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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ritalin
Eingestellt am 01. 11. 2013 12:08


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flores
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2013

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"Sie nehmen jetzt alle Ritalin." h├Ârt er sich klagen, in diesem j├Ąmmerlichen Tonfall, der nun zu ihm geh├Ârt, wie die Entfremdung. "Denn sie m├╝ssen funktionieren".

Immernoch sitzt sie mit ihm auf der Treppe und immernoch ist sie ratlos, sucht nach den richtigen Worten in der Dunkelheit. "Sie k├Ąmpfen eben. Auf dieser Welt m├╝ssen wir alle k├Ąmpfen und du bist da nicht anders, Hon."

"Sie sind blind, wei├čt du, verblendet von verstiegenen Idealen." bringt er noch hervor, beinahe unisono mit der Stille.

Nat├╝rlich, sie m├╝sste allm├Ąhlich wissen, mit der Situation umzugehen, aber sein Verfall, er schockiert sie von Nacht zu Nacht auf's Neue. "Komm' wieder ins Bett." versucht sie ihn diesmal aufzuheitern.

"Warum erscheint Pflichterf├╝llung auf einmal reizvoll? Sie nennen es Karriere und streben pl├Âtzlich nach diesem verdammten Sinn des Lebens." Gestern konnte er wenigstens noch zur├╝ckl├Ącheln.

"Hon, du wirst mit deiner Pseudo-Intellektualit├Ąt nie Erfolge feiern k├Ânnen. Pass' dich lieber mal an." Sie bei├čt sich auf die Lippen, schlie├čt die Augen.

"Ich akzeptiere die ├Âkonomischen Prinzipien, wenn du das meinst, denn alle drei besagen doch, knappe G├╝ter sind wertzusch├Ątzen und aus m├Âglichst wenig sollte m├Âglichst viel entstehen." Studierte Phrasen, wie die der 'Indifferenz'.

"Als w├Ąrst du Aurel, vereinfacht sch├Ân." f├Ąllt es von ihr ab, mit Erleichterung.

"Aber Planet Erde ist ein knappes Gut, ist endlich. Die gesamte Idee hingegen, basiert auf unendlichem Wachstum und das versteh' ich nicht. Ich will's gar nicht verstehen!" Seine schweren Lider zerkratzen seine verdorrten Augen.

"Ja, aber Hon, du vergisst, es sind doch nur Theorien, die..."

"Schmieren wir einfach die geplante Obsoleszenz in den Konsummotor und indoktrinieren uns zu einem h├Âheren Verbrauch von allem. Massenhaft. Zum Wegwerfen. Unsere Existenz ist zum Wegwerfen..."

"Honey, bitte."

"Beim Streben nach materiellem verst├╝mmeln wir uns krankhaft, eine Pandemie Dinge anh├Ąufen zu m├╝ssen, mehr, immer mehr. Wirtschaft meint nicht mehr Bed├╝rfnisbefriedigung, nicht mehr den Einklang von Planet und Leben, sondern unendliches Wachstum auf Kosten des Planeten und durch die Verknechtung unseres Lebens - und jeder ist daf├╝r!"

"Hon!"

"Wir definieren uns nicht mehr ├╝ber unseren Charakter, sondern ├╝ber den Krieg des >Mehrhabens<, die Doktrin der Konformit├Ąt den selben Traum zu leben: Reichtum.
Ohne zu hinterfragen werden wir erfasst, in Registern, regis, lateinisch f├╝r Macht. Wir sind Eigentum der M├Ąchtigen. Wir sind: Sklavennummern des Systems - und wir wollen das so. Das ist der Suizid des Individuums!"

"Honey! Bemerkst du denn nicht, was du zerst├Ârst? Ich dachte >Wir<, das ist dir wichtig." >Wir<, das ist mittlerweile f├╝r ihn, wie zwei dividiert durch nichts.

"Und als w├Ąre das alles noch nicht genug entrechten wir uns. Die Abgabe der Freiheiten unter dem Deckmantel Sicherheit als gesellschaftliche Konvention, eine Legitimation f├╝r eine Diktatur! Ich kann nicht mehr." Er h├Ârt ihre Tr├Ąnen, aber es ber├╝hrt ihn nicht mehr.

"Lucie, wof├╝r lebst du?"


Version vom 01. 11. 2013 12:08

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serge gurkski
???
Registriert: Jun 2011

Werke: 51
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Hallo Flores

ein paar Tippfehler sind drin. Merze sie gnadenlos aus.
Dein Text ist sehr gut.
cheers
serge
__________________
Habe bonum animum. Plautus

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo flores,
eine ungew├Âhnlich originelle Darstellung des perversen Wachstumssystems in Form eines Dialoges mit vielleicht etwas vielen Fach-Fremdw├Ârtern. Nur f├╝r kluge Leute
Aber die Fehler solltest du noch ausmerzen. Z.B.:

quote:
"Sie nehmen jetzt alle Ritalin." h├Ârt er sich klagen ...
...jetzt alle Ritalin", h├Ârt...
Wenn du weitere Hilfe brauchst, sag es.
LG USch

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