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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Rückkehr der Emotionen
Eingestellt am 10. 12. 2013 15:30


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Virginia Maria
Hobbydichter
Registriert: Sep 2013

Werke: 2
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Finja öffnete ihre Augen.
Es war erst Morgen und die schlechte Laune zerrte bereits an ihr. Finja hatte immer schlechte Laune.

Seid dem Tod ihrer Mutter musste sie für ihre zwei Brüder sorgen. Ihr Vater hatte doppelte Schichten, um über die Runden zu kommen.

Doch heute war Weihnachten.
Das Fest der Liebe, der Vergebung, der Familie?

Finja hielt nichts davon. Sie interessierte sich sowieso für nichts, nicht einmal für sich selbst.
Sie ist nicht arrogant, nicht zickig, Finja ist einfach nur still. Ein Mädchen, das ihre Gefühle und Sorgen so lange verbirgt bis sie diese anschließend selber vergisst.

Finja liebt Niemanden.

Der Vater des Mädchens machte sich große Sorgen um sie, er schickte sie zu Therapeuten, redete mit Lehrern, um die Probleme im Herzen von Finja zu erfahren, doch das Mädchen ließ Niemanden an sich ran.
Sie genoss das einsame Leben und genau das war es, was der Vater nicht verstehen wollte.

Nun war Weihnachten.
Finjas Vater hatte sich für dieses Weihnachtsfest etwas Besonderes ausgedacht.

Finjas einzige Leidenschaft, ihr einziges Interesse, das war das Reiten.

Das Mädchen wurde mit der Liebe zu Pferden großgezogen.
Als die Mutter von Finja noch lebte, besaß die Familie eine kleine Ranch mit ein paar Ponys und zwei Pferden.
Doch mit dem Tod der Mutter starb auch die Ranch.
Und mit der Ranch und der Mutter auch Finjas Emotionen.

Der Vater hatte für dieses eine Weihnachtsfest sehr lange gespart. Er wollte dem inzwischen 15-jährigen Mädchen ein Pferd kaufen.
Der Unterhalt des Pferdes wäre kein Problem, das Pferd dürfe bei Finjas Onkel eingestellt werden.
Den Tierarzt und den Schmied könnte der Vater noch bezahlen.

Am Weihnachtsfest dann, ging der Vater mit seiner Tochter und seinen zwei Söhnen in einen alten Zuchtstall.
Finja zeigte keinerlei Emotionen, ihr Vater hatte ihr bereits von ihrem Geschenk berichtet.
Finja hatte sich gefreut, das wusste sie allerdings selber nicht.

Am Stall angekommen, unterhielt sich der Vater eine Weile mit dem Besitzer des Hofes. Der Besitzer forderte Finja auf, ihm zu folgen. Er stellte dem Mädchen viele Pferde zur Verfügung.
Brav, ehrgeizig, freundlich, anhänglich, so viele Pferde mit so vielen Charakteren.
Doch keines gefiel Finja. Sie wollte kein Pferd was ihrem Charakter zu sehr unterschied.
Schließlich gab es der Besitzer auf.
Bis Finja ihre Schritte auf einen kleinen Stall beschleunigte.
Sie beobachtete die Pferde darin.
Einige spielten, einige schliefen und einige kamen zum Gitter.
Aber eines, eines das bewegte sich nicht.
Es starrte mit leeren Augen ins Nichts.
Es ignorierte alles um sich herum.
Finja deutete auf das Pferd.
Der Besitzer versuchte sie von der Wahl abzubringen.
Gelangweilt, Einzelgänger, charakterlos, all diese Argumente brachte er hervor.
Doch Finja hatte ihre Wahl getroffen.
Finja hatte einen Seelenverwandten gefunden.

Das Weihnachtsfest über verbrachten die Kinder mit ihrem Vater zu Hause.
Erst Tage später konnten sie das Pferd abholen und unterbringen.

Der Vater fuhr das Mädchen zum Stall ihres Onkels.
Er ging in das Haus seines Bruders und unterhielt sich über den Unterhalt des Pferdes.
Währendessen schickte Finjas Onkel das Mädchen zu dem Stall, wo ihr Pferd auf sie warten würde.
Langsam ging Finja auf die Box zu. Sie hatte es nicht eilig.
Geduldig stellte sie sich an die Pforte der Box und beobachtete das Pferd.
Es schien ungefähr genauso gelangweilt zu sein wie sie.
Wie man diesen Wallach nennen kann, wusste Finja natürlich noch nicht.
Gedanken darum hatte sie sich bis jetzt ja auch noch nicht gemacht.
Ein relativ großer, fuchsfarbiger Wallach der Rasse Deutsches Reitpony stand vor ihr.
Er starrte genauso zurück wie Finja auf ihn.
Von hinten konnte Finja Schritte hören.
Ihr Vater trat hervor. Er zählte eine Reihe von Namen auf und schaute seine Tochter erwartungsvoll an. Finja reagierte nicht. Boris, Skipper, Capo, Sky, all solche Namen schlug er vor. Finja kam auf einen einzigen Gedanken. Tristo. Dies sollte der Name des Wallaches werden. Tristo. Der Vater des Mädchens machte es schriftlich. Der Wallach hieß Tristo.

