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Leselupe.de > Humor und Satire
Rentners Leid
Eingestellt am 19. 06. 2003 19:25


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MĂ¶ĂŸner, Bernhard
Routinierter Autor
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RENTNERS LEID oder
die Generation der Ahnungslosen.

Ist der Ruf erst ruiniert, pensioniert sichÂŽs ungeniert. Der schlechte Ruf der Rentner oder PensionĂ€re ist legendĂ€r und durch keine Tatsache zu erschĂŒttern! Dass der Rentner als solcher fĂŒr sein Geld nicht mehr arbeiten muss, gilt dabei als das kleinere Übel.
Schwerer wiegt, dass er den nassen Herbst und den ungemĂŒtlichen Winter mit seiner rĂŒstigen Rentnerin auf den Kanarischen Inseln zu verbringen pflegt, von wo er im FrĂŒhjahr eigentlich nur nach Deutschland zurĂŒck kehrt, um die zwischenzeitlich aufgelaufenen Anlagen- und Aktiengewinne persönlich bei einer Bank in einem benachbarten Kleinstaat, den ich hier nicht nennen darf, auf sein Nummernkonto zu deponieren.
Mit Missmut stellt der Normalverbraucher weiterhin fest, dass die GeschĂ€ftsfĂŒhrer der großen WarenhĂ€user ihr Verkaufspersonal offenbar dazu anhalten, Senioren/innen sofort nach Betreten der Verkaufshalle aufs freundlichste zu begrĂŒĂŸen und sie persönlich durch das Warensortiment zu geleiten. Auch Ärzte, Apotheker, Kliniken, sowie die Betreiber gehobener Gastronomiebetriebe umwerben diesen elitĂ€ren Personenkreis mit ausgesuchter Höflichkeit. Die Anbieter von Bus- Flug- und Schiffsreisen geben unvorstellbare Summen aus, um an ihre Adressen zu kommen.
Diese Sonderbehandlung verdanken die PensionĂ€re jenen Dienstleistungsunternehmen, die durch das Auswerten von Statistiken zu der Erkenntnis gelangten, dass deutsche Rentner(innen) die idealen und zahlungskrĂ€ftigsten Kunden ihrer ausschließlich am Rentnerwohl interessierten Unternehmen wĂ€ren.
Es ist verstÀndlich, dass dieser, den PensionÀren vorbehaltene Status, sowie deren MobilitÀt und BonitÀt bei einem Teil der noch arbeitenden Bevölkerung nicht nur Bewunderung, sondern auch einen gewissen Sozialneid hervorruft, von dem diese erst geheilt werden, wenn sie einst ihren eigenen Rentenbescheid in ihren HÀnden halten.
Da nimmt es nicht Wunder, dass unsere Politiker, die ihren prĂŒfenden Finger stets am Puls des BĂŒrgers haben, sich Sorgen um uns zu machen beginnen, weil wir im Fortschreiten des Lebensalters einfach nicht innehalten und uns, ohne unser eigentliches Zutun, dabei auch noch unkontrolliert vermehren.
Also, weg mit uns? Aber niemals!! Keiner will uns etwas Böses anhaben, schon gar nicht die Politiker! die Parteien brauchen uns, wir sind ihre treuesten StammwĂ€hler! Denn nur mit schlimmsten Gewissensbissen wĂŒrde es ein auf Rot fixierter Sozi, oder ein in der Wolle tiefschwarz gefĂ€rbter Unions-AnhĂ€nger fertig bringen, als Grauschopf etwas anderes zu wĂ€hlen, als jene Partei, die ihm in seiner Jugend den politischen Puls schneller schlagen ließ; mag sie auch Renten- und LeistungskĂŒrzungen, Zuzahlungen und andere Grausamkeiten fĂŒr ihn auf Lager haben.
Dabei ist unsere Regierung selbst schuld, dass sie bei der letzten Wahl nicht alle Senioren hinter sich scharen konnte!
