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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Rodeo
Eingestellt am 19. 04. 2018 23:28


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Utz Bahm
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2017

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Rodeo

Es war ein sonniger, warmer Tag Anfang Mai 1961, hier in Argentinien ja schon Herbst, als mein Nachbar uns besuchte. Sein Name war Ricardo und war eigentlich der Sohn des Nachbars. Mit etwa 30 Jahren und kr├Ąftigen K├Ârperbau trat er selbstbewusst auf, meinem Geschmack nach etwas ├╝berheblich und Dandyhaft. Gekleidet war er im typischen, folkloristischen Gaucho-Stil, also die Bombacha (Pluderhose), weises Hemd mit braunem verknotetem Halstuch, breiter G├╝rtel aus ungegerbtem Fell der Wasserratte mit Silberm├╝nzen best├╝ckt. Sein dunkles, etwas zu langes Haar, war bedeckt mit einem sogenannte Chambergo, ein schwarzer, breitrandiges Filzhut. Seine Stiefel waren aus schwarzem, feinem Leder, auch Ziehharmonikas genannt wegen des faltigen kurzen Schaftes. Im R├╝cken, zwischen Hemd und G├╝rtel gesteckt, hatte er einen ÔÇ×Fac├│nÔÇť, ein breites und langes Messer in lederner Scheide. Er lud mich ein mit ihm eine sogenannte ÔÇ×TropaÔÇť am n├Ąchsten Tag zu machen. Es handelt sich dabei um was man Um- oder Abtrieb von einer Rinderherde nennen k├Ânnte. Nach den vielen und ausgiebigen Regen im April, hatten sie auf ihrem Camp ziemlich Probleme, da ein Teil ├╝berschwemmt war. Zudem hatten sie einige Jungtiere zus├Ątzlich zu ihrer j├Ąhrlichen ÔÇ×Entw├ÂhnungÔÇť dazugekauft, und nun ungen├╝gend Weideland zur Verf├╝gung. (Entw├Âhnung ist wenn die K├Ąlber von den K├╝hen getrennt werden). Daher pachteten sie f├╝r einige Monate ein St├╝ck Naturweide an und wollten also ihre Tiere dort hin treiben. Nat├╝rlich reizte es mich diese Erfahrung machen zu k├Ânnen.

Vor Sonnenaufgang sattelte ich meine Rosie, verkleidete mich als Gaucho und ritt dann, erwartungsvoll, die etwa f├╝nf Kilometer zum Hof des Nachbarn. Als ich dort ankam, war sein Vater, Don Julio, gerade dabei eine kleine Kutsche mit Verpflegung zu beladen. Wollte also als Fourier dabei sein. Meine spanischen Sprachkenntnisse waren noch arg d├╝rftig. Nicht alles konnte ich verstehen was mir der Alte beim begr├╝├čen erkl├Ąrte. Aber er meinte, wir sollten erst einmal fr├╝hst├╝cken, w├Ąhrend seine Leute die Tiere zusammen trieben und mit dem Marsch begannen. Das sogenannte ÔÇ×Bauernfr├╝hst├╝ckÔÇť bestand hier haupts├Ąchlich aus gebratenem Fleisch, Spiegeleier, Semmel, Galletas genannt, und Mate Te. Anschlie├čend lud er mich ein, ihn auf der Kutsche zu begleiten. Nat├╝rlich wollte er mich ein wenig ausfragen und auch n├Ąher kennen lernen. Also band ich meine Rosie hinten an die Kutsche und setzte mich neben ihn auf die Bank. War ja auch bequemer. Ricardo war inzwischen auf seinem Schimmel zur Truppe geritten.

