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Leselupe.de > Kurzgeschichten
SUE - version 2000
Eingestellt am 01. 09. 2002 09:20


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habicht
Junior Mitglied
Wird mal Schriftsteller

Registriert: Oct 2001

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„Nein....“ Ihr Schrei hallt durch die leeren R├Ąume des Rohbaus.
Dunkel ragen Kr├Ąne in einen sternklaren Nachthimmel, l├Ąngst, hatten sich die Regenwolken verzogen und der Mond tauchte die Landschaft in ein fahles Licht, da├č die Realit├Ąt verschwimmen l├Ą├čt.
Ihre Stimme..... erlosch in der Einsamkeit der Nacht.
Sie zittert am ganzen Leib. Jeder Muskel ist angespannt. Zusammengekauert mit Tr├Ąnen in den Augen pre├čt sie sich in ein Eck der halbfertigen Wohnanlage. Zugedeckt mit dem Schweigen eines lauwarmen Sommerwindes.
Er stand vor ihr. Den Mund leicht offen, den Blick fragend, erkennend das sie ihm nur hassen konnte. Das sie ihm nie wird verzeihen k├Ânnen. Das sich seine Realit├Ąt gerade in der Wirklichkeit des Mondlichtes verliert. Sp├╝rt wie die Einsamkeit zur├╝ck kommt, wie dieser unendliche Schmerz wieder aufsteigt und er in den tief schwarzen, spiegelglatten Wasser des Lebens zu versinken droht.
„Ich...“ weiter bringen ihn seine Worte nicht, weiter tragen ihn seine Gedanken nicht, bis alles in seinen Kopf zusammenbricht.
Sie schluchzt... Angst mehr zu sagen, Angst ihn zu reizen, Angst davor das alles wieder von vorne beginnen k├Ânnte. Blut, das ├╝ber ihre Haut rinnt. Schmerzen, die ihren geschundenen K├Ârper durchziehen. Die Kleider halb von Leib gerissen in der Lache kauernd, die vom Regen ├╝brig geblieben ist, von oben bis unten mit den Staub des Neubaus ├╝berzogen.
Es ist ein gro├čer Raum, in dem Sie kauert, nach oben hin offen. Das Wasser, das sich ├╝ber den Boden breitete, wie ein feiner Schleier den Abendhimmel spiegelnd. ER ist eine Silhouette, gemalt gegen den Schimmer, der ├╝ber diesen Zimmer lag. Zeichnete sich schwarz gegen die Schw├Ąrze der Nacht ab. Die Mauer in ihrem R├╝cken ragt empor, als w├╝rde sie sie sch├╝tzen wollen, aber es ist ein tr├╝gerisches Gef├╝hl....
Er...
Es war auf einer Party. Er war ein entfernter Verwandter. Sie hatte ihn schon ├Âfters getroffen, nie wirklich beachtet oder wahr genommen. An diesem Abend war es anders. Er stand gelangweilt an der Theke mit einem Glas Sekt in der Hand an dem er Gedankenverloren nippte, w├Ąhrend sein Blick ├╝ber die Anwesenden Personen glitt.
Sein Blick...
Das war der eigentliche Grund, der sie gefesselt hatte, fasziniert hatte. Er hatte etwas unnahbares, etwas unheimliches. Es war, als w├╝rde man wissen, da ist eine T├╝re und hinter der T├╝r ist ein Geheimnis versteckt und dieses Geheimnis ist es, das sie auf den Grund gehen wollte. Jetzt war sie auf diesem Grund angekommen und wu├čte nicht mehr wie sie je wird wieder auftauchen k├Ânnte.
„Hallo...“ Mit einem L├Ącheln auf den Lippen, hatte sie sich an ihn herangeschlichen. „So nachdenklich?“
Er erwiderte ihr L├Ącheln, senkte den Blick, bot ihr ein Glas Sekt an. Sie nahm dankend an. Irgendwie hatten Sie sich dann langsam begonnen in ein Gespr├Ąch zu vertiefen, waren eingetaucht in Ihre eigene Wirklichkeit und die Party herum versank hinter einen samtenen Schleier. St├╝ck f├╝r St├╝ck war sie ihn n├Ąher gekommen, schneller als gedacht, schneller als gewollt.

