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Leselupe.de > Kurzprosa
Rosen - eine Momentaufnahme
Eingestellt am 30. 08. 2009 20:57


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Pola Lilith
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ROSEN



Er war aus ihr gegangen; wann es passierte, interessiert nicht wirklich, keine Zeit l├Ą├čt sich zur├╝ckdrehen.

Die Bl├Ątter der Rosen gl├Ąnzten in der Sonne; dabei trat das Rankger├╝st dezent in den Hintergrund wie auch das Hufeisen, das an ihm hing und kein Gl├╝ck gebracht hatte. Farblos wurden die wei├čen Bl├╝ten von der Sonne verschlungen ÔÇô so farblos wie sich das Leben in Anne von selbst verzehrte, seitdem er weg war.
Sie betrachtete ihr Werk, das halbrunde Rosenprofil, mit Freude. Aber daf├╝r hatte sie es nicht angelegt. Nicht daf├╝r versuchte sie, dem Haus Ordnung anzugew├Âhnen, es ÔÇ×heimeligÔÇť zu machen. Anne tat es, um Jan zu halten, um ihrer Liebe ein Abbild zu geben, ihr den Wert zu verleihen, der sonst nicht erkannt wurde.
Das war nun vor├╝ber. Die Ernte konnte nicht eingetragen werden; ein Hagelsturm war ├╝ber sie hinweggefegt und sie mu├čte geschlafen haben. Oder hatte sie einfach nicht sehen wollen ?
Heuer gab es weniger Rosen als das Jahr zuvor. Es hatte viel geregnet und extreme Temparaturst├╝rze gegeben. Aber ihm fiel nur auf, wenn etwas E├čbares weniger wurde. Wie die Zwetschgen dieses Jahr. Und was sie an Quitten einholen w├╝rde und ob dies ├╝berhaupt noch geschehen sollte, das blieb in den Sternen.
Sie erinnerte sich nicht, wann sie das letzte Mal einen Sternenhimmel betrachtet hatten. Ein Sternenhimmel ist f├╝r die Liebenden, die Hoffenden. F├╝r die Einsamen wird dieser zur Furie.

Heute fr├╝h hatte Anne nur eine einzige verbl├╝hte Rose abgeschnitten; es gab ja nicht viele; vielleicht verbargen sie sich nur vor ihrem Blick oder sie konnte die verbl├╝hten von den Knospen gar nicht mehr unterscheiden; das war ihr schon ein paarmal durch den Kopf gefahren, als sie mit der Gartenschere vor der Rosenwand stand und z├Âgerte, einhielt und schlie├člich ablie├č. Denn Anne wollte weder einer Knospe etwas antun noch der Nacktschnecke, die sie gestern auf der Terrasse ihre Schleimspur fortsetzen lie├č, als sie diese f├╝r das Liebes- und Erfolgsnest, das sie beide vor Jahren er├Âffnet hatten, s├Ąuberte.

Jan sollte heute zur├╝ckkommen. Und sie wu├čte, er kam nicht zur├╝ck. Offiziell ging und kam er wieder, war da, wenn sie ihn brauchte f├╝r das organisatorische Schmuckwerk eines davoneilenden Lebens. Aber sie sp├╝rte, da├č er irgendwo dazwischen stehen geblieben war, schlie├člich ging es ihr nicht anders. Die gr├Â├čte Gefahr ist nicht der Hagelsturm, die gr├Â├čte Gefahr f├╝r das Gedeihen ist, die Lieblosigkeit nicht zu erkennen, in welcher man dem Anderen entzieht, was er ben├Âtigt.

Rosen sollten f├╝r sich stehen. So hatte sie, mit dicken Handschuhen bewappnet, den Mirabellenbaum von den sich ver├Ąstelnden Rosen befreit und die Zweige in m├╝hevoller Kleinarbeit nach ihrem Willen zu einer romantischen Wand geformt. Vielleicht w├╝rden sich nun die bis dahin verborgenen Knospen ├Âffnen und neue Rosen geb├Ąhren. Aber dies w├╝rde nichts ├Ąndern an den Verletzungen, welche die Lieblosigkeit den Gel├Ąhmten zugef├╝gt hat.

