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Leselupe.de > Ungereimtes
Rhythmus - Hommage an Carlos Saura und Paco de Lucía
Eingestellt am 30. 03. 2012 14:32


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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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Rhythmus

Füße stampfen

Schritte im gleichen
Stakkato der Hacken
Quer durch den Saal in
Reihen vorschnellend
Nicht laufen auf
Spanisch geschrien

Mir ins Ohr den Rhythmus
Nächtlicher Stroboskopien - Gewitter

Klackend und Rasselnd und
Klackend und Tönend
Unentrinnbar genagelt in
Zeiten

Tackend und Dröhnend und
Tackend und Fesselnd
Gleichmaßend geschritten in
Weiten

Abbild und Muster und
Abbild und Rattern
Gebannt auf Zelluloid und das
Buch als Libretto als Oper

Gelebt in der Jetztzeit
Gesänge und Klatschen
Guitarras geschlagen
Spektakel und Schauspiel und
Fühlende Morde und
Stiche im Metrum des
Leids

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gitano
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber HerbertH!
Als jemand der sein halbes Leben schon mit der "Flamencokultur" (eigentlich leben im Flamenco) verbunden ist, danke ich Dir sehr herzlich daß Du in Deinem Text dieses Phänomen aufgreifst und damit auch Aufmerksamkeit für diese Kultur erweckst.

Zwei Vertreter die auf unterschiedlichen Gebieten sehr viel für den Flamenco getan haben benennst Du...beide könnte man auch als Innovatoren des Flamenco bezeichnen...jeweils auf ihrem Gebiet.

Du weist, daß ich auch versuche Bildsprache aus der andalusisch - maurischen Kultur und dem Flamenco in deutscher Sprache wiederzugegben. Ich kenne langjährig beide Kulturen, bin lange selbst Akteuer gewesen (u.a. vom Spiel Paco´s motiviert)...Und hoffe, daß dieser Text auf jemanden der die Flamencokultur nicht aus direktem Erleben kennt, berührend und interessant wirkt.

In meiner Wahrnehmung klingt er befremdlich...vielleicht ist es das beschreibene statt dem Erlebbarem, vielleicht sind es die ungenauen Übertragungen wesentlicher Begriffe ins Deutsche, vielleicht sind es die Metaphern, die das mythisch-spirituelle ...und auch besitzergreifende Moment (Duende) nicht berühren...

Ein paar Hinweise zu Übersetzungen:
die "stampfenden" Schritte. eigentlich Golpes = Schläge..."Fußschläge" gegen die Erde/ oder auch in die Erde...sie drücken Stolz, Kraft, Freude...aber auch die Kraft des Leides aus.

Klacken, rasselnd, tönend sind n.M. schwache Attribute für direkt / nah erlebten Flamenco
ebenso:
tackend, dröhned, fesselnd

vielleicht auch weil diese Adjektive in der Häufung und ihrer schon häufigen Bemühung nicht mehr die Strahlkraft haben...

und so geht es weiter im Text...

Anregung:

Eine Möglichkeit wäre von einem zentralen Begriff des Flamenco auszugehen und ihn möglichst genau in seiner Bedeutung zu erfassen und um diesen zentralen Begriff herum den Text aufzubauen. Z.B.

grito. Schrei, steht im Flaenco auch für die Seguiriyas, einem der tieftragischten und ältesten Stilen der die tiefe innere Seele des Flamenco aufzeigt. Seine Themen sind zwischenmenschlich - tragischer Natur. Tod, Trauer, Verlust, Schicksalsmacht..(mein Text "Asche, Wut und Honig spielt darauf an)

"jondo" das tief in der Seele liegende, meist verborgen, das alle ergreift, dem man sich nicht entziehen kann, etwas sehr persönliches...dieses "jondo" ist es das wahrhaften Flamenco ausmacht.

