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Leselupe.de > Kindergeschichten
Rothelmchen trifft Herrn Wolf
Eingestellt am 02. 12. 2004 19:57


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Sylvia
Hobbydichter
Registriert: Sep 2004

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Es war einmal in einem fernen exotischen Land ...
Quatsch, es begann an der n├Ąchsten H├Ąuserecke, im Wohnzimmer der Familie Meier. Eine deutsche Durchschnittsfamilie: Herbert der Vater und Br├Âtchenverdiener, Elke die Mutter und Hausfrau, Sascha der Sohn und Merle die Tochter.
Um Punkt 5,00 Uhr, am Morgen, schrillte das Telefon.
„Herbert, wach auf,“ st├Âhnte Elke und r├╝ttelte ihren Man.
„├äh, Was los? Schnarche ich?“
„N├Â. Das Telefon klingelt. Geh mal ran.“ W├Ąhrenddessen schrillte das Telefon weiter.
„N├Â. Geh doch selbst.“ Herbert war ein klassischer Morgenmuffel und schlief umgehend wieder ein. Also blieb Elke nichts anderes ├╝brig, als aufzustehen und ans Telefon zu gehen.
„Meier.“
„Guten Morgen. Spreche ich mit der Familie Herbert und Elke Meier?“
„Ja. Wer sind sie? Wissen sie wie sp├Ąt das ist?“
„Entschuldigen sie die fr├╝he St├Ârung. Ich bin der Gemeindepfarrer von Handorf. Ihrer verehrten Mutter geht es nicht gut.“
„Stimmt, meine Mutter ist tot“ antwortete Elke ironisch und mit genervten Unterton.
„Ich meine Frau Elfriede Meier.“
„Ach die. Das ist nur meine Schwiegermutter. Ist sie tot?“ schlagartig war Elke wach.
„Nein, ihre Schwiegermutter ist krank und braucht ihre Hilfe.“
Das Telefonat zog sich noch einige Zeit hin, w├Ąhrend Herbert den Schlaf der Gerechten schlief.

Die Wohnungst├╝r flog auf, gefolgt von Sascha und Merle. Als erstes gingen sie in die K├╝che, um die von der Schule ausgetrocknete Kehle, mit Cola zu sp├╝len.
„Wann gibt es heute was zu essen?“
„Wir essen erst heute abend mit Papa. Weil Oma krank ist, muss Sascha erst einige Lebensmittel nach Handorf bringen.“
„Wieso ich? Schick doch Merle. Ich habe keine Zeit“ protestierte Sascha.
„OK, dann f├Ąhrt eben Merle. Du muss ihr dann aber, das Mofa ├╝berlassen“ sagte Elke.
„Cool“ meinte Merle nur und schaute grinsend ihren Bruder an.
„Was? Die f├Ąllt doch schon an der ersten Strassenecke um.“
„Tu ich nicht. Ich habe schliesslich auch meinen F├╝hrerschein“ antwortete Merle .
„Schluss jetzt. Hier sind die Lebensmittel. Wer will fahren? Merle?“
„Ja, logisch.“
Merle zog ihre dicke Jacke wieder an, setzte ihren roten Helm auf und schwang sich mit den Lebensmittel gef├╝llten Rucksack auf das Mofa. Merle fuhr selbstsicher und stolz die Hauptstrasse entlang, in Richtung Handorf.

St├╝rmisch wurde die T├╝rklingel bearbeitet.
„Ja, ich komme ja schon.“ rief Elfriede Meier und qu├Ąlte sich zur T├╝r.
„Guten Tag, gn├Ądige Frau. Ich bin Klaus Wolf von der Versicherung“
„Ich brauche keine weiteren Versicherungen“ Elfriede hasste die sogenannten Klinkenputzer.
„Nein. Ich will ihnen auch keine Versicherung verkaufen. Ich bin ein Kundenbetreuer und m├Âchte ├╝berpr├╝fen, ob ihre Versicherung f├╝r ihren bestehenden Hausrat ausreichend ist. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass oft unsere ├Ąlteren Kunden unterversichert sind. Mit den Folgen, dass sie bei einen eventuellen Schaden nicht alles ersetzt bekommen. Ich schlage vor, sie lassen mich kurz in ihre Wohnung und ich sch├Ątze ihren Hausrat. Danach ├╝berpr├╝fe ich ihre Versicherungsdeckungssummen“
„Ja, wen das so ist. Kommen sie rein. Wie sie sehen, geht es mir zur Zeit nicht gut, sie m├╝ssen entschuldigen."
„Kein Problem. Setzten sie sich einfach in ihr Wohnzimmer. Ich kann mich auch alleine umschauen.“ Mit diesen Worten verschwand der kr├Ąftige b├Ąrtige Mann im Schlafzimmer. Elfriede machte es sich auf dem Sofa bequem und trank ihren frisch aufgebr├╝hten Kamillentee. Pl├Âtzlich h├Ârte sie ein leises Quietschen: „War das die Schrankt├╝r meines Kleiderschrankes? Was macht der junge Mann wohl so lange, in meinem Schlafzimmer?“ wunderte sich Elfriede. Sie erhob sich und ging zum Schlafzimmer. Sie ├Âffnete die T├╝r, konnte aber den jungen Mann nicht sehen. Also trat sie durch die T├╝r. Pong, sie merkte nur noch einen kurzen, aber kr├Ąftigen, Schlag auf den Hinterkopf.
Als Elfriede wieder zu sich kam, lag sie gefesselt auf ihrem Bett. Ihr Herz pochte sehr schnell.
„Tun sie mir nichts“ jammerte Elfriede.
„Keinen Mucks, sonst war es dein letzter“ brummte Herr Wolf.

