Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
231 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Rumpelstilzchen II
Eingestellt am 17. 01. 2002 14:04


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
eli-fant
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2001

Werke: 11
Kommentare: 10
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Es war einmal ein M├╝ller, der zwar nicht reich war, mit seinem Gewerbe aber doch seine Familie ern├Ąhren konnte.
Trotzdem war er nicht zufrieden mit dem, was er im Leben erreicht hatte und suchte nach einer M├Âglichkeit, sich Ansehen zu verschaffen.
Da traf es sich, da├č er dem K├Ânig begegnete und er sah eine Gelegenheit, sich hervorzutun.
Er sagte zum K├Ânig:
"Ich habe eine Tochter, die Stroh zu Gold spinnen kann."
Der K├Ânig, der ein habgieriger Mann war, horchte auf.
"Das ist eine Kunst, die mir gef├Ąllt," sagte er. "Bring deine Tochter unverz├╝glich in mein Schlo├č, ich will pr├╝fen, ob du die Wahrheit sprichst."

So fand sich die M├╝llerstochter im Schlo├č ein und der K├Ânig f├╝hrte sie in eine Kammer, in der neben einem gro├čen Haufen Stroh ein Spinnrad stand.
"Spinne dieses Stroh zu Gold," verlangte der K├Ânig. "Wenn du bis Sonnenaufgang nicht damit fertig bist, werde ich dich t├Âten lassen."
Dann versperrte er eigenh├Ąndig die T├╝r.
Die M├╝llerstochter war verzweifelt, da sie keine M├Âglichkeit sah, diese Aufgabe zu bew├Ąltigen.
Da stand pl├Âtzlich ein kleines, buckliges M├Ąnnchen vor ihr und fragte sie:
"Warum weinst du?"
Sie erz├Ąhlte es ihm und das M├Ąnnchen wollte wissen:
"Was gibst du mir, wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?"
"Mein Halsband," antwortete die M├╝llerstochter.
Das M├Ąnnchen nahm es und begann zu spinnen.

Als der K├Ânig am Morgen sah, da├č alles Stroh zu Gold gesponnen war, war er begeistert. Aber er war noch nicht zufrieden.
Am Abend brachte er die M├╝llerstochter in eine Kammer, in der sich ein noch gr├Â├čerer Strohhaufen befand.
"Spinne mir dieses Stroh zu Gold," sagte er,"oder du hast dein Leben verwirkt."
Da sa├č das M├Ądchen wieder und wu├čte nicht, was es tun sollte - bis abermals das bucklige M├Ąnnchen erschien.
"Was gibst du mir diesmal, wenn ich die Arbeit f├╝r dich erledige?" fragte es.
"Meinen Ring," sagte das M├Ądchen.
Und das M├Ąnnchen spann die ganze Nacht.

Als der K├Ânig am n├Ąchsten Morgen das viele Gold erblickte, war sein Verlangen nach noch mehr Reichtum geweckt.
So sperrte er am Abend die M├╝llerstochter in einen gro├čen Raum mit einem Berg voll Stroh darin.
"Wenn dir dein Leben lieb ist, dann spinne das alles zu Gold!" forderte er. "Gelingt es dir, so sollst du meine Frau werden."
"Ist es auch nur eine M├╝llerstochter," dachte er bei sich, "so finde ich doch weit und breit keine reichere Braut."
Gleich nachdem die T├╝r verschlossen war, erschien wieder das kleine M├Ąnnchen.
"Ich habe nichts mehr, was ich dir geben k├Ânnte," sagte die M├╝llerstochter.
"Dann versprich mir, da├č mir, sobald du K├Ânigin bist, dein erstes Kind geh├Âren wird." verlangte es. "Hast du allerdings bis dahin herausgefunden, wie ich hei├če, will ich darauf verzichten," setzte es listig hinzu.
"Da├č ich Rumpelstilzchen hei├če, wird sie nie herausfinden!" dachte er
Da ihr nichts anderes ├╝brigblieb, willigte die M├╝llerstochter ein.

Bei Sonnenaufgang war alles Stroh zu Gold gesponnen und der K├Ânig sagte zur M├╝llerstochter:
"Nun sollst du meine Frau werden!"
"Du hast doch wohl nicht alles Ernstes gedacht, da├č ich das will," erwiderte das M├Ądchen. "Nie und nimmer werde ich dich heiraten!"
Einige Augenblicke herrschte Totenstille.
"Wie bitte?" stammelte der K├Ânig.
"Ich habe gesagt, da├č ich dich nicht heiraten werde," erkl├Ąrte die M├╝llerstochter. "Niemals!"
"Aber... Aber das darfst du nicht sagen!" Die Stimme des K├Ânigs wurde lauter und bekam einen hysterischen Unterton.
"Wir sind doch im M├Ąrchen! Du mu├čt err├Âten und fl├╝stern: "Von Herzen gern will ich deine Frau werden!" Und dann feiern wir ein Hochzeitsfest, das sieben Tage dauert und am Schlu├č mu├č es hei├čen:
- Und sie lebten gl├╝cklich bis an ihr Ende - "

