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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Samt und Zimt
Eingestellt am 30. 12. 2008 11:46


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ScarlettMirro
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2003

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Den Kaffeebecher zwischen meinen H├Ąnden hin und her reichend eilte ich durch die Katakomben des Schauspielhauses zur├╝ck zu meinem kleinen Arbeitsraum; die Kost├╝me duldeten keinen l├Ąngeren Aufschub, doch Ideen wollten keine flie├čen. Erotische Ausstattung mit nur einem einzigen Stoff f├╝r das gesamte Ensemble, ohne Haut zu zeigen. Der einzige Stoff sollte schwarzer Samt sein.
Erotik wird ├╝berbewertet, dachte ich, als ich um die letzte Ecke bog. Fast w├Ąre ich in meine Kollegin hinein gefallen, die mit einem Fremden im Gespr├Ąch vertieft war, stoppte abrupt in der Bewegung und der Kaffee schwappte hei├č ├╝ber meine Finger. Als ich aufsah, blickte ich in zwei perlengraue Augen; f├╝r Momente breitete sich mein Geist hinter diesen Spiegeln aus, als k├Ąmen sie nach einer langen Suche zur├╝ck nach Hause. Sekunden verstrichen ineinander gewunden, w├Ąhrend ich schnellen Wortes eine Entschuldigung vor mich hinraunte und an ihm vorbei glitt. In diesem Moment fing meine Nase sein Duft ein, lieblich herb.
Holzig, Zimt, dachte ich, Zimt wie Samt.
Alles Denken entwich meinem Kopf, ├╝brig blieben die Augen und der Duft. Zwischendurch versuchte jemand an meinen Geist zu klopfen, mich zu erinnern, ich aber war angef├╝llt von Augen und Duft. Mechanisch griff ich nach meinem Schl├╝ssel und steckte ihn einen Gang weiter in mein Schloss. ÔÇ×Maskenbildner HubertÔÇť stand am T├╝rschild, obwohl l├Ąngst kein Hubert und kein Maskenbildner mehr anzutreffen waren. Hubert hatte ich nicht einmal kennen gelernt. Zum ersten Mal dachte ich dar├╝ber nach, dass man mich vielleicht nicht finden k├Ânnte, wenn man nach mir, der Kost├╝mbildnerin Daphne, suchte.
Schwarz und schwer lag der Samt auf dem Tisch, aus dem all die erotischen Kost├╝me entwachsen sollten, ich warf den Stoff auf den Boden und setzte den hei├čen Becher endlich dort ab. Der Stoff entrollte sich Meter um Meter, bis der Boden einem schwarzen Stoffmeer glich. Graue Perlen warf ich dar├╝ber, grau wie seine Augen, fragte mich, wieso ich weitergegangen war. Das Grau schimmerte auf dem Stoff. So oft geschah es nicht, dass ein Mann mich nur durch einen Blick in seinen Bann zog. Vielleicht w├Ąre er der Mann unter den Millionen gewesen. Graue Augen und mehr hatte ich nicht sehen m├╝ssen. Ich lehnte mich zur├╝ck und trank ein Schluck. Mit Schwarz und Grau war ein Anfang gegeben.
Wieso war ich wie ein kleines Schulm├Ądchen weitergegangen? Ich stand unter Schock, so musste es sein. Befreit sprang ich auf und rannte in den Gang zur├╝ck. Er war leer. Entt├Ąuscht kniete ich wieder auf dem Stoff. Die T├╝r blieb weit ge├Âffnet und vergessen zur├╝ck.
In einem Blick hatte alles gelegen, weshalb ich atmen wollte. Wollte ich doch keine Ewigkeit, keine Liebesschw├╝re und nichts dergleichen. Von dieser scheinheiligen Romantik hatte ich mich vor Jahren verabschiedet.
Der Stoff, besann ich mich wieder. Robbte auf den Boden und legte ihn in Falten. Der Stoff schlug Wellen und brach das Licht der Deckenlampe in T├Ąler und K├Ąmme. Nebenher schnippte ich die Anlage an und leise erklang die Platte ÔÇ×SympathiqueÔÇť. Aber Einheitsschmus wollte ich auch nicht mehr. Das war sicher eine andere Romantik. ÔÇ×Que SeraÔÇť zog sich durch mein Arbeitsreich. Wehm├╝tig setzte ich die grauen Perlen in die Falten, betrachtete die Wirkung, w├Ąhrend der Stoff meinen H├Ąnden schmeichelte. Ich wollte die Sp├╝rbarkeit von Zeit und Raum, von der Gegenwart ohne Versprechen. Ein Spiel der Leidenschaft. Immer wieder benetzten seine Augen den Stoff. Die Falten des Stoffes zog ich glatt, die Perlen kullerten wild umher. Das Meer lag ruhig, nur in mir st├╝rmte ein Begehren.




