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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Review
Eingestellt am 07. 02. 2007 19:49


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woerli
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Review "Mein FĂĽhrer"

Review "Mein FĂĽhrer"

Den Film möchte sie gern sehn, sagte sie zu mir. Das Bild aus der Werbung war vielversprechend, die Besetzung ebenso. Also gesagt getan, ich hatte Karten vorbestellt. Im Kino angekommen erwies sich dies als guter Gedanke - Kinotag-typisch: Menschenmassen. Wir betraten den Saal, die Plätze waren schnell gefunden in der hintersten Reihe, nahezu mittig. Ablegen und bequem machen, das Licht brannte noch.Durchatmen.

Eine Umarmung und ein kurzer Kuss später begann auch schon die Werbung. Währenddessen füllt sich der Saal, kein freier Sessel ist zu sehen, selbst auf den Treppen sitzt ein Pärchen. Nur kein Neid - wir sind froh über unsere Plätze, auch wenn inzwischen neben uns kein Sitz für die Garderobe mehr frei ist, wir arrangieren uns. Ihre Beine liegen über meinen, keine Armlehne, der Film beginnt.

Nach einigen Minuten tritt der Hauptakteur zum ersten mal in Erscheinung. Helge Schneider ist nicht zu erkennen. Ein paar Szenen fordern ein Schmunzeln, doch wir erwarten, dass der Film denn endlich richtig beginnt. Ausgerechnet ein Jude soll dem Führer also seinen Glanz zurückbringen - die Handlung nimmt ihren Lauf. Unsere Blicke treffen sich öfters, Gewitterregen, der Film wird zur Nebensache, keine Bauchmuskelkrämpfe vor Lachen, aber Kribbeln vom Glanz in ihren wunderbaren Augen, die selbst im Dunkel des Kinos zu leuchten scheinen. Ich nehme ihre Hand, streiche über ihren Arm, die Köpfe legen sich zusammen und man widmet sich dem Film, welcher sich immer noch sehr schwer tut, einen Handlungsbogen aufzubauen. Der Führer geht k.o., der Schauspiellehrer schwitzt, der Wachposten ist verwirrt und Goebbels schmiedet eigene Pläne. Wir vermissen den Humor nicht wirklich, das Wohlbefinden ist gut, man ist zusammen, fühlt sich, küsst sich regelmäßiger als das man auf die Leinwand achtet. Man muss schon sagen \"zwischendurch\" - ein Lacher...der Führer überwindet mit Blondie das Fenster..Gelächter durchquert den Kinosaal. Doch die Gedanken schweifen schnell wieder ab und sind bei dem wundervollen Menschen neben mir, dessen Nähe mir so viel bedeutet. Es wird grotesk, der Führer im Bett zwischen dem Juden und seiner Frau. So skurril, dass man dennoch lacht. Der Blick wendet sich wieder ab, wandert zur Seite und blickt in diese wunderbaren blauen Augen. Hier ist das Leben! Die Leinwand verschwimmt zu einem bedeutungslosen Farbenspiel. Endspurt, ein dramatisches Ende schließt sich an ein paar bedeutungsschwangere Bilder, die mit einer dünnen Decklage Humor verpackt sind. Unerwartet.

Ich helfe ihr in die Jacke, dicht beieinander verlassen wir den Kinosaal, uns einig, der Film war nicht wie erhofft, nur sehr leicht unterhaltsam. Der Fahrstuhl bringt uns zum Auto und mir wird wieder bewusst, sie ist der Stern, der jeden Abend zum leuchten bringt, und überstrahlt mit Leichtigkeit enttäuschende Kinofilme.

~ H. Wörl ~

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jon
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Wow! Das ist ja mal eine sehr gut nachempfindbare "Rezension". Irgendwo (in einer Unter-Ăśberschrift oder so) mĂĽsste noch der Filmtitel stehen und wenn man es abdruckt, mĂĽsste daneben noch etwas "Sachlich-Informatives" zum Film zu finden sein, aber wie der Film sich "anfĂĽhlt" kommt klasse rĂĽber.


Details:

Der Anfang kommt etwas sperrig daher

quote:
Den Film möchte sie gern sehn, sagte sie zu mir. Das Bild aus der Werbung war vielversprechend, die Besetzung ebenso. Also gesagt getan, ich hatte Karten vorbestellt. Im Kino angekommen erwies sich dies als guter Gedanke - Kinotag-typisch: Menschenmassen. Wir betraten den Saal, die Plätze waren schnell gefunden in der hintersten Reihe, nahezu mittig. Ablegen und bequem machen, das Licht brannte noch.Durchatmen.