Es war irgendwie unverbindlich, es war irgendwie unkompliziert. Sein Lachen ber├╝hrte sie auf eine eigenartige Art und weise und sein Wort stie├čen etwas in ihr an – unbewu├čt. Irgendwann verga├čen sie die Menschen herum verga├čen die Bekannten und alles schien in einem sch├Ânen ruhigen Flu├č der Vertrautheit dahinzugleiten.
Es war nicht einfach nur ein Gespr├Ąch. Es war nicht einfach nur einige Worte. Es war mehr und doch nicht und unter all dem war da etwas, da├č sich immer wieder ihrer Neugier entzog und abtauchte.
Es war nicht das ├Ąu├čerliche, das einem den Puls nach oben trieb. Er war nicht wirklich eine Sch├Ânheit, aber er hatte eine Atmosph├Ąre um sich herum. Wie er am Glas nippte, wie er zu ihr aufblickte, wie seine Augen sich in sie bohrten, als w├╝rde er durch sie hindurch sehen. Er war auch nicht gerade h├Ą├člich, aber es war mehr hinter dieser Fassade aus Charme und Stil. Irgendwie pa├čte alles an ihn. Wie er angezogen war... wie er redete.... wie er die T├╝r aufhielt, wie er den Stuhl f├╝r sie zur├╝ck zog.
Irgendwann fragte sie, ob sie nicht spazieren gehen wollten, Sie br├Ąuchte etwas Luft, au├čerdem liebte sie es den Regen zu genie├čen, den Duft vom nassen Gras und Asphalt einzuatmen. Er l├Ąchelte. Nicht mehr, nicht weniger.
Etwas nach Mitternacht verlie├čen sie die Party und schlenderten die Stra├če hinunter und die hell erleuchteten Fenster begannen in einer Regennacht zu versinken. Er war neben ihr und irgendwie beruhigte es Sie.
Eigentlich war sie nicht solo. Ihr Freund war vor diesem Wochenende abgereist. Gesch├Ąftlich. Sie war allein, sie war viel zu oft alleine. Jetzt geno├č sie es, jemanden neben sich zu haben. Jemanden der St├Ąrke ausstrahlte. Jemanden der einen Besch├╝tzen kann. Es war irgendwie unbewu├čt, als sie w├Ąhrend des Gehens sich an ihn lehnte. Sein Arm legte sich um ihre Schultern und zogen sie etwas n├Ąher heran. Irgendwie war da fast eine Dominanz, in der Art der Bewegung.
Er hielt den Regenschirm.
Das Spiegelbild der Lachen auf der Stra├čen wurden von hunderten kleinen Tropfen in St├╝cke gerissen, verzerrt.
Am Ende der Stra├če ragte ein Kran aus der Finsternis, l├Âste sich als Schatten von einem wolkenverhangenen Himmel. Das Wasser gurgelte durch die Regenrinnen in den Kanal.
„wart.“ er lachte, lies sie los und sprang mit allen zwei F├╝├čen gleichzeitig in eine Wasserlache. Tausende funkelnde Perlen unter den Licht der Stra├čenlaterne stoben auseinander.
Sie l├Ąchelte und schaute ihr gegen├╝ber an. Wie ein kleines Kind lachend in der Wasserlache, der Regen um ihn herum und die funkelnden Tropfen, die aufstoben, wenn er mit den Fu├č durch das Wasser fuhr. Ein kleiner Junge in der Welt der Erwachsenen, dachte sie sich, neigte leicht den Kopf.
„He, Sch├Âner.“
Er stoppte und schaute zu ihr hin├╝ber.
„Werde hier von deinem Regentanz noch ├╝ber und ├╝ber na├č.“
Er schaute sie an, etwas verwirrt.
„Komm weiter, kleiner Junge.“ wie lange hatte ihre Stimme nicht mehr so z├Ąrtlich geklungen wie in diesem Moment. Es tat gut, sich selbst wieder zu sp├╝ren, dachte sie bei sich.
Er wartete. „Sind wir etwa aus Zucker?“ Platsch, Wasser stob auf, regnete auf sie hernieder.... Er lachte. Sie lachte und langsam begann der Regen nach zu lassen und dann schlenderten sie weiter, die Stra├če hinunter, an deren Ende ein Rohbau einer Wohnanlage die Dunkelheit unterstrich und langsam tauchten hinter den H├Ąusern auch die anderen Kr├Ąne aus.
Es war irgendwie unverbindlich, diese Nacht, jedenfalls begann sie so.

