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Leselupe.de > Horror und Psycho
Rocker - Wir verloren Tom
Eingestellt am 07. 09. 2003 00:04


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bluesnote
One-Hit-Wonder-Autor
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Lost Johnny ÔÇô Motorhead




Rocker ÔÇô Wir verloren Tom


Tom Raid erwachte in einem Krankenzimmer.
Das letzte, an das er sich erinnerte, war der hei├če Asphalt, auf dem er lag. Dann war da das tosende Whap, Whap, das von den drehenden Rotoren eines Hubschraubers stammen mu├čte. Er sah einen Mann in signalroter Uniform mit der Aufschrift ÔÇ×NOTARZTÔÇť.
Ihm wurde klar, er hatte seinen Bock verlassen.
Er hatte den gro├čen Abflug gemacht, war unfreiwillig vom Sattel gestiegen. Tom fa├čte sich an den Kopf, er hoffte, das sein Sch├Ądel auf diesem Flug nicht all zuviel mitgenommen hatte.
Freeway Riders. Ja, er war Rocker, und die Truppe w├╝rde sich um ihn k├╝mmern ÔÇô in der n├Ąchsten Zeit.
Vorerst aber mu├čte er dringend pinkeln und Durst hatte er auch. Er stand auf.
Das wei├če Zimmer, die Krankenliege und diese merkw├╝rdige Stille. In seinem Kopf zuckte es einmal schmerzlich, noch einmal betastete er sein Haupt.
Er betrat das WC, die Einrichtung bestand aus Toilette, einem Waschbecken nebst Handtuchhalter.
Warum gibt es hier keinen Spiegel.
Zu gern w├╝rde Tom sehen, ob sein Gesicht noch ganz war.

Da sich niemand um ihn k├╝mmerte und er im Zimmer auch keine Notschelle vorfand, zog er seinen Lederkombi an ( welcher Rocker will schon im Nachthemd unter Menschen) und ging auf den Flur des Krankenhauses. Durch die Fenster sah er die D├Ąmmerung hinein sickern.
Der Betrieb dieses Etablissements scheint sich auf die Nachtruhe vorzubereiten.
Er versuchte, seinen Gedanken die gewohnt, l├Ąssige Art zu verleihen. In einem Glask├Ąfig sah er die Nachtschwester, gekleidet in Intensivgr├╝n, vertieft in einem Magazin.
Tom Raid fand die ganze Szene nicht gerade ÔÇ×Born to be WildÔÇť, doch er w├╝rde sie fragen m├╝ssen, was Sache ist.
> NÔÇÖ abend! <
Er stellte der Schwester die Frage seines gr├Â├čten Interesses, fragte nach dem Verlauf seines Schicksals, ├╝ber das Wie und Warum und Weiter.

Weiter... ? Nichts. Die Schwester blieb stumm. Ja, sie sah ihn nicht mal, bl├Ątterte und blickte weiter in ihrem Hausfrauenblatt.
Wenn sie ihn ignorierte, w├╝rde er daf├╝r sorgen, da├č sie reagieren mu├čte.
Er griff in seine Brusttasche links und in seine Brusttasche rechts, holte das gelbe P├Ąckchen Revi ohne und ein Sturmfeuerzeug hervor.
Das Feuerzeug schnackte. Gen├╝├člich sog er einige Male an der verknitterten Kippe.
Nichts! Keine Reaktion.
Er sprach sie erneut an, wurde lauter, schrie.
Zuletzt gab er auf.
Wenn die sich hier so zickig anstellen, geh ich lieber auf neÔÇÖ andere Party.
Tom drehte auf der Stelle und suchte den Ausgang.
Endlich drau├čen lockten ihn bunte Lichter. Er sah an sich hinab, einige Stellen seiner Lederkluft waren reichlich aufgesch├╝rft. Aber er fand, es w├╝rde nichts ausmachen.
Das verleiht mir einen wilden Touch!

Tom erreichte die Kirmes, er brauchte jetzt dringend ein Bier.
An der Theke eines Bierschiffes gab er dem Whiskeykeeper seine Bestellung auf, doch auch hier wurde er ├╝berh├Ârt.
Er nahm sich ein Glas und drehte den Hahn selber auf.
Ahh, das tut gut.
Da sowieso niemand auf ihn achtete, verga├č er auch zu bezahlen und ging mit einem neuen Glas Bier in der Hand ├╝ber den Platz.

