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Leselupe.de > Humor und Satire
Saunastudie
Eingestellt am 17. 06. 2011 20:07


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tho schett
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Saunastudie

Ich habe mich mit Gernot in der H├Âttinger Sauna verabredet. Immer am Samstag, denn der Samstag ist der geeignetste Tag f├╝r die H├Âttigner Sauna (Sauna immer nur in H├Âtting, die H├Âttinger Sauna ist die einzig m├Âgliche Sauna, sie ist eine philosophische Sauna). Ich habe den Gernot begr├╝├čt, und habe dann einen Fehler, einen so genannten Fehler gemacht, indem mir sein Hemd, das mir ein durch und durch widerw├Ąrtiges Hemd ist, aufgefallen ist, und ich dieses Auffallen des gernotschen Hemdes meinerseits nicht unterdr├╝cken konnte, und ich zum Gernot in diesem kritschen Moment (Begr├╝├čungsmoment) "Hemdenmensch" gesagt habe, und im selben Moment gewusst habe, dass es ein gigantischer Fehler gewesen war, diesen Ausdruck zu verwenden, ihn praktisch mit diesem Begriff zu ├╝berfallen. Ich wollte mich, angesichts dieser Feindseligkeit, beim Gernot entschuldigen, aber diese meine Entschuldigung, die keinerlei Entschuldigung gewesen war, sondern nur eine so genannte Entschuldigung, hatte alles nur noch schlimmer gemacht. Tats├Ąchlich hatte diese Bemerkung ├╝ber das Hemd des Gernot, den Gernot gegen mich gnadenlos aufgebracht, tats├Ąchlich wollte der Gernot, aufgrund meiner Bemerkung die H├Âttinger Sauna sofort verlassen, und es ist nur meiner ├ťberredungskunst zu verdanken, dass ich den Gernot doch noch dazu bewegen konnte, in der H├Âttinger Sauna zu, wenn auch widerwillig so doch, verbleiben, doch noch mit mir, der ihn derma├čen vor den Kopf gesto├čen hatte, in die H├Âttinger Sauna zu gehen, mit mir also zu saunieren.

Wir sind zuerst (wie immer) in das sogenannte Dampfbad, das H├Âttinger Dampfbad also, gegangen, w├Ąhrend dessen der Gernot eisern geschwiegen hat, und ich in meiner Erwartung, gleich ein philosophisches Gespr├Ąch beginnen zu k├Ânnen, naturgem├Ą├č entt├Ąuscht wurde, da der Gernot offenbar immer noch unter dem Eindruck meiner Hemdenkritik gestanden war. Jedes Schweigen des Gernot war mir mit einem Male ein "Hemdschweigen" gewesen, gleichzeitig aber habe ich nicht gewusst, ob das eiserne Schweigen des Gernot ein gegen mich gerichtetes Schweigen gewesen war (aufgrund meiner Hemdenbemerkung als Hemdenkritik als Hemdenbeleidigung als Hemden-Vor-den-Kopf-Sto├čung), oder ob das eiserne Schweigen des Gernot ein allgemeines Schweigen gewesen war, das mit meiner Hemdenkritik, und also mit mir als meiner Person, ├╝berhaupt nichst zu tun hatte. Und ich habe in meinem Kopf begonnen hin und her zu denken, hat es jetzt mit meiner Hemdenbemerkung zu tun oder hat es mit meiner Hemdenbemerkung nichts zu tun? Den Gernot anschauend, dachte ich mir, ich spreche ihn jetzt gleich an, und frage ihn, ob er immer noch in der Hemdenbemerkungsstimmung gefangen ist und deshalb nichts spricht, mit mir nichts spricht, und ich also, falls dies der Fall sein sollte, noch einige Bemerkungen machen musste, die die Hemdenkritik ein f├╝r alle mal aus der Welt r├Ąumen, wie gesagt wird, w├╝rde, oder ob es nur ein allgemeines und also harmloses Schweigen des Gernot ist, und es mit meiner Bemerkung ├╝ber das gernotsche Hemd ├╝berhaupt nichts zu tun hat oder h├Ątte.

