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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Sanierung von Staatsfinanzen - Exkurs in mehreren Teilen
Eingestellt am 31. 10. 2003 21:24


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KalliKnalltuete
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Sanierung von Staatsfinanzen - Teil 1: die amerikanische Methode

In lockerer Abfolge werden wir unverbindlich den Meistern im Schuldenabbau unter die Achselhöhlen schauen und Vorschläge erörtern, wie Deutschland dazulernen kann.

Methode 1 – die amerikanische, auch „Marktbeschaffung“ genannt
Die amerikanische Schuldenbereinigung funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Umsatzstarke Produktsparten werden regelmäßig auf Expansionsmöglichkeiten untersucht, Staat und Wirtschaft erobern Hand in Hand und unbürokratisch noch nicht ausgelastete Absatzmärkte und nutzen globale Hilfsorganisationen, um das notwendige Spesenkapital aufzustocken. Als Beispiel sei die „Eroberung“ des Iraks genannt, um dortige Ölvorkommen besser kontrollieren zu können. Natürlich ist dies nur ein vorgeschobener Grund gewesen und natürlich glauben nur unausgebildete Politgrundschüler wirklich, dass ein alltägliches Gut wie Mineralöl eine hochintelligente Nation wie die Vereinigten Staaten von Amerika in einen aufwändigen Krieg treiben würde.
Erst jetzt zeigt sich – mit dem notwendigen zeitlichen Abstand – welch simples Ziel Amerika und die Lemminge in Englands Regierung verfolgen: Die Infrastruktur im Irak ist zerstört (soweit dort eine vorhanden war) und innerhalb kürzester Zeit muss „alles wieder aufgebaut werden“. Dabei werden natürlich nur an diejenigen Aufträge vergeben, die bis jetzt die ganze Arbeit gemacht haben: Die, die man gemeinhin „Aggressoren“ nennt. Das bringt Geld in deren Wirtschaft – und wenn man die Weltgemeinschaft auf ihre moralische Verantwortung hinweist, greift jeder Staatschef mit Begeisterung in die Tasche seines Volkes. Unlängst war genau das zu beobachten: Ganz offen bitten USA und England die Welt, beim Aufbau ihrer Wirtschaft zu helfen, indem man Geld für den Wiederaufbau des Iraks spendet (das dann den dort vertretenen „Sieger“-Nationen zur Verfügung steht). Und die Welt klatscht begeistert Applaus.
Wie lässt sich dieses erfolgreiche und anerkannte Methodik auf Deutschland anwenden? Wie kann auch Deutschland seiner Wirtschaft auf die Beine helfen und die ganze Welt zum Helfen zwingen? Auf einen Nenner gebracht funktioniert das System so: Zerstörung eines Landes, das mit dem gleichen Verbrauchsgut handelt wie das wirtschaftlich angeschlagene, danach zwangsweiser Wiederaufbau des Opfers durch Unternehmen des Agressor-Landes auf Kosten der Weltgemeinschaft.
Man suche also zunächst ein Produkt, das Deutschland in hoher Quantität ausführt, das auch innerhalb Deutschlands begehrt ist und das auch in Zukunft eindeutig mit Deutschland in Verbindung gebracht wird. Viel gibt es da nicht mehr – Müsliriegel? Holzpantoffel? Fußgeruch?
Das typische Produkt aus deutschen Landen ist der Tourist. Keine spanische Küste, keine griechische Taverne, kein englischer Puff ohne deutsche Besucher, die für einen kleinen Aufschwung sorgen. Deutschland exportiert fast unaufhörlich Touristen und wird darin fast nur von den Japanern übertroffen; deutsche Urlauber werden weltweit auf Anhieb als solche erkannt und sind für viele Länder (wie das amerikanische Öl) Grundlage des Bruttosozialprodukts.
Der nächste Schritt – siehe oben – ist der, nach einem ähnlich touristenstarken Land zu suchen, von dem eine gewisse Abhängigkeit in Tourismusdingen besteht: Es bietet sich Italien an.
Deutschland muss also, gemäß der beschriebenen Logik, lediglich in Italien einfallen, alles kurz und klein trampeln und anschließend die UNO um Mittel für den Wiederaufbau von Pizzerien und Diskotheken bitten. Mit den anschließend einzunehmenden Umsatz-, Verbrauchs-, Alkohol-, Drogen- und sonstigen Steuern brechen dann auch in Deutschland wieder Begeisterung und Wohlstand aus.

In der nächsten Folge beschäftigen wir uns mit der bereits klassischen „französischen Methode“ zur Sanierung der Staatsfinanzen.

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Heidi Hof
Guest
Registriert: Not Yet

Verstehe ich nicht ganz.
-- Waldemar --
bitte erklär mir diese Denkweise.
Ă–l und Amerika okay
Aber ....

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Sandra
Guest
Registriert: Not Yet

>>Ganz offen bitten USA und England die Welt, beim Aufbau ihrer Wirtschaft zu helfen, indem man Geld für den Wiederaufbau des Iraks spendet (das dann den dort vertretenen „Sieger“-Nationen zur Verfügung steht). Und die Welt klatscht begeistert Applaus.<<

Ich klatsche nicht Applaus und verstehe Deinen Grundgedanken und die Kritik, die dahinter steht. Der Hintergrund des Irakkrieges war mit Sicherheit wirtschaftlicher Natur und hatte weniger mit den moralischen Grundsätzen zu tun, die Bush uns verkaufen wollte. Ganz klar! Von dem Schäfchen Blair mal ganz zu schweigen.
Von daher interessantes Thema. Es wäre schön, wenn Du den Schluss vielleicht etwas überdenken würdest, denn die Quintessenz und Satire kommt nicht ganz rüber.

Einen lieben GruĂź Sandra

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Heidi Hof
Guest
Registriert: Not Yet

@ Sandy

ich hatte den Schluss, dieser Kolumne, auch nicht so ganz verstanden.
Ich verstehe die Verbindung: Deutsche, Touristen und Italien nicht oder kann mir nur ein schwaches Bild dazu machen.
Das Thema ist ansonsten reizvoll, ansprechend.

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Sandra
Guest
Registriert: Not Yet

@ Heidi
ganz Deiner Meinung!
Vielleicht erklärt uns das ja KnalliKnalltüte noch :-))

Einen lieben GruĂź aus Dormagen

Sandy

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KalliKnalltuete
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Hallo. Ich habe den Text etwas verlängert in der Hoffnung, den Gedankengang damit verständlicher zu machen. Es fällt mir schwer, meinen Groll gegen das Beschriebene in eine Glosse zu formen.

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