"Pah!" sagte die M├╝llerstochter. "Gl├╝cklich bis an mein Ende? Mit dir? Da├č ich nicht lache! Hast du wirklich erwartet, ich w├╝rde einen Mann heiraten, der mich noch gestern ohne Skrupel h├Ątte t├Âten lassen? F├╝r wie naiv h├Ąltst du mich eigentlich?"
"Aber es ist unerheblich, was du willst," erkl├Ąrte der K├Ânig und versuchte, seiner Stimme, die etwas zitterte, einen majest├Ątischen Klang zu verleihen. "Du mu├čt einfach! Weil ich will. Ich bestimme, denn ICH BIN DER K├ľNIG!"
"Na und?" erwiderte die M├╝llerstochter. Und ich bin eine M├╝llerstochter! Was hast du schon daf├╝r getan, K├Ânig zu werden? Nichts. Du hattest zuf├Ąllig einen Vater, der K├Ânig war, genauso wie mein Vater eben M├╝ller ist. Wo ist da der Unterschied?
Und deine Frau werde ich auf keinen Fall. Wahrscheinlich werde ich ├╝berhaupt nie heiraten.
Ich habe n├Ąmlich die Nase voll von M├Ąnnern:
Erst mein Vater, der mich dir ohne Gewissensbisse ausgeliefert hat, nur um sich wichtig zu machen, dann dieser gr├Ą├čliche kleine Kerl, der mir beim Spinnen geholfen hat, blo├č um mir meine Wertsachen abzunehmen und dann du, der mich ebenfalls nur f├╝r seine Zwecke ausgenutzt hat... Mir reicht's!"
Die M├╝llerstochter hatte sich in Rage geredet.
"Und noch etwas werde ich dir sagen:
Du hast es dir, seit du auf dem Thron sitzt, ausgesprochen gutgehen lassen - ├╝brigens auf Kosten deiner Untertanen, von denen viele kaum das N├Âtigste haben - und das ausschweifende Leben sieht man dir an. Du bist dick und bequem. Ein junges, h├╝bsches M├Ądchen wie ich will doch keinen schwabbligen Fettwanst zum Mann!
So, und jetzt gehe ich!"
Die M├╝llerstochter ging mit raschen Schritten und erhobenem Kopf aus dem Thronsaal.

Der K├Ânig h├Ątte die Wachen rufen und sie in den Kerker werfen lassen k├Ânnen, doch er war vor Verbl├╝ffung nicht f├Ąhig dazu. Er machte den Mund auf und klappte ihn, weil er keinen Ton herausbrachte, wieder zu.
Die M├╝llerstochter ging durch das Schlo├č und den Schlo├čpark, aus der Stadt hinaus und in die gro├če weite Welt.
Wir wissen nicht, wie es ihr dort ergangen ist.

Der K├Ânig starrte vor sich hin.
Als ihm der Nachmittagskaffee serviert wurde, schob er Tassen, K├Ąnnchen, Teller und Platten weit von sich.
Ihm war schlecht.
Und dann schaute er ├╝ber Cremet├Ârtchen und Windbeutel hinweg aus dem Fenster.
Er begann nachzudenken. Dar├╝ber, was es hei├čt, K├Ânig zu sein, Untertanen zu haben und Macht auszu├╝ben.
Wahrscheinlich wurde er wenig sp├Ąter vom Duft des Abendessens, der aus der Schlo├čk├╝che in den Thronsaal drang, abgelenkt und aus seinen Gedankeng├Ąngen gerissen, denn er hatte nicht viel ├ťbung im Nachdenken.
Doch falls nicht - wer wei├č - vielleicht ist dann mit der Zeit ein richtig verantwortungsvoller und gerechter Herrscher aus ihm geworden.

__________________
eli-fant

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hi eli

Zweierlei fiel mir auf.

Von der Message her gesehen, also Betrachtungsweise ├╝ber die herrschende Klasse, finde ich die Geschichte gelungen und regt zum Nachdenken an. Ein wenig mehr K├╝rze betreff der bekannten M├Ąrchenpassage am Anfang w├Ąre vielleicht g├╝nstiger.

├ťbrigens, wenn Du noch eine andere Variante schreiben willst, dann beteilige Dich doch im Forum Schreibwerkstatt unter Finger├╝bungen an der Aufgabe. Schau mal rein.

Sch├Âne Gr├╝├če
Volkmar

Bearbeiten/Löschen    


eli-fant
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2001

Werke: 11
Kommentare: 10
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Noch eine Variante???
Hm - wenn jemand von euch zum Babysitten zu mir kommt, krieg ich das vielleicht hin... :-)
__________________
eli-fant

Bearbeiten/Löschen    


Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hi eli-fant,

na das Baby wird doch bestimmt auch mal schlafen?

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!