Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5471
Themen:   93004
Momentan online:
298 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Anonymus
Schaurige Geschichte vom kranken Diener
Eingestellt am 13. 04. 2006 09:41


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Schaurig traurig ward dem Diener
eines reichen, großen Herrn.
Alle Welt erschien ihm klÀglich
und die gute Laune fern.

Denn die Welt war aus den Fugen,
Kopf stand sie und umgekehrt:
Seinem Herrn erschien seit Tagen
Menschsein als der höchste Wert.

Und so ließ er das Befehlen,
ließ die Peitsche, mied den Fluch.
Dachte nach stattdessen, lÀchelnd.
Und er las in manchem Buch.

Schauriger ward unserm Diener
mit der LĂ€nge seiner Zeit,
ach, es drĂŒckte auf sein Herze
seines Herren Freundlichkeit.

Schließlich hielt es ihn nicht lĂ€nger,
und er kroch zum Throne hin.
Flehte untertÀnigst seinen Herren:
„Gib dem Dasein einen Sinn.

Gib mir schleunig eine Weisung,
gib Befehle, gib ein Ziel!
Durcheinander gehts in meinem
Kopfe sonst wie WĂŒrfelspiel!“

Doch der Herr hat nur gelÀchelt,
und er sprach: „Steh auf, mein Sohn.
Mach‘ mal ein paar Wochen Pause,
bilde dich. Ich zahl‘ den Lohn.“

NĂ€her noch kroch da der Diener,
flehte laut in höchster Not,
so ein selbstbestimmtes Leben
wĂ€re doch der sich’re Tod.

Zog sein Herr die Stirn in Falten
und verwunderte sich stark.
„Welche Krankheit“, rief er lauthals,
„schwĂ€chte dich tief bis ins Mark?“

Trat hervor ein zweiter Diener,
sprach, er wĂŒĂŸte schon, womit
heilen ließ sich das Gebrechen.
Und verteilte einen Tritt.

Besser ward dem ersten Diener,
fröhlich stand er wieder auf.
Denn die Welt hatte fĂŒr ihn den
altgewohnten, runden Lauf.

Doch bevor er aus dem Saale
ging und auf sein KĂ€mmerlein,
kĂŒsste er den Stiefel jenes
Dieners, und sprach: „Herre, mein!“

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂŒck zu:  Anonymus Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!