ÔÇ×Wie geht es dirÔÇť? Wie geht es dir! Schau Jan, die Rosen. Aber er sieht ihr Werk nicht in der Absicht, die ihn auf die Terrasse gef├╝hrt hatte. ÔÇô Das wirkliche Leben ist pragmatisch, darin spielen Rosen, Sternenhimmel und der Verlust von Liebe nur eine untergeordnete Rolle. ÔÇô Wer sagt das? ÔÇô

Sie gab keine Antwort auf eine Frage, die nicht gestellt wurde. Und er stolperte wieder inÔÇÖs Haus zur├╝ck, und sie nahm ihre Schere und kappte eine Knospe nach der anderen, die sich nun ganz deutlich auch als solche zu erkennen gaben ÔÇô dem Strom des Lebens und der Gerechtigkeit wegen.

August 2009

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eenemenetekel
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hallo pola lilith!

das hegen der rosen als sinnbild f├╝r den versuch, die liebe gedeihen zu lassen bzw. am leben zu erhalten, empfinde ich als sch├Âne idee! gut ist auch die symbolik - knospen, bl├╝hen, welken - wenngleich auch nicht durchgehend klar umgesetzt.

einige anmerkungen und vorschl├Ąge:

quote:
Er war aus ihr gegangen. Wann es passierte, interessiert nicht (wirklich) mehr - die Zeit l├Ą├čt sich nicht zur├╝ckdrehen.
quote:
Die Bl├Ątter der Rosen gl├Ąnzten in der Sonne und verschleierten den Blick auf das Rankger├╝st und das Hufeisen, das daran hing und kein Gl├╝ck gebracht hatte. (Farblos wurden die wei├čen Bl├╝ten von der Sonne verschlungen ÔÇô so farblos wie sich das Leben in Anne von selbst verzehrte, seitdem er weg war.)
das klingt etwas h├Âlzern. der vergleich wirkt sehr konstruiert.
quote:
Sie betrachtete ihr Werk, das halbrunde Rosenprofil, mit Freude. Aber daf├╝r hatte sie es nicht angelegt. Nicht daf├╝r versuchte sie, dem Haus Ordnung anzugew├Âhnen, es ÔÇ×heimeligÔÇť zu machen. Anne tat es, um Jan zu halten, um ihrer Liebe ein Abbild zu geben, ihr den Wert zu verleihen, der sonst nicht erkannt wurde.
jan wird doch nicht durch die rosen bei ihr gehalten. eher verstehe ich es als ihre erinnerung an, als ihre gedankliche fixierung auf ihn. es wird nicht ganz deutlich.
was genau du mit dem wert, der nicht erkannt wurde, sagen willst, verstehe ich nicht.
quote:
Das war nun vor├╝ber. Die Ernte konnte nicht eingetragen werden; ein Hagelsturm war ├╝ber sie hinweggefegt und sie mu├čte geschlafen haben. Oder hatte sie einfach nicht sehen wollen ?
Heuer gab es weniger Rosen als das Jahr zuvor. Es hatte viel geregnet und extreme Temperaturst├╝rze gegeben. Aber ihm fiel nur auf, wenn etwas E├čbares weniger wurde. Wie die Zwetschgen dieses Jahr. Und was sie an Quitten einholen w├╝rde und ob dies ├╝berhaupt noch geschehen sollte, das blieb in den Sternen.

