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Leselupe.de > Kindergeschichten
Rike
Eingestellt am 21. 10. 2002 22:30


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Katjuscha
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Ein wohliger Schauer fließt Rike ĂŒber den RĂŒcken, als sie den großen Zeh in das heiße Badewannenwasser taucht. Endlich mal wieder ein richtiges Vollbad nehmen, das hatte sie sich schon lange vorgenommen. Doch nie hatte sie Zeit gefunden. Aber nach einer fiesen Mathearbeit, meint sie, hat man das Recht auf ein Bad. Heute ist es eins mit Melissenduft. Bis zur Nasenspitze taucht sie ein in den wohlriechenden Schaumberg. Die WĂ€rme durchdringt alle Glieder. Jetzt fehlt nur noch die richtige Musik, denkt Rike. SchwerfĂ€llig erhebt sie sich aus ihrer gemĂŒtlichen Lage und tapst patschnass zum Radio. Als der richtige Sender gefunden ist, steigt sie wieder in die Wanne. Mal so richtig die Seele baumeln lassen, mitten in der Schulwoche, das hatte ihr gefehlt. Rike ist mit sich und der Welt zufrieden. Vergessen sind die ewig nörgelnden Lehrer und die hektischen Klassenkameraden. Verschwunden sind all die Probleme, die ihr vorhin noch durch den Kopf spukten. Draußen ist es lausig kalt, aber das Bad ist mollig warm. Rike denkt weder an heute noch an morgen. Gedankenverloren schließt sie die Augen. Das einzige was sie spĂŒrt, ist die WĂ€rme des Wassers.

Doch da fĂ€llt ihr Tom wieder ein. Der Tunichtgut hat sie einfach stehen lassen auf dem Schulhof. Er verabschiedete sich mit den Worten: "Es ist aus. Ich will nicht mehr! Außerdem mag ich Marika sowieso viel lieber." Einfach so hat er das gesagt und ist davongerannt zu den anderen Jungs. Zuerst war Rike total geknickt und hat sich bei ihrer Freundin ausgeheult. Ausgerechnet diese Marika aus der 5 a, die nur Markenklamotten trĂ€gt und immer diese albernen Ringe um die Handgelenke trĂ€gt, die klimpern, wenn sie lĂ€uft. Dann wurde Rike sauer auf Tom, der sich mal so eben in eine andere verknallt. Pah! Als sie zu Hause war, hat sie gleich das Foto von ihm zerknĂŒllt von der letzten Klassenfahrt.

Umgeben von wohliger WĂ€rme findet sie es nur noch halb so schlimm. Mit einem Schwapp Melissenwasser spĂŒlt sie auch die letzt Traurigkeit davon. Dass Tom jetzt nicht mehr mit ihr geht, ist doch kein Weltuntergang. Einer Optimistin, so wie Rike, kann so etwas doch nichts anhaben. Nun taucht sie ganz ab, bis ihre Luftblasen nach oben steigen.

Plötzlich klopft es an der TĂŒr. Es ist Henry, Rikes kleiner nervender Bruder. "Rike, Telefon fĂŒr dich! Dein Tom ist dran." "Sag ihm, ich bin nicht da. Es ist außerdem nicht "mein Tom"; merk dir das!" lĂ€sst Rike aus der Wanne vernehmen. Sie hört ihren Bruder am Telefon reden. Wer weiß, was er Tom heute wieder erzĂ€hlt. Einmal berichtete er ihm, dass sie kurzfristig eine Reise nach Sibirien machen musste, um die kranke Großmutter zu besuchen. Sollte er doch heute erzĂ€hlen, sie sei ĂŒber Alaska mit dem Flugzeug abgestĂŒrzt. Jetzt können sie jedenfalls keine zehn Pferde aus der Wanne herausholen. Genießerisch atmet sie den Melissenduft ein. Ihre Lunge wird frei; so frei wie ihre Seele. Ihr großer Zeh ragt wie eine kleine Insel aus dem Wasser. Rike trĂ€umt von Sonne, Meer und schattenspendenden Palmen. Draußen rieselt ein kalter Januarregen.

Abermals klopft Henry an der TĂŒr. Diesmal ist es ein Anruf von Sara, ihrer Freundin. "Sag ihr, ich ruf spĂ€ter an!" erwidert Rike faul. Warum mĂŒssen die Leute auch immer dann anrufen, wenn man gerade schwer beschĂ€ftigt ist. Als zehn Minuten wieder jemand klopft, wird es ihr zu viel. Nicht mal im Bad hatte sie ihre Ruhe. "Beeil dich Rike, ich muss auch mal ins Bad." "Ja Mama, ich bin gleich fertig." Sie hĂŒllt sich in ihren flauschigen Bademantel, putzt sich schnell die ZĂ€hne und will sich noch die Haare föhnen, als wieder jemand klopft. "Friederike, föhn dir die Haare gefĂ€lligst in deinem Zimmer; du hĂ€ltst den ganzen Verkehr auf!" Die TĂŒr öffnet sich und eine strahlende Rike tritt heraus. "Ja Papilein, mach ich!" sagt sie und gibt dem Vater einen Kuss. Verdutzt sieht er sie in ihrem Zimmer verschwinden. Achselzuckend geht er ins noch duftende Bad.

Rike fĂŒhlt sich wie neugeboren; gewappnet fĂŒr alles, was sie morgen in der Schule erwarten wird. Die Mathehausaufgabe, die ihr vorhin als unlösbar erschien, entpuppt sich jetzt als simple Bruchgleichung. Als sie kurz darauf noch einmal mit Sara spricht, fragt sie diese: "Eigentlich wollte ich dich fragen, ob du nachher noch mit ins Kino kommst, aber in deiner Verfassung weiß ich nicht, ob du das möchtest." "Du kannst mich trotzdem fragen." sagt Rike, "Was lĂ€uft denn?" "Um fĂŒnf kommt "Snow Dogs". Anne und Gesa wollen auch kommen." "Klar komme ich. Ich hole dich in einer viertel Stunde ab, okay!" Sie legt den Hörer auf und sucht sich ihre Lieblingsjeans und das rote Sweatshirt heraus. Zehn Minuten spĂ€ter steckt sie den Kopf ins Wohnzimmer. "Ich darf doch noch mit Sara ins Kino gehen, nicht? Ich bin um sieben wieder zu Hause." Ehe ihre Eltern irgendwelche EinwĂ€nde machen können, ist Rike schon aus dem Haus gestĂŒrmt. Das Kino ist nur eine Straße weiter.

Es wird noch ein lustiger Abend. Als sie dann im Bett liegt, kommt sie zu dem Entschluss, dass ein Bad, gute Freundinnen und Kino die besten Mittel gegen Liebeskummer sind.
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Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist wirklich ein Mensch. (Erich KĂ€stner)

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flammarion
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hm,

eine locker und flĂŒssig erzĂ€hlte, optimistisch stimmende geschichte. kannste dir was drauf einbilden, wenn du die beiden flĂŒchtigkeitsfehler korrigierst. "ihr kleine Bruder" und in einem satz fehlt ein "sie". ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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Katjuscha
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Danke

Danke fĂŒrs Lob und die Hinweise: So besser?
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Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist wirklich ein Mensch. (Erich KĂ€stner)

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flammarion
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ja.

am besten gefĂ€llt mir der große zeh als kleine insel. das ist ein sehr schönes, fantasievolles bild. ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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