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Leselupe.de > Anonymus
Sabbat in Conzert
Eingestellt am 25. 03. 2003 01:17


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Anonymous
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Der Sabbat geht zu Dvořák



Es war an einem dieser herrlichen Sonntage in denen der FrĂĽhling vorwitzig mit der Sonne spielte und der Winter sich bereits langsam und mĂĽde zurĂĽckzog.
Ein Sonntag wie er schöner in der Hauptstadt nicht hätte sein können.
Vor der Philharmonie versammelten sich das Publikum und genoss die frühlingshafte Nachmittagssonne. Der Brezelverkäufer bot seine Waren feil, ein Pärchen stellte ihre Fahrräder ab und sie flüsterte ihn zu: »Hi, hi, da fährt man doch glatt mit dem Fahrrad ins Konzert«. Er nickte und ließ das Fahrradschloss zuschnappen, krempelte das rechte Hosenbein herunter und sie ordnete ihre schwarze Leinenhose.
Ein Sonntagnachmittag vor einem klassischen Konzert in einem klassischen Saal mit klassischem Orchester.
Das ‚Akademische Orchester Berlin e.V.’ unter Leitung von Andreas SchĂĽller, hatte geladen und vor dem imposanten Westgebäude hatten sich die Scharen versammelt.
Pünktlich um 16:00 Uhr wurden die Türen geöffnet. Und wie üblich drängten sich gleich einige Herrschaften zu den Türen, um ja ihren Platz nicht zu verpassen. Komisch - auf meiner Eintrittskarte stand Block E, Reihe 8, Platz 1, ob es auch Karten ohne Platznummer gab?!
Nachdem die Drängler sich im Inneren des Kaisersaals verirrt hatten und von einer Aushilfskraft, die das Programmheft erfolgreich an den Mann, bzw. Frau brachte, zu ihren Plätzen geführte wurden, nahmen auch wir so langsam Platz.
Da mein Mann und ich Platz 1 und 2 inne hatten, standen wir auf, wenn Musikfreunde ebenfalls in unserer Reihe Platz nehmen wollten.
»Das hier ist doch Platz 12!«, fragte mich die Oma bestimmend. Und ebenso energisch gab ich zurück: »Wir sitzen nicht auf Ihrem Platz!« Irritiert ging die Frau weiter und mein Blick verfolgte sie bis zum letzten Platz in der Reihe.
Der Blick auf die BĂĽhne war umwerfend. Von so weit oben sah das Kontrabass wie ein Cello aus und daher freute ich mich diese Instrumente entdeckt zu haben, denn meine Freundin ist Cello spielendes Mitglied des Orchesters und dieser Konzertbesuch ein Geburtstagsgeschenk ihrerseits.
Es füllte sich, selbst in der obersten Reihe auf den letzten Plätzen nahmen noch Menschen Platz. Der Raum füllte sich mit Wispern, Hustenanfällen, Gemurmel und einem tosenden Applaus als die Orchestermitglieder vom Seiteneingang Rechte auf die Bühne traten.
Und da war sie – meine Freundin mit ihrem Cello unterm Arm, wobei ich nun das GefĂĽhl hatte, es hätte auch eine Geige sein können.
85 Musiker und Musikerinnen nahmen Platz, und das typisch verzerrte Geräusch, der einzustimmenden Instrumente begann.
Die Geigen konterten den Oboen, die Flöten zirpten die Cellos an, die Kontrabasse imponierten den Hörnern und die Pauke hielt sich zurück.
Das Publikum im Parkett frönte einem tosenden Applaus als der Dirigent von links zu seinem Pult schritt. Elegant im Frack, neckisch seine runde Studentenbrille und furchtbar jung ist Andreas Schüller.
Dem Programmheft entnahm ich, dass das erste StĂĽck von Jean Sibelius komponiert wurde und den Namen Finlando, op. 26 trug.
Das Orchester hatte sich beruhigt, das Publikum ebenso und der Dirigent sich mehrmals verbeugt, und so begann er mit einladenden Handbewegungen das Orchester zu leiten.
Frühlingshafte Klänge erfüllte die Philharmonie.
Harmonische Bewegungen, zärtliches Streichen und gezupfte Bässe.
Wiederum toste Beifall auf als das Stück sein Ende fand, und die letzten Töne verklangen.
Konzert fĂĽr Violoncello und Orchester b-Moll, op. 104 von Antonin Dvořák, welches imposanter weise in Allegro, Adagio ma non troppo und Finale – Allegro mederato unterteilt ist, stand als das nun folgende StĂĽck auf dem Programm.
