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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Sandros freier Abend
Eingestellt am 07. 06. 2018 17:06


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Arno Abendschön
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Theo stand eingekeilt in eine Gruppe vierschrötiger Männer um die vierzig. Inzwischen war er imstande, den Code zu entschlüsseln - mit ihren Tüchern und Ketten gaben sie sich als Sadomasochisten zu erkennen. Doch wirkten sich nicht wie verrückte Phantasten, sie waren bloß offen für Spielarten derberer Genüsse und benötigten kräftigere Reize für ihren Leib. Dabei waren sie in allem Übrigen höchst mittelmäßige Naturen. Ihre Redensarten lauteten zum Beispiel: Im Rahmen bleiben, oder: Das lohnt sich doch nicht. Er betrachtete sie und sah, sie waren fast alle auf dem Weg, satte und fette alte Männer zu werden.

Er war überrascht, dass er dann mitten unter ihnen diese schöne männliche Blume entdeckte. Sandro, so nannten sie ihn, kam eben mit zwei Flaschen Bier vom Tresen zurück, die eine für einen korpulenten Mittvierziger bestimmt. Er nahm sie ihm ab, ohne ihn anzusehen, und unterhielt sich dabei weiter mit einem Frankfurter über Araberjungen, als wären es Pferde. Sie waren sogar beide aus Hamburg, Sandro und sein Meister, ihre Clubabzeichen verrieten es Theo.

Sandro war ein kräftiger und dabei doch weicher junger Mann, die Haare extrem kurz und die schwarzen Stoppeln mit irgendetwas verfestigt, so dass er einem wehrhaften kleinen Tier glich, einem Stachelschwein vielleicht. Dazu stand sein Gesicht – an sich schön und reizvoll wie auf einem alten Bild in einem Museum – in scharfem Kontrast, es sah aus wie eine geschälte Frucht, wie ein Pfirsich, dem man eben die Haut abgezogen hat. Freundlichkeit, Genuss- und Leidensfähigkeit lagen derart blank an der Oberfläche, dass man sich als Betrachter rasch physisch zu ihm hingezogen fühlte, als wäre man die fehlende Haut, die ihm transplantiert werden müsste.

Theo, weniger scharf beobachtend als unter diesem Eindruck leidend, blieb bei ihm stehen und starrte ihn an. Sandro saß jetzt auf einem Barhocker und hörte den anderen zu und sah gelegentlich auf Theo, ohne bestimmten Ausdruck. Später stellte er die halb leere Flasche in der Nähe ab und verschwand in Richtung WC. Theo glitt dankbar auf den frei gewordenen Hocker. War sein Tuch hinten rechts weiß oder gelb gewesen, eine interessante Frage.

Sandro kam nach einiger Zeit zurück und zwängte sich zwischen seine Freunde und den von Theo besetzten Hocker. Er fand gerade genug Platz zum Stehen. Theos Ellenbogen lag auf dem eigenen Oberschenkel und ragte ein wenig in die Gruppe der anderen hinein. Zwangsläufig berührte Sandros Unterarm seinen eigenen. Keiner von beiden zog den Arm zurück. Sie verbrachten die folgende Viertelstunde ununterbrochen in Tuchfühlung, ohne dabei Druck auf den fremden Körper auszuüben, ihn dennoch intensiv fühlend, indem sie sich seinen minimalen Bewegungen anpassten. In der Enge schien keinem der Übrigen etwas aufzufallen. Die Übereinstimmung zwischen ihnen war wortlos hergestellt.

Dann sagte Sandro, er habe genug, er fahre jetzt heim. Sie lachten ihn aus: Kein Stehvermögen, das junge Weichei. Er lächelte bescheiden und voller Anmut und ging langsam zur Tür.





