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Leselupe.de > Horror und Psycho
Schafe und Wanderer
Eingestellt am 29. 08. 2004 21:25


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brain
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Registriert: Jun 2004

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Irgendwann, im Leben eines jeden Menschen, kommt der Moment, in dem er sich nach dem Sinn seiner Existenz fragt.
Wo komme ich her? Wo gehe ich hin?
Was liegt in meiner Verantwortung? Wie gro├č ist meine B├╝rde?
In dieser Zeit entwickelt sich entweder der Egozentrismus, das Auf-sich-selbst-bezogen-sein oder der Altruismus, der einen zu einem produktiven, am Leid Anderer anteilnehmenden Mitglied einer sozialen Gesellschaft macht. Anders ausgedr├╝ckt: man wird einer von den Guten oder einer von den B├Âsen.
Die Pubert├Ąt kann dabei ein ausl├Âsender und entscheidender Faktor sein, doch diese These ist noch unbewiesen. Fakt ist: es geschieht weltweit.
Unz├Ąhlige Gruppen formieren sich, bei diesem Vorgang, spalten sich ab und organisieren sich, doch im Grunde kann man sie in zwei Fraktionen einteilen: in Schafe und Wanderer.
Der Mann, der im Schatten der Hecke hockte, die den Vorgarten von den anderen Grundst├╝cken trennte, war ein Wanderer, schon seit vielen Jahren. Er hatte die Ozeane gesehen und war ├╝ber die chinesische Mauer gegangen, hatte die Pyramiden ber├╝hrt und vom Eifelturm gespuckt. Mehr als einmal war er durch die seelischen W├╝sten der Welt gewandert und war oftmals kurz vor dem Verdursten gewesen und hatte viele andere Leben dem Tode ├╝berlassen, um selbst zu ├╝berstehen.
Die Natur war grausam, das war allgemein bekannt, doch, bis auf die Wanderer, war der Mensch kein Teil der Natur mehr, hatte sie gegen seinen Fortschritt eingetauscht und war ihr schutzlos ausgeliefert, genau wie den Wanderern.
Im Licht des vollen Mondes beobachtete er das Haus, schon seit einer ganzen Weile.
Erregt nahm er zur Kenntnis, dass die Lichter im Wohnzimmer und der K├╝che nicht mehr brannten und soeben wurden die Schlafzimmerfenster dunkel.
Herrlich! Darauf hatte er gewartet. Die Schafe hatten sich zur Ruhe gebettet.
Der Wanderer schlich sich auf die Veranda und verharrte einen Moment. Er war vollkommen in Schwarz gekleidet, sodass man ihn, in der fr├╝hen Finsternis dieses kalten, sternenklaren Septemberabends, nicht w├╝rde sehen k├Ânnen. Perfekte Tarnung war nur eine Eigenschaft der Wanderer, die sie sich, im Gegensatz zu den ├╝brigen Menschen, erhalten hatten.
Mit einem Knarren ├Âffnete er die Fliegengittert├╝r, knackte gewandt und ger├Ąuschlos das Haust├╝rschloss und betrat das Haus der Familie Curt.
Der Eindringling war ├╝berw├Ąltigt, von den vielen, unterschiedlichen Eindr├╝cken, die auf ihn einst├╝rzten. Hastig zog er sich die schwarze Maske vom Kopf und sog begierig die Luft ein. Das Gef├╝hl war phantastisch. Parfum schwebte im Raum und vermischte sich mit dem Duft von Rasierwasser und Schwei├č. Au├čerdem roch es nach Braten, Kohl und Kartoffeln, die es wohl zum Abendessen gegeben hatte. Eine hauchzarte Note des Chianti, der noch ge├Âffnet auf dem Esszimmertisch stand, zog durch das Zimmer.
Der Wanderer sammelte sich.
Viele Meilen hatte er zur├╝ckgelegt, um hierher zu finden und jetzt war es um so vieles intensiver und besser, als er es sich, auf seinem Marsch, ausgemalt hatte.
Alles schien sich zu drehen, doch er durfte jetzt nicht ├╝berm├╝tig werden.
Er blickte auf die Treppe, die zum ersten Stock hinauff├╝hrte und betrat in Gedanken schon das Schlafzimmer der Kinder und schnitt ihnen, mit seinem Messer, die Kehlen durch, als er neben sich eine Diele knarren h├Ârte.
Das Licht wurde eingeschaltet. ÔÇ×Stehen bleiben!ÔÇť Der Hausherr.
Er stand im Durchgang zur K├╝che, hatte sich vielleicht noch am K├╝hlschrank bedient oder ein Glas Wein trinken wollen, bevor er zu Bett gehen wollte. In seinem hellblauen Pyjama stand er da und starrte den Eindringling entschlossen an. In der linken Hand hielt er eine 45er, die er noch aus seiner Zeit in Nam hatte und zielte auf den Kopf des schwarzgekleideten Mannes. Mr. Curt war ein sehr guter Sch├╝tze. ÔÇ×H├Ąnde hoch und an die Wand! Sofort!ÔÇť Mit einer schnellen Handbewegung zog der Wanderer das Jagdmesser, das an seinem G├╝rtel befestigt gewesen war und wollte sich gerade auf seinen unfreiwilligen Gastgeber st├╝rzen, als ihn eine Kugel zwischen die Augen traf und ihn an die Wand schleuderte. Wie ein nasser Sack, ging er zu Boden.
Der Telefonh├Ârer wurde abgenommen.
ÔÇ×Hallo? Hier ist Curt, Peter Curt. 24th Pennington Road. Kommen sie schnell! Ich habe einen Einbrecher erschossen!ÔÇť
+

PIEP
...schwimmen...
PIEP
...flie├čen...
PIEP
ÔÇ×ÔÇŽsie werden nichts sp├╝ren...ÔÇť
PIEP
ÔÇ×OP 3 ruft Doktor Mephisto. Doktor Mephisto, bitte in den...ÔÇť
PIEP
ÔÇ×...gleich werden sie...ÔÇť
PIEP
Pater Flannigan ├Âffnete die Augen.
Er konnte jeden einzelnen Knochen im Leib sp├╝ren. Das waren Nachwirkungen der Beta-Blocker, doch die waren, bei Operationen dieser Art, nun einmal Gang und Gebe, besonders, wenn man, wie der Pater, schon zweiundf├╝nfzig Jahre alt war.
Das Gepiepe des EKG-Ger├Ątes ging ihm auf die Nerven. Es stach in seinen Ohren, wie ein Eispickel. Der Geistliche blickte sich um und erinnerte sich sofort. Er befand sich im Hansom Church Hospital in NewYork und hatte gerade eine Sieben-Stunden-OP hinter sich. Seine Zunge war eine pelzige Raupe. Auf dem Nachttisch stand eine Schnabeltasse, die mit Eistee gef├╝llt war. Gierig trank er sie leer. Bei Gott! Er war noch am Leben. Zwar schlug jetzt in seiner Brust das Herz eines Anderen, doch das spielte f├╝r ihn keine Rolle. Er f├╝hlte sich, wie frischgeboren. Herrlich. Pater Flannigan war zwar noch sehr mitgenommen, wegen der OP, doch sp├╝rte aufkeimenden Enthusiasmus und war auf eine, nie zuvor da gewesene Art und Weise, mit der Natur und dem Universum verbunden. Er blickte zur T├╝r seines Zimmers und ihm wurde klar, dass er noch einen langen Weg zu gehen hatte. Ein Name, der ihm vage bekannt vorkam, kroch aus der Tiefe seines Unterbewusstseins und durchbrach die Oberfl├Ąche: Peter Curt.

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