Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
224 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Rezension zum Buch "Das Echoloch" von Maja Klimmek
Eingestellt am 10. 04. 2004 23:46


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
katia
???
Registriert: Jan 2004

Werke: 4
Kommentare: 184
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um katia eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

In ihrem ersten Werk brillieren die meisten der so genannten „Jungen Wilden“ durch intolerante Aktion um jeden Preis – dieses Prinzip hat bisher in noch jeder Generation funktioniert, denn die Hauptsache ist es schließlich, Aufsehen zu erregen, bevor man alt und langweilig wird.
Erstaunlich weise, lebensnah und trotzdem jung und wild ist hingegen „Das Echoloch“ von Maja Klimmek. Die Schriftstellerin ist Jahrgang ´75 und hat viel handwerkliches Potenzial, mit dem es ihr tatsächlich brilliant gelingt, die Beschreibung von lediglich zwanzig Stunden im Leben ihrer Protagonistin in die Biographie einer jungen Frau unserer Zeit und mit all ihren Höhen und Tiefen zu verwandeln.
Um es gleich zu sagen: Es handelt sich hier nicht um den handelsüblichen Selbstfindungstrip, der eine junge Frau aus ihrem bisherigen Leben reißt. Mit viel Gefühl hält Maja Klimmeks namenlose Protagonistin in der Ich-Form Rückschau, greift nach anfänglicher Beobachtung anderer Menschen aber auch auf die Hilfe von in ihrer Anonymität anfangs sicheren Zufallsbegegnungen zurück, versagt kläglich und lässt sich schließlich fallen, um dann wie Phönix aus der Asche aufzusteigen. Starke Alltagsbilder in lockerer und leicht verständlicher Sprache machen den tiefen Sinn begreiflich, der hinter alledem steckt.
Der Herbst ist die grundlegende Stimmung. Doch statt ausschließlicher Düsternis gibt es auch enorm viel zum Lachen bei der Lektüre vom „Echoloch“.
So beschreibt die Schriftstellerin unter anderem ein junges Mädchen, das –von der Protagonistin beobachtet – am Nachbartisch einer Kneipe passiv den heiß ersehnten Heiratsantrag ihrer offenbar tatsächlich besseren, weil aktionsfreudigeren Hälfte empfängt: „Die Willenlose hat eine zarte Hand vor ihr entzücktes Gesicht geschlagen, ihr schimmern Tränen der Rührung in den Augen, und ich bin kurz davor, sie und ihren kleingeistigen Stecher über die Höhen und Tiefen des Lebens aufzuklären.“ Warum kurze Zeit später von Motorrädern die Rede ist, die sprachlich wie Personen behandelt werden: „..warten in ihren Winterquartieren und erzählen Geschichten von frisierter Freiheit und grenzenloser Gefahr.“ – und von einem weiteren Pärchen erzählt wird, dem in der Erzählfolge kurz darauf eine Hure folgt, kann die Leserschaft selbst kombinieren oder es einfach als gegeben hinnehmen.
Die sprachlichen Bilder berĂĽhren, treffen ins Schwarze oder ins Herz.
Das sind jedoch nur einige der vielen Facetten dieses Romans, der nicht in die übliche, finanzorientierte Literaturindustrie passt und ihn zu etwas Besonderem macht: die Protagonistin ist weder sonderlich gestört, noch allmächtig. Sie ist real. Immer wieder webt die Autorin diese den meisten sehr vertraut scheinende Hauptperson ihres Romans geschickt in Handlungsstränge von der Vergangenheit in die Gegenwart und zurück. Übersichtliche Erzählrahmen mit fließenden Übergängen machen es leicht, einerseits den Faden nicht zu verlieren und sich andererseits mit allen Personen zu identifizieren, denen man auf jenen 149 Seiten zwischen zwei Buchdeckeln begegnet. Und vorne auf dem Umschlag ist bereits die Emotionalität der Schlüsselszene zu sehen - auf einem Ölgemälde von Sherri Dobay, einer Malerin aus Kalifornien.
Fazit ist: „Das Echoloch“ macht sehr schnell klar, ob man es liebt oder hasst, ob man davon nicht genug haben kann und es begeistert liest oder lieber verschenkt – beides wäre legitim, denn Kunst ist bekanntlich auch Geschmackssache.
"Das Echoloch" ist eines der wenigen empfehlenswerten Erstlingswerke nicht nur fĂĽr junge Wilde, das dankenswerterweise vom first minute Buchverlag auf den Markt gebracht wurde und sich -wie nur wenige andere auch- vom ĂĽblichen Einheitsbrei abhebt.
Maja Klimmek: „Das Echoloch“
ISBN: 3-932805-37-2
Preis: 11,90 Euro