W├Ąhrenddessen parkte Merle das Mofa im Vorgarten ihrer Grossmutter. Sie ging zur T├╝r und klingelte.
„Wer ist das?“ fragte Herr Wolf und knuffte Elfriede gegen Arm.
„Das wird eines meiner Enkelkinder sein“ stammelte Elfriede. Ihre Kehle f├╝hlte sich wie zugeschn├╝rt an, obwohl kein Strick um ihren Hals, sondern um die H├Ąnde war. Herr Wolf ging zur Gegensprechanlage und fragte mit verstellter Stimme: „Wer ist da?“
„Hier ist Merle. Bis du das Oma? Ich bringe dir Lebensmittel.“
„Warte. Komme am besten durch die hintere Terrassent├╝r ins Haus.“
Merle ging durch den englisch angelegten Garten , der nach vielen unterschiedlichen Blumen duftete, zur Terrasse.

Die Zeit nutzte Herr Wolf, packte Elfriede und zerrte sie in das Wohnzimmer. Blitzschnell schnitt er ihre Fesseln durch und schubste sie in den Sessel.
„So. Jetzt kommt dein Einsatz Oma. Wimmele deine Enkelin ab. Sei aber glaubw├╝rdig, sonst ... zack“ sagte Herr Wolf und deutete mit der flachen Hand einen Schnitt durch die Gurgel an, w├Ąhrend er sich hinter der Wohnzimmert├╝r versteckte.
„Oma, wo bist du?“
„Ich bin im Wohnzimmer.“ H├Ârte Merle ihre Grossmutter mit zittriger Stimme sagen. Sie ging zur halb aufstehenden T├╝r und sah ihre Grossmutter, mit blassem Gesicht und weit aufgerissene Augen, im Sessel sitzen.
„Hallo Oma, wie geht es dir?“
„Gut. Bleibe besser an der T├╝r stehen, sonst stecke ich dich an“
„OK. Soll ich die Lebensmittel nur in die K├╝che stellen oder dir noch schnell etwas kochen“ bot Merle an.
„Nein, geh nur schnell wieder nach Hause.“
„Wenn du meinst. Tsch├╝├č“ verabschiedete sich Merle und ging.

„Hey. Und wie geht’s Oma?“ begr├╝sste Sascha seine Schwester.
„War irgendwie komisch bei ihr“
„Wieso? Konntest nichts abstauben?“
„Quatsch. Nee. Sie wollte mich los werden. Sie hat mich fast rausgeschmissen. Sie guckte mich wie einen Geist an. Ausserdem roch es nach Zigaretten.“
„Das ist wirklich merkw├╝rdig. Schliesslich hasst sie Zigaretten. Ist dir sonst noch etwas aufgefallen?“ Merle hatte Sascha`s ganze Aufmerksamkeit.
„Wo du mich jetzt fragst. Ja. Ich konnte in ihr Schlafzimmer sehen und sah, dass alle Schubladen und Schr├Ąnke offen waren. Ausserdem lag ihr Sonntagskleid auf dem Fussboden.“
„Mensch Merle. Oma wurde ├╝berfallen!“ rief Sascha erregt aus.
„Wir m├╝ssen sofort die Polizei rufen“
„Vergiss das. Die glauben uns Teenies bestimmt nicht. Das m├╝ssen wir selbst in die Hand nehmen.“
Sascha und Merle sprangen die Treppe zur Wohnung hoch. Merle st├╝rzte in ihr Zimmer, griff ihren Bogen und die Pfeile, aber die mit den scharfen Jagdspitzen. Sascha packte seine Graffittispr├╝hdosen und ein Sturmfeuerzeug ein, als kleinen Notflammenwerfer.
Auf der Mofafahrt nach Handorf brachen Sascha und Merle s├Ąmtliche Geschwindigkeitsrecorde. Einige Meter vor Elfriedes Haus stoppten sie. Routiniert spannte Merle den Bogen auf, legte den Armschutz und K├Âcher an.
Sascha und Merle kletterten ├╝ber Z├Ąune und schlichen ├╝ber die Felder zu Elfriedes Haus. Durch die Terassent├╝r wurden Sascha und Merle Zeuge, wie der fremde Mann ihre Oma brutal ins Gesicht schlug. Sascha gab Merle ein Zeichen. Sie nahm einen Pfeil und nockte ihn auf die Sehne. Nachdem sie einen guten Standpunkt, mit freien Blick und Flugfeld auf den Mann, gefunden hatte, spannte sie den Bogen. Mit gespannten Bogen visierte Merle den Mann an. Nach einer unendlich lang wirkenden Zeitspanne, l├Âste Merle den Schuss aus. Der Pfeil sauste, fast ger├Ąuschlos, durch die Luft und traf den Mann direkt im R├╝cken. Dieser st├╝rzte zu Boden. Elfriede schrie auf. Merle und Sascha liefen ins Haus. Schnell nockte Merle einen weiteren Pfeil auf und postierte sich vor den, am Boden liegenden, Mann.
„Hey, du spinnst wohl! Hast wohl zu viele Rambofilme gesehen?“ schimpfte der Mann.
Sascha half inzwischen seiner Oma auf das Sofa. Die m├Ąchtig erleichtert und stolz auf ihre Enkelkinder war.

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