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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Scherben
Eingestellt am 23. 12. 2001 00:36


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Deanna Rialto
???
Registriert: Nov 2001

Werke: 9
Kommentare: 3
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Ich hatte das urspr├╝nglich f├╝r die Finger├╝bung KW50 geschrieben, bin allerdings zu sp├Ąt fertig geworden. W├╝rde mich trotzdem ├╝ber Verbesserungsorschl├Ąge f├╝r diese Kurzgeschichte freuen!

Scherben

Es klopfte an der T├╝r und Ruth zuckte leicht zusammen, als ihr Vater das helle Krankenzimmer betrat und sich wortlos auf den Stuhl neben ihrem Bett setzte. Auf dem Gang h├Ârte sie schnelle Schritte der vorbeieilenden Schwestern und die ged├Ąmpften Stimmen sich unterhaltender Patienten oder Besucher, gelegentlich drang auch ein Lachen zu ihr durch. Ruth hatte darauf bestanden in ein Einzelzimmer verlegt zu werden.

"Alles mal herh├Âren, Leute! Ich hab bestanden!"
"Super, wieder eine weniger, die den Bus nehmen muss! Meinen Gl├╝ckwunsch, Ruth!"
"Willkommen im Club, Kleine! Und, warÔÇÖs schwer?"
"Nein, eigentlich nicht. Nur beim seitw├Ąrts Einparken h├Ątte ich beinahe Schei├če gebaut, habÔÇÖs gerade noch irgendwie hinbiegen k├Ânnen. Ich kann noch gar nicht glauben, dass ich jetzt endlich allein fahren darf! Ein tolles Gef├╝hl!"
"Also, heutÔÇÖ Abend is erstmal Party..."


Er fragte nicht nach ihrem Befinden; die ├ärzte setzten ihn t├Ąglich ├╝ber ihren Zustand und den Verlauf ihrer Genesung in Kenntnis. Sie hatte einen komplizierten Oberschenkelbruch, diverse Rippenbr├╝che, unz├Ąhlige Prellungen und ihr Gesicht war von tiefen Kratzern und Schnitten entstellt. Wom├Âglich w├╝rden Narben zur├╝ckbleiben. Sie war neunzehn Jahre alt.

"He, ihr sogenannten Redaktionsmitglieder! Gesoffen wird erst, wenn die ABI-Zeitung fertig hier vor mir auf dem Tisch liegt, klar? ├ťberlegt euch lieber noch ein Paar Fragen f├╝r die Mitsch├╝ler-Statistik!"
"Nicht so knauserig, Mann! Es ist genug Bier f├╝r alle da..."
"ÔÇśMit wem w├╝rdest du gern mal eine Nacht verbringen?ÔÇÖ"
"ÔÇśWer hat den knackigsten Hintern der Stufe?ÔÇÖ Wobei ich da nat├╝rlich ganz klar vorn liegen w├╝rde.."
"Tr├ĄumÔÇÖ weiter, Thomas! Ich w├Ąre noch f├╝r ÔÇśWer stirbt als erstes an Lungenkrebs?ÔÇÖ und ÔÇśWer wird zuerst seinen F├╝hrerschein los?ÔÇÖ"
"Beim Letzteren w├╝rde Ruth garantiert an die 90 % kassieren!"
"Danke, Witzbold."
"Aber irgendwo hat er schon recht, Kleine. Du bist 'ne geschickte Fahrerin, Ruth, das muss man dir lassen, aber halsbrecherisch wie ein Kamikaze. Es wundert mich ehrlich gesagt, dass du noch nie 'nen Unfall hattest, prophezeit h├Ątte es dir wohl jeder."


Die T├╝r ├Âffnete sich wieder und ein Pfleger kam mit einem Speisewagen hereingefahren. Ruths Vater verfolgte die Bewegungen des Pflegers mit undurchschaubarer Miene, w├Ąhrend dieser eine Sch├╝ssel mit H├╝hnersuppe und einen frischen Salat zusammen mit einem Glas Wasser vor Ruth plazierte. Sie starrte m├╝de auf das Telefon auf ihrem Nachttisch, das in letzter Zeit immer seltener klingelte.

