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Leselupe.de > Kurzprosa
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Eingestellt am 09. 04. 2007 15:39


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philomena
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Registriert: Mar 2007

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...und dann w├Ąhlen sie diese Nummer...

Eines Tages stand sie mit ihren drei kleinen Kindern alleine da. Er war von heute auf morgen zu der anderen gezogen, seiner gro├čen Liebe, wie er sagte. Sein Gehalt nahm er mit, das Geld von der Bank auch. Ihr blieben die Kinder, eine gro├če, viel zu teure Wohnung, die Verzweiflung, die Hilflosigkeit und die Frage, wie es weitergehen sollte.
Der Gang zum Sozialamt fiel ihr schwer, lie├č sich aber nicht vermeiden, denn er zahlte auch keinen Unterhalt. Den Umzug in die dunkle, kleine Wohnung hatten die Kinder mit Tr├Ąnen in den Augen erlebt. Und auf die Frage nach dem Warum konnte sie ihnen keine gute Antwort geben. Sie wollte ihn nicht vor den Kindern blo├čstellen, das hatte sie sich geschworen.
Seine gute Stelle hatte er aufgegeben und mit der Anderen eine Firma er├Âffnet, die nat├╝rlich nicht genug einbrachte, um den Unterhalt zu zahlen, zu dem er verpflichtet war.
Seitdem wu├čte sie, was Geldsorgen sind. Nicht, dass sie sich nicht einschr├Ąnken konnte und wollte, nein, das war beileibe nicht das Problem. Das Geld h├Ątte auch f├╝r das t├Ągliche Leben zwar knapp, aber immerhin gereicht. Aber sie schickte drei Kinder in die Schule.
Sie konnte noch so gut planen und rechnen, es war hier ein zus├Ątzliches Buch zu kaufen, dort ein Museumsbesuch zu bezahlen. Die Klassenfahrten musste sie ├╝ber das ganze Jahr hinweg zusammensparen. Ihre Kinder sollten schlie├člich auf nichts verzichten, nur weil der Lebensweg ihrer Eltern eine gemeinsame Familie nicht mehr vorsah.
Sich selbst g├Ânnte sie nahezu nichts mehr. Einen Friseur hatte sie schon seit Monaten nicht mehr gesehen. Neue Kleider bekamen nur noch die Kinder f├╝r die Schule. An Urlaub, Essen gehen oder Konzerte war schon lange nicht mehr zu denken.
Der einzige Luxus, den sie sich hin und wieder leistete, war ein gemeinsames Fr├╝hst├╝ck mit ihrer besten Freundin und dazu wurde sie fast immer eingeladen. Fast - ab und zu war sie es ihrem Stolz schuldig, sich f├╝r die Einladungen zu revanchieren.
Sie w├Ąre gerne arbeiten gegangen, aber sie hatte nichts gelernt. Sie war jung schwanger geworden, sie hatten geheiratet und die beiden anderen Kinder hatten nicht lange auf sich warten lassen. Damals war er gegen berufst├Ątige M├╝tter und Frauen, heute bewunderte er an seiner Neuen ihre Selbst├Ąndigkeit und Unabh├Ąngigkeit. Wer w├╝rde au├čerdem heute eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern einstellen?
Dann sah sie eines Tages die Annonce. Einen Tag und eine Nacht dachte sie dar├╝ber nach und dann w├Ąhlte sie die Nummer.

