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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Rückspiegel
Eingestellt am 11. 05. 2007 12:41


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moehrle
Autorenanwärter
Registriert: Jun 2004

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Rückspiegel

Adam gab Vollgas.
Er fuhr über den Bürgersteig und die Sonne funkelte in seinem Rückspiegel. Er spürte das etwas passierte. Etwas von kosmischen Ausmaßen. Der Horizont hinter ihm leuchtete in einem bedrohlichen Rot.
Menschen sprangen vor ihm panisch zur Seite. Adam hatte längst die Kontrolle über seinen Wagen verloren, war aber nicht in der Lage, seinen Blick vom Rückspiegel abzuwenden, oder den Fuß vom Gas zu nehmen. Etwas knallte gegen seine Windschutzscheibe.
Die Frau auf dem Beifahrersitz neben ihm kreischte in Panik.
Nichts davon drang zu Adams Verstand durch. Das brennende Rot des Horizontes ließ keinem anderen Gedanken mehr Platz. Die Frau, eine Anhalterin, die Adam vor einigen Minuten aufgelesen hatte, und die bezeichnenderweise den Namen Eva trug, versuchte das Steuer herumzureißen, doch schaffte es nicht. Adams Griff um das Lenkrad war eisern, wie der einer Maschine. Sie schrie ihn an. Unverständliche Worte, die in Adams Ohrmuschel drangen, aber nicht dahinter.
Der Wagen rauschte an einer Hauswand vorbei. Es schepperte, als der Seitenspiegel abkrachte, anschließend war das Kreischen von aufreißendem Metall zu hören. Eva sah am Fenster auf ihrer Seite Funken fliegen.
Sie schrie, er solle anhalten, doch das Auto wurde nicht langsamer. Es schien sogar noch schneller zu werden.
Sie sah die Kurve vor ihnen und versuchte noch einmal Kontrolle über den Wagen zu bekommen. Ihr fiel plötzlich die Handbremse ein, doch es war schon zu spät. Das Auto streifte ein Stoppschild, geriet ins Schleudern und knallte mit der Beifahrerseite gegen eine Telefonzelle. Dort blieb es endlich stehen. Adam wandte seinen Kopf vom Rückspiegel ab und blickte, immer noch wie in Trance, aus dem Seitenfenster Richtung Sonne.
Sein ganzer Körper zitterte beim Anblick des riesenhaft aufgeblähten Himmelskörper. Bevor er verstehen konnte, was vor sich ging, trug eine Druckwelle ihn und seine unbedeutenden Gedanken fort. Die ganze Erde trudelte aus ihrer Bahn, wie eine angeschnittene Billardkugel.
Zwar brannte die Sonne noch ein paar hundertausend Jahre, doch mit einem Schlag war alles Leben aus ihrer Umlaufbahn gefegt.
Alles fand in diesem Moment ein jähes Ende.

ENDE

__________________
moehrle

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Don Quixote
Hobbydichter
Registriert: Apr 2007

Werke: 0
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Liebe/r Moehrle,

Leider konnte die Aussage deines Textes nicht erfassen. Mit viel gutem Willen höchstens, könnte man behaupten, es ginge darum dass die Welt untergeht, da die Menschheit ein Stoppschild überfahren hat, aber ist dass wirklich des Rätsels Lösung? Vielleicht hilfst du mir auf die Sprünge?

Zwar ist der Fingerzeig auf die ersten Menschen nicht zu übersehen, warum allerdings Eva lediglich die Rolle einer Anhalterin oder Beifahrerin bekommt, ist nicht ganz klar.

Seltsam erscheint mir die Tatsache, dass Menschen trotz des nahenden Weltunterganges panisch einem Auto ausweichen, oder besser gesagt, es erscheint merkwürdig dass dies die einzige Reaktion der außenstehenden Menschen ist, die aufgezeigt wird.

Einige Formulierungen hinken meines Erachtens. So zum Beispiel die Worte die in die Ohrmuschel, jedoch nicht dahinter dringen. Oder der Seitenspiegel der abkrachte.
Ganz klar ist auch nicht die Situation mit dem Stoppschild, da zuvor von einer Kurve die Rede ist, die mir als Leser suggeriert dass das Auto, entweder gleich in eine Leitplanke kracht, oder ein Haus, oder einen Zaun oder was auch immer dort stehen mag. Dass einzige was jedoch passiert ist dass Streifen eines Stoppschildes.
Ebenfalls nicht passend scheint die Formulierung: „Adam wandte den Kopf vom Rückspiegel ab.“
Die Gedanken, die von der Druckwelle fort getragen werden sind bedauerlicherweise nicht vorhanden.

Liebe Grüße
Don Quixote

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

Werke: 860
Kommentare: 6461
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Hallo Moehrle,

beim ersten Lesen habe ich auch nicht sofort kapiert, worum es geht, beim
zweiten dagegen schon - glaube ich zumindest. Daraufhin hat mir der Text auch gleich besser gefallen . Zunächst hatte ich ihn nämlich nur als Beschreibung eines Verkehrsunfalles verstanden, ein Thema, an dem sich auch mein bisher einziger Beitrag in der Leselupe versucht .

Allerdings gibt es tatsächlich noch einen gewissen Klärungsbedarf beim Rückspiegel, finde ich.

Im Rückspiegel erkennt der Fahrer den Weltuntergang, die Sonne hat sich aufgebläht, ist wahrscheinlich riesig geworden. Was ich nicht verstehe, ist, wieso man die Katastrophe sehen kann, bevor sie sonstige Auswirkungen auf die Erde hat. Sieht der Fahrer die Nova in einem Zwischenstadium, bevor die Ausdehnung die Erdbahn erreicht? So wie ich mir das vorstelle, sollte es bei einer Nova genügend Prozesse mit katastrophaler Auswirkung geben, die mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind. Die würde man aber wohl genau dann auf der Erde wahrnehmen, wenn die Auswirkung schon spürbar ist.

Wahrscheinlich ging es ja genau um diesen kurzen Moment der Auslöschung, der Millisekunde zwischen Sichtbarwerden der Katastrophe und der Katastrophe selbst. Das würde dann ja auch erklären, warum die anderen Verkehrsteilnehmer noch im unklaren sind, dass die Welt untergeht, aber sehr wohl vielleicht instinktiv einem heranrasenden Auto auszuweichen versuchen.

Einen solchen Moment beschreibt der Text sehr gut, und die Kürze der Geschichte passt dazu. Selbst den letzten Satz mit dem Fazit könnte man vielleicht sogar weglassen.

Vielleicht fehlen am Anfang mehr Hinweise auf den apokalyptischen Charakter des Geschehens, oder eventuell auf das, was physikalisch abläuft. Das würde das Verstehen beim ersten Lesen vielleicht erleichtern.

Der Beitrag könnte auch ins Science Fiction-Forum passen.

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