Das Gespr├Ąch f├╝hrte notgedrungenen Don Julio, wobei er mir zun├Ąchst erkl├Ąrte, dass das Rodeo, wie eine Rinderherde hier auch benannt wird, etwa zehn Kilometer auf der Stra├če nach dem n├Ąchsten Dorf getrieben wird und kurz vor dem Dorf dann links in eine Furt und durch den Fluss, auf dessen anderer Seite die angestrebte Weide lag. Da er langsam sprach konnte ich ihn ganz gut verstehen. Vor uns lagen also so zwei bis drei Stunden auf der Kutsche. Die Unterhaltung wurde f├╝r mich dann doch interessant, als er mir die Geschichte seiner Estancia erz├Ąhlte, w├Ąhrend wir die gerade Erdstra├če, weit hinter der Staub aufwirbelnden ÔÇ×TropaÔÇť, dahin zockelten. Auf der rechten Seite passierte man eingez├Ąunte Felder und Wiesen. Gegen├╝ber dichter Busch, ebenfalls eingez├Ąunt.

Wie er mir nun erkl├Ąrte, bekam ein Ur-Ur Gro├čvater von ihm das Land vom Staat, w├Ąhrend der Unabh├Ąngigkeit Argentiniens von Spanien, geschenkt. Dieser war Offizier in der sogenannten Befreiungsarmee gewesen und konnte sich anschlie├čend noch ÔÇ×freiesÔÇť Land, als Abfindung, ausw├Ąhlen. Als sein Eigentum bekam er, was er an einem Tag, also von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ab-reiten konnte. Um so viel wie m├Âglich zu bekommen musste er ja oft, und so es das Terrain erlaubte, Galopp reiten. Daf├╝r stellte er auf der vorher inspizierten Strecke Posten mit Ersatzpferden auf. Letztlich bekam er etwa tausend Quadratkilometer, also etwa sage und schreibe Einhundertausend Hektar zugesprochen, einschlie├člich die vorhandenen Ureinwohner. Nat├╝rlich war es wildes Land, also mit verschiedenen landschaftlichen Eigenheiten. Vorherrschend waren Busch und W├Ąlder mit einigen Hartholzgew├Ąchsen, wie zu Beispiel Quebracho, heute aus dieser Gegend verschwunden. Nat├╝rlich auch, und bedingt durch die geografische N├Ąhe und geologische Charakteristiken des Parana-Beckens, durchzogen von feuchten und zum Teil salzigen Niederungen. Nun, die Erbteilung durch den erfolgreichen Kindersegen der folgenden Generation hinterlie├č f├╝r meinen Nachbar nur etwa zweitausend Hektar, was, wegen der mittelm├Ą├čigen Qualit├Ąt der Besitzes, eher zu den kleinen Estancias geh├Ârte.

Es wurde beinahe Mittag als wir an die Furt kamen. Hier machte der etwa f├╝nfzig Meter breite Fluss einen weiten Bogen. Normalerweise w├Ąre es m├Âglich, ihn mit einem Gef├Ąhrt zu ├╝berqueren, meinte Don Julio, da der Grund eher sandig sei. Nur f├╝hrte er eben ziemlich Hochwasser. Eigentlich war die Herde nicht au├čergew├Âhnlich Zahlreich. So viel ich mich erinnere, nicht viel mehr als 100 junge, und vor allem magere Tiere. Zun├Ąchst gab es einige Schwierigkeiten sie ins Wasser zu bekommen. Daher trennten die Gauchos erst einmal vier oder f├╝nf der Rinder ab, die sich an der Spitze befanden. (An der Spitze einer Tropa befinden sich immer die kr├Ąftigsten und gr├Â├čere Tiere). Mit viel Geschrei und Peitschenhieben zwangen die Gauchos sie in den Fluss zu springen. Da das Wasser am ├Ąu├čeren Teil des Bogens, also auf unserer Seite, tiefer war, mussten sie sofort schwimmen, ebenso die Pferde. Auf der gegen├╝ber liegend Seite flachte das Ufer weit in den Flusslauf. Daher beschr├Ąnkte sich die durch Schwimmen zu ├╝berbr├╝ckende Strecke auf etwas mehr als f├╝nfzehn bis zwanzig Meter. Bedingt durch das Hochwasser hatte der Fluss ziemlich Str├Âmung und da viele der jungen Tiere sehr geschw├Ącht waren, mussten die Reiter, sie an den Ohren haltend, beim ├ťberqueren nachhelfen. Das war nat├╝rlich harte und aufreibende Arbeit, vor allem, da die Pferde nur bed├╝rftig gesattelt waren, meist ohne Steigb├╝gel. Man musste sich also mit den Beinen festklemmen. Die eigenartige Beschaffung der S├Ąttel, bestehend vorwiegend aus dem hier genannten ÔÇ×BastoÔÇť als Sitz und beschichtet mit ungegerbten Schaffellen, lie├č es empfehlenswert erscheinen, ohne die Sitzpolster sich ins Wasser zu begeben. ├ťbrigens war auch ein kleines Ruderboot Flussabw├Ąrts vorhanden, bet├Ątigt von einem ├Ąlteren Mann, mit dem ├ťberqueren des Proviants und anderer Utensilien betraut. Auch er musste ab und zu mit dem Retten der abtreibenden Tiere helfen.