Tag für Tag fuhr Finja zu Tristo. Sie stand meistens nur am Gatter und beobachtete ihr Pferd.
Sie stand einfach nur da und dachte nach.

An einem Tag ging sie zum ersten Mal in die Box. Sie ging rein, mehr nicht.
Ein paar Tage später berührte sie die Nüstern des Pferdes. Warme Nüstern in der eisigen Kälte.

Finja kam dem Pferd näher. Geputzt hatte es bis jetzt immer der Onkel. Doch nun war es an der Zeit dies selber zu tun. Finja nahm ein Halfter und band das Pferd draußen fest.
Zum ersten Mal putzte sie ihr Pferd. Zum ersten Mal striegelte sie es. Auch dies wiederholte sich Tag für Tag.

Eines Tages putzte sie ihr Pferd und sattelte es. Ohne Worte oder Gedanken stieg sie auf ihr Pferd und ritt zur Halle. Doch mit dem Reiten kamen die Erinnerungen. Mit den Erinnerungen die Trauer und mit der Trauer die Tränen.

Als Finja eines Abends alleine zu Hause war, setzte sie sich auf die Fensterbank und starrte zum Mond. Eine Träne lief ihr die Wange hinunter. Die erste Träne seit langer Zeit.

Sitz grade, lass die Zügel nicht so hängen, treib dein Pferd an.
All diese Befehle ihrer Mutter erschienen in ihren Erinnerungen. All diese Momente mit ihrer Mutter.
Drei Jahre hatte Finja nun diese Gefühle unterdrückt. Drei Jahre lang hat sie sich vor sich selber versteckt und dabei vergessen zu trauern, dabei vergessen zu erinnern. Ein Ritt auf dem Pferd hat all dies wieder hoch geholt. Zum ersten Mal seit drei Jahren wurde Finja bewusst, wen sie liebte.

Finja liebte ihren Vater. Finja liebte ihre Brüder. Finja liebte ihren Onkel. Finja liebte Tristo.

Drei Jahre Unterdrückung dieser Gefühle, es war eine Mischung aus tiefster Trauer und Glück, die in ihr aufstieg.

Am nächsten Tag fuhr Finja wie üblich zu dem Stall. Sie stellte sich an das Gatter und schaute Tristo in seine Augen. Langsam ging sie mit ihm zum Anbinder und pflegte ihn.
Anschließend sattelte Finja das Pferd.
Sie führte Tristo zur Halle, wo sie aufstieg. Draußen lag Schnee und ganz in der Nähe war ein schöner Wald mit Reitpfaden.
Vorsichtig ritt Finja auf Tristo in Richtung Wald.
Dort angekommen, begannen sie zu traben. Aus Trab wurde Galopp und aus Galopp wurde Freude. Finja spürte Freude, sie spürte Emotionen. Mitten im Wald hielt sie Tristo an und stieg ab. Mit einem Lächeln führte sie ihr Pferd durch den Schnee. Finja blieb auf einem kleinen Hügel stehen und stieg wieder auf. Sie sah zum Himmel und sie fragte sich, warum sie so lange gewartet hatte. Warum sie so lange davon gelaufen war. Doch ihr wurde bewusst, dass dieser eine Augenblick nicht damit vergeudet werden sollte, sich die Frage ’Warum’ zu stellen.
Sie zwang sich, diesen Augenblick zu genießen. Von dem Hügel aus sah sie die Felder, sie sah die Sonne, die langsam unterging. Wieder rollten die Tränen. Wieder waren es gemischte Gefühle aus Trauer, Glück und Erleichterung. Dieses Mal ließ sie ihre Gefühle zu. Erst ließ sie die Trauer zu, dann die Erleichterung und anschließend das Glück. Sie schaute zum rotgefärbten Himmel hinauf. Finja würde ihre Mutter niemals vergessen. Das schwor sie ihr während sie hochblickte. Dann wendete sich Finja ihrem Pferd zu.
Dem Pferd, das genauso still war wie sie. Dem Pferd, das genauso gelangweilt und emotionslos war wie sie. Diesem Pferd gab Finja eine lange Umarmung.
Sie dankte Tristo. Er hatte Finja ihr Leben zurückgebracht.
Und mit der Umarmung kam die Dankbarkeit und mit der Dankbarkeit die Emotionen.


__________________
Virginia M.C.P.

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USch
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Registriert: Not Yet

Hallo Virginia Maria,
bist du wirklich erst 14? Dafür schreibst du ja einen sehr gut formulierten Text.
Eine kleine Unstimmigkeit solltest du noch korrigieren:

quote:
Doch keines gefiel Finja. Sie wollte kein Pferd, das sich von ihrem Charakter zu sehr unterschied.
Die Heilung ihrer versickerten Gefühle hast du gut entwickelt.
Liebe Grüße und weiter so
Uwe

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