Seit seine Eltern beide tot waren, lebte er allein in dem kleinen H├Ąuschen. So sch├Ân wie fr├╝her, als Mutter sich noch um alles gek├╝mmert hatte, war es ja nicht mehr. Das konnte selbst er sehen. Aber schlimm fand er das nicht.
Er lebte sowieso nur noch in der K├╝che und in seinem Zimmer. Dort hatte er immer schon geschlafen und gespielt, als er noch klein war. Und ver├Ąndert hatte sich seit damals nichts. Das gefiel ihm auch.
Er wu├čte schon, dass er anders war als die anderen hier im Dorf. Als Kind hatte man es ihn deutlich sp├╝ren lassen. Inzwischen hatten sich wohl alle dran gew├Âhnt. Aber immerhin hatte er dadurch seine kleine Rente. Die reichte f├╝r die wenigen Dinge, die er so brauchte. Eigentlich h├Ątte er auch nicht arbeiten m├╝ssen, doch er ging jeden Tag zu dem Bauern und half da, wo man ihn brauchen konnte. Viel bekam er ja nicht daf├╝r, aber es hatte gereicht f├╝r den sch├Ânen Fernseher und ein schickes neues Telefon. So eins mir buntem "Displei". Er wu├čte zwar nicht, was das war und erst recht nicht, wof├╝r das gut sein sollte, aber er konnte damit wenigstens seine Tante anrufen, die in Berlin wohnte.
Jeden Sonntag rief er sie an, bevor er sich mit den M├Ąnnern aus dem Dorf zum Fr├╝hschoppen traf.
Da sa├č er dann in der einzigen Kneipe, die das Dorf noch hatte, sa├č immer an der Theke und h├Ârte den anderen M├Ąnnern zu, wenn sie ├╝ber Gott und die Welt redeten. Er sagte nie etwas, trank nur sein Bier und rauchte seine Zigarre, die er sich f├╝r den Fr├╝hschoppen holte. In der Woche rauchte er nur die Selbstgedrehten, aber am Sonntag musste es schon die Zigarre sein. Und einen Kurzen zum letzten Bier, bevor er dann nach Hause ging und sich sein Mittagsschl├Ąfchen g├Ânnte.
Dabei konnte es manchmal passieren, dass er, statt zu schlafen, ├╝ber die Gespr├Ąche nachdachte, die er in der Kneipe geh├Ârt hatte.
Die meisten der M├Ąnner begannen irgendwann ├╝ber ihre Frauen zu schimpfen oder sich ├╝ber sie lustig zu machen. Das verstand er nicht. Er h├Ątte eigentlich gerne eine Frau gehabt, die ihm seine einsamen Abende ein bisschen vers├╝├čen w├╝rde. Die sich wie seine Mutter um das Haus k├╝mmern w├╝rde und vor allem immer gute Sachen auf den Tisch brachte. Und so ein bisschen schmusen und kuscheln w├Ąre ja auch nicht verkehrt. Vielleicht k├Ânnten sie sogar Kinder haben. Das w├╝rde ihm gut gefallen. Eigene Kinder mit einer netten Frau. Der Gedanke gefiel ihm.
Er wu├čte auch genau, wie sie aussehen sollte. Oft hatte er sich das schon ausgemalt. Und immer war er mit dem Gedanken an diese Frau dann doch eingeschlafen.
Fr├╝her war dann das Aufwachen immer ein bisschen traurig gewesen, denn es gab sie ja nicht, seine Frau. Jetzt aber nicht mehr.
Denn vor ein paar Wochen hatte er die Annonce gesehen mit ihrem Bild. Genau die Frau, die er sich w├╝nschte. Eine Telefonnummer hatte dabei gestanden. Und nach stundenlangem ├ťberlegen und Z├Âgern, nach mehreren Anl├Ąufen, hatte er die Nummer gew├Ąhlt.