Wann es sich ├Ąnderte – begann in der Erinnerung zu verschwimmen. Es war am Ende der Stra├če, glaubt sie, als sie stehen blieben.
Der Regen hatte aufgeh├Ârt, ein leichter Wind war aufgekommen und begann die Wolkenwand am Himmel auseinander zu treiben und das fahle Licht des Mondes bahnte sich langsam seinen Weg. Er hielt sie an der Hand und zog sie vom Licht der Stra├če in die Dunkelheit, die die Schatten des Rohbaus warfen und mit einmal f├╝hlte sie sich neben ihn nicht mehr so sicher, sie Blick hatte sich ver├Ąndert. Sie sp├╝rte sein verlangen in den Griff sp├╝rte seine Sehnsucht und dann war da etwas schwarzes unnahbares, da├č auf seinen Gesicht lag – etwas, da├č sie fast erschreckte.
Er zog sie zu sich, seine Hand umschlo├č ihr Gelenk, sein Griff wie aus eisen und das Bewu├čtsein, da├č er sie nicht gehen lassen w├╝rde. Er sagte kein Wort, zog sie hinter sich her... die Erde auf der Baustelle war zu einen weichen Morast und sie sank mit ihren Schuhen ein.
„He, Moment – la├č das....“ sie versuchte sich zu l├Âsen, aber seine Hand war wie ein Schraubstock geschlossen und er dachte nicht sie frei zugeben und dann kam diese Panik die in ihr begann aufzusteigen. Er schien nichts zu merken, auf nichts zu reagieren. Sie fiel, er blieb nicht stehen, schliff sie fast hinter sich her. Stolpernd versuchte sie wieder auf die F├╝├če zu kommen. Atmete schwer, dann verschwanden sie in eine der schwarzen ├ľffnungen des Rohbaus.
Er wei├č nicht mehr, wann sich alles ge├Ąndert hatte. Ihr Blick, ihre Stimme, ihre Z├Ąrtlichkeit, ihre Haut an seiner, ihre Hand – Schutz suchend. Irgendwie machte es ihn stark und da war die Hoffnung endlich diese Nacht durchbrechen zu k├Ânnen. Endlich aus ihr ausbrechen zu k├Ânnen. Endlich die N├Ąchte hinter sich lassend... das Gef├╝hl das es keine Ende gibt. Das dieser Tunnel nie wird aufh├Âren und das er es nicht schaffen k├Ânnte. Es war schon so viel passiert. Jemanden zu finden, der ihn vertrauen k├Ânnte.
Dann war es aus...
Warum wu├čte er nicht. Er hatte es irgendwie nicht bemerkt. Es war die Sehnsucht sie zu ber├╝hren, die Sehnsucht, sie in seinen Arm zu nehmen, sie zu k├╝ssen, sie zu lieben, in sie einzudringen und sie zu nehmen. Die Sehnsucht die in lauf des Abends immer st├Ąrker wurde und langsam begann all seine Gedanken auszul├Âschen, all seine Vernunft erstickte. Er sah sie und sah wie sie sich liebten – leidenschaftlich k├╝├čten. Er sp├╝rte sein verlangen. Hinter in war sein leeres Bett, waren seinen N├Ąchte der Einsamkeit gemei├čelt in seiner Erinnerung.
Sie redete von ihrer Familie, redete von ihn, redete von ihrer Einsamkeit, wenn er nicht da war. Konnte es sein, da├č es die gleiche Einsamkeit war?
Dann erlosch ihre Stimme in seiner Wahrnehmung und da waren nur noch die Bilder in seinen Kopf. Sie war nackt, sie ber├╝hrten sich, sie k├╝├čte ihn, er erwiderte ihren Ku├č und gemeinsam verfielen sie in eine Nacht er unendlichen Leidenschaft. Und er wollte es. Er wollte es jetzt. Er wollte nicht mehr warten. Er hatte so lange gewartet, dachte er sich. Er konnte es nicht mehr aufhalten. Sie wollte es doch auch, hinaus aus dieser Einsamkeit.
Sie waren am Ende der Stra├če angekommen und die Ruine stieg hinter ihn in die Finsternis empor, die Kr├Ąne die empor ragten.
Perfekt – dachte er sich. Es w├╝rde sie niemand sehen. Das war der Ort f├╝r sie beide.
Er packte sie bei der Hand, zerrte sie aus den Licht der Stra├če in die Dunkelheit, merkte nicht das der Boden unter seinen F├╝├čen durch den Regen nachgab, merkte nicht da├č sie sich begann zu wehren, versuchte aus seiner Hand zu l├Âsen und auszurei├čen. L├Ąngst war sie nur die M├Âglichkeit der Einsamkeit zu entkommen. L├Ąngst war sie nur mehr die M├Âglichkeit dieses Verlangen zu stillen. Ihre Stimme erlosch, bevor er sie h├Âren konnte. Ihr versuch sich loszurei├čen starb unter seiner kr├Ąftigen Hand.
Er w├╝rde sie nicht mehr los lassen. Er w├╝rde seine Chance nicht mehr hergeben. Und dann verschwanden sie in eine der schwarzen ├ľffnungen des Rohbaus.