Das Riesenrad drehte, Fahrgesch├Ąfte verschleuderten kaltes Neonlicht. Karambolagen am Autoscooter, verliebte P├Ąrchen Arm in Arm vor dem Hully Gully.
Er sprach ne Alte an, > Hey, Schickse! Ne Menge Trubel hier! <
Da war nichts zu machen. Die Kleine l├Ąchelte still vor sich hin und nahm den blonden Kerl neben ihr gar nicht wahr.
Du hast schlechte Karten!
Tom kam es in den Sinn, das es vielleicht kein Traum war, wie er am Anfang annahm.
Na, wenn das so ist!
Weiter vorn an dem sich wie irr drehenden Love-Bugs sah er einen Kumpel von der Konkurrenz. Auch in Leder gekleidet, mit einer Unmenge Pickel im Gesicht. Tom baute sich neben dem Typ auf, > Tach, Pickelfresse. Jetzt gehtÔÇÖs mal ab hier. Freifahrt! < Er stie├č den Knaben zwischen die Fahrk├Ârbe, sein Opfer kam nicht mal zu einem Schrei. Tom schmi├č das leere Glas hinterher und wartete ab.

Der Fahrbetrieb wurde sofort eingestellt, Polizei und Notrettung bargen den Schwerverletzten, eine Menge Zeugen wurden befragt, die nur einen Sturz als Unfallursache angaben.
Tom stand die ganze Zeit daneben und grinste. Er stie├č einen Polizisten die M├╝tze vom Kopf, stahl einem anderen die Dienstwaffe und rief die ganze Zeit: > ich warÔÇÖs, ich warÔÇÖs! <
Nach dieser Show kippte er einiges an Bier, stellte auch ab und an anderen Leuten was zu trinken hin. In einer Frittenbude stand Tom pers├Ânlich an der Friteuse und stellte sein eigenes Men├╝ zusammen.
Am Ende des Kirmestages z├╝ckte er die Pistole und zielte zwischen Jugendlichen auf ein Brett mit aufgestellten Blechb├╝chsen. Immer, wenn jemand warf, scho├č er auf eine B├╝chse und traf. Der Knall der abgefeuerten Kugel ging im ├╝brigen L├Ąrm zwar nicht unter, aber niemand sah den Grund des Kraches, der in der Luft hing.

Die letzten Lichter erloschen, bis auf das einsame der Stra├čenlaternen.
Born to Ride!
TomÔÇÖs Laune war auf dem H├Âhepunkt, als er die Harley unter einer Laterne stehen sah. Ganz und gar in Silber und mit gewaltigen Zylinderk├Âpfen versehen.
Fachkundig knackte er die Karre, stieg auf und fuhr mit donnerndem Sound Richtung Highway.

Am Morgen hatte er die Schnauze voll von der Strasse, er war zur├╝ck in der Stadt. Er fand, nichts w├Ąre langweiliger als der fr├╝he Morgen. Aus Frust nahm er eine Zeitung aus einem Packen, der f├╝r die Zeitungsboten am Marktplatz auslag.
Tom setze sich auf den Bordstein und rauchte. Dabei las er.
Zun├Ąchst zwei Schlagzeilen auf Seite Eins: ÔÇ×Ein Schwerverletzter auf dem JahrmarktÔÇť und ÔÇ×Leiche verschwunden aus dem Spital der ElisabethanerÔÇť, dann weiter ├╝ber das Wetter auf Seite Drei und Sonstiges auf Seite F├╝nf. Auf der letzten Seite gelangte er zu den Traueranzeigen: Wir verloren Tom ÔÇô Freeway Riders stand zwischen einem gebl├╝mten Rahmen zu lesen.

Er schnippte die Zigarette auf die Strasse, es war also wahr. Er besa├č nun Gewi├čheit, es war kein Traum. Sein letzter Ritt f├╝hrte ihn direkt ins Grab.
Tote brauchen keinen Spiegel! Es war eine Abstellkammer f├╝r Verstorbene, in die sie ihn geschoben hatten.
Ich bin lange tot und fast vergessen!
Er dachte daran, wie sie im Clubhaus ganz in der N├Ąhe ihrer BikeÔÇÖs einen auf sein Ableben heben w├╝rden.
Zufu├č ( bei Tag war es ihm peinlich, ungesehen Motorrad zu fahren), marschierte er durch die Stadt. Es zog ihn zum Haus seiner Eltern, eine H├╝tte am Fu├č einer staubigen Senke, von oben hinab zwischen B├Ąumen und einigen B├╝schen konnte er auf die H├Ąuser des Armenviertels mit ihren ru├čgeschw├Ąrzten W├Ąnden sehen. Er kniete auf seinen ledernen Knien im Gras ( er sp├╝rte den kalten Tau nicht mehr) und sah mildes Licht hinter einem Fenster aufleuchten.
Das ist sie, wenn sie morgens als erste aufsteht und Wasser f├╝r den Kaffee aufsetzt.
Tom dachte an seine Mutter und sah auf das Licht im K├╝chenfenster.
> Mutter <, fl├╝sterte er, > Mutter. <

