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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Rotrock
Eingestellt am 27. 01. 2005 16:47


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Nina K
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Rotrock



Im Nachhinein denke ich oft, es hĂ€tte auch ein ganz normaler Abend werden können. Ich versuche, den Moment zu ergrĂŒnden, ab dem die Dinge nicht mehr den gewohnten Bahnen folgten, oder wenigstens aber den Zeitpunkt, ab dem es endgĂŒltig außer Kontrolle geriet. Ein unmögliches Unterfangen will mir scheinen.

Als wir rannten und meine Brust vor Erschöpfung schon schmerzte, versuchte ich noch, Dir zu folgen. Verloren habe ich Dich dennoch plötzlich im Nebel des anbrechenden Tages. Gefunden hattest Du mich zuvor bei Anbruch der AbenddÀmmerung.

Rotrock nanntest Du sie neckend und hast ihr ein Efeublatt in die Haare gesteckt. Das Erröten ihrer Wangen hat mich verzaubert.

Du wirst es nicht verstehen, aber alleingelassen versagten mir die Beine, knickten weg und ich stĂŒrzte auf weichen Waldboden. Mit dem Duft des welk-modrigen Laubes erwachten die Bilder des Abends. Ich habe lange dort gelegen. Dann ging ich langsam zurĂŒck, den ganzen langen Weg, den wir gerannt waren.

Um den Hals trug sie ein schmales schwarzes Samtband zur weißen Bluse. Liebesband nanntest Du es und sie errötete wieder.

Unterwegs fand ich die Stelle, an der Du gestĂŒrzt bist. Es war ĂŒbrigens nur ein Ast, der Dich zu Fall brachte. Wie anders bei Tageslicht die Welt doch scheint. Vielleicht ging ich darum zurĂŒck, von der Hoffnung getrieben, es sei nicht geschehen?

In der Geisterbahn hast Du ihr einen sanften Kuss auf die Stirn gegeben. Du sagtest, es sei ein vÀterlicher und sie lÀchelte.

Es war schon Mittag, als ich an der verfallenen MĂŒhle ankam. Hitze staute sich zwischenzeitlich unertrĂ€glich am Boden, gleißendes Sonnenlicht zeichnete die Mauerrisse nach. Ein paar Strahlen krochen durch den tĂŒrlosen Einlass, als wollten sie den grĂŒn schillernden Fliegen den Weg weisen.

ZĂ€rtlich legtest Du ihr Deine Jacke um, als sie auf dem Waldweg fror und versprachst, fĂŒr sie Feuer zu machen. Ihr Blick hing an Deinen Lippen und sie griff Deinen Arm.

Ich habe mich noch ein wenig im Schatten der BÀume gehalten, das Eintreten hinauszögernd. Du hÀttest hier stehen sollen, nicht ich. Und doch stand ich dort allein.

Du hast sie sanft unter das schĂŒtzende Dach gezogen, als der Regen einsetzte, obwohl sie sich nun plötzlich wehrte. Schnell glitt Deine Hand um ihren Körper und zog sie an Dich; stumm folgten meine Augen. Dein Kuss traf ihren Nacken und sie schrie.

In der TĂŒr stehend, roch ich sie wieder. Im DĂ€mmerlicht der MĂŒhle lag sie vor mir, Blut im zerzausten Haar. Ich habe versucht, ihre Haare zu ordnen, als mich blicklos ihre Augen trafen. Dich meinte sie, nicht mich, der fĂŒrsorglich ihren Kopf in seinen Schoß bettete. Wir beide wissen das. Tröstend habe ich ihr leise erzĂ€hlt, dass die rote Bluse so viel besser zu dem roten Rock passt als die weiße und ihr Gesicht gestreichelt.

Sie kamen am frĂŒhen Abend, trugen sie fort und nahmen mich mit. Wenn Du noch da gewesen wĂ€rst, hĂ€ttest Du mir und ihnen erklĂ€ren können, was Dich trieb, ihren Hals zu durchstechen.