Energisch schlo├č er die T├╝re hinter sich, warf seine Tasche und den Koffer auf das Bett und atmete einmal tief durch. Wieder ein neues Hotel, wieder eine neue Stadt, wieder die Hetze von Termin zu Termin und zwischendurch keine Zeit, normale Gespr├Ąche mit normalen Menschen zu f├╝hren.
Mantel und Jackett folgten den Gep├Ąckst├╝cken auf das Bett, bevor er ins Bad ging, um sich ein bisschen frisch zu machen.
Es war schon wieder sp├Ąter Abend. Der letzte Termin hatte l├Ąnger gedauert, als er vermutet hatte. Nun ja, das war halt der Job, den er sich ausgesucht hatte. St├Ąndig unterwegs, seine Wohnung sah er vielleicht einmal im Monat am Wochenende. Daf├╝r verdiente er gut, hatte wohl niemanden, mit dem er das Geld angenehm ausgeben konnte. Nein, f├╝r Beziehungen oder gar Familie war sein Beruf nicht geeignet. Aber daf├╝r hatte er ja auch noch Zeit, er war noch jung. Irgendwann w├╝rde er diesen Stress hinter sich lassen und ein normales Leben f├╝hren, mit Frau, vielleicht Kindern, mit Freunden und allem, was so dazu geh├Ârt. Dann w├╝rde das Geld, das er jetzt verdiente, ihm und seiner zuk├╝nftigen Familie mit Sicherheit nicht ungelegen kommen.
Heute allerdings konnte er sich mit diesem Gedanken nicht tr├Âsten. Heute war er frustriert, f├╝hlte sich einsam und hatte eigentlich von allem die Nase voll. Das Gesicht im Spiegel war m├╝de, sah heute ├Ąlter aus, als es eigentlich aussehen sollte. M├╝de und irgendwie ein bisschen traurig.
Seufzend wandte er sich vom Spiegel ab, zog sich aus und stellte sich unter die hei├če Dusche. Es fehlte ihm einfach jemand, der ihn mit warmen Worten begr├╝├čte, wenn er die Arbeit beendet hatte und sich ins Private zur├╝ckzog. Soweit ein Hotelzimmer ├╝berhaupt privat sein konnte. Sahen doch alle gleich aus. Hatten alle die gleiche, standardisierte Atmosph├Ąre. Aber ins Zimmer kommen und nicht allein zu sein, das w├Ąre schon nett.
Fr├╝her hatte er es ein- oder zweimal mit einem Escortservice versucht. Das war nichts f├╝r ihn, hatte er sehr schnell festgestellt. Egal wie nett, charmant und gebildet die Frauen auch waren, in seinem Kopf hatte immer ÔÇ×Gesch├Ąft, Gesch├Ąft, Gesch├ĄftÔÇť geh├Ąmmert. Und jedesmal, wenn er zahlen musste, hatte er sich gefragt, was er da eigentlich mache.
Nein, das war keine L├Âsung f├╝r ihn. Trotzdem sehnte er sich nach einer warmen Stimme, die mit ihm sprach, sich interessiert zeigte, ach, einfach ein bisschen Anteil nahm. Die nicht den erfolgreichen Manager sah, sondern nur einen Mann, der sich angenehm unterhalten wollte.
Als er mit seinen ├ťberlegungen soweit gekommen war, stellte er die Dusche ab, ging ins Zimmer zur├╝ck und suchte nach der Zeitschrift, die er heute irgendwo am Flughafen gefunden hatte.
Die Annonce war ihm aufgefallen und er hatte ├╝ber die M├Ąnner gel├Ąchelt, die darauf reinfielen.
Trotzdem nahm er die Zeitschrift jetzt auf, ├╝berlegte kurz und w├Ąhlte dann auf seinem Handy die Nummer.