> Hey, Tom! <
Pl├Âtzlich standen sie neben ihm. Typen in grauschwarzem Leder. Seine Kumpel: Mark, Will, Charles und all die anderen, Freeway Riders, die lange vor ihm schon den Staub der Strasse gefressen hatten.
> Jetzt bist du nicht mehr allein. Na, deine Mami wirst du nun nicht wieder sehen, ab jetzt hast du uns. F├╝r immer reiten! F├╝r immer Rocker! <

Im Westen, September 2003

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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
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Hallo Udo,

die absolute Stille anfangs im Krankenzimmer verr├Ąt zu fr├╝h, was ab geht. Revi ist ja eine ganz sch├Âne Verniedlichung, denkt so ein Rocker?
Das Ende ist ein wenig schwach, deine Aussage mit der Mutter und den toten Kameraden kommt ein wenig schwach her├╝ber, das k├Ânntest du verbessern.
Aber insgesamt eine sch├Âne Geschichte, bei der mir das Lesen Spa├č gemacht hat.

Bis bald,
Michael

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Marcus Richter
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Registriert: Jan 2003

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Hi blues,
klasse Geschichte, sch├Âne "is mir doch schei├čegal"- runtergeschrieben. Gibts nichts dran auszusetzen.
Den Schluss find ich nicht schwach, k├Ânnte aber st├Ąrker sein. Erinnert mich unheimlich an Ghostriders in the sky:

A bolt of fear went through him
as they thundered through the sky.
Oh, he saw the riders comin’ hard,
And he heared their mournful cry...

Man k├Ânnte jetzt am Schluss nat├╝rlich noch weiter gehn und den Rocker innerhalb der Geisterrocker beschreiben, ein paar moralische Zweifel einf├╝gen, Angst, etc. etc.
Aber vielleicht w├Ąr das zu viel, vielleicht steckt da n┬┤guter Bikerhorrorroman drin. Wer wei├č es.
Jedenfalls kann ich mir gut vorstellen, wie er irgendwie melancholisch am Haus seiner Mutter seht, die alten Jungs kommen auf ihren fetten Maschinen angedonnert und holen ihn, damit sie endlich wieder zusammen auf den Highway k├Ânnen. Dann springt er bei einem hinten auf und pl├Âtzlich sind sie nurnoch eine Sandwolke, die ├╝ber die Stra├če fegt und alten Damen die R├Âcke aufwirbelt.

Jaja, klasse Idee, diese Gruppe von Geistern, die noch ihren alten Neigungen nachh├Ąngen.

Gruss, Marcus


__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Gr├╝nbein

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bluesnote
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Registriert: May 2002

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Geisterrocker - verdammt gute Idee

Hallo Michael, hallo Marcus.

Ich hab so viele Anregungen bekommen, das ich jetzt unheimlich Bock drauf hab, eine richtige Rockerstory zu schreiben.
Aber diesmal ist Schluss mit der Knuddelei, dann lass ich's richtig krachen.
Die Jungs sind aussen hart wie Stahl und innen weich wie Butter. Und es sind die Lilac Angels aus dem schmutzigsten Duisburg Ruhrort.
Und wenn ich endlich das richtige Passwort f├╝r mein Profil finde, klau ich die Zeilen vom Ghostrider und nehm sie f├╝r mein Signum, Marcus.
Damned, wird sowieso mal Zeit f├╝r ein neues!

Also, liebe Br├╝der und Schwestern, bis dann und gr├╝sst mir die Genossen.

dirty bluesnote

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Nina H.
???
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>Warum gibt es hier keinen Spiegel.

Also hinter diesen Satz geh├Ârt ein Fragezeichen.

Ansonsten wars ganz witzig, mal etwas aus der Sicht eines Rockers zu lesen, also mal eine ganz andere Denkweise als die meine kennenzulernen ;-)

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bluesnote
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Ne Menge Haken!

Hallo Nina.

Tom kommt wieder. Diesmal mit den Perros und den Hijas del Camino.

In der Story sind eine ganze Menge mehr Haken. So m├╝sste z.B. der Krankenschwester auffallen, wenn Toms Feuerzeug in der Luft h├Ąngt und aufflammt.
Ich hab die Geschichte aber noch in Arbeit. Das Ding wurde ganz umgeschrieben und kommt in den n├Ąchsten Wochen raus.
Darin gehts um eine Gruppe Outlaws, die sich gegen die Gesellschaft wehren und an mehreren Fronten k├Ąmpfen m├╝ssen.
Also, die Harley ist noch lang nicht in die Garage geschoben und Tom geht wieder auf die Strasse, diesmal kommt er mit Verst├Ąrkung.

Viele Gr├╝sse.

Udo

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