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Leselupe.de > Ungereimtes
Schatzkammer
Eingestellt am 05. 01. 2011 11:12


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lapismont
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Schatzkammer

Die Kammer steht voll Eingewecktem,
heimlich fresse ich die Birnen.
Bohnerwachsgeruch zieht um die Ecke,
wo der M├╝llschlucker stinkt
und Furcht erbricht.

Schwarzer Staub bedeckt das Fensterbrett
in meinem Zimmer.
Glitzernde Partikel
rieseln,
grau sind diese Tage, damals, heute.

Stunden stehe ich am Fenster,
Eltern und Musik im R├╝cken, im Genick,
seh nach M├Ądchen,
z├Ąhle Autos.

Hier schlag ich mir die Z├Ąhne auf,
sie wachsen schief,
bis ich mich klammern lasse;
fr├╝her noch als alle anderen.

Das hohe Haus
verdreckt und voll zu gr├╝├čender Kollegen
birgt mich,
egal, ob man die T├╝r versperrt,
die H├Ąnde auf der dunklen Plasteklinke.

Seltsam,
dass es M├Âwen gibt und Z├╝gerasseln.
Gleise in die Ferne
Linienbusse,
die sich kreuzen und zu B├╝chern f├╝hren,
kostbar dieser Knopf f├╝r die Lekt├╝re.

Und das Monster Schule gegen├╝ber
lebt f├╝r immer,
etwas von mir
steigt die Treppen,
steht vor Klassenzimmert├╝ren
klein.

Was man als Kind verwahrt,
sind selten Sch├Ątze.


Version vom 05. 01. 2011 11:12

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

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Hallo Ralf,

das Eingemachte, die bedr├╝ckende Stimmung sind sp├╝rbar gut beschrieben.

Hier ist diese Zeile, da fehlt mir klanglich eine Silbe:

quote:
Hier schlag ich mir Z├Ąhne auf

Probier mal "mir die Z├Ąhne" oder "ich meine Z├Ąhne", wenn┬┤s Dich inhaltlich nicht verst├Ârt.

quote:
Das hohe Haus
verdreckt und voll zu gr├╝├čender Kollegen
birgt mich,

Hier ist Dir "das Bergen" darzustellen sehr gut gelungen; auch das Erkennen eigener Unzul├Ąnglichkeiten im Au├čen, das jenseits der sonst oft assoziierten Geborgenheit hier eher an "Hausen und Grausen" denken l├Ąsst. - Wobei mir nicht ganz klar ist, ob mit den Kollegen jetzt noch das eine erste Haus gemeint ist (das der Kindheit), oder ein gegenw├Ąrtigeres Equivalent aus der Arbeitswelt.

Gr├╝├če von Elke
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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Ralf Langer
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Hallo lapis,

"Was man als Kind verwahrt,
sind selten Sch├Ątze."

eine Irrfahrt durch die Schatzkammer,
die sich als dunkle Abstellkammer entpuppt.

...oft sind es die dunklen Seiten an denen wir wachsen m├╝ssen

Mit diesem St├╝ck roch ich auch wieder
ein paar von den " Leichen" in meinem Keller...

lg Ralf

__________________
RL

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Franke
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Hallo lap!

Die Geister der Vergangenheit, diese "Schatzkammer", die jeder in sich tr├Ągt - das ist hier sehr treffend und mit gewaltigen oft melancholischen Bildern beschrieben.

quote:
Was man als Kind verwahrt,
sind selten Sch├Ątze.

Mit dem Schluss habe ich ein kleines Problem. Der will nicht wirklich bei mir ankommen und f├Ąllt von der Qualit├Ąt her im Vergleich zum restlichen Gedicht doch ab.
Ich kanns nicht richtig in Worte fassen - aber die Aussage ist mir irgendwie zu "trivial" und l├Ąsst dein Gedicht zu flach auslaufen.

Liebe Gr├╝├če
Manfred

__________________
Das Leben ist eine Krankheit der Materie (Thomas Mann)

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Heidrun D.
Guest
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Hallo Lap,

schon wieder (!) ein Gedicht, das ich als sehr gelungen empfinde. Was der einen ihr November, ist dem anderen sein Januar.