Seine H├Ąnde zittern
Sie wagt es nicht aufzuschauen. Die Silhouette von ihm im Ged├Ąchtnis eingebrannt. Sie sp├╝rt das er noch da ist. Sie braucht ihn nicht zu sehen um zu wissen, da├č er ein paar Meter von ihr entfernt steht, die H├Ąnde kraftlos, den Blick auf Sie gerichtet. Sie sp├╝rt wie er sie durch dringt, wie er beginnt wahr zu nehmen was passiert war. Sie wahr zu nehmen, verschmiert mit Blut, Erde, Staub. Durchn├Ą├čt. Die restlichen Fetzen an ihren K├Ârper pressend, sich keine Bl├Â├če mehr geben wollend.
„Ich....“
Seine Stimme klingt gebrochen, holpert querfeldein, orientierungslos, steurlos.
„Ich... Ich wollte nur sagen, da├č ich dich liebe..“ Schweigen
Lichtspiele am Himmel. Sternenfunkeln. Wolkenfetzen halb in wei├čes Leuchten getaucht, halb in der Dunkelheit untergehend, von Wind getrieben.
Kein Ger├Ąusch in der Umgebung... Verlassen...
„Ich .... Ich wollte dich ....“ seine stimme bricht ab, st├╝rzt... endet.
Seine H├Ąnde zittern. Langsam beginnt er den Schmerz zu sp├╝ren, die Kratzer ihrer Fingern├Ągel auf seinem R├╝cken, den Geschmack ihrer Haut, ihres Blutes, ihrer Verzweiflung in seinem Mund. Ein bitterer Nachgeschmack der ihn ausf├╝llt, niederringt.
Lauf... lauf so schnell du kannst, aber seine Beine r├╝hren sich nicht, sein Blick kann sich nicht von den etwas l├Âsen, das schluchzend in der finsteren Ecke hockt, zusammengekauert, diesen abend verfluchend, ihn verfluchend, ihn hassend.
„ich wollt dich lieben, dich ber├╝hren, dich k├╝ssen. Ich wollte in deinen Armen versinken. Ich ... ich wollte nicht.... nicht das ... das es so kommt.. ich...“
Seine Worte verhallen ungeh├Ârt zwischen unverpuzten Ziegelw├Ąnden, nassen Stahlbetondecken und Stiegenaufg├Ąnge ohne Gel├Ąnder, ohne Fliesen. Verhallen in der Einsamkeit... m├Ąchtiger als sie je zuvor war. Er wollte doch nur ein St├╝ck, ein St├╝ck leben sp├╝ren, sp├╝ren geliebt zu werden, sie zu lieben. Er wollte doch nur einmal diese Mauer aus Schweigen, endlosen N├Ąchten in leeren Betten entrinnen... mehr war es nicht und jetzt steht er mitten in dieser endlosen einsamen Nacht. und jetzt ist der Hass, das einzige Gef├╝hl, da├č f├╝r ihn in ihren Kopf ├╝briggeblieben ist.
Sie merkt nicht da├č er redet, h├Ârt nicht die Worte... Tr├Ąnen rinnen ihren Wangen herunter.... Sie war verletzt, als w├╝rde jemand ihr innerstes nach Au├čen gest├╝lpt haben. Als w├╝rde sie gebrandmarkt worden sein und sie roch noch das verbrannte Fleisch, sp├╝rte noch das gl├╝hende Eisen auf ihrer Haut. Sie wei├č nur da├č er noch da ist. Seine Anwesenheit, wie ein dunkler Schatten der sich in einem hei├čen wolkenlosen Sommertag, pl├Âtzlich ├╝ber die Stadt legt.
Verflucht.... er soll gehen, er sollte verschwinden, sie will niemanden jetzt, sie will nach Haus, endlich den Schl├╝ssel umdrehen, die Badewanne einlassen und all das was geschehen aussperren, nicht mehr in ihre Wohnung lassen. Will den Abend aus ihrem Ged├Ąchtnis l├Âschen, ihn eliminieren und alles was mit dem Jetzt verbunden ist.
Tr├Ąnen, des Schmerzes, Tr├Ąnen der Verzweiflung, Tr├Ąnen des Bewu├čtseins, da├č sich alles ge├Ąndert hat und das die Erinnerung sich durch jedes Schl├╝sselloch schleichen w├╝rde. Die Gewi├čheit, da├č sie noch so lange laufen k├Ânnte, am Ziel w├╝rde die Erinnerung an Ihn bereits da stehen und sie empfangen... atemlos.
„wieso h├Ârst du mir nicht zu...“ er tritt einen schritt vor, „verflucht noch mal ich red mit dir.“
Stille..
„schei├če.“ er schreit, das Echo des Baus antwortet...“H├ľR MIR ZU! VERFLUCHTE HURE ICH RED MIT DIR! GLAUBST DU ES IST LEICHT F├ťR MICH..... LEICHT DAS ALLES ZU ├ťBERSTEHEN. LEICHT JEDEN ABEND ZU NIEMANDEN NACH HAUSE ZU KOMMEN! GLAUBST DU ICH MACH DAS ALLES ZU MEINEN VERGN├ťGEN....“
W├Ąhrend er schreit kam er n├Ąher und n├Ąher, geht auf sie zu dann bricht seine Stimme ab und ihr verzweifeltes Schluchzen. war das einzige das diesen Raum noch erf├╝llt.
„oh Gott...“
Er sinkt auf die Knie, bricht pl├Âtzlich unter ihren Anblick zusammen.
„oh Gott...“
Dann ist lange Zeit nur mehr Sie zu h├Âren....

