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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sand
Eingestellt am 27. 05. 2003 11:43


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Era
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

Werke: 8
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Sand

Die Schleier flirrten im hei├čen Licht der Sonne. Und Leben schmerzte wieder. Sie blickte in blaue, rote, violette und goldene Seide, eine leuchtende Farbenpracht.
Verfolgte die leisen Bewegungen und lauschte dem Rascheln der Stoffe, w├Ąhrend die leichte Brise beigefarbenen Sand hereinwehte. Fein ├╝berzog er die altert├╝mliche Kommode. Ein Skorpion hatte auf dem M├Âbel seine Spuren hinterlassen. Die wertvollen Kissen hoben sich als seichte D├╝nen unter dem hellen Staub hervor. Ab und zu blitzten die kunstvollen, farbigen Muster auf.
Sie strich ├╝ber ihre Decke und sah konzentriert zu wie der Sand herunterrieselte. Blies ihn sanft in den Raum und kroch tiefer ins Bett. Alt und eisern hatte es der W├╝ste bis jetzt getrotzt, seine silbernen F├╝├če lagen tief unter dem hei├čen W├╝stensand verborgen. Eine leichte B├Âe lies sie erschauern. Ihre Lunge brannte von der Hitze und die leuchtenden Farben, die sie umgaben, hinterlie├čen flackernde Punkte vor ihren Augen. Es schien ein leises Wispern an ihr Ohr zu dringen und sie erblickte die schwarzbraune Schlange, die sie mit rubinroten Augen anstarrte, um sich dann seitw├Ąrts davon zuschl├Ąngeln.
Golden glitzerte die Sonne auf jedem Sandkorn, steigerte das Leuchten der Farben in schmerzliche St├Ąrke. Sie atmete m├╝hsam und sp├╝rte wie der Sand in ihren K├Ârper kroch. In ihren Gedanken staunte sie ├╝ber dunkle Menschen in strahlenden Gew├Ąndern. Worte mischten sich zu einer fremden Melodie. Kamele und Palmen lagen im Glanz der Sonne. Gl├╝hende Mauern erhoben sich im Hintergrund, eine Menge an T├Ânen und Kl├Ąngen str├Âmte dar├╝ber hinweg, hinaus in die W├╝ste. Die H├Ąndler standen geduldig vor den Mauern der Stadt und tr├Ąnkten die staubigen Tiere.
Ein hei├čes Prickeln ging ├╝ber ihr Gesicht, der Sand rieb ├╝ber die Haut und legte sich als feine Schicht nieder. Sie regte sich nicht und verweilte in Bildern von pr├Ąchtigen Farben, glitzerndem Sand und geheimnisvollen W├╝stenwinden.
Der golden glei├čende Stern gl├╝hte vom Himmel, Sand fegte st├Ąrker ├╝ber die sanften D├╝nen, die in st├Ąndigem Wandel durch das Land zogen. Sie lauschte versonnen dem feinen Wispern und Rascheln der Begegnung von W├╝ste und Seide. W├Ąrme zog durch ihren K├Ârper, lie├č sie langsam versinken. Als die Schmerzen nachlie├čen, legte sich der Wind und eine lauschende Stille senkte sich auf die W├╝ste. Hinterlie├č eine andere Gegend. Ruhig von Sonne beschienen, durch Hitze verzerrt. Leblos, der Skorpion verharrte kurz und war verschwunden. Ein letzter Windhauch bewegte die bunten T├╝cher und die W├╝ste erstarb.

__________________
"Some call her an aimless wanderer, but not all who wander are aimless. Especially not those who seek truth beyond tradition, beyond definition, beyond the image."

Betty in "Mona Lisa Smile"

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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...this is the end, my lonely friend...

sch├Ân und doch erhaben wie ein doors-song.



