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Leselupe.de > Kurzprosa
Sandsturm
Eingestellt am 04. 07. 2009 19:22


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anbas
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Sandsturm

Mein Gott, was fĂŒr ein Sandsturm! So etwas hatte ich bisher noch nie erlebt. Ich war mittendrin, kĂ€mpfte um ein wenig Orientierung und musste zwischendurch an Lawrence von Arabien denken. Der hatte sicherlich öfters solche und noch viel stĂ€rkere StĂŒrme erlebt. Doch nun fegte mir selber der Sand nur so durch das Gesicht, zwiebelte in den Augen, setzte sich zwischen den ZĂ€hnen fest und ließ mich kaum atmen. Es war unmöglich, nach vorne zu schauen. Zum GlĂŒck kannte ich den Weg, und der Weg war kurz. Wer weiß, wo ich sonst gelandet wĂ€re.

Doch nun ist erst einmal Ruhe. Ich bin in Sicherheit. Nachher muss ich jedoch weiter - ganz gleich, wie die Hölle da draußen sich entwickelt. Auch Lawrence von Arabien ist allen Widrigkeiten zum Trotz seinen Weg gegangen. Das werde ich auch tun. ZunĂ€chst kann ich mir aber in aller Ruhe den Sand aus Wimpern und Augenbrauen puhlen und krĂ€ftig die Nase durchschnauben. Ganz bekomme ich sie aber nicht sauber - meine Atemluft bleibt weiterhin leicht gekörnt. Auf dem Boden um mich herum sammelt sich Sand, der immer noch aus meiner Kleidung rieselt, sobald ich mich auch nur ein wenig bewege. Meine Lippen sind spröde. Ich habe schon viel getrunken und bin immer noch durstig. Erst jetzt spĂŒre ich die Sandkörner, die zwischen den ZĂ€hnen knirschen. Ich lutsche und sauge sie aus allen möglichen Ecken meines Mundes hervor. Am liebsten wĂŒrde ich sie ja ausspucken, aber so etwas tut man nicht. - Zumindest dann nicht, wenn man in einem Restaurant sitzt.

Gestern bin ich auf Amrum angekommen. Seitdem stĂŒrmt es. WindstĂ€rke sehr, sehr hoch - also mindestens so hoch, wie ich es hier noch nie erlebt habe.

"Da unten am Strand ist es heute nur was fĂŒr VerrĂŒckte!", waren die warnenden Worte der Frau gewesen, die ich nach der Uhrzeit gefragt hatte.

'Also genau das Richtige fĂŒr mich', habe ich gedacht und bin weitergegangen. Und dann war ich Lawrence von Arabien, habe mich durch den Sandsturm am Strand gekĂ€mpft und meinen Weg unbeirrt weiter verfolgt. Ihn hatte man damals auch fĂŒr verrĂŒckt gehalten, und spĂ€ter ist er sehr berĂŒhmt geworden.

Ich weiß nicht, ob auch ich einmal berĂŒhmt werde. Mich quĂ€lt im Moment viel mehr die Frage, wo ich den Sand lassen soll, den ich mir aus allen Winkeln meines Mundes zusammengelutscht habe. - Solche Probleme hatte Lawrence sicherlich nicht gehabt.


__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

Version vom 04. 07. 2009 19:22

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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber Andreas,

die Idee deiner Kurzprosa gefÀllt mir sehr gut.

Kritisch möchte ich anmerken, dass ich es besser fÀnde, wenn du Amrum erst ganz am Schluss erwÀhntest, weil es sich ja um die Pointe handelt. Also den Text vielleicht ein wenig umstellen ...

Zudem wĂŒrde ich den Namen des Lawrence von Arabien (ĂŒbrigens auch einer meiner Lieblingsfilme *schmelz) nur einmal, höchstens zweimal nennen. Es gĂ€be genĂŒgend Ersatz: Der Brite, der Held, David Leans`s Filmheld usw.

Herzliche GrĂŒĂŸe
Heidrun

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anbas
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Liebe Heidrun,

ganz herzlichen Dank fĂŒr Deine RĂŒckmeldung.

Was die ErwĂ€hnung von dem Lawrence betrifft, werde ich noch mal in mich gehen. Auf den ersten Blick tue ich mich etwas schwer, dort eine Änderung vorzunehmen. Da ich grundsĂ€tzlich sehr dafĂŒr bin, Wiederholungen zu vermeiden, will ich den Vorschlag aber nicht gleich beiseite legen.
Die ErwĂ€hnung von Amrum möchte ich dort lassen, wo sie ist. Ich sehe Amrum nicht ganz als Pointe, sondern als eine ĂŒberraschende Wendung in dem Text. Die Pointe ist eher, dass der ErzĂ€hler doch nicht so ganz an Lawrence herankommt und in einer ganz banalen Sache von der RealitĂ€t eingeholt wird. Je öfters ich mir andererseits den Text ansehe, um so mehr kann ich aber auch Deinen Einwand verstehen. - Ich seh schon, auch hier werde ich noch mal in mich gehen mĂŒssen (menno...).

Liebe GrĂŒĂŸe

Andreas
__________________
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