Es war lange nach Mitternacht....
Die letzten G├Ąste hatten die Party verlassen, das letzte Taxi war schon weg und die R├Ąume blieben im Dunklen zur├╝ck.
In den n├Ąchsten 2 bis 3 Stunden w├╝rde sich die Sonne ├╝ber den Horizont schieben. In den n├Ąchsten 2 bis 3 Stunden w├╝rde langsam der Tag heraufziehen und w├╝rde im Osten ein heller schmaler Streifen beginnen zu gl├╝hen. Bald w├╝rde die Stadt wieder erwachen und der Alltag beginnen. Bald w├Ąre seine Zeit vor├╝ber, sein Reich besiegt endg├╝ltig erlegen.
Er starrte sie an...
Sie war sch├Ân, ihre Haut im milchigen Mondlicht, schimmernd. Er h├Ątte sie haben k├Ânnen, vielleicht. Er hat es gesp├╝rt, wie sie ihn anschaute, er hat es gesp├╝rt wie sie mit ihm sprach.... Ja, denkt er, vielleicht h├Ątte es klappen k├Ânnen, jetzt bleiben nur noch ihre Tr├Ąnen ├╝brig. Jetzt bleibt nur noch er ├╝brig als d├╝stere Gestalt als Erscheinung in traumlosen N├Ąchten, als Schatten ihres Lebens. Er hat sich in ihr Leben geschlichen und sie mu├čte mit ihm leben, nur war es das Leben, das er mit ihr f├╝hren wollte...
Momentaufnahmen, Blitzlichter gleich, scho├č durch seinen Kopf... wie es war, wie es sein h├Ątte k├Ânnen, wie es sein wird.
Er kniete vor ihr, keinen Meter von ihrem K├Ârper entfernt, ihr Gesicht vergraben, ihre H├Ąnde an sich pressend, die Beine angezogen, zu einer Kugel zusammengekauert.
Er k├Ânnte sie ber├╝hren ihre Haut....
Nach einem Schweigen, das jahrelange Minuten gedauert hatte:
„Ich.... wei├čt du, ich dachte ich schaffe es... ich dachte du w├Ąrst die Richtige. Mein Leben... es gibt da nicht mehr viel. Es gibt mich, meine Wohnung und jeden Tag die Hoffnung, das es Nacht werden w├╝rde. Die Hoffnung endlich von den Menschen weg zu kommen. Vor ihren Lachen zu fliehen und in meine Welt zu fl├╝chten.
Ich sperre immer ab, wenn ich nach Hause komme... Manchmal schieb ich auch ein Sofa vor die T├╝re. Ich gehe nicht zum Telefon, ich mu├č mich ├╝berwinden wenigstens einmal in der Woche den Briefkasten zu ├Âffnen. Die meiste der Post lese ich nicht, nicht mehr und jede Nacht hoffe ich, es w├╝rde etwas passieren. Es w├╝rde etwas geschehen und es w├╝rde nicht mehr Morgen werden, nie mehr...“
Mitten durch ihren Schleier aus Schmerz, den Gef├╝hl ausgeliefert zu sein, der Ohnmacht des jetzt, mitten durch all das durch begann sich seine Stimme langsam zu S├Ątzen zu formen, zu W├Ârtern, begann sie ihn wahr zu nehmen.
„Es ist nur ein Nachteil, dieser N├Ąchte... Man ist alleine und findet keinen Weg mehr aus der Einsamkeit. alles was man macht f├╝hrt einen immer tiefer in diese Einsamkeit und allm├Ąhlich wird diese Einsamkeit, zu einem Schraubstock in dem man eingespannt ist, und der einem nicht mehr los l├Ą├čt.
Wei├čt du, diese Einsamkeit kann einem das Herz herausrei├čen solange bis man nichts mehr sp├╝rt. Kein Mitgef├╝hl, kein Leid, keine Liebe nur noch die Einsamkeit ist da, allumfassend, ist sie das einzige Gef├╝hl das ├╝brig geblieben ist und irgendwann kannst du nur noch an Sie denken. Du wirst w├╝tend, wenn du ein verliebtes Paar siehst, w├╝tend, wenn jemand lacht, w├╝tend auf die Kollegen die nach dem Dienst zu ihren Familien fahren und mir bleibt die Erinnerung daran.
