la Ville de Geule! ÔÇť- die ÔÇ×GaumenstadtÔÇť genannt. Diese Empfehlung mussten meine Frau und ich unbedingt auf ihren Wahrheitsgehalt pr├╝fen.
Ein Abtauchen in eine besonders exklusive Geschmackswelt sollte diese Reise kr├Ânen.
Uns war bekannt, dass unweit von Lyon der weltber├╝hmte Sternekoch ein Nobelrestaurant f├╝hrt. ÔÇ×Paul BocuseÔÇť. Allein beim Aussprechen dieses Namens lief uns schon das Wasser im Munde zusammen. Sein Restaurant, die ÔÇ×Auberge du Pont de CollognesÔÇť, wurde seit 1965 f├╝nfundvierzigmal in Folge mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. 1989 wurde er unter vielen anderen nationalen und internationalen Auszeichnungen vom Gaullt-Millau zum ÔÇ×Koch des JahrhundertsÔÇŁ ernannt.

Von zu Hause starteten wir bereits per Internet eine Reservierungsanfrage zum Dinner. Die Reservierung wurde prompt best├Ątigt. Damit begann die Vorfreude auf ein Highlight der franz├Âsischen Esskultur, die es weltweit als Haute Cuisine zu gro├čer Beliebtheit gebracht hat.
Zur Einstimmung auf die franz├Âsische K├╝che bummelten wir bereits morgens in den Markthallen von Lyon -ÔÇ×Les HallesÔÇť. Von dem reichlichen Angebot auf den ├╝berbordenden Fleisch-, K├Ąse-, Wein-, Brot- und Gem├╝setheken wurden wir fast erschlagen. Diese Markthallen k├Ânnen mit denen von Paris durchaus mithalten.
Hier wurden ein St├╝ckchen Lyoner K├Ąse mit warmen Baguette zum Probieren angeboten, dort ein Gl├Ąschen Rotwein mit drei verschiedenen Hartwurstsorten.
Viele der K├Âstlichkeiten h├Ątte ich gerne in meinen Rucksack gepackt, wenn nicht das Fluggep├Ąck auf 23 kg begrenzt gewesen w├Ąre. Nach dem fast zweist├╝ndigen Rundgang mussten wir die Eindr├╝cke erst einmal bei einem Glas Pernod und einem Caf├ę au lait sacken lassen.
Der verlockenden Opulenz an Leckereien widerstanden wir nur ungern, aber mit vollem Magen w├╝rde das abendliche Schlemmen einfach keine Freude machen. Das Mittagessen auf dem Schiff wurde deshalb auf eine Fischsuppe und ein wenig Obst reduziert.
Punkt 19.30 Uhr rollte das bestellte Taxi vor die Gangway und ab ging es zum Gourmettempel von Paul Bocuse. Hier wollten wir uns auf h├Âchstem Niveau verw├Âhnen lassen.
Das farblich sehr eigenwillige ├äu├čere des Restaurantgeb├Ąudes leuchtete schon von weitem. Die Taxit├╝r wurde von einem farbigen Pagen im rotgoldenen Livree aufgerissen, der eine kolossale ├ähnlichkeit mit dem Mohr aus der alten Sarotti-Werbung besa├č. Zufall oder Gesch├Ąftsidee?
Mit einer freundlichen Geste begleitete er uns zum Haupteingang. Dort bat er um unseren Fotoapparat und schoss ein Erinnerungsfoto. Ich dr├╝ckte ihm ein Trinkgeld in die Hand, wobei mir auffiel, dass er sehr ausgepr├Ągte Pranken besa├č, geschaffen f├╝r den Empfang gro├čz├╝giger Trinkgelder.

