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Leselupe.de > Humor und Satire
Sabotage
Eingestellt am 25. 02. 2006 22:12


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Meckie Pilar
AutorenanwÀrter
Registriert: Feb 2006

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Sabotage

Er spĂŒrt es nun schon seit gut zehn Minuten. Er versucht, es einfach zu leugnen. Er arbeitet verbissen an der Montage des vorderen KotflĂŒgels. Vielleicht hat er GlĂŒck, und es geht wieder vorbei?
Erwin Ruggel sieht kurz zu seinem Kumpel hinĂŒber, der mit ihm am Montageband steht. JĂŒrgen arbeitet und pfeift dabei. Er legt immer ein ziemliches Tempo vor, das Erwin kaum mithalten kann. Erwin kann JĂŒrgen trotzdem gut leiden. Er ist halt viel jĂŒnger und er braucht das Geld.
JĂŒrgen kommt immer mit seinen Pinkelchips aus. Manchmal hat er sogar am Freitag Abend noch welche ĂŒbrig. Beneidenswert!
Eigentlich sind die Chips ja nicht ĂŒbertragbar. Aber merken wĂŒrde es wohl keiner, wenn JĂŒrgen ihm die geben wĂŒrde, die er selber nicht braucht. Soweit ist es wohl doch noch nicht hier im Werk. Obwohl Erwin sich nicht wundern wĂŒrde, wenn es demnĂ€chst statt der kleinen, grĂŒnen Plastikscheiben eine Karte gĂ€be, die man jede Woche neu mit der einem zustehenden Chipanzahl aufladen mĂŒsste. So was kommt bestimmt auch noch.
Jetzt immerhin könnte Erwin JĂŒrgen noch bitten, ihm seine ungebrauchten Chips zu geben. Er sollte ihn endlich fragen. Bisher hat er sich noch nicht getraut.
Erwin ist es peinlich, wie oft er aufs Klo muss. Ganz offenbar geht er viel öfter als alle anderen auf seiner Schicht. Ihm reichen die drei Chips pro Arbeitstag einfach nicht, so sehr er sich auch bemĂŒht!
NatĂŒrlich, die Werksleitung muss Druck machen auf ihre WerktĂ€tigen, damit das Unternehmen im Konkurrenzkampf mit den Standorten in China und Usbekistan besteht. Schließlich geht es um seinen eigenen Arbeitsplatz, das weiß Erwin, das sieht er ja ein.
Aber die Bosse sind keine Unmenschen. Mit einen Àrztlichen Attest ist es ja möglich, mehr Czu erhalten.
Er wird wohl doch endlich zum Arzt gehen mĂŒssen.
Erwin muss daran denken, wie der Betriebsrat das neulich erzÀhlt hat, das mit dem Attest. Die Kollegen haben die Mitteilung mit einem dröhnenden GelÀchter quittiert. Und Erwin hat mitgelacht. Was sollte er tun?
Und jetzt ist es also wieder mal soweit. In einer Stunde ist Feierabend. Aber so lange kann er nicht warten. Doch seine drei Chips sind verbraucht. Wenn er jetzt den ersten Chip vom nĂ€chsten Tag nĂ€hme, hat er morgen ein noch grĂ¶ĂŸeres Problem.
Aber es geht nicht anders. Der Druck in der Blase ist schon unertrĂ€glich. Langsam bricht Erwin der Schweiß aus. Ob er JĂŒrgen doch mal fragen soll? Der arbeitet immer noch pfeifend vor sich hin. Der ist sicher auch sauer, wenn er mit seiner dauernden Pinkelei den Akkord versaut. Nein, jetzt kann Erwin ihn nicht fragen.
Aber wenn er jetzt nicht aufs Klo geht, kann er es nicht mehr halten. Er kann doch nicht einfach hier in die Hose pissen!
Nein, es hat keinen Sinn. Er muss gehen.
Erwin murmelt eine Entschuldigung in Richtung JĂŒrgen und lĂ€uft los. Das Laufen ist schon richtig schwierig. Er hat mal wieder viel zu lange gewartet.

