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Leselupe.de > Humor und Satire
Rhetorik für Choleriker
Eingestellt am 20. 07. 2003 21:21


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Galimathias
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Registriert: Jul 2003

Werke: 8
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Gehören Sie etwa auch zu dem Menschen, dessen Gemütszustand in Lichtgeschwindigkeit von „äußert umgänglich“ in „Attila, der Hunne“ umschlägt, wenn ihnen etwas gegen den Strich geht? Sie sind mit dem brutalen Falsett ihrer Stimme ver-traut, wenn es unschuldige Trommelfelle platzen lässt? Und eigentlich wünschten Sie, sie könnten kritische Situationen wie volle Supermarktkassen oder allgemeine Verkehrskontrollen überstehen, ohne genötigt zu sein ihre verletzenden Ansichten direkt ihren Mitmenschen ins Gesicht hyperventilieren zu müssen?
Dann sind die folgenden Techniken genau für Leute wie Sie bestimmt. Leute, die durch ihr übermotiviertes Geschrei ihre Artgenossen irritieren, und dabei in der Regel auch noch ziemlich erheiternde Bewegungsabläufe präsentieren.
Diese unkontrollierten Wutausbrüche können sehr schlimme Folgen haben, nicht nur gesundheitlich. Es gibt Situationen, da muss man klein beigeben. Uns das will gelernt sein. Also beherzigen sie diese Ratschläge, damit Sie sich bei nächster Gelegenheit nicht um den hochroten Kopf und geplatzten Kragen reden.

Kanalisieren Sie ihre Aggressionen

Stellen Sie sich vor, es hat mal wieder jemand unachtsam ihren seelischen Zeitzünder aktiviert durch eine Äußerung wie zum Beispiel „Stellen Sie sich bitte bei meiner Kollegin an der Kasse an!“ Diese harmlos anmutenden Worte könnten bei Ihnen erfahrungsgemäß innerhalb kürzester Zeit eine verbale Hasslawine lostreten, da sie schon etwa geschlagene sechs Minuten an dieser Kasse verplempert haben. Jetzt heißt es schnell handeln. Ihnen bleibt lediglich die Zeitspanne von akustischer Wahrnehmung, über die Aktivierung einiger weniger Synapsen ihres Hirns, bis zum temperamentvollen Gefühlsausbruch. Genau im Mittelpunkt dieses Ablaufs müssen Sie die unaufhaltsame Energie in eine geregelte Bahn lenken. Wie das geht? Mit Hilfe der sogenannten „Schlachtenbummler-Technik“. Sie haben als geschulter Choleriker nicht den Hauch einer Chance die Wut, die sich entladen muss, zu unterdrücken. Also rufen Sie wie gewohnt, ja schreien Sie den ganzen Frust heraus. Aber nicht mit den Worten, die Ihnen in diesem Moment als erstes durchs Hirn schießen.
Der Trick: Brüllen Sie einfach den Schlachtruf Ihres Fußballvereins, um sich zu
entladen! Sie werden feststellen, dass die Leute um sie herum nichtsdestotrotz sehr irritiert sein werden ob Ihres Verhaltens, aber sie haben es vermieden Ihren Mitmenschen die wahren Gründe für den Ausbruch mitzuteilen. Sollte Ihr Fußballverein dazu noch ein sehr erfolgreicher sein, wird man ihrem Verhalten in den meisten Fällen sogar wohlwollend gegenüberstehen, denn nichts ist so anziehend wie der Erfolg! Und die Schlachtenbummler-Technik bietet sogar noch eine Variante, die sie später, als Fortgeschrittener, unbedingt für sich nutzen sollten. Es kann nämlich vorkommen, dass ihr gegenüber kein anonymes Opfer Ihrer Wutanfälle ist, sondern jemand, den Sie sehr gut kennen oder noch brisanter, jemand, auf dessen Wohlwollen Sie angewiesen sind (Stichwort: Frau, Chef, Bewährungshelfer). Kommt es zu einer der be-reits beschriebenen Situationen (Stichwort: „Sie werden das dann wohl oder übel am Wochenende noch einmal überarbeiten müssen“), kommt diese Variante zum Zug: Sie brüllen einfach den Schlachtruf des Fußballvereins Ihres Chefs! Es sollte ein leichtes sein, durch ein unverfängliches Gespräch, seine Sympathien für eine Elf auszukundschaften. Sollte wiederum dieser Verein ein sehr erfolgreicher sein, dann haben Sie mit einem Kunstgriff das Unmögliche möglich gemacht, denn nun tritt durch ihre Sympathiekundgebung anstelle einer Kündigung wegen Unbeherrschtheit das genaue Gegenteil ein! Sie werden unweigerlich im Ansehen ihres Chefs steigen.