ÔÇ×Schlaf sch├Ân, mein SchatzÔÇť. Er k├╝├čte sie noch einmal, bevor er das Licht ausl├Âschte und leise die T├╝r zu ihrem Zimmer ins Schloss zog. Seit zehn Jahren verabschiedete er sich jeden Abend so von ihr. Seit sie nach ihrem schweren Unfall das Bett nicht mehr verlassen konnte.
Alle hatten ihm damals geraten, einen Heimplatz f├╝r sie zu suchen. Aber das hatte er nicht ├╝ber sich gebracht.
Er hatte ihr schlie├člich einmal geschworen, ihr immer zur Seite zu stehen, in guten und in schlechten Zeiten. Daran wollte er sich auch halten. Schlie├člich liebte er sie, hatte sie immer geliebt und w├╝rde sie immer lieben. F├╝r ihn war sie noch genauso sch├Ân wie damals, als sie sich kennenlernten.
Sicher, sie hatten sich ihr Leben anders vorgestellt. Aber das hier war nun einmal die Realit├Ąt, die konnte und wollte er nicht ├Ąndern. Sie war seine Frau, die Mutter seiner Kinder.
Gott sei Dank hatten Sohn und Tochter ihnen nie Kummer gemacht. Sie waren wohlgeraten, intelligent und hatten inzwischen beide einen guten Beruf. Die Älteste dachte selbst schon an eine Familie. Beide liebten die Mutter über alles und hatten ihm immer tapfer zur Seite gestanden, wenn er einmal wieder verzweifelt war.
Das kam allerdings jetzt nicht mehr h├Ąufig vor. Sie hatten sich alle zufrieden in ihrem Leben eingerichtet. Sicher anders als andere Familien, aber ganz sicher nicht schlechter.
Und seit er nicht mehr arbeiten musste, war es ihm auch leichter gefallen, die Pflege seiner Frau zu organisieren.
Nur die Abende, wenn seine Frau schon schlief und ihm nichts blieb als das Fernsehprogramm, die mochte er nicht. Dann f├╝hlte er sich manchmal einsam und w├╝nschte sich jemanden, mit dem er reden konnte. Einfach nur reden. Nur so.
Aber diesen Menschen gab es nicht. Die fr├╝heren Freunde hatten sich alle nach und nach zur├╝ckgezogen. Und um neue zu finden, fehlte ihm die Zeit.
Er setzte sich also wie immer in seinen Sessel, um wenigstens menschliche Stimmen aus dem Fernseher zu h├Âren und dabei ein bisschen Zeitung zu lesen.
Pl├Âtzlich fiel sie ihm ins Auge, diese Annonce. Sollte er? Er z├Âgerte nur kurz, zu stark war sein Verlangen nach einer fremden Stimme, die ihm antworten w├╝rde. Er nahm das Telefon und w├Ąhlte die Nummer.

Sie w├╝rde heute abend noch in Ruhe einen Korb W├Ąsche b├╝geln. Die Kinder waren im Bett und schliefen fest. Sie hatte also alle Zeit der Welt. Hinterher k├Ânnte sie sich noch die N├Ągel machen, auch das w├Ąre zeitlich sicher kein Problem.
W├Ąhrend ihr B├╝geleisen warm wurde, nahm sie ihr Headset und w├Ąhlte die Nummer. Damals war alles ganz leicht und schnell gegangen, ohne Probleme, ohne Verlegenheiten. Und seit damals ging es ihnen auch wesentlich besser und sie konnte ihren Kindern das ein oder andere Extra g├Ânnen.
Inzwischen hatte sie eine erhebliche Menge an Stammkunden, die sie regelrecht an ihrem Leben, an ihren Gedanken und Sorgen teilnehmen lie├čen. Das machte die Arbeit nahezu angenehm und hatte alle Bef├╝rchtungen beseitigt, dass sie den Job vielleicht eines Tages nicht mehr machen k├Ânnte. Aber so war er gut zu schaffen, obwohl sie das wirklich anfangs nicht erwartet hatte.
Sie h├Ârte die Computerstimme an ihrem Ohr und gab den Code ein. Dann begann sie das erste Shirt zu b├╝geln.
Als das Telefon wenige Minuten sp├Ąter zum ersten Mal an diesem Abend klingelte, gab sie ihrer Stimme diesen tieferen, etwas heiseren Klang und meldete sich ÔÇ×Hallo, ich bin die Candy. Was kann ich denn f├╝r dich tun?ÔÇť

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no-name
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe philomena,

Dein Text liest sich fl├╝ssig und gut. Dein Schreibstil erscheint mir beisweilen seltsam emotionslos und um Neutralit├Ąt bem├╝ht, ist das Absicht? Vielleicht ist das aber auch nur ein subjektiver Eindruck meinerseits, ich bin mir nicht sicher...

Ein paar kleine Schreibfehler sind mir aufgefallen:

quote:
Nicht, dass sie sich nicht einschr├Ąnken konnte und wollte, nein, das war beileibe nicht das Problem.

quote:
So eins mir buntem Display.

quote:
Nein, f├╝r Beziehungen oder gar Famiilie war sein Beruf nicht geeignet.

Freundliche Gr├╝├če von no-name.

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