__________________
(kas)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Echoloch
???
Registriert: Nov 2003

Werke: 15
Kommentare: 83
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Echoloch eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Tja, was soll ich dazu sagen - wow! Vielen Dank! Ich weiß, wie schwer es ist, ein Buch (und insbesondere meines) sinnvoll/ verständlich zusammenzufassen und bin beeindruckt, wie gut dir das gelungen ist. Diese 10 bezieht sich also unabhängig vom für mich sehr schmeichelhaften Inhalt auf die Kunstfertigkeit, mit der es dir gelungen ist, all die komplexen Informationen zu bündeln. Bin begeistert!

Dankende GrĂĽĂźe von Maja
__________________
Leben ist das, was passiert, während Du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.
www.echoloch.de

Bearbeiten/Löschen    


katia
???
Registriert: Jan 2004

Werke: 4
Kommentare: 184
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um katia eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
fein

liebe maja,

naja, es hätte auch anders ausgehen können - du bist sehenden auges ein risiko eingegangen, als du mir das buch zugeschickt hast. und weil ich mir sicher bin, dass du auch im falle eines verrisses meinen text hier trotzdem objektiv bewertet hättest, freue ich mich besonders über die resonanz von dir.
noch eine kurze persönliche bemerkung: dir ist dein erster roman mit sicherheit unter anderem deshalb so gut gelungen, weil du selbst deine schärfste kritikerin bist.

lg und viel erfolg fĂĽr deine lesung
sagt
kati
__________________
(kas)

Bearbeiten/Löschen    


SCHNEPF
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2004

Werke: 3
Kommentare: 18
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um SCHNEPF eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Rezension zu "Das Echoloch"

Hallo Katia,

deine gut gelungene Rezension macht Laune darauf, dieses Erstlingswerk einer jungen Autorin zu lesen. Mir - der weder Autorin noch Buch kennt - hast du mit deinen Zeilen sowohl die Autorin nahe gebracht als auch einen interessanten Einblick in das Werk gegeben.

Genau das soll eine gute Rezension leisten und das ist dir prima gelungen, meint
SCHNEPF

__________________
O.S.
"Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen." Goethe

Bearbeiten/Löschen    


katia
???
Registriert: Jan 2004

Werke: 4
Kommentare: 184
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um katia eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
lieber schnepf

vielen dank für deine antwort zu meinem beitrag. finde ich besonders spannend, weil ich ja etwa zehn jahre älter bin als die romanautorin und du wiederum älter als ich - und ein mann...mal ganz zu schweigen von sowieso verschiedenen erfahrungswelten.
schätze mal, auch maja wird die entwicklungen hier genauestens registrieren, weil für sie nämlich gerade lesungen zum "Echoloch" anstehen.

liebe ostermontagsgrĂĽĂźe
sagt
kati
__________________
(kas)

Bearbeiten/Löschen    


knychen
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2002

Werke: 51
Kommentare: 426
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um knychen eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

liebe katrin und natĂĽrlich auch maja!
es ist schwer, meine neugier für neuerscheinungen zu wecken. da ich beim bücherkauf generell geizig bin und mich mit den preisen im taschenbuchsegment einfach nicht anfreunden kann, habe ich mir ein mißtrauen angewöhnt, welches mit sicherheit so manche literarische perle für meine augen unsichtbar macht.
zum glück gibt es aber leute wie katrin, die ohne zuviel über den handlungsstrang eines buches zu verraten, doch das interesse daran wecken und dem ökonomisch denkenden, jedoch emotional handelnden menschen eine ausnahmegenehmigung in sachen neuerwerb abtrotzen.
dieses "neugierwecken" setzt sehr aufmerksames lesen voraus (check!), einen sorgsamen umgang mit den persönlichen eindruck des buches erfassenden worten (check!) und die bereitschaft, ein wenig der eigenen zeit kommerzfrei der sache eines anderen menschen zu widmen (check!).
ich werde mir dieses buch kaufen und hoffe, das die autorin möglichst viel vom kaufpreis abbekommt. dann isses wenigstens nicht ganz weg, das geld, das doofe.
gruĂź aus berlin von knychen

p.s. einzig den satz mit dem phönix fand ich etwas unübersichtlich, aber ich habe eben beim nachlesen meines postings gemerkt, daß ich in diesem punkt selbst nicht besser bin. deswegen erwähne ich diesen eindruck auch nicht.
__________________
kny

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂĽck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!