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Leselupe.de > Fantasy und Märchen
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Eingestellt am 12. 06. 2019 18:49


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Wanderer
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Prolog Teil 1

Ich begann zu existieren, nachdem ich entschieden hatte, wieder zu existieren.

Für dich als sterbliches Wesen, ist das sicherlich verwirrend. Aber für ein Wesen von meiner Art macht dies durchaus Sinn. Ich begann also zu existieren, nachdem ich entschieden hatte, zu existieren.

Da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so genau wusste, wer und was ich geworden war, begann ich erst einmal damit, die Gegend um mich herum zu betrachten. Als formloses Sein wanderte ich umher und bestaunte die hochgewachsenen grünen Wälder. Als neu Geborener erschien mir alles friedvoll und wunderschön.

Ich verbrachte meine ersten Stunden im Leben als herumtollendes Gelächter, das von deinen Augen vielleicht als tanzende Lichtreflektion auf dem Wasser oder auf dem dicht mit Gras bewachsenen Waldboden wahrgenommen worden wäre. Nachdem ich so einige Zeit zugebracht hatte, die mir wie Sekunden vorkam, aber für dich vielleicht viel länger gewesen wären, begann ich langsam eine erdrückende Ernsthaftigkeit zu spüren und besann mich darauf, warum ich mich entschieden hatte, zurück zu kehren.

Ich ließ mich von einer Windböe über die Bäume tragen, betrachtete zum letzten Mal den Wald, der Zeuge meiner Geburt geworden war und machte mich auf, in die Welt der Menschen.

Wir Geistwesen, glaube es oder nicht, sind durchaus in der Lage, eine physische Gestalt anzunehmen. Die meisten von uns tun es schlicht deshalb nicht, weil sie nicht verstehen, warum sie es tun sollten. Für die meisten von uns ist die Dichte und Langsamkeit der physischen Welt einfach nicht erstrebenswert und so verbleiben wir ungesehen und ungehört von euch Menschen in den Ebenen des Seins, die euch unzugänglich sind.

Als ich die kleine Ortschaft lange nach Einbruch der Dunkelheit erreichte, verdichtete ich Energie und Moleküle um mich herum und nahm die Gestalt eines groß gewachsenen Mannes mit stechenden blauen Augen und grau braunem Haar an. Warum ausgerechnet diese Gestalt? Vielleicht eine Erinnerung an ein anderes Leben. Zumindest war es die erste Gestalt, die mir in den Sinn kam.

Ich wanderte durch die Straßen der Stadt bis ich, mit blinder Sicherheit, den Friedhof fand. Von einer hohen Backsteinmauer umgeben, war der Ruheort im Dunkel sicher ein unheimlicher Anblick für einen Menschen. Auf mich übte er, aufgrund der Energiewirbel und Schatten, eher eine anziehende Faszination aus. Menschen fürchten immer, die Geister der Toten auf einem Friedhof anzutreffen. Ihnen ist nicht klar, dass die meisten Verstorbenen ihr Grab nie besuchen. Wenn du Geister treffen willst, solltest du eher in Kinosälen, auf Partys oder in Großstädten suchen. Mal ehrlich: Hättest du nach deinem Tod nichts Besseres zu tun, als den ganzen Tag auf einem Friedhof herumzuhängen und „buh“ zu rufen sobald ein verängstigter Besucher an deinem Grab vorbei läuft?

„Buh“ ertönte es hinter dem Gitter des Friedhofstores und ein kleiner bleicher Kopf zeigte sich feixend zwischen den Stäben.

Ich nehme alles zurück…

Während ich mich noch von meiner Verwunderung erholte, rannte der kleine Junge kichernd in die Schatten der weiter entfernt stehenden Bäume. Ich fragte mich, ob ihm klar war, dass kein Mensch ihn sehen oder hören konnte. Um mich zu wiederholen… für gewöhnlich findet man nur ganz wenige Gespenster auf Friedhöfen.
Während ich gemessen den Weg zwischen den Mausoleen entlang schritt, sah ich nur zwei, vielleicht drei, schattenhaft bleiche Gestalten auf Grabsteinen sitzen und stumm, mit aufgerissenen Augen, ins Leere starren. Keiner von ihnen war genug bei Verstand, um auch nur zu erahnen, dass sie ihren Körper schon vor Jahren abgelegt hatten.

Ich erreichte mein Ziel, ein kleines Grab unter einer alten Eiche, deren Zweige über die Friedhofsmauer ragten. Die Ruhestätte war verwittert, aber mit vielen hübschen Blumen umrandet, die in der Dunkelheit leicht schimmerten. Auf dem Grabstein konnte man gerade noch lesen „Lilian Harryette G…." Der Rest war im Laufe der Jahrzehnte unleserlich geworden.
„Lillian Harryette Grace“ murmelte ich. Wie ein Schatten erschienen Erinnerungen, Nebelfetzen aus einer anderen Zeit.

Ich besann mich auf den Grund meines hier seins. Die Heiterkeit eines neugeborenen Geistes war nach und nach aus mir verschwunden.
Ich wusste wieder, wer ich war. Ich beugte mich vor und griff in das Grab. Wie geisterhafte Materie versank mein Arm in der Weichen Erde und als meine Finger auf etwas metallisch Kühles stießen griff ich zu und zog. Morsches Holz knackte und Gold blitzte auf als ein etwa Unterarmlanger Dolch sichtbar wurde. Nachdenklich drehte ich das Goldene Heft Klingen in meinen Händen. Es war nach all der Zeit in der Erde immer noch unversehrt.
Ein letztes Mal viel mein Blick auf den Grabstein "Lilian Harryette Grace“, Traurigkeit mischte sich in meine Stimme. „Ich bin wieder da, Grace. Ich bin wieder da..“.

Wie ein Windhauch wiegten sich die Energien um das Grab, als flüsterten sie eine Antwort. Als der Wind verstummte, war ich verschwunden.


__________________
M.U.W.

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flammarion
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