Herr Schüller nahm seine Position ein, hob die Hände und dirigierte in höchster Vollendung das Allegro.
Bei jedem Takt flutete eine Welle der Harmonie durch die Musiker.
Das Publikum zollte dem Allegro und den Musikern Anerkennung und der Nachbar meines Mannes ein mĂĽrrisches Raunen und entsetzter Protest.
»Da kann man doch nicht klatschen! So was zerstört die Musik!«, knurrte der, seinem kleinkarierten Sakko ähnlichwirkende Mann.
»Ist nur schade, dass das gesamte Publikum ebenfalls klatschen«, murmelte ich halblaut zu ihm herüber gebeugt.
»Die sind genauso dumm«, gab dieser spontan zur Antwort.
Dann setzte auch schon wieder das Orchester ein und der Saal wurde still.
Zwischen dem Adagio und dem Finale wurde nicht applaudiert. Wahrscheinlich hat das fast ausverkaufte Haus, den Protest des Herrn Musikmäzen genau gehört.
Das Licht wurde langsam heller und die 15-minutige Pause begann.
»Kann ich noch was sagen?«, fragte uns der Mäzen.
»Sie dürfen soviel sagen, wie Sie möchten«, gab mein Mann angesäuert zurück und drehte sich wieder in meine Richtung und gemeinsam steckten wir unsere Köpfe demonstrativ ins Programmheft.
»Nun, wenn Sie mir vielleicht auch zuhören wollen?«
Ich schaute vom Heft hoch und grinste den Kleinkarierten an.
»Wissen Sie...«, fing er seine Tirade an, »... die Musiker, der Komponist und das Publikum haben eine gewisse Spannung aufgebaut, die durch Ihren Applaus zerstört wurde.«
»Jeder genießt auf seine Art«, gab mein Mann zurück.
»Man ist an gewisse Konventionen gebunden. Das ist nun mal so! Sie essen am Sabbat schlieĂźlich auch kein Schweinefleisch!« Dann ging er, gefolgt von seiner peinlich berĂĽhrten Frau, an uns vorbei und mein Mann sagte lachend: »Ich mach’ noch ganz andere Sachen.«
Ich schaute meinen Mann an und fing laut an zu lachen.
»Was macht der Sabbat in einem klassischen Konzert?«, fragte ich.
»Keine Ahnung, aber Dvořák ist schon seit Hundert Jahren tot. Ich bezweifle, dass er im Grab eine Spannung aufgebaut hat.«
»Und ich kann mir nicht vorstellen, dass er die Triangel so laut hat anschlagen lassen, dass ich beinahe ‚Telefon’ gerufen habe. Das passte ĂĽberhaupt nicht ins Klangbild«, sagte ich und kicherte immer noch ĂĽber Mr. Kleinkariert und seinen hinkenden Vergleich.
Mit einem dumpfen Gong wurde das Ende der Pause eingeläutet. Und wie zu Beginn des Konzertes strömten auch jetzt wieder die Drängler zuerst herein.
Ludwig van Beethoven, Sinfonie Nr. 5, c-Moll, op. 67 stand im Programmheft und das berĂĽhmte „dadadadaaa – dadadadaaa“ erklang.
Das Publikum verkniff es sich zwischen den einzelnen Pausen zu klatschen, scheinbaren waren sie von Mr. Kleinkariert zu sehr angeblafft worden.
Ich jedenfalls verspürte keinen Drang zu klatschen, sondern genoss es einfach, dieses Meisterwerk an Musikstück endlich einmal in voller Länge und Live zu hören.
Nach zwei Stunden Musikgenuss verließen wir den Konzertsaal der Berliner Philharmonie und spazierten lästernd über Mr. Kleinkariert zur S-Bahn Station Potsdamer Platz.
»Sag’ mal, wie hat dir die Philharmonie gefallen?«, fragte mich mein Mann.
»Die hätten ruhig mal Staubwischen können, wenn der Sabbat zu Dvořák kommt.«



(Bin fĂĽr jeden Hinweis dankbar)

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flammarion
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ja,

ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. vielleicht würde es mir helfen, wenn ich wüte, ob diese geschichte authentisch ist. der jude isst nämlich nie schweinefleisch, insofern ist seine rede von wegen sabbat und essen ein witz. bewundernswert ist auch, wie konsequent du da kein komma setzt, wo eins hingehört, dafür aber kommas setzt, wo sie nicht hingehören. an drei stellen verwendest du die mehrzahl, obwohl einzahl gemeint ist . . .
lg
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Old Icke

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