Im T├╝rbogen dann stand der Fremde, l├Ąchelte mich an und schloss leise hinter sich die T├╝r. Im Hintergrund verhallten die letzten T├Âne von ÔÇ×Que SeraÔÇť. Zum ersten Mal sah ich mehr als die perlengrauen Augen: sein Gesicht wurde mit Linien aus roten Barthaaren unterteilt, die sein Kinn und seine Lippen hervorhoben. Sommersprossen ergossen sich gro├čz├╝gig im Gesicht, das Lachgr├╝bchen und zwei lange Faltenw├╝rfe an den Wangenknochen entlang zeigte. Sein kupferrotes Haar trug er schulterlang und offen.
ÔÇ×HalloÔÇť, sagte er mit rauer Erleichterung.
Ich sagte nichts. Ich dachte nicht einmal. Ich wartete. Kaum h├Ârbar, doch ich wusste, dass die T├Âne schon im Raum schwangen, setzte das Klavier ein. Mich ergriff ein k├╝hles Feuer. Es wird keine Worte geben, nicht eine Silbe. Er kam herein, kam auf mich zu mit dieser m├Ąnnlichen Selbstverst├Ąndlichkeit.
Der richtige Moment.
Ich stand auf, er vor mir. Das Klavier und mein Herzschlag vermischten sich ungeh├Ârt. Sein sandelh├Âlzerner Geruch durchtr├Ąnkt von einer w├╝rzigen Note Zimt wehte mir in die Nase, w├Ąhrend er, dessen Namen ich nicht kannte, meine H├Ąnde mit seinen umh├╝llte und vorsichtig ber├╝hrte. Ein eleganter K├╝nstler und ich sein Kunstwerk. Innerlich zitterte ich vor Spannung; er strich mit seinen Fingern die Innenseite meines Armes entlang, sah mir in die Augen. Er durchblickte mich, griff hier und da nach Mosaikst├╝cken meines Seins. Ber├╝hrt von dieser Aufmerksamkeit r├╝hrte ich mich nicht, atmete leise. In h├Âchsten T├Ânen vibrierte das Klavier. Als ich meinem innerlichen Drang nach Antworten nachgeben wollte, legte er mir seinen schlanken Finger an die Lippen, schloss langsam die Augen und ├Âffnete sie wieder. Meine Furcht vor dem Unbekannten fiel von mir herab wie ein dunkler Schleier. Mein Ich so facettenreich erkannte ich als eine Ansammlung von Mosaikst├╝ckchen, deren Bedeutung und Zusammenhang nicht interessierten. Ich wollte kein Ich sein, begrenzt und einsam; eine Verschmelzung mit diesem Mann zu einem Wir wollte ich erleben.
Alle K├Ârperteile, die er ber├╝hrte, zeichnete er neu, teilte mich in meine Bestandteile und gab allen Teilen einen anderen Sinn. Wie berauscht verfolgten meine Sinne den Wandel meines Selbst. Mein Mund blieb geschlossen.
Er war da. Jetzt.
Verspielt im berauschenden Tempo klimperte das Klavier die Tonleiter entlang. Meine Blicke folgten den Bewegungen seiner Finger, die in sanften schnellen Bewegungen ├╝ber die Haut meiner Br├╝ste glitten. Seine H├Ąnde umschlossen sanft meine Br├╝ste, dann fuhren sie an den Seiten entlang und verbargen sich hinter dem Vorhang. Unter mir verlor sich der Raum, denn ich schwebte. Die Zeit vertickte im Nebel dieser fremden Leidenschaft. Meine H├Ąnde erkundeten die Faltenlandschaft in seinem Gesicht, in die ich mich hineinrollen wollte. Sanft ergriff er meine H├Ąnde.
Er betrachtete mich, mir lief ein wohliger Schauer ├╝ber den R├╝cken, legte eine Hand unter mein Kinn und ber├╝hrte zart meine Lippen mit seinen. Wie in einer Bewegung ohne Stolpern und Hasten ertasteten wir den Weg gemeinsam zum Boden. Der Stoff rutschte, sein Duft durchwirkte mich. Im Hintergrund das Klavier bezirzte zur Leichtigkeit, der Kontrabass versuchte zu folgen, doch vermochte es h├Âchstens die Trompete. Perlen kullerten unter unseren Bewegungen hinweg. Immer wieder fielen ihm widerspenstige rotblonde Str├Ąhnen ins Gesicht, sein Duft umspannte mich wie ein seidener Kokon. Auf seinen Schenkeln hockte er vor mir, ich auf den meinen. Eine Liebeserkl├Ąrung durch seine Augen. Graue Perlen ├╝berall.
Seine Haut an meiner, dazwischen l├Âste sich jede Distanz auf; ich wurde seine K├Ânigin, er mein K├Ânig. Das Klavier sang seine Melodie, ich folgte, Stakkato. Meine Lippen ├Âffneten sich, ich neigte mich ihm zu, sanft spielten unsere Zungen miteinander, verbogene ineinander gewundene K├Ârper. Als der Kontrabass einsetzte, lagen wir ineinander gerollt auf dem Samt, die H├Ąnde zusammen gesteckt. Falten der Leidenschaft zeichneten den Stoff. Ich verlor mich in der Gleichzeitigkeit von allem. Mein Ich verlor sich in ihm. Wir tanzten am Boden ├╝ber und untereinander her, nebeneinander und zur├╝ck. Seine H├╝ften umschlungen, meine Beine gewunden. Immer mehr geben, weit sein. Ich dr├Ąngte mit meinen Augen und forderte mit meinen Lippen. Die Trompete folgte dem Klavier. Ineinander gef├╝gt und verwoben bewegten wir uns als ein K├Ârper, eine Lust und ein Wunsch. Ein Gef├╝hl der Schwerelosigkeit, v├Âlliger Klarheit und dennoch so weit aus Raum und Zeit geworfen drangen die letzten Kl├Ąnge des antwortenden Klaviers an unser Ohr. Wir zittern und klammern uns aneinander. Der Moment wehrt ewig. Stakkato des Klaviers, wir l├Âsen uns ineinander auf.
Die erotischen Kost├╝me werden unsere Falten tragen, Perlen, Augen und Falten, eine Liebeserkl├Ąrung ohne Worte.

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