Mir gef├Ąllt ganz besonders der Ablauf, dessen Abschnitte auch ohne Weiteres ausgetauscht werden k├Ânnen, wie Erinnerungfetzen, die dem nun hoffentlich Gereiften durchs Hirn schie├čen.

Ein paar Winzigkeiten sind vielleicht ver├Ąnderungsw├╝rdig:

quote:
Die Kammer steht voll Eingewecktem,
heimlich fresse ich die Birnen.
Bohnerwachsgeruch zieht um die Ecke,
wo der M├╝llschlucker stinkt
und Furcht erbricht.
Ich m├Âchte dir "sich Furcht erbricht" vorschlagen)
Stunden verbringe ich am Fenster,
Eltern und Musik im R├╝cken, im Genick
seh nach M├Ądchen,
z├Ąhle Autos.

Hier schlag ich mir Z├Ąhne auf,
(Hier schlag ich meine Z├Ąhne auf)
sie wachsen schief,
bis ich mich klammern lasse;
fr├╝her noch als alle anderen.

Das hohe Haus
verdreckt und voll zu gr├╝├čender Kollegen
birgt mich,
egal, ob man die T├╝r versperrt,
die zu ├Âffnen Not nicht hat.
Den letzten Vers k├Ânntest du nochmal ├╝berdenken

Und das Monster Schule gegen├╝ber
lebt f├╝r immer,
etwas von mir l├Ąuft dort die Treppen,
(etwas l├Ąuft dort auf den Treppen?)
steht vor Klassenzimmert├╝ren klein,
allein.

Was man als Kind verwahrt,
sind selten Sch├Ątze.

Dein Fazit ist leider nur zu wahr, entgegen allen Poemen, die sich mit einer gl├╝cklichen Kindheit befassen ...

Ganz besonders sch├Ân finde ich ├╝brigens:
quote:
Seltsam,
dass es M├Âwen gibt und Z├╝gerasseln.
Gleise in die Ferne
und Linienbusse,
die sich kreuzen und zu B├╝chern f├╝hren,
kostbar dieser Knopf f├╝r die Lekt├╝re.
Hier greifst du, glaube ich, eine Idee aus einem deiner ├Ąlteren Gedichte auf.

Liebe Gr├╝├če
Heidrun

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Hannah Rieth
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Lieber Lap,

chapeau! Das gef├Ąllt mir _richtig_ gut.
Ein paar (kleine) Anmerkungen:

Schatzkammer

Die Kammer steht voll Eingewecktem,
heimlich fresse ich die Birnen.
Bohnerwachsgeruch zieht um die Ecke,
wo der M├╝llschlucker stinkt
und Furcht erbricht. Finde ich gut!

Schwarzer Staub bedeckt das Fensterbrett
in meinem Zimmer.
Glitzernde Partikel
rieseln,
grau sind diese Tage, damals, heute. gut!

Stunden verbringe ich am Fenster, "Stehe" statt "verbringe" gefiele mir rhythmisch besser.
Eltern und Musik im R├╝cken, im Genick
seh nach M├Ądchen,
z├Ąhle Autos.

Hier schlag ich mir Z├Ąhne auf,
sie wachsen schief,
bis ich mich klammern lasse;
fr├╝her noch als alle anderen.

Das hohe Haus
verdreckt und voll zu gr├╝├čender Kollegen
birgt mich,
egal, ob man die T├╝r versperrt,
die zu ├Âffnen Not nicht hat. Das ist mir ein bisschen zu gestelzt. Ich finde das hat der Text nicht n├Âtig.

Seltsam,
dass es M├Âwen gibt und Z├╝gerasseln. gut!
Gleise in die Ferne
und Linienbusse, Rhythmus
die sich kreuzen und zu B├╝chern f├╝hren,
kostbar dieser Knopf f├╝r die Lekt├╝re.

Und das Monster Schule gegen├╝ber
lebt f├╝r immer,
etwas von mir l├Ąuft dort die Treppen, Rhythmus
steht vor Klassenzimmert├╝ren klein,
allein. Hier w├╝rde ich ├╝berlegen, ob das "klein" nicht schon ausreicht (nach einem Umbruch), ob das nicht vielleicht viel st├Ąrker nachklingt.

Was man als Kind verwahrt,
sind selten Sch├Ątze.

Hach, gut ...

Liebe Gr├╝├če
Hannah

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