Nicht im Traum wĂ€re es unserem frĂŒheren, mit allen RheinwĂ€ssern gewaschenen eisernen Kanzler Adenauer eingefallen, die Rentenhöhe etwa von demographischen Faktoren abhĂ€ngig zu machen. Er ließ seinen Finanzminister stets zur rechten Zeit die eingelagerten Spargroschen in seiner Bundes-Reservekasse zĂ€hlen, und da dieser erwartungsgemĂ€ĂŸ immer fĂŒndig wurde, ließ Konrad, der Listige, die Renten vor den wichtigen Wahlen spĂŒrbar erhöhen. So zogen seine zufriedenen Senioren quasi mit klingender MĂŒnze in die Wahllokale und zitterten ihr Kreuz ins rechte KĂ€stchen.
Auch sein spĂ€ter etwas aus den Fugen geratener politische Ziehsohn, Helmut, der StĂ€mmige, hielt sich in seinem Gefolge noch einen lustigen Papagei, der mit seinem großen Schnabel in alle Mikrophone zu plappern pflegte: "Die Renten sind sicher! Die Renten sind sicher!"
Ihr System wĂŒrde wahrscheinlich heute noch funktionieren, hĂ€tten nach dem letzten Krieg nicht wir, aus der Generation der Ahnungslosen, die WerkbĂ€nke und Schraubstöcke der bundesrepublikanischen ProduktionsstĂ€tten besetzt!
Wir, in deren ersten Kinderjahren das kĂŒrzeste aller tausendjĂ€hrigen Reiche aufstieg und unterging, waren zwar reich an Erfahrung, aber praktisch hatten wir in der Nachkriegszeit nicht viel mehr gelernt, als unsere Ärmel hochzukrempeln und in die HĂ€nde zu spucken. So richteten wir uns bei der Arbeit nach der damals sehr gelĂ€ufigen Redensart: "Es geht nichts ĂŒber den deutschen Erfindergeist!" Ahnungslos tĂŒftelten und verbesserten wir so lange an unseren ArbeitsplĂ€tzen herum, bis wir uns selbst ĂŒberflĂŒssig gemacht hatten. HĂ€tte uns ein mit prophetischen Gaben ausgestattetes himmlisches Wesen dabei zugesehen, es hĂ€tte gebetet: "Herr vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!"
So kam, was kommen musste; eines Tages wurden wir, meine fleißigen Kollegen und ich, von unserem Vorgesetzten ins PersonalbĂŒro komplimentiert, wo sich der Personalchef bei uns fĂŒr die bisher geleistete Arbeit mit einem Glas Sekt und einem Blumenstrauß bedankte und uns mitteilte, dass nun glĂŒcklicherweise in der Firma alles auch ohne uns, dafĂŒr aber zur vollsten Zufriedenheit der GeschĂ€ftsleitung, weiterlaufen wĂŒrde. Wenn das kein stilvoller Abschied fĂŒr uns war....
Was wir selbst nicht ganz schafften, brachten unsere Söhne zu Ende, die wir studieren ließen, damit sie es spĂ€ter einmal besser hĂ€tten. Als sie diplomiert und damit befĂ€higt waren, die Leitungs- und Managerposten in den Firmen zu besetzen, vollendeten sie von ihren gepolsterten Ledersitzen aus, was wir einst an den WerkbĂ€nken erfolgreich begannen: Sie optimierten und rationalisierten, sie fusionierten und nĂŒtzten Synergieeffekte, bis von den einst stolzen Unternehmen nur noch wir Rentner ĂŒbrig blieben.
Bei diesem Sachverhalt wurden sogar die Parteien wach! Als gar einem unerfahrenen Abgeordneten aus den hintersten parlamentarischen Reihen des Deutschen Bundestages einmal versehentlich der Satz herausrutschte: "Die Renten sind nur noch bedingt sicher", berief die Regierung eine Kommission, die herausfinden sollte, wie bedingt sicher unsere Renten denn nun seien.
Diese Kommission wird noch lange tagen, aber das vorlĂ€ufige Ergebnis ihrer Arbeit und die KlĂ€rung der Schuldfrage stand gestern bereits in der Zeitung: In Zukunft sind die Renten mit Sicherheit bedingt! Hauptverursacher der Misere ist sehr wahrscheinlich der GrĂŒnder unseres Rentensystems! Diesen jedoch, Otto FĂŒrst von Bismarck, dĂŒrfte diese Erkenntnis in seinem kĂŒhlen Grabe eher kalt lassen. Er starb zwar hochbetagt, aber sozialvertrĂ€glich und mit gutem Gewissen, denn als deutscher Politiker bezog er nie eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung.
__________________
-Bernhard MĂ¶ĂŸner-