Heute habe ich gedacht du f├╝hrst mich da raus, heute habe ich gedacht ich schaffe es endlich mein Ged├Ąchtnis niederzuringen, anstelle habe ich mich niedergerungen und ich wei├č, da├č es nie wieder Tag werden wird, da├č es f├╝r mich nie wieder ein Morgen geben wird...“
Er hielt inne....
Sie hob langsam den Kopf..... Vorsichtig.... ihr K├Ârper zitterte, zerrissen zwischen den Drang weg zu laufen, der Hoffnung hier heraus zu kommen, andererseits ├╝ber die Angst, da├č alles noch nicht zu ende war, da├č sie nicht entkommen konnte, da├č die Wirklichkeit eine andere ist....
Sie hob langsam den Kopf und dann trafen sich ihre Blicke.
Dann schwiegen alle beide.. nichts r├╝hrte sich in dem Haus, die zwei wie in die Luft gemei├čelt, einander gegen├╝ber sitzend. Ein Auto ri├č sie f├╝r Sekunden aus dieser Stille, Hoffnung, Sehnsucht von hier weg zu kommen... sie r├╝hrte sich nicht und der Motor erstarb in der Dunkelheit....
„Ich hatte gehofft sie wieder zu finden. Ich hatte gehofft SUE wieder zu finden....“
fanden irgendwann seine Worte den Weg aus dem Schweigen.
„Sue...“ er lies den Namen auf seiner Zuge zergehen... Es war noch immer da... Tr├Ąnen die hoch schossen... er bi├č die Z├Ąhne aufeinander, versuchte die Kontrolle wieder zu finden, die er schon vor Jahren verloren hatte. Nur mehr ein Passagier seiner Gef├╝hle.
„Sue... sie war....“ seine Stimme brach immer wieder ein, stockend „meine Frau.... bis.... vergewaltigt und dann ermordet.... ich....“
Seine Blick l├Âste sich von ihr. Seine H├Ąnde vor ihn betrachtend.... er ha├čte sich f├╝r all das, f├╝r jede Sekunde seines Lebens ha├čte er sich. F├╝r jedes Gl├╝ck, das er selbst wieder zerst├Ârte. F├╝r jede Hoffnung, die er selbst wieder zu nichte macht. Die Nacht hat endg├╝ltig gesiegt... die Einsamkeit den Sieg davon getragen.... die Eifersucht den Grundstein gelegt.....
Mit Tr├Ąnen in den Augen hob er langsam seine Hand... Millimeter...
Sie r├╝hrte sich nicht. Angst, Verwirrung, Schmerzen, Verzweiflung und das Gef├╝hl nichts dagegen mehr machen zu k├Ânnen hatten sie l├Ąngst gel├Ąhmt, gefesselt.
Zentimeter vor ihrer Haut stoppte seine Hand. Sie f├╝hlte die w├Ąrme seines K├Ârpers, roch seinen Atem. Unterdr├╝ckte die ├ťbelkeit, die in ihr aufstieg. Es w├╝rgte sie und der Geschmack von erbrochenen lag irgendwie auf ihrer Zunge.... wagte es nicht sich zu r├╝hren.
Dann ganz Vorsichtig, wischte er mit den Finger ├╝ber ihrer Wange, wischte eine Tr├Ąne weg... z├Ąrtlich, liebevoll....
Einmal noch SIE zu ber├╝hren bevor der Vorhang f├Ąllt
Einmal noch zu lieben, bevor sein Film zu ende ist
Einmal noch zu k├╝ssen, bevor das Buch aus ist
Einmal noch gl├╝cklich sein, bevor es vorbei ist
„Sue....“ fl├╝sterte er.... „Sue wie sehr hab ich dich vermi├čt....“