"...W├Ąrme zog durch ihren K├Ârper, lie├č sie langsam versinken. Als die Schmerzen nachlie├čen, legte sich der Wind und eine lauschende Stille senkte sich auf die W├╝ste. Hinterlie├č eine andere Gegend..."

wdhg: lie├č, nachlie├čen und hinterlie├č


├╝berschwengliche gr├╝├če

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hui!

Nach diesem Text wei├č ich was in meinen Texten fehlt, n├Ąmlich ein bisserl mehr lyrische Sprache. Im Ernst, Dein Text streichelt die Leserseele. Wunderbar geschildert.
Nur weiter so und mehr davon!

Gruss
Socke

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

Werke: 2
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Zuviel Lyrik?

Ich bin ├╝ber den selben Satz wie Rainer gestoplert, nur ist mir im ersten Moment das zweimalige sinken und einmalige legen aufgefallen.
Au├čerdem w├╝rde ich, um allein das schn├Âde Wiederholungsthema auszuschlie├čen, nicht zweimal "wispern" in einem so kurzen Text verwenden. Dies ist f├╝r mich (also meine pers├Ânliche Ansicht) ein Wort/Ausdruck der sehr sparsam eingesetzt werden sollte (Ansichtssache, ich wei├č).
Erstarb die W├╝ste oder starb die W├╝ste- und wenn dann warum? Weil der Wind weg ist? Was wird aus der Frau?
Blumig ist es auf jeden Fall geschrieben und ich habe mich ertappt, wie ich im Bewu├čtsein ein Bild gemalt habe- eine kleine Oase- vielleicht- ein integrierter Markt und alles was dazu geh├Ârt...
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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Era
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

Werke: 8
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Danke! *strahl*

Bez├╝glich der Wiederholungen (mir ist leider eine weitere aufgefallen..) habe ich mir Gedanken gemacht und versucht dabei nicht den Fluss der Geschichte zu st├Âren. Was meint ihr zu den Umformulierungen?

quote:
Eine leichte B├Âe lie├č sie erschauern. Ihre Lunge brannte von der Hitze und die leuchtenden Farben, die sie umgaben, entfachten flackernde Punkte vor ihren Augen.
quote:
Der golden glei├čende Stern gl├╝hte vom Himmel, Sand fegte st├Ąrker ├╝ber die sanften D├╝nen, die in st├Ąndigem Wandel durch das Land zogen. Sie lauschte versonnen dem feinen Fl├╝stern und Rascheln der Begegnung von W├╝ste und Seide. W├Ąrme zog durch ihren K├Ârper, tauchte sie langsam in z├Ąrtliches Vergessen. Als die Schmerzen verstummten, legte sich der Wind und eine lauschende Stille senkte sich auf die W├╝ste. Hinterlie├č eine andere Gegend. Ruhig von Sonne beschienen, durch Hitze verzerrt.

@Gorgonski Ich habe auch das zweite Wispern beachtet.
Ja, die W├╝ste erstarb, weil der Wind sich gelegt hat. Die Frau hingegen - um es ganz profan auszudr├╝cken - stirbt w├Ąhrend der Geschichte.
__________________
"Some call her an aimless wanderer, but not all who wander are aimless. Especially not those who seek truth beyond tradition, beyond definition, beyond the image."

Betty in "Mona Lisa Smile"

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
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Wenn Du....

<sanften D├╝nen, die in st├Ąndigem Wandel durch das Land zogen. Sie LAUSCHTE versonnen dem feinen Fl├╝stern und Rascheln der Begegnung von W├╝ste und Seide. W├Ąrme zog durch ihren K├Ârper, tauchte sie langsam in z├Ąrtliches Vergessen. Als die Schmerzen verstummten, legte sich der Wind und eine LAUSCHENDE Stille senkte sich auf die W├╝ste.>

Wenn Du hier mit zweimal lauschen leben kannst...
Ist das Ende so endg├╝ltig, also ohne ersterben/sterben und dem Skorpion? Ich finde es so besser, wie Du es jetzt hast.
MfG, Rocco
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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