Vier vornehm erscheinende Kellner in schwarzen Anz├╝gen, vermutlich Oberkellner, hie├čen uns nach einem Blick in die Reservierungsliste herzlich willkommen. Zwei in schwarz-wei├č gekleidete Kellner begleiteten uns zum Tisch und schoben uns schwere Eichenst├╝hle unter das Hinterteil. Selbst die Handtasche meiner Frau wurde extra auf ein kleines gepolstertes B├Ąnkchen gestellt. Sa├čen wir in einem ├╝ppig beladenen Pl├╝schraum eines Schlosses? Nein, wir sa├čen bei Paul Bocuse, dem bekanntesten Vertreter der ÔÇ×Nouvelle CuisineÔÇť.
Der runde Tisch war bereits mit edelstem Porzellan und Besteck eingedeckt.
Zwei Oberkellner mit blasiertem Gesichtsausdruck reichten uns die Wein- und Speisekarten. Noch w├Ąhrend des eingehenden Studiums der Karten, er├Âffneten wir die dreist├╝ndige Gaumenorgie mit einem Glas Champagner.
Es war nicht gerade einfach, die vielen gro├čartigen Angebote auf der ├╝bergro├čen Karte gedanklich zu verdauen. Sie lie├čen bereits beim Lesen die Geschmackssinne kitzeln. Die zum Essen korrespondierende Wein mussten sehr sorgf├Ąltig ausgelotet werden. Nach etwa zehn Minuten hatten wir uns jeweils f├╝r ein Men├╝ entschieden. Der Master Sommelier empfahl eine Flasche Rose von der C├┤te-d'Or.
Unterdessen wurde in einer Mokkatasse ein Gru├č aus der K├╝che gereicht. Es war eine raffiniert abgeschmeckte Gazpacho, eine kalte Gem├╝sesuppe aus p├╝riertem rohem Gem├╝se mit Pistaziensahneh├Ąubchen.
Dann ging es Schlag auf Schlag. Die Vorspeisen: Ein Hummers├╝ppchen ÔÇ×zum ReinlegenÔÇť, eine Platte mit feinsten G├Ąnseleber- und Fleischpasteten, eine davon in Weingelee. Gl├╝cksgef├╝hle durchstr├Âmten K├Ârper und Seele.
Zwei Kellner tischten den Hauptgang auf. Sie tranchierten geschickt meinen Lammr├╝cken in Rosmarinsauce und garnierten ihn rundherum mit feinem, jungem Gem├╝se und gratinierten Kartoffeln.
Ein Blick auf die Porzellanplatte meiner Frau lie├č mich auch nicht kalt. Ein Bressehuhn in Morchelsauce mit vielen schwarzen Morcheln und einer Risottobeilage erregte meine Aufmerksamkeit. Ich bekam Gel├╝ste, die Sauce und einige Morcheln zu naschen. Tat ich auch. In einem unbewachten Augenblick langte ich zu. Mmmh, einfach k├Âstlich!
Der Wein passte ausgezeichnet zu beiden Speisen. Ein Genuss in Reinkultur.
Bereits jetzt stellte sich bei mir ein v├Âllig ├╝berfl├╝ssiges, l├Ąstiges S├Ąttigungsgef├╝hl ein. Zu fr├╝h, viel zu fr├╝h, denn zwei Ober jonglierten mit nach hinten gebogenen H├Ąuptern und nach unten gerichtetem Blick riesige K├Ąse- und Dessertplatten und stellten sie direkt neben unseren Tisch. Die gekonnten Auftritte der Kellner waren filmreif. Sie erinnerten mich an den Film ÔÇ×Brust oder KeuleÔÇť mit Louis de Fun├Ęs.
Bei der K├Ąseauswahl waren wir ehrlich ├╝berfordert. Nicht nur von dem gewaltigen Anblick der vielen Sorten, nein, der Magen versuchte bei dem ├╝berreichlichen Angebot erneut zu streiken. Ich bek├Ąmpfte diesen heimt├╝ckischen Versuch mit Erfolg und bat den Kellner um typische Lyoner K├Ąsesorten. Er verstand, l├Ąchelte und servierte drei vortrefflich mundende, edle K├Ąse.
Der letzte K├Ąsebissen war soeben vertilgt, da trug man wiederum in Mokkat├Ąsschen eine raffinierte Kreation von Mousse au Chocolat auf. Gleichzeitig stellte man einen zweischichtigen Turm, gef├╝llt mit erlesenen Pralinen, Valrhona-Schokoladen-Degustationen und den verf├╝hrerischsten Backwerken auf den Tisch. Bei diesem unwiderstehlichen Anblick wurden wir wieder schwach.
Zu guter Letzt bot man die feinsten Dessert-Kr├Ânungen dar: Kleine Kunstwerke an Torten, Cremes, Eis, Fr├╝chten und anderen Versuchungen. Ich kann ihnen versichern, diese Desserts definierten das Wort ÔÇ×leckerÔÇť neu. Der Gaumen durfte wahre Wonnen erleben.
PuhÔÇŽ, geschafft!
Die Kellner grinsten diabolisch. Sie kannten die G├Ąste und erg├Âtzten sich daran, wie die Schlemmer an dem ├ťberangebot und der Qual der Wahl mehr und mehr verzweifelten. Immer und immer wieder versuchten sie, uns eine neue Kreation zu servieren.
Basta, Schluss, aus! Es war nicht m├Âglich, auch nur noch ein Gramm zu verdr├╝cken. Lediglich ein Mokka rundete den gigantischen Gaumenschmaus ab.
Wie aus dem Jenseits erschien pl├Âtzlich eine ├Ąltere Dame an unserem Tisch und w├╝nschte ÔÇť bon app├ętitÔÇť. Es war Madame Bocuse. Leider hatten wir nicht das Gl├╝ck, ihren Gatten zu sehen. Paul Bocuse ist 85 Jahre alt. Er soll allerdings noch immer in seinen Restaurants kr├Ąftig mitmischen.

Einen Kater vom Trinken kennt man aus leidiger Erfahrung, aber einen Kater vom Essen, den m├╝ssen Sie mal erleben. Man sehnt sich zwei Tage lang nur nach kleinsten Portionen einfachster Hausmannskost.
Dennoch:
ÔÇ×Essen wie Gott in FrankreichÔÇť, das ist nicht nur eine Verhei├čung der Werbung, nein, sie wurde in diesem Restaurant zur Gewissheit.




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Wolfgang M. A. Bessel
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Wolfgang Bessel
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Rendevouz der Sinne

Hallo Donkys Freund,

du hast v├Âllig recht. Bei "Humor und Satire" ist der Beitrag fehlplatziert. F├╝r Reiseberichte oder ├Ąhnliche Beitr├Ąge fand ich kein Forum.

Herzliche Gr├╝├če
Wolfgang
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