Entschärfen Sie Beleidigungen

Sollten Sie mit der „Schlachtenbummler-Technik“ keinen Erfolg haben, weil Ihnen von Hause aus jedes Interesse für Sport oder andere, kommunikationswürdige Tätigkeiten fehlt, bleibt Ihnen doch noch eine Möglichkeit dem verbalen Waterloo zu entgehen. Besonders zu empfehlen ist diese Methode für Leute, die es gewohnt sind ihren Unmut über andere mit staccatohaften Kraftausdrücken zum Ausdruck zu bringen. Bevor Ihnen wieder einmal so abwertende Charakterisierungen wie „Schlappstruller“, oder „Duschhaubenträger“ entfleuchen, gewöhnen Sie sich doch besser folgenden Kniff an: Wie wir bereits wissen, die Wut muss raus und mit ihr auch die Beleidigungen. Also: Raus damit, werden Sie alles los, was Sie loswerden müssen. Allerdings ergänzen Sie jede ihrer phantasievoll zusammengewürfelten
Kränkungen, indem Sie das kleine Wörtchen „Ich“ davor setzen! Der Effekt gleicht in etwa dem der ersten Methode: Niemand fühlt sich durch Ihre Unbeherrschtheit angesprochen oder gar verletzt. Im Gegenteil, dadurch, dass Sie scheinbar so hart mit sich selbst ins Gericht gehen wecken Sie eher den Wunsch Ihrer Mitmenschen, Ihnen scharf zu widersprechen. Und wieder ernten sie Sympathie statt Antipathie!

Wie Ihnen eine Tätlichkeit doch noch nützlich sein kann

Eines vorweg: Wenn Sie zu den beklagenswerten Personen gehören, die sich trotz der bis hierhin angebotenen Möglichkeiten der Konfliktvermeidung zu gewalttätigen Körperlichkeiten hinreißen lassen, benötigen Sie mehr, als nur weise Ratschläge.
Auch wenn der Unterschied zwischen einer Verwünschung und einem Faustschlag oft nur Nanosekunden beträgt.
Ihre Chancen, einem Gerichtsurteil zu entgehen steigern Sie schon allein dadurch, dass Sie Ihre Fäuste beiseite lassen und direkt in den Ringkampf gehen.
Sie müssen sich darüber klar werden, dass Ihnen erst nach einer etwa 2sekündigen Kurzschlusshandlung wieder die Möglichkeit gegeben ist, Ihr Handeln selbst zu leiten. Doch dann ist es meist zu spät und der Gegner (Stichwort: Frau, Chef, Polizeibeamter) längst K.O. gegangen. Sie müssen also als Vollkontakt-Profi stets auf das Klammern bedacht sein, damit die folgende Technik funktioniert.
Sie stellen also nach einer kurzzeitigen, geistigen Umnachtung schockiert fest, dass der ältere Herr, der dummerweise als erster die freie Parklücke erreicht hatte und mit dem Sie gerade die ersten Unfreundlichkeiten ausgetauscht haben, sich plötzlich japsend in Ihrem Schwitzkasten befindet. Ihre Reaktion darauf muss eine flüssige Kombination aus verbaler und körperlicher Aktion sein. Mit den lauten Worten „Warten Sie, ich helfe Ihnen!“ legen Sie blitzschnell von hinten Ihre Arme um den Brust-korb des „Gegners“ und versuchen mit diesem Griff das imaginäre Halsbonbon, an dem der „arme Mann“ zu ersticken droht, herauszupressen. Für alle umstehenden verwandelt sich so Ihr hinterlistiger Angriff auf einen Rentner zu einer lebensretten-den Sofortmaßnahme. Und die Anerkennung der Beobachter für Ihren beherzten Eingriff ist Ihnen gewiss. Selbst wenn der alte Mann anschließend noch versuchen sollte die Leute über den wahren Beweggründen Ihres Handelns in Kenntnis zu setzten, so dürfte er im Allgemeinen Applaus nur schwer Gehör finden.

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Das Leben so kurz, so lange zu lernen die Kunst. Die Mühe so hart, so übermächtig der Sieg! (Chaucer)

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Herr Müller
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Hallo Galimathias

Gefällt mir sehr gut. Ich habe es von oben bis unten in einem Zug durchgelesen. Es blieb spannend und endete im Beifall der Bürger. Auch von mir Beifall

Kanalisieren die (Sie) ihre Aggressionen noch ändern bitte.

Herr Müller
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Galimathias
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Besten Dank, Herr Müller,
sowohl für das Lob als auch für den Hinweis in der Zwischenüberschrift. Manchmal kann man die Texte 50mal lesen ohne auf sowas zu stoßen.
Gruß Galimathias
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