Ich schaue auf meine HÀnde: Es hÀtte ein ganz normaler Abend werden können, nun nennt man mich Mörder.

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Rainer
???
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hallo nina k,

auch auf die gefahr hin mich als dĂŒmmling zu outen...
ich kapiere den text einfach nicht.
weil ich nicht dahinterkomme, wer die dritte person ist; ist es ĂŒberhaupt eine person?
schizo habe ich eine weile gedacht, aber das funzt nicht richtig...
... bitte erklĂ€re es mir (und vielleicht auch den anderen lesern, die, was ich gern glaube, schlauer als ich sind, oder nicht fragen wollen/können/dĂŒrfen)

viele grĂŒĂŸe

rainer

achja, der text, die worte und bilder gefallen mir; deswegen frage ich nach dem sinn, nicht weil ich die geschichte blöd finde.
__________________
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Nina K
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Hallo Rainer,

es ist schon etwas schwierig mit dieser Geschichte, das gebe ich zu...

Schizo trifft es ein wenig, wenn vielleicht auch nicht ganz. Dieser Mörder versucht sich zurĂŒck zu erinnern, kann sich jedoch mit seiner Tat ganz und gar nicht identifizieren. Der Abend erscheint ihm, als habe ein Dritter gehandelt und nicht er selbst. Er geht ihn im Versuch, das Geschehene zu verstehen oder nachzuvollziehen also durch, spricht dabei von seiner mordlustigen Person als "ihm".

"Als wir rannten", so scheint es ihm, war der eigentliche Mörder, also sein eigener böser Wille/Geist, noch bei ihm. Er wusste noch, was und warum es geschah. Dann aber verliess ihn seine Mordlust wie ein Rausch und ab dem Moment steht er fassungslos und verstĂ€ndnislos sich selbst gegenĂŒber. So dachte ich es mir. Er fĂŒhlt sich verlassen, wie von einem bösen Geist. Daher resultiert auch sein Unrechtsbewustsein. Er selbst fĂŒhlt sich dieser Tat weder fĂ€hig noch schuldig. Das, was ĂŒber ihn kam, ist vorbei und fort...

Also sei mir nicht gram, dass ich ein wenig Verwirrspiel getrieben habe. Es war lediglich ein Versuch meinerseits.

Lieben Gruß
Nina

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Zarathustra
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Servus Nina K.

mir hat deine Geschichte gut gefallen. Obwohl der Scenenschnitt schon anstrengend ist.

Aber so ist es dir gelungen die Distanz die der Mörder zur Tat hat aufzudecken.

Ich habe mich in dieser Geschichte erkannt. Als TĂ€ter! Wie oft schiebt man die Tat, das was man gemacht hat von sich weg, relativiert alles.

Eine schöne Seelen(Lese)-Lupe hast du da geschrieben.

l.G. Hans
__________________
Was sind das fĂŒr Zeiten, wo ein GesprĂ€ch ĂŒber BĂ€ume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen ĂŒber so viele Untaten einschließt! (Bertold Brecht)

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Rainer
???
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hallo nina k (und natĂŒrlich auch zarathustra),

dass es um ein derartiges betrachten von aussen geht habe ich nicht erkannt; aber das liegt eher an mir als am text .

die quintessenz von zarathustra gefÀllt mir ausgezeichnet; genau, es war immer jemand anderes, ich habe keine schuld.

danke + viele grĂŒĂŸe

rainer

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flammarion
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nun,

vielleicht könntest du das verwirrspiel auflösen, indem du namen verwendest. da der tÀter und der "unschuldige" dieselbe person sind, könnten sie so leichter identifiziert werden.
ich hatte große schwierigkeiten mit dem text, bevor ich diese diskussion las.
lg
__________________
Old Icke

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Nina K
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Hallo flammarion,

nein, Namen wĂŒrden der Geschichte nicht gut tun (ich verwende fast nie welche...) - eher mĂŒsste ich an meinem Stil arbeiten.
Trotzdem Danke fĂŒr den Vorschlag und lieben Gruß
Nina

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