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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Rezension "Arsinoe"
Eingestellt am 03. 05. 2002 22:28


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Morrigan
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2002

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Kommentare: 46
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Hi Ihrs.

Ok ihr wolltest Buchrezensionen, also bekommt ihr eine.
Allderdings muß ich einfach mal das Risiko eingehen, das ich das Wort Rezension nicht ganz richtig interpretiert habe. Mit dem hiesigen Beitrag habe ich an einem "Junge Buchkritiker Wettbewerb" Teilgenommen (wens interessiert: bin unter die letzten hundert von ca. 10000 gekommen - kaufen konnte ich mir davon nichts ;-) das heißt es ist eine Kritik - keine Werbung oder so etwas. Wenn es also nicht euren Erwartungen entspricht, dann seid sicher - es war keine böse Absicht!

Gruß Morrigan



Buchrezension

Maria Regina Kaiser
Arsinoe - Königin von Ägypten

Diese Geschichte von Maria Regina Kaiser fĂŒhrt uns in das alte Ägypten der 21. Herrscherdynastie - der PtolemĂ€er - und in deren prĂ€chtige Hauptstadt Alexandria.
Unvermittelt werden wir in der Einleitung mit einem Tempelbesuch konfrontiert, der uns zunĂ€chst sehr friedlich, aber auch sehr nichtssagend erscheint. Ebenso bleibt die IdentitĂ€t der erzĂ€hlenden Person unklar, bis sie am Ende des Prologs als „Staubkorn“ und Bastardkind eine vorlĂ€ufige Kennzeichnung erhĂ€lt. Das Auftauchen von Achillas, einem Feldherrn des PtolemĂ€us Auletes, und das GesprĂ€ch zwischen ihm und dem Hofeunuchen Ganymedes gibt jedoch schon einen ungefĂ€hren Einblick in Personenkonstellationen und Konflikte, so wird z.B. die Schönheit Arsinoes und die HĂ€sslichkeit ihrer Schwester Kleopatra hervorgehoben, Kleopatra als Lieblingskind des Vaters ausgezeichnet und ein Hinweis auf die schicksalhaften Auseinandersetzungen zwischen den beiden Schwestern gegeben.
Im weiteren Verlauf des Buches schildert die Autorin die historisch belegten Ereignisse um König PtolemĂ€us Auletes und dessen Kinder: Seine Verbannung ins Exil und in die Arme der Römer, seine Wiedereinsetzung durch das Heer des Pompeijus, seinen Tod und die daraus entstehenden Konflikte zwischen der römerfreundlichen Kleopatra und ihrer Schwester Arsinoe, die sich auf dem Höhepunkt ihrer Macht mit dem Feldherrn Achillas verbindet und sich zur Königin Ägyptens ausrufen lĂ€sst. Der Streit zwischen Kleopatra und Arsinoe findet erst ein Ende, als Markus Antonius Arsinoe und ihren Bruder PtolemĂ€us auf Befehl von Kleopatra töten lĂ€sst. ErzĂ€hlt wird diese Geschichte aus der Sicht des Bastardkindes Barillys, das als Dienerin, Schwester und Freundin der Arsinoe in Erscheinung tritt. Barillys Sicht der Dinge ist mehr sachlich als emotional, selbst wenn sie von ihren GefĂŒhlen berichtet. Dieser trockene, wenig blumenreiche Stil erschwert es dem Leser jedoch sehr sich in die prunkvollen und verschwenderischen LebensumstĂ€nde eines „ Gott-Königs“ hineinzudenken. Andererseits neigt die Autorin an weniger passenden Stellen zu beinahe schnulzigen Phrasen und Prophezeiungen, die in ihrer nĂŒchternen Umgebung mehr Anstoß als Bewunderung hervorrufen. So lĂ€sst sie Barillys schon als kleines Kind von ihrer Liebe zu ihrem Bruder PtolemĂ€us schwĂ€rmen und sie Blicke in ihre Zukunft werfen, die in ihrer ĂŒbertriebenen Ausdrucksweise einen unschönen Kontrast zu dem vorherrschenden ErzĂ€hlstil bilden. Auch wirken diese tiefen GefĂŒhle und die weise Voraussicht fĂŒr ein MĂ€dchen von zwölf Jahren sehr unrealistisch.
Nach dem vermeintlichen Tod Arsinoes (Barillys wurde an ihrer Stelle getötet) beginnt ihr fiktionaler Lebensabend, den sie hart arbeitend im Exil verbringt. Eine wichtige Rolle spielt dabei der jĂŒngere Bruder des Antonius, Marcus Metellus, ein ebenfalls fiktionaler Charakter, jedoch eine SchlĂŒsselfigur bei fast allen Intrigen und PlĂ€nen ist, die sich um Arsinoe und Barillys ranken. Dabei bleibt aber offen, ob er nun Arsinoe oder Barillys verbunden ist, da er erst Barillys zu einer Heirat drĂ€ngt, sie aber spĂ€ter verrĂ€t, um Arsinoe die Flucht zu ermöglichen. Er erscheint durchaus als SympathietrĂ€ger, wenn man nicht allzu genau ĂŒber seine Handlungen nachdenkt. Sein Verhalten ist höchst verwirrend, da an keiner Stelle Angaben ĂŒber seine GefĂŒhle oder Gedanken zu finden sind, die es vielleicht erklĂ€ren könnten.
Am Ende ihres Lebens beschließt Barillys (alias Arsinoe) ein Buch ĂŒber ihr bewegtes Leben zu schreiben. Erst kurz vorher erfahren wir, dass sie die wahre Arsinoe ist und dass ihre Halbschwester Barillys sich fĂŒr sie geopfert hat. Diese Wende wirft viele Fragen auf, die jedoch nie beantwortet werden. Ab dem Zeitpunkt, als wie erfahren, dass nicht etwa Barillys selbst, sondern Arsinoe in ihrem Namen diese Geschichte erzĂ€hlt, werden alle vorherigen Ereignissen, Gedanken, GefĂŒhle, die Barillys schildert, hinfĂ€llig, da Arsinoe diese nicht oder nur sehr sporadisch kennen kann. Der Leser wird enttĂ€uscht dadurch, dass der HaupttrĂ€ger seiner Sympathie durch diese Ungereimtheiten unglaubwĂŒrdig und unsinnig wird.
Wie kann Arsinoe sagen, was Barillys fĂŒr ihren Bruder fĂŒhlt, wenn sie es ihr nach eigenen Angaben nie erzĂ€hlt hat? Kann sie wissen, was wĂ€hrend ihres Exils in Ephesos mit Barillys geschah, wenn darĂŒber nie wieder gesprochen wurde? Die Phantasie und die Bereitschaft des Lesers, seine Logik fĂŒr eine gute Geschichte kurzzeitig zurĂŒckzustellen, werden hier auf eine zu harte Probe gestellt.
Dieses Problem taucht immer wieder auf, denn die Autorin benutzt nicht nur eine Reihe von unklug eingesetzten Anachronismen, wie z.B. „Kriminalfall“ oder der neuzeitlichen Redewendung „Scheiß auf die Römer!“, die sie Barillys in den Mund legt, sondern auch das Verhalten der Charaktere und einige nur unzureichend verdeutlichte UmstĂ€nde lassen uns an dem logischen Zusammenhang der Geschichte zweifeln.
So taucht am Anfang des Buches ein Charakter - Gabal - auf, der fĂŒr Arsinoe eine Lektorenfunktion beim Schreiben ihres Buches einnimmt. In einem Nebensatz erfahren wir, dass Ganymedes ihn als Baby adoptiert hat. Wenn er in der spĂ€teren Geschichte wieder auftaucht, wird dazu allerdings kein Bezug genommen, so dass sich der Leser der verwirrenden Tatsache gegenĂŒber sieht, dass ein Eunuch auf einmal einen Sohn hat und niemand sich darĂŒber wundert.
Im Allgemeinen sollte man „ Arsinoe“ nur dann lesen, wenn man ein wirklich brennendes Interesse an der Ă€gyptischen Kultur und Geschichte hat. Ansonsten sind die stilistischen und logischen BrĂŒche und Verzweigungen nur schwer zu ertragen. Ein guter Beweis dafĂŒr, dass historisch korrekte BĂŒcher nicht in jedem Fall lesenswert sind oder dass eine kompetente Historikerin nicht unbedingt auch eine gute Autorin sein muss.