wahrscheinlich m├Âchtest du hier die unbillen des wetters sowohl auf die realen pflanzen als auch auf das pfl├Ąnzchen liebe anwenden. allerdings gestaltet sich die passage ein wenig verworren.
wie z.b. sollte sie einen hagelsturm verschlafen k├Ânnen, der ├╝ber sie hinwegfegt? ...
quote:
Sie erinnerte sich nicht, wann sie das letzte Mal einen Sternenhimmel betrachtet hatten. Ein Sternenhimmel ist f├╝r die Liebenden, die Hoffenden. F├╝r die Einsamen wird dieser zur Furie.
"furie" ist f├╝r mich etwas tobendes, lautes - kein sehr gl├╝ckliches bild bei der beschreibung eines sternenhimmels. vielleicht lieber "bodenloser abgrund" oder etwas in der art.
quote:
Heute fr├╝h hatte Anne nur eine einzige verbl├╝hte Rose abgeschnitten; es gab ja nicht viele. Vielleicht verbargen sie sich nur vor ihrem Blick oder sie konnte die verbl├╝hten von den Knospen gar nicht mehr unterscheiden. Das war ihr schon ein paarmal durch den Kopf (gefahren) gegangen, als sie mit der Gartenschere vor der Rosenwand stand und z├Âgerte, einhielt und schlie├člich ablie├č. Denn Anne wollte weder keiner Knospe etwas antun. noch der Nacktschnecke, die sie gestern auf der Terrasse ihre Schleimspur fortsetzen lie├č, als sie diese f├╝r das Liebes- und Erfolgsnest, das sie beide vor Jahren er├Âffnet hatten, s├Ąuberte.
den teil mit der nacktschnecke halte ich f├╝r unn├Âtig. warum noch ein weiteres symbol ins spiel bringen? die rosen (und all das obst ) gen├╝gen. denke ich.
quote:
Jan sollte heute zur├╝ckkommen. Und sie wu├čte, (er kam nicht zur├╝ck) sie w├╝rde umsonst warten. Offiziell ging und kam er wieder, war da, wenn sie ihn brauchte f├╝r das organisatorische Schmuckwerk eines davoneilenden Lebens. Aber sie sp├╝rte, da├č er irgendwo dazwischen stehen geblieben war, schlie├člich ging es ihr nicht anders. Die gr├Â├čte Gefahr ist nicht der Hagelsturm, die gr├Â├čte Gefahr f├╝r das Gedeihen ist, die Lieblosigkeit nicht zu erkennen, in welcher man dem Anderen entzieht, was er ben├Âtigt.
vielleicht k├Ânntest du diesen letzten satz noch ein wenig k├╝rzen? die aussage ist gut, aber er liest sich nicht fl├╝ssig.
quote:
Rosen sollten f├╝r sich stehen. So hatte sie, mit dicken Handschuhen gewappnet, den Mirabellenbaum von den sich ver├Ąstelnden Rosen befreit und die Zweige in m├╝hevoller Kleinarbeit nach ihrem Willen zu einer romantischen Wand geformt. Vielleicht w├╝rden sich nun die bis dahin verborgenen Knospen ├Âffnen und neue Rosen geb├Ąhren. Aber dies w├╝rde nichts ├Ąndern an den Verletzungen, welche die Lieblosigkeit den Gel├Ąhmten zugef├╝gt hat.
sp├Ątestens hier finde ich das bild ein bisschen schief: sollte die liebe nicht eher wachsen und wachsen und wachsen, bis sie schlie├člich alles ├╝berwuchert? wenn sie immer die rosentriebe kappt, beschneidet sie sich doch letztlich selbst. oder ertr├Ągt sie einfach nicht mehr als klar begrenzte liebe? auch das w├Ąre nachvollziehbar. dann jedoch sollte sie den untergang ihrer liebe vor allem sich selbst vorwerfen...
vielleicht k├Ânntest du deine intention hierbei noch ein wenig erl├Ąutern. mag sein, dass ich es falsch verstehe.
quote:
ÔÇ×Wie geht es dir?ÔÇť Wie geht es dir! Schau Jan, die Rosen. Aber er hat keine Augen f├╝r ihr Werk ÔÇô Das wirkliche Leben ist pragmatisch, darin spielen Rosen, Sternenhimmel und der Verlust von Liebe nur eine untergeordnete Rolle. ÔÇô Wer sagt das? ÔÇô
eine tagtraumsequenz? dann vielleicht anstelle des abschlie├čenden "wer sagt das?" so etwas wie: Nein, er wird heute nicht kommen...
quote:
Sie gab keine Antwort auf eine Frage, die nicht gestellt wurde. Und er stolperte wieder inÔÇÖs Haus zur├╝ck, und Sie nahm ihre Schere und kappte eine Knospe nach der anderen, die sich nun ganz deutlich auch als solche zu erkennen gaben ÔÇô dem Strom des Lebens und der Gerechtigkeit wegen.
so gefiele mir das ende besser.

