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Leselupe.de > Humor und Satire
Rudolf besitzt ein Schloss...
Eingestellt am 27. 10. 2003 23:26


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MĂ¶ĂŸner, Bernhard
Routinierter Autor
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Rudolf besitzt ein Schloss...
Mein Freund Rudolf kann einfach nicht nein sagen! Er ist ein Musterbeispiel an Ahnungslosigkeit. Es handelt sich bei meinem Freund um einen jener Gutmenschen, die alle Morgen aufstehen mĂŒssen, damit der Acker der Strolche und BauernfĂ€nger das ganze Jahr ĂŒber so ĂŒppig blĂŒhen und gedeihen kann.
Dass Rudolf der einzige Erbe eines betrÀchtlichen Vermögens war, musste sich in gewissen Kreisen gehörig herumgesprochen haben.
Es gibt fast nichts, was ihm clevere VerkĂ€ufer nicht schon als angebliches SchnĂ€ppchen angedreht hĂ€tten: Das Skelett eines angeblich afrikanischen Urmenschen, das den Nachteil hatte, aus dunkel eingefĂ€rbtem PVC zu bestehen, eine defekte Taschenuhr aus dem vierzehnten Jahrhundert, "made in Nippon", ein todsicheres Lottosystem, einen echten Rubens in Siebdrucktechnik und danach einen Panzer der untergegangenen NVA mit kaputtem Motor und nur einer Laufwerkskette, alles fĂŒr schlappe fĂŒnfhundert Euro, plus Zufuhrkosten. Als das GerĂ€t, das auf einem Tieflader und per Nachnahme angeliefert wurde, mittels einem schweren mobilen Kranwagen im Vorgarten seines gemieteten Reihenhauses einigermaßen waagerecht aufgebaut war, wobei außer dem Rasen auch der schmiedeeiserne Gartenzaun seines linken Nachbarn zerstört wurde, suchte seine Ehefrau Klara, unter Mitnahme ihrer gesamten Habe, das Weite. Sein Schmerz darĂŒber wurde noch dadurch gemehrt, dass ihn der Hausnachbar zur Rechten bei der Polizei anzeigte, weil das GeschĂŒtzrohr des Panzers genau auf sein Wohnzimmerfenster zeigte.
In dieser misslichen Situation schwur mir mein Freund Rudolf in die Hand, dass er sein dahin schmelzendes Erbe kĂŒnftig nur noch in sichere Immobilien anlegen werde!
Bald darauf machte er eine Reise an den Genfer See, wo er prompt die Bekanntschaft eines sehr bekannten, international tĂ€tigen, GrundstĂŒckmaklers machte. Der war so bekannt, dass ihn sogar die Polizei europaweit kannte. Aber da hatte Rudolf schon ein Schloss von ihm erworben: ein Schloss in den neuen BundeslĂ€ndern.
Jetzt ist er pleite. Mein Freund Rudolf, nicht der Makler!
Dem konnte auch die internationale Polizei nichts anhaben.
Rudolf besitzt nun ein Schloss mit vielen unheizbaren RĂ€umen, mit einer rußigen KĂŒche und einem Badezimmer aus vergangenen Jahrhunderten. Es ist so historisch, dass er jedes Mal einen Antrag an das Denkmalamt einreichen muss, wenn er einen Wasserhahn abdichten will. Und seine WasserhĂ€hne tropfen immer!
Die ĂŒbrigen RĂ€ume befinden sich in einem jĂ€mmerlichen Zustand. Drei davon hĂ€ngen voll mit der Ahnengalerie der Schloss-vor-vorbesitzer, alle in Öl gemalt. Es war eigentlich schade um das viele Öl. Rudolf brĂ€uchte, neben einer Ölquelle, jede Menge antiker Möbel und KunstgegenstĂ€nde, damit er Schlossbesuchern sein Schloss von innen vorzeigen könnte. Von ihren Eintrittsgeldern könnte er den Bau sanieren. Ich habe ihm empfohlen, in Zeitungsanzeigen die Ahnengalerie als Gruselkabinett anzupreisen.
Das Schloss war einst Stammsitz des ehrenwerten Rittergeschlechtes Klauen zu Klauenstein. Selbst in Öl gemalt und auf Leinwand gebannt, können die Raubritter das Mausen nicht lassen! Als er mir die drei RĂ€ume mit ihren Bildern erstmals zeigen wollte, war ich so unvorsichtig, meine Geldbörse in der GesĂ€ĂŸtasche meiner Hose stecken zu lassen. Rudolf hatte TrĂ€nen in den Augen, als ich ihm nachher den Verlust meldete. UnzĂ€hlige Geldbörsen musste er schon ersetzen. Rudolf wird die Bande nie mehr los, sie wird ihn vollends ruinieren.
Dabei hatte er es sich so gut ausgedacht; Rudolf ist ein seelenguter Mensch. Er wollte mir das Schloss zum Geburtstag schenken!
Aber ich hĂ€tte dankend abgelehnt. Die fĂŒnf Schlösser, die ich mein Eigen nenne, stammen aus dem Baumarkt um die Ecke. Mir hĂ€tten zwei davon gereicht: eines am Fahrradschuppen und eines an der TĂŒr zu meinem Weinkeller. Da aber besagter Baumarkt ein Sortiment zu fĂŒnf StĂŒck erstklassiger Marken-VorhĂ€ngeschlösser zum Spottpreis von neunundneunzig Cent im Angebot hatte, konnte ich nicht widerstehen. Man kann ja nie wissen!
Auch mein Freund Rudolf hÀtte besser getan, ein solches Baumarkt-Sonderangebot abzuwarten.
__________________
-Bernhard MĂ¶ĂŸner-

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flammarion
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hm,

ganz ordentlich. das witzigste ist "internahtional".
ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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LuMen
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Schlösser

Hallo Bernhard,

ich freue mich, daß Du Dich mit einer gelungenen Glosse zurĂŒckgemeldet hast! Es war mir eine vergnĂŒgliche LektĂŒre, zumal mich Schlösser sehr interessieren, ich lebe nĂ€mlich in der Schlösser-Stadt Velbert(gemeint sind natĂŒrlich die letztgenannten).

Herzliche GrĂŒĂŸe und bis bald -Du erhĂ€ltst in KĂŒrze noch mehr Post von mir.

LuMen

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MĂ¶ĂŸner, Bernhard
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Rudolf besitzt ...

Hallo Flammario, Dein Lob ist ja vielsagend! War "internahtional" wirklich das lustigste an der ganzen Geschichte? Dann ist der Witz jetzt ganz weg!

Hallo Lu Men, danke fĂŒr Deine positive Kritik. Ich freue mich auf Deine angekĂŒndigte Nachricht! -Bernhard-
__________________
-Bernhard MĂ¶ĂŸner-

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Psyche
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Schlösser

Hallo Bernhard,

sehr erfrischend ....
Ich bin sehr froh, das ich wieder etwas von Dir lesen konnte, hab lieben Dank fĂŒr diese Zeilen.

Liebe GrĂŒĂŸe Psyche
__________________
Psyche

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MĂ¶ĂŸner, Bernhard
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Rudolf besitzt...

Danke, Psyche, fĂŒr Deine nette Kritik, auch ich freue mich immer, wenn ich vertraute Namen lese. Ich arbeite momentan daran, das bisher Geschriebene demnĂ€chst in gebundener Form zu veröffentlichen. Das braucht Zeit und Nerven.
-Bernhard-
__________________
-Bernhard MĂ¶ĂŸner-

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