Nach dem sogenannten Dampfbad wartete traditionell die Finnische Sauna mit 92 Grad Celsius auf uns, abwechselnd, einmal mit Aufguss, einmal ohne Aufguss. Wir sind also in die Saunakabine, die vollkommen ├╝berf├╝llte Saunakabine muss gesagt werden, hineingegangen. Sofort begannen ich und auch der Gernot, so meine Vermutung den Gernot betreffend, uns ├╝ber die Vorg├Ąnge in der Kabine, die Aufgussvorg├Ąnge sozusagen, zu wundern, ja wir begannen zu staunen. Den Aufguss machte eine dicke, unansehnlich Frau mit offenen, riesengro├čen Br├╝sten, mit denen sie die hei├če Luft mehr in Bewegung zu setzen schien, als mit dem so genannten Saunatuch, das in diesem Prozess nur eine nebengeordnete Rolle zu spielen schien. Die gro├čen, ja riesigen Br├╝ste, die den ganzen Raum auszuf├╝llen schienen, hin und her schwingend, bewirkten aber, dass die Luftbewegung in der Kabine eine ganz au├čergew├Âhnliche war, ja es muss gesagt werden, und der Gernot hat mir diese Wahrnehmung best├Ątigt, ich habe noch keinen so intensiven Aufguss in meiner bisherigen Saunakarriere erlebt und auch der Gernot hat noch keinen solch intensiven, ja intensivsten Aufguss je erlebt. Dieser Riesenbr├╝ste-Aufguss als F├Ącher f├╝r die sogenannte Luftwirbelung, als Luftbewegung war der intensivste und au├čergew├Âhnlichste ├╝berhaupt.

Ein kleiner, dicklicher Mann hatte jetzt angefangen sogenannte Witze, die durchwegs schlechte Witze gewesen waren, zu erz├Ąhlen, und w├Ąhrend die dickliche, unansehnliche Frau mit den ├╝berdimensionierten Br├╝sten herumwirbelte, erz├Ąhlte dieser ebenso unansehnliche wie geschmacklose Mann seine geschmack- und witzlosen Witze. Je intensiver die Frau mit Tuch und vor allem Br├╝sten herumwirbelte, desto intensiver trug der Mann seine geschmacklosen Witze vor. Mindestens zehn oder f├╝nfzehn Witze trug dieser Mann, einen nach dem anderen, unter schallendem Gel├Ąchter der Anwesenden, Schwitzenden, vor, einmal Burgenl├Ąnderwitze, einmal sogenannte Mohammedaner-Witze, einmal beleidigte er die Burgenl├Ąnder durch seine Witze, dann wieder die Mohammedaner. W├Ąhrend die dickliche, unf├Ârmige Frau mit ihren gigantischen Br├╝sten hin und herwirbelte, hin- und her schlug, muss gesagt werden, (ja es kam vor, dass sie mit ihren Br├╝sten hin und wieder den Kopf eines Saunagastes, der einen Moment nicht aufgepasst hatte, streifte, und ihm damit praktisch eine Ohrfeige verpasste) trug dieser schamlose Mann abwechselnd einmal einen sogenannten Burgenl├Ąnderwitz vor (schallendes Gel├Ąchter), einmal einen so genannten Mohammedaner-Witz (noch intensiveres, schallendes Gel├Ąchter, nicht Lachen, Gel├Ąchter).

Nachdem wir aus der finnischen Saunakabine hinausgetreten waren, um uns, wie ├╝blich, abzuk├╝hlen, haben wir dar├╝ber philosophiert, was uns aufgefallen war, w├Ąhrend dieses ├╝beraus ungew├Âhnlichen, ja einzigartigen Saunakabinenaufenthaltes. Dem Gernot war aufgefallen, dass die Witze des kleinen, dicklichen Mannes keinerlei Pointe enthalten h├Ątten, w├Ąhrend mir aufgefallen war, dass der Mann mit dem von mir so genannten gro├čen Maul den kleinsten Penis gehabt hatte. Tats├Ąchlich war es so gewesen, und Gernot hat mir diese meine Wahrnehmung einwandfrei best├Ątigt, dass der kleine, dickliche Mann, der die schamlos- witzlosen Witze unter schallendem M├Ąnnergel├Ąchter in der (M├Ąnner)├╝berf├╝llten Saunakabine mit der mit Riesenbr├╝sten herumwirbelnden Frau, erz├Ąhlt, ja deklamiert hatte, den kleinsten Penis gehabt hatte, den ich und auch der Gernot, und also wir beide, jemals gesehen hatten (wir haben im Zuge unserer jahrzehntelangen Erfahrung im Sauna- und Saunierbereich sicher schon tausende- ja vielleicht sogar zehntausende Penise gesehen, nicht betrachtet, gesehen!, und k├Ânnen diese Tatsache also durchaus objektiv beurteilen).



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┬ęthosche

Version vom 17. 06. 2011 20:07
Version vom 18. 06. 2011 09:22

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tho schett
???
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Hallo ledsgo,
danke f├╝rs Lesen und Kommentieren. Ist schon ein ├Ąlterer Text, (damals hatte ich wieder einmal eine Bernhard Phase) diesen fand ich aber ganz gelungen, deshalb hab ich ihn eingestellt. Wenn du ein wenig lachen konntest ist das nat├╝rlich der sch├Ânste Lohn f├╝r mich.
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┬ęthosche

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