Nach einer Weile des Betrachtens der T├Ątigkeit der Gauchos, stieg ich von der Kutsche und schnallte Rosie los. Auf Anraten Don Julio┬┤s entledigte ich sie des Sattelzeuges, mit der Absicht ebenfalls am ├ťberqueren des Flusses behilflich zu sein. Rosie war eine alte und sehr zahme Stute, die ohne weiteres ins Wasser sprang, mit mir drauf, nat├╝rlich. Gleich bei der ersten ├ťberquerung musste ich eines der schwimmenden Rinder an seinem linken Ohr festhalten, da es drohte abzutreiben. Sobald Rosie und dann auch das Einj├Ąhrige Fu├č fassen konnten, h├╝pften beide auf das Ufer zu. Ja, und dann wieder zur├╝ck. Don Julio klatsche mir Beifall von seinem Sitz auf dem Kutschbock zu.

Ricardo jedoch hatte Schwierigkeiten seinen Schimmel ins Wasser zu bekommen. Jedes Mal, wenn er an den Rand des Ufers kam, bockte dieser. Schlie├člich entschied sich Ricardo den Gaul zu ├╝berlisten. Daf├╝r suchte er sich einen steilen Uferrand aus, um im Galopp einen erzwungenen Sprung in den Fluss zu machen. Zwar riet sein Vater davon ab, doch Ricardo meinte, schlie├člich sei er ja schlauer als das Pferd. Im Prinzip klappte sie Sache ja auch. Nach kurzen Anlauf sprang der Schimmel mit Ricardo auf seinem R├╝cken in die Fluten und strampelte nun kr├Ąftig dem gegen├╝ber liegend Ufer zu. Durch den Aufprall rutsche Ricardo vom nicht gesattelten R├╝cken des Pferdes ins Wasser und musste das Halfter loslassen. Dabei erhielt er einen heftigen Schlag mit einem der hinteren Hufen gegen die Brust, der ihm die Luft abschnitt. Einer der Helfer sprang sofort ins Wasser und zog ihn aufs anliegende flache Ufer.