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Semper eadem - Anne Boleyn

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Gegge
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Morrigan,

Also Du hast in der Tat den Begriff Rezension falsch interpretiert.
Dein Beitrag ist eine Buchkritik; fĂŒr eine Rezension ist er zu lang und verrĂ€t zuviel von der Handlung.

"Eine Kritik setzt vorraus, daß der Leser der Kritik das kritisierte Werk kennt, wĂ€hrend eine Rezension vom Gegenteil ausgeht." (ohne GewĂ€hr)

Wenn jemand trotz deiner abschreckenden Bewertung dieses Buch lesen möchte, dann hast Du diesem Leser einfach zuviel vom Ende und den entscheidenden Wendungen verraten.

Als Kritiker eines Krimis darfst Du also durchaus schreiben, daß Mister Z am Ende des Buches als Mörder entlarvt wird.
Als Rezensent solltest Du dem potentiellen Leser dieses Ende aber besser verschweigen ;-)

Gruß Gegge

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Morrigan
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2002

Werke: 22
Kommentare: 46
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Sag ich ja.

Hi Gegge!

Naja so wie du habe ich den Begriff Rezension eigentlich immer verstanden, aber wenn du dich - vor allem in Schulliteratur - mal umsiehst wirst du feststellen, das da Kritik und Rezension so durcheinandergehen, dass man am Ende nur noch Bahnhof versteht. Daher konnte ich eben nicht wissen, was bei euch so als Rezension verstanden wird und habe daher nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt:-) und wie gesagt nicht mir böser Absicht alles mißverstanden.

Liebe GrĂŒĂŸe Morrigan

P.S. Das dieses Buch nach der Kritik noch wer lesen will, hoffe ich eigentlich nicht, dann hÀtte sie nÀmlich ihren Zweck verfehlt ;-)
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