Erwin zögert nur kurz vor der ToilettentĂŒr. Er wird einfach hineingehen. Rein kommt man ja ohne Chip. Und dann wird er wieder mal warten, bis ein Kollege kommt mit dem er dann einfach wieder hinausschlĂŒpfen kann, wenn der seinen Chip eingeworfen hat und sich die TĂŒr nach außen wieder öffnet. Bisher hat er damit schon öfter GlĂŒck gehabt. Erwin tastet nach seinen kostbaren Chips in der Hosentasche. Er hofft, dass er den Chip fĂŒr morgen retten kann. Aber jetzt ist erst mal alles gleich.
Erwin schließt sich in eine der Toilettenkabinen ein.
Die Erleichterung tut unendlich gut.
Hier in der Kabine kann er gut warten und sich auch noch entspannen. Gut dass es damals dem Betriebrat gelungen ist, die VideoĂŒberwachungskameras in den ToilettenrĂ€umen zu verhindern. Sonst hĂ€tten sie ihn lĂ€ngst erwischt.
Hoffentlich kommt bald ein Kumpel. Wenn er zu lange wegbleibt, wird JĂŒrgen sicher sauer.
Aber wenn nun keiner kommt? Dann ist er hier in der Toilette eingesperrt und kann sich nur mit dem Chip vom nÀchsten Tag aus seiner Tage befreien. Und morgen hat er dann nur noch zwei Chips.
Erwin schaut auf die Uhr. Gut, noch fĂŒnf Minuten wird er warten, lĂ€nger geht es nicht. Dann muss es halt sein.
Die Minuten verrinnen.
Ab nĂ€chsten Ersten sollen die Pinkelpausen zeitlich begrenzt werden, fĂ€llt da Erwin ein, auf fĂŒnf Minuten, haben sie gesagt. Die Betriebsleitung will verhindern, dass Leute sich auf dem Klo verquatschen oder heimlich rauchen.
Erwin sitzt nun schon ganze zehn Minuten hier. Wie gerne wĂŒrde er jetzt mit JĂŒrgen am Band stehen und weiter am Opel arbeiten!
Gerade als er aufsteht und nach den unvermeidlichen Chip aus der Hosentasche angeln will, hört er die TĂŒr zum Toilettenraum aufgehen. Dann pinkelt jemand ins Becken.
Erwin öffnet die TĂŒr seiner Kabine und tritt in den Waschraum. Er stellt sich neben den Mann. Der murmelt einen Gruß ohne aufzublicken. Erwin hat ihn noch nie gesehen. Wohl jemand aus einer anderen Halle.
Erwin wĂ€scht sich flĂŒchtig die HĂ€nde und schielt zu dem Fremden hin. Der lĂ€sst sich Zeit. Endlich wendet er sich zur TĂŒr.
„LĂ€sst du mich gerade mit raus?“, fragt Erwin so locker, wie er eben kann.
„Haste deine Chips vergessen?“, fragt der andere, ohne die Stimme zu heben.
„Hab heute keine mehr. Aber so merkt es doch keiner.“
Der andere nickt, wirft den Chip ein. Die TĂŒrklinke lĂ€sst sich bewegen. Sie treten auf den Flur.
„Danke, Kumpel!“, sagt Erwin erleichtert und will schnell loslaufen. JĂŒrgen wartet schon zu lange.
Da spĂŒrt er eine Hand auf seiner Schulter. Der Fremde hĂ€lt ihn zurĂŒck.
"Stopp, Kollege, nicht so eilig! Du kommst mit zur Werksleitung.“
Erwin verschlÀgt es die Sprache. Er sieht den Fremden erschrocken an.
„Betrugsversuch. Eindeutig. In flagranti ertappt sozusagen. Tut mir Leid, Kollege."
„Woher wussten Sie
?“, stottert Erwin. Ihm wird schlecht.
„Sie waren genau 13 Minuten in der Toilette und kamen nicht wieder raus. Da musste ja was faul sein. Tut mir leid. Aber das ist UnternehmensschĂ€digendes Verhalten, nicht wahr? Also kommen Sie schon!“
„Wer sind Sie?“, fragt Erwin noch. Es wird ihm schwarz vor Augen.
„Werkschutz. Theo Handlang. Kommen Sie jetzt.“
Erwin spĂŒrt einen stechenden Schmerz in der Blase.

__________________
der Ausbruch aus dem GefÀngnis dauert ein Leben lang ...B. Groult

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Marius Speermann
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Passt das nicht mehr unter Science Fiction?

Marius
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Wie man einen humoristischen Text schreibt: Humor fĂŒr Deppen.Mehr auf MarioHerger.at

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MDSpinoza
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ver.di ente "8"!
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Lieber ein verfĂŒhrter Verbraucher als ein verbrauchter VerfĂŒhrer...

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Minotaurus
Guest
Registriert: Not Yet

Die Geschichte selbst fand ich sehr gut, nur das Ende, bzw. die Auflösung war etwas "dĂŒnn".
Man hĂ€tte vielleicht erwartet, daß es ein "Leidensgenosse" gewesen wĂ€re, evtl. aus der GeschĂ€ftsleitung.
GrĂŒĂŸe vom Minotaurus.

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Meckie Pilar
AutorenanwÀrter
Registriert: Feb 2006

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Sabotage

Hallo Marius,
ich bin mir nicht so sicher, ob das wirklich Science fiction wĂ€re. Heutzutage kann man gar nicht schnell genug Satiren schreiben, weil die Wirklichkeit sie stĂ€ndig ĂŒberholt.
Gruß
Meckie
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kranich
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Ja, Ente!

Mir hat der Text sehr gefallen. Ohne mit Ă€ußerlichen Effekten aufzutrumpfen, wird eine beklemmende Komik durchgehalten.

Wie der Schluß spannender sein könnte?
Ich glaube nicht durch solch unwirkliches Ereignis, daß der Kumpel dort einen "Leidensgenossen" aus der Chefetage trifft.

Ich hatte vor Jahren eine Nierenoperation und danach lĂ€ngere Zeit ein ziemliches "Pinkelproblem". Auch ohne am Fließband beschĂ€ftigt zu sein, mußte ich kreativ sein, um es "im Griff" zu behalten. Vielleicht hĂ€tte unser Kumpel sich eine "Ente" in Reichweite stellen sollen. Vielleicht hĂ€tte er dann sogar noch einen schwunghaften Handel mit eingesparten Chips beginnen können ;-).

Ja, gerne 'ne "8".

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