Theo stand auf und schlug die entgegengesetzte Richtung ein und tat so, als zwängte er sich zur Treppe durch, die zu den Toiletten hinaufführt. Dann aber ließ er sich am Tresen den Helm geben. Sandro bekam es noch mit, als er eben zur Tür hinausging. Theo sah ihn oben am Wagen lehnen, er stieg jetzt ein, doch fuhr er erst los, als Theo die Maschine startete. Er lotste Theo aus dem Stadtzentrum hinaus, indem er ihm mit der Linken Zeichen durch das herabgelassene Seitenfenster gab. Es ging nach Westen, er erkannte die Straßenzüge wieder. In Bahrenfeld plötzlich parkte Sandro seinen Wagen am Straßenrand ein. Er stand dann auf dem Gehweg, wo Theos Maschine zum Stillstand kam. Er nahm ihn bei der Hand und führte ihn auf den Eingang eines hohen, alten Hauses zu. Hinter dem Haustor ließ er sich erstmals küssen. Er wirkte noch sehr jung, die Freude durchströmte ihn und teilte sich im Kuss mit.

„Da bist du also.“

Sie begannen, die Holztreppe hinaufzusteigen. Das Treppenhaus entsprach nicht der ziemlich prächtigen Hausfassade. Es war eng und seit Jahrzehnten nicht mehr ausgemalt worden. Hinter einer Abschlusstür erklang Trommelmusik. Im dritten Stock schloss Sandro die Tür zu seiner Wohnhöhle auf. Theo war sicher, es würde wundervoll werden. Kein Drache bewohnte diese Höhle, dem waren sie ja entkommen. Er, Theo, hatte ihn dem Drachen abgejagt.

Er fand drinnen keine Gelegenheit mehr, sich groß umzusehen. Sandro gab sich ihm gleich auf die ursprünglichste Weise zärtlich hin. In den Pausen betrachtete ihn Theo und fand immer wieder, er sei der schönste Junge, den Hamburg ihm zu bieten hatte. Und wenn er bedachte, aus welchem Kreis er ihn herausgeführt hatte! Sandro gab ihm zu verstehen, er lege keinen Wert auf sadistische Einlagen, und Theo umarmte und streichelte ihn, erleichtert und fast schon überglücklich.

Sie schliefen in enger Umarmung, und Theo empfand die Gegenwart eines anderen schlafenden Menschen als befriedigend wie noch nie. Was sich bisher oft im RĂĽckzug auf den eigenen Schlaf angedeutet hatte, erlebte er nun wirklich fĂĽr sich: den tiefen Frieden bei vollkommenem gegenseitigen Durchdrungensein, die bruchlose Ăśbereinstimmung von innen und auĂźen. Sie schliefen beide sehr tief und lange, und so tief war auch ihre Freude und so lange dauerte sie auch.

----

„Nein, er ist noch hier.“ Sandro richtete sich auf, um besser telefonieren zu können. Er drückte sein Kopfkissen zurecht und spielte beim Zuhören mit der Schnur. Es konnte länger dauern.

Das Klingeln hatte Theo aus dem Schlaf gerissen. Elf Uhr vorbei. Die verschossenen Vorhänge ließen viel Licht herein: wieder ein schöner Sommertag draußen. Er stand noch unter dem Eindruck seines abgebrochenen Traumes, dessen Einzelheiten bereits unkenntlich waren. Dabei spürte er, wie sein Hirn sich noch anstrengte, die Arbeit des Traumes fortzusetzen. Worum war es gegangen? Vergeblich, es war schon unerreichbar. So ergeht es auch einer Maschine, die, auf Hochtouren laufend, abrupt gestoppt wird und noch eine kurze Zeit nachzittert.

Er betrachtete Sandro, der seinerseits weiter zuhörte. Sein Blick war nirgendwo. Er war noch schläfrig, dabei entspannt. Er sah sehr friedlich aus - oder friedvoll: Sagte man das nicht auch von Leichen? Das kleine Zimmer war bedrückend: ziemlich kahl und dennoch unaufgeräumt wirkend.

„Dann war es halt mein freier Abend. Es musste einfach wieder einmal sein.“ Der Klang seiner Stimme bekam etwas Unruhiges, vielleicht Aufsässiges oder sogar Feindseliges. Er sah zu Theo herüber mit einem Blick, als befände er sich auf einem Schiff, das eben ausläuft.

