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Leselupe.de > Kurzprosa
Schach
Eingestellt am 22. 04. 2007 20:10


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Franka
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Schach

Tropfen im Augenwinkel. Am Fensterglas meine Nase. Ich starre dir hinterher. Stiefel hinterlassen Spuren im frischen Schnee und mein wortloser Mund haucht Eisblumen. Die Stra├čenlaternen werfen von dir einen ├╝berm├Ąchtigen Schatten, doch dieser dreht sich nicht nach mir um.

Damit Licht in mein Dunkel f├Ąllt, schiebe ich die Sterne, wie du auf dem Schachbrett unserer Beziehung die Figuren.
L├Ąngst wei├č ich nicht mehr: wo stehe ich? Letzte Woche noch glaubte ich mich neben dir. Du warst mein K├Ânig, ich deine K├Ânigin.

Lange schon beobachtete ich die stolze Schwarze, die andere Frau im Spiel. Geschickt und zielsicher verkleinerte sie den Raum zwischen euch. Verluste hatten keine Bedeutung. Steigerten eher ihre Lust. Die von ihr ausgehende Gefahr die deine.
Dann hattest du es in der Hand, warst am Zug. Doch deine Augen hatten nur Blicke f├╝r sie. Ich, bewegungslos dazwischen, wurde f├╝r dich unsichtbar.

Doch glaube mir, ich gebe mich noch lange nicht geschlagen.

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no-name
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Franka,

ein wahrlich guter Text, keine Frage, auch wenn der Vergleich des Schachspiels mit einer Beziehung nicht neu ist, ziehst du mich doch durch deine Wortwahl, deine Formulierungen in deinen Bann. Der Wille deiner Protagnistin, den geliebten Partner nicht kampflos aufgeben zu wollen, ist nach meinem Empfinden deutlich sp├╝rbar.

Einzig st├Ârt mich an deinem Text die ├Ąu├čere Form deines ersten Absatzes. Warum machst du hier nach jedem deiner S├Ątze einen Zeilenumbruch? Ich w├╝rde es besser finden, wenn diese Zeilen als Flie├čtext geschrieben w├Ąren, denn sie geh├Âren doch kausal zusammen. Er hat die Wohnung verlassen, und sie starrt ihm durch das Fenster starr vor Schmerz hinterher.
Dies ist meine einzige Kritik an deinem ansonsten qualitativ sehr ansprechenden Kurzprosatext.

Liebe Gr├╝├če von no-name.

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Pete
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Franka,

Dein Werk macht nachdenklich.

Ich gehe davon aus, dass die Protagonistin zwar aus Deinem reichen Schatz an Lebenserfahrung entstanden ist, aber fiktional ist, d.h.: nicht deckungsgleich mit Dir. Falls doch, lies bitte nicht weiter!

F├╝r mich sind zwei Welten aufeinander geprallt. Zentraler Satz f├╝r mich ist dieser:

quote:
Damit Licht in mein Dunkel f├Ąllt, schiebe ich die Sterne, wie du auf dem Schachbrett unserer Beziehung die Figuren.
Die unterschiedlichen Welten sind: Gef├╝hl und Verstand.
Sie "f├╝hlt mit den Sternen", er taktiert "Verstandesz├╝ge".

H├Ąufiges Dilemma im Leben: Sie empfindet und hat eine ausgepr├Ągte Intuition, ein Gesp├╝r, er hat nur einen Zugang zur Welt: durch die Brille seines Verstandes. Was er damit nicht sieht (= versteht), kann er nicht be-greifen (intuitiver Prozess der Sinneswahrnehmung) und nicht leben. So eine Beziehung scheitert oft am gegenseitigen Unverst├Ąndnis.
Er "begreift" ihre Gef├╝hle nicht, l├Ąsst seine nicht zu (da er verstandesdominiert ist), l├Ąsst aber seinen Gef├╝hlsbereich gef├Ąhrlich treiben. Sie "begreift" nicht, warum er so reagiert.