Ih kann nicht erklären, was in den ersten Sätzen holpert, ich kann nur sagen, was sich mir als Alternative aufdrängt: „Den Film möchte sie gern sehen, sagte sie zu mir, das Bild aus der Werbung sei viel versprechend. Die Besetzung (ist es) auch. Gesagt getan: Ich bestellte Karten vor. Im Kino angekommen, erwies sich dies …"
Leerzeichen vor „Durchatmen.“

Zeitfehler: „beginnt“ statt „begann“

quote:
… selbst auf den Treppen sitzt ein Pärchen. Nur kein Neid -…
Warum sollte man die Treppen-Sitzer auch beneiden?

quote:
… als dasdass man auf die Leinwand achtet. Man muss schon sagen \"zwischendurch\" - ein Lacher...der Führer überwindet mit Blondie das Fenster..Gelächter durchquert den Kinosaal.
(Zeichen \" mal noch bereinigen)
Irgendwie fühlt sich die Zeichensetzung falsch für einen Text an (in einer Diskussion geht es so). So klingt es für mich besser: „… achtet. Gelacht wird eher zwischendurch und dann, wenn alle lachen. Als der Führer mit Blondie das Fenster überwindet zum Beispiel."


quote:
Doch die Gedanken schweifen schnell wieder ab und sind bei dem wundervollen Menschen neben mir, dessen Nähe mir so viel bedeutet. Es wird grotesk,…

Hier störte mich der plötzliche Wechsel. Wie wäre es mit "Vorn wird's grotesk,…" ?


quote:
… Farbenspiel. Endspurt, ein dramatisches Ende schließt sich anKomma ein paar bedeutungsschwangere Bilder, die mit einer dünnen Decklage Humor verpackt sind. Unerwartet.
… und hier fehlte mir was. Das "unterwartet" ist ein Bruch in der Stimmung, es verlangt geradezu nach einem Satz oder Halbsatz mehr an "Irritation". Oder auch mehr. Ich weiß ja nicht, was dich unerwartet berührte (ich kenn den Film auch gar nicht), vielleicht sowas wie "… sind. Unerwartet gehaltvoll. Oder auch nicht." oder "… sind. Das Lächeln fällt unerwartet schal aus. Zu spät für den Film.“
Kann man die phonetische Dopplung von "Ende" noch ausräumen?
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woerli
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Hallo und danke fĂĽr die rasche Antwort!

Der Titel hieĂź eigentlich Review "Mein FĂĽhrer", dieser scheint leider bei meiner Account-Aktivierung untergegangen zu sein.

Die Anregungen werde ich beherzigen, schön dass die Texte hier so bewusst gelesen werden! Aber ich freue mich, dass die doch mal etwas andere Rezension in diesem Stil ankommt.

Der etwas "holprige" Stil ist so von mir gewollt, damit der Leser nicht ganz in den romantischen Textpassagen abgleitet.

"… Farbenspiel. Endspurt, ein dramatisches Ende schließt sich anKomma ein paar bedeutungsschwangere Bilder, die mit einer dünnen Decklage Humor verpackt sind. Unerwartet."

Dort steht kein Komma, da sich das Ende des Films an ein paar "bedeutungsschwangeren Bilder" anschlieĂźt. Und diese Kombination war "unerwartet". Diese Verwunderung ĂĽber das unerwartete Ende wollte ich durch den allein stehenden Begriff zum Ausdruck bringen. Denn genau diese Irritation beim Lesen, von der du schreibst, empfand ich zum Ende des Filmes.

Beste GrĂĽĂźe,
Holger

PS: Ich habe hier noch Probleme mit der Anmeldung, nach jedem Klick auf einen Link muss ich Usernamen und Passwort neu eingeben (ich benutze Firefox, Cookies sind aktiviert). Falls jemand einen Hinweis zur Problembehebung hat, immer her damit!

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jon
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Aha … Die Komma-Irritaion bei

"… Farbenspiel. Endspurt, ein dramatisches Ende schließt sich an KOMMA ein paar bedeutungsschwangere Bilder, die mit einer dünnen Decklage Humor verpackt sind. Unerwartet."

entsteht aus zwei Gründen: Eigentlich wäre "das Ende schließt sich an Bilder an" richtig(er) (es fehlt ein "an") und du hast bisher streng chronologisch geschrieben, in diesem Satz kommt das Danach (das Ende) dann plötzlich vor dem Davor (den bewegenden Bilder).

Ich habe versucht, es umzudrehen, aber das bringt nur denn den von dir beabsichtigten Effekt, wenn ich meinen Stil nehme, hülfe dir also wohl nicht wirklich …
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