Er sagte noch: „Gut, bis nachher“ und verschränkte nach dem Auflegen die Hände hinter dem Nacken. Aber er sah nicht zur Decke, sondern auf Theo. Dabei nahm er eine Zwangshaltung des Kopfes ein, die seinen Ausdruck veränderte. Ernst und Anspannung ließen ihn beinahe leidend erscheinen.

„Vielleicht hast du ja Hunger. Aber ich kann dir nichts anbieten, kein Frühstück, tut mir leid. Es ist nichts da. Ich frühstücke selbst woanders.“

„Du bist nicht ständig hier?“

„Mh, nur zeitweise.“ Er kroch herüber, ließ sich streicheln und halten. Er genoss es, doch machte er sich bald los. Da stand Theo auf und zog sich an. Sandro verließ auch das Bett und ging zum Schrank, um Sachen zum Anziehen herauszusuchen.

Damit war also wieder eine von diesen Nächten vorüber. Ob er ihn wieder sehen werde, fragte Theo.

„Sicher, irgendwann bestimmt. Aber ich gehe nur selten in die Bars.“

Beim Abschied - rascher Kuss, leichter Druck der Hände auf die Schulterblätter – war sein Gesicht ohne besonderen Ausdruck.

Für Theo gab es allerdings ein Nachspiel. Unten auf der Straße fiel ihm ein, er hatte seine Handschuhe bei ihm vergessen. Die Haustür ließ sich von außen aufdrücken. Er klingelte erfolglos an Sandros Tür. Niemand hatte das Haus in der kurzen Zeit verlassen. Als er an der Parterrewohnung rechts vorbeikam, hörte er dann seine Stimme hinter der Abschlusstür: „Nein, mach’s nicht … nein … doch, ja … alles, was du willst … ja, bitte …“ Dann ein Aufprall oder ein Aufschlagen, etwas Klatschendes, Stöhnen und immer wieder: „Ja, ja …“ Er ging rasch fort.

Nachher versuchte er wieder, an gar nichts zu denken. FrĂĽher war ihm das leichter gefallen. Er beruhigte sich schlieĂźlich mit dem Vorsatz, einige Wochen lang nachts nicht in St. Georg auszugehen und dann einen neuen Anfang zu versuchen.


Version vom 07. 06. 2018 17:06
Version vom 14. 06. 2018 17:16

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aligaga
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Normalerwei's gibt @ali zu den hier geposteten "erotischen Geschichten" keine Kommentare ab - die meisten sind dergestalt platt und dĂĽmmlich zusammenkonstruiert, dass sie keiner Rezension wert sind.

Gespannt guckt er aber immer wieder auf Texte, die sich homoerotisch geben. Es ist ihm dieses Spezialgebiet neigungshalber völlig fremd, und er sucht in Texten wie diesem neugierig nach etwas, das erklären könnte, was mann an einem Manne - ausser den Abfuhrmöglichkeiten der eig'nen Triebhaftigkeit - denn finden könnte.

Aber leider zeigt sich da gar nix. Außer wortlosem Gerammel und den hölzernen Beschreibungen von Gefühlen, die für Heterosexuelle unerklärlich bleiben, steht da meist kaum was.

Auch hier nicht.

Dabei gäb's doch wohl auch in der Homosexualität allerhand neben dem banalen Rein-Raus zu schildern. Es muss ja nicht immer gleich der Tod in Venedig sein, ne?

Gelangweilt

aligaga


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Willibald
???
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Mal unabhängig vom Sujet und dem Grobaufbau der Prosaskizze - ein Blick auf die feine Textur dieser Stelle, ich finde sie faszinierend:

quote:
Sandro war ein kräftiger und dabei doch weicher junger Mann, die Haare extrem kurz und die schwarzen Stoppeln mit irgendetwas verfestigt, so dass er einem wehrhaften kleinen Tier glich, einem Stachelschwein vielleicht.

Dazu stand sein Gesicht – an sich schön und reizvoll wie auf einem alten Bild in einem Museum – in scharfem Kontrast, es sah aus wie eine geschälte Frucht, wie ein Pfirsich, dem man eben die Haut abgezogen hat.