so, ich hoffe, ein paar meiner bemerkungen sind n├╝tzlich.
frohes schaffen auch weiterhin!

lg C.

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Pola Lilith
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Da hast du mir aber Arbeit gegeben...!

lieber Christian !

Zuerst einmal danke f├╝r deine konstruktive Kritik, auf die ich jetzt direkt Absatz f├╝r Absatz antworten m├Âchte. Anmerken m├Âchte ich jedoch, da├č dieser Text nicht von mir ├╝berarbeitet wurde d.h. ich habe ihn direkt von der Kladde i.d. PC getippt, vielleicht 2,3 durchgelesen und dann i.d. PC getippt. So ist es also gut, wenn dann so viel auf einmal auf mich zukommt.

Das "wann" spielt nicht unbedingt eine Rolle, wenn man "fatalistisch" mit der Zeit umgeht - deshalb ist m.E. das "nicht mehr" auch nicht notwendig.

Mit dem Leben, das sich "in Anne verzehrt" - da hast du recht, das hat mir auch nicht gefallen - das mu├č ge├Ąndert werden !

Ja, es ist eine gedankliche Fixierung "auf ihn" - was einem selbst viel bedeutet, mu├č nicht unbedingt auch dem anderen viel bedeuten.

Dem Wert der Liebe stehen in diesem Falle andere Werte gegen├╝ber, die an Bedeutung zugenommen haben und vielleicht den Wert der Liebe ├╝berhaupt dadurch in Frage stellen (leider)

Mit der Ernte, ├╝ber die ein Hagelsturm hinweggefegt sein mu├čte, sind nicht die Pflanzen gemeint, sondern das Bem├╝hen um die Beziehung und die Existenz. Aber du hast recht, das kommt hier wohl nicht so klar raus.

Vielleicht bes├Ąnftigt der Blick in den Sternenhimmel immer (auch das Toben in einem) - vielleicht hast du recht, ich bin mir da aber nicht so sicher.

Die Nacktschnecke kann ich getrost weglassen !

Ja, der Satz mit der Lieblosigkeit k├Ânnte gek├╝rzt werden.

Es ist nicht alles Synonym. Ich habe tats├Ąchlich den Mirabellenbaum von den Rosen befreit bzw. umgekehrt i.d. Hoffnung, die Rosen w├╝rden dann besser erbl├╝hen. Ich wollte etwas Neues schaffen, das den Blick auf sich zieht. - Ich habe diese Momentaufnahme kurz nach dieser Gartenarbeit geschrieben und dann kamen erst die anderen Gedanken dazu bzw. habe ich mein Tun dann etwas analysiert.

"Wer sagt das " bleibt, denn es ist ein Hinterfragen, gleich von wem.

Das sie keine Antwort auf eine Frage gab, die nicht gestellt wurde, bleibt stehen - es ist eben das nicht hinterfragen.

Das Stolpern ist hier wichtig - Synonym f├╝r Hilflosigkeit.

Der Text bleibt nun wie meine sonstigen Texte erst mal eine Weile liegen. In der anschlie├čenden ├ťberarbeitung sind Deine Kommentare sicher weiter hilfreich - schau'n wir mal, ob ich dran denke, ihn dann wieder hier reinzustellen.

Liebe Gr├╝├če aus dem bayerischen Voralpenland nach Berlin

Pola



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