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Leselupe.de > Kurzgeschichten
SIE
Eingestellt am 12. 11. 2000 10:58


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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 115
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SIE

Du bist ein Mann.
Was antwortest du auf die Frage, auf was du bei einer Frau als erstes achtest? Auf die Augen? Das Gesicht? - Sei nicht albern, so hoch kommt man in den meisten FĂ€llen doch erst gar nicht. Ich hege einfach die Ansicht, daß diese Augen-Gesicht-HĂ€nde-Antworten nur Alibi-Gebrabbel dafĂŒr sind, falls diese berĂŒhmte Frage mal von einer gutaussehenden Frau gestellt wird.
Im Wesentlichen lĂ€uft es immer gleich ab. Du bist ein mĂ€nnliches Erdengeschöpf, Gattung Homo sapiens, ohne große Wenns und Abers. Du sitzt da, in Jeans und Baumwolle, wie jeder andere auch, und tust so, als wolltest du auch so sein, wie jeder andere auch. Du weißt, daß die anderen wissen: Du bist ein stilles Wasser, und die sind bekanntlich tief. Doch stille, tiefe Wasser stinken auch, und daher ... nun ja, wundere dich nicht, wenn einige weibliche Augen dich ansehen wie etwas, das gerade aus dem Salat gekrabbelt ist.
Du schaust dich um, zwischen all diesen ganzen grauen Alltagsmutanten, die ihre Kreditkarten vorzeigen, als seien sie Mona Lisas. Und zwischen eben all diesen No-way-out-Typen passiert es mit einem Male ...
Paff!!
Die Menschin, die dir gefÀllt. Auf Anhieb. Da ist sie.
Und die Zeit ... sie bleibt einen winzigen, einen klitzekleinen Augenblick stehen. Oder sie strauchelt und fĂ€llt hin. Vielleicht schlĂ€gt sie sich das Knie auf, wenn sie eines hat, und flucht. Jedenfalls vergißt sie fĂŒr diesen molekularkleinen Moment das Ticken. Die ganze Welt um dich herum hĂ€lt ganz kurz und nur fĂŒr dich den Atem an. Voller Spannung, was als nĂ€chstes wohl geschehen mag.
Doch gleich darauf wird sie sich wieder bewußt, daß sie sich ja auf ihren eigenen Ablauf konzentrieren muß und sie atmet wieder aus.
Das Leben geht weiter. Aber nun viel, viel schneller.
Es ĂŒberspringt die nĂ€chsten zwei bis drei Momente, und in diesen Momenten lernst du sie kennen.
Du verliebst dich in sie und sie sich scheinbar auch in dich. Ihr fahrt in den Urlaub. Ihr liebt euch, bis es weh tut. Ihr zieht zusammen. Ihr heiratet. Ihr bekommt Kinder. SĂŒĂŸe, kleine Wonneproppen, die selbstverstĂ€ndlich alle ihre Finger und Gliedmaße in der richtigen Anzahl und auch genau dort haben, wo sie sein sollen. Die wunderschöne blaue Augen haben, obwohl du grĂŒne hast und ihre Mutter braune. Die dich Nacht fĂŒr Nacht aus dem Schlaf krakeelen, weil sie sich vollgeschissen haben oder den ersten Zahn bekommen. - SĂŒĂŸ. -
Und die Kinder werden groß.
Und du und sie. Ihr werdet gemeinsam ganz, ganz wahnsinnig glĂŒcklich und ganz, ganz wahnsinnig alt. NatĂŒrlich gab es da hin und wieder mal ein fremdes, neues Betthupferl, aber eure Liebe zueinander steht jede Krise standhaft durch.
Oh, sie ist schon eine tolle Frau. Wenn sie weint, weint sie nicht nur, sie sagt auch noch: "Ich bin traurig."
Du merkst kurz im Vorbeifliegen, daß du die Fehler, von denen du heute noch gelobst, sie nie zu begehen, letzten Endes wirklich vermieden hast. DafĂŒr begehst du andere, viel schwerwiegendere.
Ihre heutige Pfirsichhaut wechselt mit den Jahren zu einer Orangenhaut und entfaltet sich am Ende zur reifen Bratapfelpelle. Am Ende bist du froh, daß du die NĂ€chte neben und mit ihr ĂŒberlebst, und du schenkst dem Bimsstein mehr NĂ€he als sonst jemandem.
Und dann macht es plötzlich wieder Piff-Paff oder so, und die zwei bis drei Momente sind vorbei. Du stehst offenen Mundes irgendwo auf diesem erdigen Welttrabanten und wunderst dich, wie sie so mir-nix-dir-nix einen anderen abknutschen kann, der urplötzlich dazugekommen ist.
'Irgendwie ist das doch dumm.' denkst du dir. Die ganzen weiblichen Prozente der Weltbevölkerung sind im Grunde genommen potentielle Lebenspartner, und du weißt eigentlich nicht, ob du davon begeistert sein sollst oder besser nicht.
Meistens folgt nach dieser fundamentalen Einsicht ein kleiner Seufzer und damit hat es sich fĂŒrs erste ... Bis die nĂ€chste SIE in Sicht kommt ...
Und so fĂŒllen sich ĂŒberlebte Abende mit DĂ©jĂ -Vu's.

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Guest
Registriert: Not Yet

Pah! Das Ende ist ein bisschen enttĂ€uschend, der letzte Satz ist aber sehr gut. Wenn ich einen Mann wĂ€re, ich wĂŒrde mich einfach nicht in so eine Frau verlieben, die ich nach einiger Zeit wechseln muss. Und wenn die Frauen ihre MĂ€nner verlieren, dann sind nur die Frauen daran schuld. Mit der Zeit werden sie einfach verdammt uninteressant, gell?

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urte
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2000

Werke: 3
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SIE

Hallo, also, ich verstehe das etwas anders: Da gibt es eben diese winzigen "Zeitreisen" in nie gedachte Möglichkeiten, solche "Augenblicks"-Leben, - und gewiß nicht nur von "ihm" aus. Schöne Idee, Gruß, Urte
__________________
(C)Urte Skaliks-Wagner

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