Freundlichkeit, Genuss- und Leidensfähigkeit lagen derart blank an der Oberfläche, dass man sich als Betrachter rasch physisch zu ihm hingezogen fühlte, als wäre man die fehlende Haut, die ihm transplantiert werden müsste.

Theo, der weniger scharf beobachtete als unter diesem Eindruck litt, blieb bei ihm stehen und starrte ihn an.

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alis nil gravius

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aligaga
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Wirklich?

@Ali erkennt hier leider nur die üblichen Klischees, die immer passen - von hart und doch weich, von schön wie ein Museumsbild, der Pfirsichhaut, den blanken Oberflächen bis hin zum scharfen Beobachten, dem Stehenbleiben und Starren.

So weit, so banal. Interessant der Festiger auf extrem kurzen Haarstoppeln (sic!) - wie sollte man sich das vorstellen?? Wer schon mal was mit einem Stachelschwein zu tun hatte, weiß, dass dessen Borsten ziemlich lang sind - öpper 20 Zentimeter oder noch länger.

Dass man sich vor Begierde häuten wollte, um mit seiner Epidermis Dritte einzuhüllen wie ein Bratwürstel, ist kein besonders erotisches Bild. Man denkt unwillkürlich an den heiligen Bartholmäus und wie eklig der Lappen ist, den der, neben dem Altar stehend, immer über dem Arm hängen hat.

@Ali wiederholt: Er vermisst in so gut wie allen homophilen StĂĽckerln, die hier herumgeistern, sowas wie Empathie. Er hat einen ganzen Haufen schwuler Bekannter und Freunde und weiĂź desahlb, dass die ĂĽber mindestens so viel Empathie verfĂĽgen wie die Heteros. Warum werden uns hier immer nur die Rammler vorgefĂĽhrt?

GrĂĽbelnd, aber heiter

aligaga

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Willibald
???
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Jou, der Erzähler beobachtet recht genau, die Hauptfigur leidet eher als sie beobachtet. Syntaktisch eine mehrdeutige Stelle

quote:
Theo, der weniger scharf beobachtete als unter diesem Eindruck litt, blieb bei ihm stehen und starrte ihn an
.

Theo, der weniger scharf beobachtete (als der Erzähker in dieser Passage die Beobachtung ausgestaltet...)

Natürlich beobachtet auch die Hauptfigur. Aber vor allem und offensichtlich erkennt und/oder wünscht sich die Hauptfigur Theo einen gewaltfreien Akt außerhalb der Sado-Maso-Praktik. So jedenfalls der erschließbare Subtext (und nicht mauermörtelig vorgetragener Text)

Entsprechend ist die Metapher/der Pfirsich-Vergleich eben darauf aus, die eher verwundende, quälende Häutung durch eine korrespondierende Aktion ("Transplantation") so zu revidieren, dass der Figur eine andere Art von "Zuwendung", die der zärtlichen Art zuteil wird. Darauf läuft dann auch das Streicheln hinaus, fern, scheint mir, von rudimentärem Raus-Rein-Spiel. Und die Hoffnung, dass hier vielleicht eine Vertiefung möglich ist.

Als Ohrenzeugen wird aber der Hauptfigur deutlich, seine Art der Liebe ist dem Standard hier um Sandro nicht gewachsen:

quote:
„Dann war es halt mein freier Abend. Es musste einfach wieder einmal sein.“ Der Klang seiner Stimme bekam etwas Unruhiges, vielleicht Aufsässiges oder sogar Feindseliges. Er sah zu Theo herüber mit einem Blick, als befände er sich auf einem Schiff, das eben ausläuft. ...

Es folgt dann eine sadistisch orientierte Szene fĂĽr den Lauscher an der TĂĽr. Und das endgĂĽltige Verdunsten erotischer Hoffnung in diesem Bezirk.




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alis nil gravius

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aligaga
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Sorry: Bartholomatthew ...

squeaking with pleasure

aligaga

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