ENDE

__________________
*Nachtflug*

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flammarion
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starker tobak.

hat er sue auf dem gewissen oder hat er etwas getan, von dem er nun glaubt, da├č es halbwegs normal ist oder was? ich stehe staunend vor deiner geschichte. kl├Ąr mich bitte auf. lg
__________________
Old Icke

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habicht
Junior Mitglied
Wird mal Schriftsteller

Registriert: Oct 2001

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hmmm... ich will es mal versuchen ohne etwas zu verraten. Denn die "eigentliche" Geschichte bzw. seine Vergangenheit nicht greifen zu k├Ânnen soll jeder selbst.

SUE ist nicht sie, nicht die, die im "jetzt" sue ist im grunde eine andere Geschichte und wer wei├č, vielleicht hat er sie auf den gewissen, aber das was sie mit sicherheit ist, ist ein Teil seiner Vergangenheit, ins jetzt projeziert.

Und noch etwas - ich denke, da├č jeder "Verbrecher" sich ein Bild zurecht legt - das seine Handlung jedenfalls f├╝r ihn halbwegs normal sind oder kennst du einen Menschen der absichtlich falsch handelt und dann auch noch ohne wenn und aber hinzuzuf├╝gen sagt es war falsch. Oder baut sich nicht jeder sein Bild von seinen Handlungen zurecht? Versucht sich vor sich selbst zu rechtfertigen?

ich hoffe es hilft etwas *l├Ąchelt*

gru├č habicht
__________________
*Nachtflug*

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flammarion
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nee,

hat nich viel geholfen. ick bin vielleicht zu kleen daf├╝r. lg
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Old Icke

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