Gesp├╝r und Intuition der Protagonistin kommen im ersten Absatz zur Geltung:
quote:
Tropfen im Augenwinkel. Am Fensterglas meine Nase. Ich starre dir hinterher. Stiefel hinterlassen Spuren im frischen Schnee und mein wortloser Mund haucht Eisblumen. Die Stra├čenlaternen werfen von dir einen ├╝berm├Ąchtigen Schatten, doch dieser dreht sich nicht nach mir um.
Wie einen Traum beschreibst Du ihre Intuition. Das kann man m.E. nicht besser machen.

quote:
L├Ąngst wei├č ich nicht mehr: wo stehe ich? Letzte Woche noch glaubte ich mich neben dir. Du warst mein K├Ânig, ich deine K├Ânigin.
Hier spitzt Du den Konflikt zu und f├╝hrst das Gleichnis Schachspiel ein.

In den darauf folgenden Passagen fehlen dann Analogien, die dieses Gleichnis rechtfertigen, abgesehen von "Schachmatt" (geh├Ârt zusammen geschrieben) und "du warst am Zug". Das ist zu wenig!

Anbieten w├╝rden sich die Passagen:
quote:
Lange schon beobachtete ich die stolze Schwarze, die andere Frau im Spiel. Der Raum zwischen dir und ihr wurde mit jeder Begegnung kleiner. Der zwischen uns immer gr├Â├čer.
Gelingt es Dir, diese Aussage in das Schachgleichnis mit einzupacken, hast Du einen h├Âheren Bezugsrahmen geschaffen.

Der gelungene Vergleich unterschiedlicher Bereiche, die auf den ersten Blick unvereinbar sind (Schachspiel, Beziehung), gibt uns Menschen das Gef├╝hl, dass alle Dinge durch universelle Wahrheiten miteinander verbunden sind und sich Muster dieser Wahrheiten in unterschiedlichen Bereichen identisch abbilden. Wir k├Ânnen dann versuchen, Erkenntnisse aus dem einen Bereich auf den anderen Bereich abzubilden, zu pr├╝fen und dann neue Wahrheiten entdecken.

Begriffe, die aus der Schachwelt transponiert werden k├Ânnten sind beispielsweise "Gard├ę" und "En Passant", beides sehr reizvolle Bausteine im Beziehungsumfeld.

Du k├Ânntest die Wirkung des Gleichnisses verbessern durch zus├Ątzliche Aussagen, wie:

>> Ihre raumgreifenden Z├╝ge forderten Dich .. du liesest zu, dass sie das Spielfeld dominierte ... <<

Gleichzeitig w├Ąre das eine willkommene Gelegenheit, mehr Hintergrund zu liefern. Die wahre Ursache der scheiternden Beziehung hast Du weder ergr├╝ndet, noch angedeutet. Das w├Ąre im fiktionalen Rahmen aber durchaus interessant und vielleicht auch zielf├╝hrend.

In Folge daraus wird dieser Abschnitt zum Problem:
quote:
Dann sagte sie mir: ÔÇ×Schach matt". Das war gegen jede Regel.
Nachdem zuvor der Schachvergleich nicht zwingend fundamentiert war, ├╝berrascht dieser Regelversto├č nicht. Es entsteht lediglich der Eindruck, dass der Vergleich insgesamt nicht passt.

├ťbrigens: Ein Schachspiel endet ideal damit, dass einer der K├Ânige in die Horizontale geht, wenn Du so willst: sich der Situation hingibt.

Das ist oft die Folge, wenn die eigene K├Ânigin vom Spielfeld gefegt ist.

So ist f├╝r mich sehr zweifelhaft, ob das angek├╝ndigte K├Ąmpfen der Protagonistin gegen eine "schwarze K├Ânigin" ├╝berhaupt sinnvoll ist, nach dem Motto: "Was nicht passt wird passend gemacht."

Ich verbleibe mit einem, etwas bizarr anmutenden Rat an Deine Protagonistin, nicht gegen Windm├╝hlen zu k├Ąmpfen ("Ich bin noch lange nicht geschlagen"), sondern sich einen Partner zu suchen, der beide Hirnhemisph├Ąren nutzt (Gef├╝hl und Verstand), diese sinnvoll kombinieren kann und vor allem, ihre Intuition und Herzensw├Ąrme zu sch├Ątzen wei├č.

Es gibt so Menschen!

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Franka
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Hallo Pete,

danke f├╝r deine ausf├╝hrliche und konstruktive Textarbeit.
Ich habe mal versucht deine Anregungen umzusetzen.
(Sie steht jetzt oben.)

Liebe Gr├╝├če
Franka

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