Duende: Ein zentraler mythischer begriff in der Vorstellung der Flamencos. Der Dämon des Flamenco...der aus den bergen kommt und um die Häuser streift, der Besitz von den Akteuren ergreift und sie zu "Leistungen" treibt die sie ohne "Duende" niemals leisten könnten...dies ist keine Ektase!...da die Aktuere bewußtseinsklar sind...und Duende kommt meist nur wenn der Tod in der Nähe ist...wenn also der Boden für wWahrhaftigkeit bereitet ist. So die Mystik...
Ein alter Flamencosänger sagte mal zu mir: Niemand redet über Duende...alle haben Angst vor ihm! Aber jeder Flamenco möchte einmal im Leben von ihm erfaßt werden um in die Seele des Flamenco zu schauen.

jaleo: die Rezipientenseite des Flamenco, der Flamenco ist zwar eine zutiefst individualistische Kunst - aber eine die ohne die Kommunikation mit den "Gleichgesinnten" oder besser den "Eingeweihten"(aficionados) in ihrer Tiefe unmöglich wäre...Diese Rezipienten kommentieren das "Gesagte" (im Gesang), feuern an, ermutigen die Akteure sich in die seelischen Tiefen hinab zu trauen...weil sie auch für sich eine Katharsis erhoffen...sie begleiten die Compases (nicht Rhythmen...sondern den Gestus eines Stiles) mit unterschiedlichen Tönen von Händeklatschen, Finger- und Zungenschnalzen und an bestimmten Stellen auch Zurufe: Es ist die Wechselseitige verständige Kommunikation zwischen Akteure als Akteur der "Gemeinde" und der Gemeinde selbst.

So weit ein paar Kurzhinweise dazu...
Jeder dieser Anhaltspunkte wäre geeignet um einen aussagekräftigen Text über das Erlebnis Flamenco (in Film oder live, / Gitarre von Paco etc.) zu schreiben.

Besonder im Mittelteil ist mir Dein Text eine bloßeAnhäufung von Adjektiven die nicht in eine Aussagetiefe in deutscher Sprache reichen....und ganz allgemein: weg vom BEschreiben - hin zum "Wiedererlebarem"...Das LyrICH erscheint mir in diesem Text sehr unentschlossen darin.

Grüße aus dem Taunus
gitano





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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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Lieber gitano,

Du hast recht, dass dieses Gedicht nur einige Themen darstellt, die den Flamenco beschreiben.

Mir ging es hier um die rhythmische Dimension, den "Sound" des Flamenco. Den lautmalerisch abzubilden, war das Ziel dieses Gedichts.

Dass es noch viel mehr dazu zu sagen gibt, ist mir bewusst. Ob ich der Richtige dafuer bin, weiss ich nicht.

Liebe Gruesse

Herbert
__________________
© herberth - all rights reserved

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gitano
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Herbert!
Um den Sound abzubilden hätte ich eine Idee. Vielleicht sagt sie Dir ja zu. Ich selbst wollte diese auch schon mal umsetzen - aber mir fällt kein Zacken aus der Stirn wenn Du dies machst..oder wie auch immer.

Erinnerst Du dich an meinen Text "Vorsicht Jamsession"?

Es gibt die Compases im Flamenco. man könnte deren Betonungsschema folgen und erhielte einen Sprechrhythmus der dem Rhythmusgefüge eines Flamecostiles ähnelt..Man müßte aus den über siebzig Stilen nur ein paar leicht erfaßbare heraussuchen. ich stelle mal ein paar Beispiele dar:

z.B.:
(Seguiriyas = der Schrei, ein Cante jondo, tragisch, traurig, aufbäumend)

-v/ -v/ -vv/ -vv/ -v

es dürfen keine langen Silben auf den Nebenbetonungen sein oder alternativ (nach Wortlänge gemessen: ein Klanglängenspondeus.UND: keine Enjabements, da diese den Compas verwässern.

Auch einenur in Lauten dargestellte Fassung (oder in teilen) wäre denkbar.

Bulerias (schnell-extrem treibend, witzig, inhaltlich ernsthaftigkeit anteuschend-die dann wieder ironisiert wird)

Strophenbeispiel (übersetzt).
Meine Frau und mein Pferd
starben mir zur gleichen Zeit
um mein pferd tuts mir Leid.

(anmerkung: wer hier Frauenfeindlichkeit finden will verkennt die ganz persönlich gehaltene Aussage)

Metrum:
-vv/ -vv/ -v/-v/-v

Soléatraurig, vor allem: Einsamkeit und Verlassensein, aber auch unglücklcihe Liebe, Tod)
Metrum:
vv-/vv-/-v/-v/-v

Soweit mal ein paar Anregungen...
Wenn Du magst, mische ich dabei mit ...schließlich habe ich auch zweieinhalb Jahre "tanzen" üben müssen (bin eigentlich Gitarrist gewesen)...damit ich bei den Festen mich nicht nur an der Gitarre festhalte...Sevillanas konnte ich mal und einige Coplas aus den größeren Tänzen...lange her.

Grüße aus dem Taunus
gitano

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