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Leselupe.de > Kurzprosa
Rot, Grau und Ich
Eingestellt am 03. 03. 2006 12:00


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Franka
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Rot, Grau und Ich

Die Nacht liefert sich einen Stellungskampf mit dem Tag.
Die Uhren stehen still und jeder Schritt nach vorn fĂŒhrt zurĂŒck.
Mir, mir ist das alles gleichgĂŒltig.
Mein Einfluss liegt bei Null.
Selbst wenn dem nicht so wĂ€re, ich wĂŒrde ihn nicht geltend machen.

Noch schlĂ€frig gehe ich in die KĂŒche. Die MĂŒdigkeit verfliegt, als ich meinen Dauergast wieder am Tisch lĂŒmmeln sehe. Seit fast einer Woche hat sie nun schon bei mir Quartier bezogen. Meine Zukunft. Sie will einfach nicht begreifen, dass ich mit der Gegenwart genug Probleme habe. Mich einfach nicht um sie kĂŒmmern kann.
Bevor ich noch ”Guten Morgen” sagen kann, setzt sich plötzlich meine Vergangenheit auf den letzten freien Stuhl.
Über die Tischplatte hinweg fixieren sie einander.
Der Raum um uns wird dĂŒnnhĂ€utig, verzieht sich wie leichter Morgennebel.
ZurĂŒck bleiben die Zwei und ich.
Da sitzt sie, die Vergangenheit, in Grau gewandet. Ihr besitzergreifender Blick starrt gebannt in Richtung Zukunft.

War dieser Tag mir eben noch gleichgĂŒltig, huschen meine Blicke nun irritiert hin und her. Mein Magen zieht sich krampfhaft zusammen, und es stĂ¶ĂŸt mir bitter auf.
Die Zukunft, sie trÀgt ein krÀftiges Rot, steht auf und gleitet erhabenen Schrittes in Richtung Vergangenheit. In Zeitlupe.
Ich habe das GefĂŒhl, dass sie gleich aufeinander prallen.
Hastig weiche ich aus der Gefahrenzone. Jetzt ist da genĂŒgend Abstand zu Grau und Rot, zu Gestern und Morgen. Ich fĂŒhle mich sicher in der Gegenwart.
Die Vergangenheit hebt ihre knorrige Hand. Lange FingernÀgel graben sich tief in die Zukunft. Die stöhnt leise auf. Oder bin ich das?
Dort, wo die scharfen NĂ€gel verletzen, fließt Grau in die Wunde, verlĂ€uft das warme Rot.
Ich spĂŒre, bis in die Haarspitzen.
Die Zukunft weicht nicht zurĂŒck. Wehrt jede weitere Attacke ab.
Mein Herz rast.
Das dort ist meine Zukunft. Es ist mein Kampf. Bitte, denke ich, bitte gewinne.

Die Zukunft setzt sich an meinen Tisch und lĂ€chelt erschöpft, aber mit Zuversicht. Von meiner Vergangenheit ist nichts mehr zu sehen, und so lĂ€chle ich mit der gleichen Zuversicht zurĂŒck.
Dann fÀllt mein Blick auf ihre Wunde. Sie ist schon grau. ©

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flammarion
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einfach

hinreißend.
drei kleine fehlerchen: verfliegt als - da muss n komma zwischen
verletzten geht nicht, weil es als einziges wort in der vergangenheit steht,
Bitte denke ich, - nach Bitte muss n komma.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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Franka
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Liebe Flammarion,

danke fĂŒr deine "scharfen" Augen.

LG Franka

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chrissieanne
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hallo franka,

das gefÀllt mir sehr. total dicht ist diese geschichte. und das ende ist genial.
kompliment.

lg
chrissieanne
__________________
Das Buch soll die Axt sein fĂŒr das gefrorene Meer in uns. (Franz Kafka)

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Eve
Routinierter Autor
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Hallo Franka,

eine tolle Geschichte ... lĂ€nger wĂ€re zuviel gewesen, aber so hat sie eine knackige KĂŒrze, und ein Thema, das einen nach dem Ende nicht gleich los lĂ€sst. Spannend geschrieben und sehr anschaulich!

Viele GrĂŒĂŸe,
Eve

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Franka
Foren-Redakteur
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Registriert: Feb 2006

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Es gibt so Texte an denen "arbeite" ich immer wieder, bin nie richtig zufrieden. Auch dies war/ist so eine Geschichte. Doch jetzt stellt sich langsam Zufriedenheit ein. Eure Antworten sind auch ein Auslöser dafĂŒr.
Danke!

LG Franka

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