Es dauerte beinahe anderthalb Stunden, bis wir die gesamte Herde ohne Verluste ├╝ber den Fluss gebracht hatten. Don Julio lie├č sich mit dem Boot ├╝bersetzen. Mittlerweile hatte einer der Gauchos auf dem erreichten Gel├Ąnde ein Feuer entfacht, um die nassen Kleider trocknen zu k├Ânnen und auch um das mitgebrachte Fleisch zu grillen. Ich war drei Mal durch den Fluss mit Rosie geschwommen, das letzte Mal an ihrem Schwanz h├Ąngend, denn langsam war sie doch erm├╝det. Nat├╝rlich war die neue Gaucho-Ausstattung klitsche nass geworden. Einige Lassos zwischen herumstehenden B├Ąumen gespannt, ergaben eine lange W├Ąscheleine. Ja, und da sa├čen wir nun alle in Unterhosen mitten im Buschwald, mit viel Gel├Ąchter und Beschwatzen der getanen Arbeit und sonnten unsere nassen K├Ârper und Klamotten. Auch Ricardo hatte sich wieder einigerma├čen erholt. Don Julio beschichtete den Rost ├╝ber der Glut mit sch├Ânen St├╝cken Steaks und W├╝rstchen. Die Rinder hatten sich nun langsam im Gel├Ąnde verteilt und fra├čen eifrig das saftige Grass unter den ÔÇ×AlgarobosÔÇť, ÔÇ×ChanaresÔÇť und wie so die heimischen Str├Ąucher und B├Ąume hei├čen. Auch die angebundenen Pferde lie├čen es sich gem├Ąchlich munden.

Ehe nun das Fleisch gar und die Stiefel trocken waren, drehte der Wind pl├Âtzlich nach S├╝den. Die Sonne verschwand und es wurde f├╝r unsere nackte Haut eisig kalt. Trocken waren nur die Schaffelle, die mit dem Boot ├╝bergesetzt worden waren. Also wurde das Feuer noch etwas erweitert, die volle und improvisierte W├Ąscheleine n├Ąher heran verspannt. Mit den Fellen ├╝ber den Schultern und nahe dem Feuer, schnippelten wir zitternd von den Steaks die gebratenen Teile nach und nach mit den langen und vor allem scharfen Messern ab und genossen, sozusagen unterk├╝hlt, unser Mittagsmahl, begleitet mit den ÔÇ×GalletasÔÇť, also mit Rindertalg angereicherte Br├Âtchen. Ausnahmsweise bekam jeder einen Schluck dunklen Rotweines aus der Flasche Don Julios. Als ÔÇ×NachtischÔÇť gab es nun den obligatorischen Mate.

Don Julio meinte jedoch, dass Ricardo und ich mit ihm im Boot zur├╝ck ├╝bersetzten sollten, w├Ąhrend das Personal noch einen Rundritt in der weiten Koppel zur Kontrolle durchzuf├╝hren hatten. Einer der Gauchos brachte den Schimmel und Rosie zur├╝ck ├╝ber den Fluss. Mit einigerma├čen trockenen Kleidern, und ges├Ąttigt, ritten dann, Ricardo und ich, zur├╝ck auf die Estancia, w├Ąhrend Don Julio ins Dorf fuhr um dort einige Formalit├Ąten zu erledigen.




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???
Registriert: Aug 2012

Werke: 26
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na ja, es hoert sich ein bisschen nach schulaufsatz an. es ist ohne grosse leidenschaft pflichtbewusst heruntergeleiert, wo bleibt die leidenschaft, mann? ich wuerde dialoge einbauen, die maenner schwitzen, fluchen und sich von der sonne versengen lassen. du beschreibst bloss - und zeigst dem leser nichts, fuer mich war es echt ein durchquaelen bis zum schluss. ansaetze sind durchaus vorhanden, lieber utz, aber du musst MEHR daraus machen. tja, und auch die rechtschreibefehler beheben, der konverter kann dir hinsichtlich schon ein bisserl hilfreich sein.
und noch etwas: der schluss ist knochentrocken, bring ein bisschen pepp und humor in die literarische bude, ich bin sicher, das schaffst du! und bitte: loesche um himmels willen die klammer-saetze, der leser ist nicht dumm, und es hoert sich einfach zu sehr nach sachbuchtext fuer mich an.
eine bewertung auf der skala von 1-10 moecht ich im moment lieber nicht abgeben, aber dies koennte sich nach einer gruendlichen text-ueberarbeitung von deiner seite ja aendern.

lg und bis bald,
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Die Federspitze auf dem Papier, wie sie die Worte balanciert, auf der messerscharfen Schneide zwischen Wahn und Wirklichkeit.

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