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LuMen
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Rentnerschicksale

HALLO BERNHARD,

jetzt habe ich Deinen Namen versehentlich durch meine ĂŒblichen Mißgriffe auf den Klimpertasten groß geschrieben - ich lasse das aber mal aus gutem Grund so stehen. Ich freue mich, daß Du Dich zurĂŒckgemeldet hast, und das gleich mit einem solchen Fanfarenstoß! Deine Satire trifft voll ins Schwarze - wie die Seniorenglosse, die ich mit Deiner freundlichen Genehmigung in der Velberter VHS-Zeitung "Standpunkte" abdrucken lassen durfte. Ich frage gleich vorsorglich nach, ob Du Deine Erlaubnis auch auf den Abdruck Deines heutigen Werkes erstreckst!

Herzliche GrĂŒĂŸe
LuMen

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Michael Schmidt
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Hallo Bernhard,

zum Teil wirkt es etwas unstet ( gar nicht Rentnertypisch ), da du einfach alle "Vorurteile" zu dem Thema "durchkaust", da wÀre eine etwas enger gefasste Thematik besser gewesen. Es ist glaube ich die fehlende chronologische Reihenfolge, die mich stört.

Ist aber nur eine kleine Anmerkung, ich habe mich auf jeden Fall köstlich ĂŒber den Text amĂŒsiert und freue mich schon auf weiteres.

Bis bald,
Michael

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niclas van schuir
Guest
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Hallo Bernhard,
wie schön, dass du wieder da bist. Leider hat sich in der Lelu so vieles verĂ€ndert, dass es mir keinen Spaß mehr macht, hier zu schreiben. Aber ich schaue hin und wieder noch rein, wie du siehst.
Noch eine kleine Anmerkung zu deiner Glosse. Sie hat einen Fehler, einen, der mir persönlich und sicherlich auch anderen RuhestĂ€ndlern ziemliche Schmerzen verursacht hat: Die schlauen BĂ€nker (Wertpapierexperten mit der Berufserfahrung von mindestens plusminus 3 Jahren!) haben den Rentnern (nach meiner Erfahrung) natĂŒrlich weitestgehend NEMAX-Papiere angedreht. Also, was mich betrifft, ich hĂ€tte auch jedes FrĂŒhjahr kassieren können, wenn das mal funktioniert hĂ€tte.
So aber ...
Gruß Nic

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MĂ¶ĂŸner, Bernhard
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Hallo Michael, Niclas und natĂŒrlich LuMen.
Vielen Dank fĂŒr eure, (im Duchschnitt)sehr positive Beurteilung. Da ich mich zur Zeit nur sehr sporadisch mit der LL beschĂ€ftige, die ich trotzdem noch sehr schĂ€tze, möchte ich mich mit einem "Rundumschlag" fĂŒr euer Interesse bedanken. Mich amĂŒsiert, dass in diesem "Forum" wo neue Namen auftauchen und verschwinden, die alten Hasen es doch nicht lassen können, immer wieder dort vorbei zu schauen, um guten Tag zu sagen!
Lieber Michael, ich habe mit voller Absicht einige Vorurteile aufgezĂ€hlt, die sich hauptsĂ€chlich mit dem Begriff "PensionĂ€r" verbinden. Allein der Unterschied zwischen Rentnern und PensionĂ€ren böte Stoff fĂŒr jede Menge Glossen. Der Schreiber einer Glosse trĂ€gt eine Narrenbrille und sein Leser muss sich die MĂŒhe machen, auch das zu lesen, was zwischen den Zeilen steht. LuMen, Du wirst noch auf direktem Weg von mir hören.
Weiterhin viel Spaß beim Schreiben und Lesen! -Bernhard-
__________________
-Bernhard MĂ¶ĂŸner-

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flammarion
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Routinierter Autor

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herrlich!

jetzt sitze ich wieder mit einem so breiten grinsen da, dass ich mich nicht bewegen darf ( sonst fÀllt der compi um). also, von der sorte möchte ich mehr . . .
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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