"Hallo Liebes, ich binÔÇÖs!"
"Hey, nett dich wieder im Lande zu haben, Mum! War euer Urlaub sch├Ân?"
"Ja, es war einfach wunderbar, Anna und ich hatten so viel Spa├č! Portugal ist aber auch ein wirklich phantastisches Land! Das Wetter war auch herrlich, ein Traum! H├Âr mal, Liebes, ich fahre jetzt gleich vom Flughafen nach Hause. K├Ânntest du w├Ąhrenddessen losfahren und nach den Brautjungfernkleidern sehen? Die Hochzeit ist schon ├╝bermorgen und sie sind immer noch nicht fertig, da muss man ein bisschen Druck machen!"
"Soll ich dich nicht lieber vom Flughafen abholen, Mum? Du bist doch sicher ersch├Âpft von der langen Reise."
"Lass mal, Liebes, mir geht es hervorragend. K├╝mmere du dich lieber um die Vorbereitungen. Wir wollen doch, das f├╝r Rebeccas Hochzeit alles perfekt ist, nicht wahr?"
"Warum? Es werden sicher noch zahlreiche folgen..."
"Tzz, Ruth! Sie ist deine Cousine, vergiss das bitte nicht! Ich hoffe nur, dass sich die Situation auf den Stra├čen bis ├╝bermorgen gebessert hat, sonst m├╝ssen wir garantiert mit Versp├Ątungen rechnen."
"Okay, ich fahre dann gleich los. Bis sp├Ąter, Mum!"


Sie hatte pl├Âtzlich das Gef├╝hl unter der bedr├╝ckenden Stille zu ersticken. Wenn er doch nur w├╝tend werden, nur ein einziges Mal schreien w├╝rde! Stattdessen blieb er kalt und verschlossen, zog sich in eine Welt zur├╝ck, zu der sie keinen Zugang hatte. Seine leblose Ruhe provozierte sie und lie├č sie verzweifeln. Manchmal wollte sie ihn am liebsten ohrfeigen und ihn dazu zwingen sich ihr, dem Feind, zu stellen; einen Augenblick sp├Ąter w├╝nschte sie sich nichts mehr, als sich wie ein kleines M├Ądchen an seine Brust schmiegen und sich tr├Âsten zu lassen. Die Polizei hatte gesagt, sie treffe keine Schuld, der Unfall sei durch das Glatteis kaum zu verhindern gewesen.

"Gehst du, Christine?"
"Ja, meine Schicht hier ist gleich um. Weisst du wie es dem M├Ądchen aus OP 4 geht?"
"Sie sagen, sie kommt durch. Hatte aber auch verdammt viel Gl├╝ck, die Kleine! Nur einige oberfl├Ąchliche Verletzungen und Br├╝che - nach so einem Zusammensto├č, stellÔÇÖ dir das mal vor! Der Fahrer des anderen Wagens ist angeblich tot."
"Ja, das habe ich auch mitbekommen."
"Ich hab geh├Ârt, dass sie nach ihrer Genesung f├╝r einige Zeit in die Psychatrie eingewiesen werden soll. Hast du eine Ahnung, warum?"
"Im anderen Wagen sa├č ihre eigene Mutter. Damit wird das arme M├Ądchen nicht so schnell fertig werden."
"Schlimme Geschichte."
"Ja, kann man wohl sagen. Naja, dann bis morgen."
"Bis morgen."


Ruths Vater erhob sich wieder und machte sich auf den Weg zum Ausgang. Es gab nichts mehr zu sagen. Als die T├╝r hinter ihm ins Schloss fiel erf├╝llte ein schmerzverzerrter Schrei das Zimmer.

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sturmwind
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

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Hallo!

Ich mag vielleicht noch nicht so viel davon verstehen, wie man was macht und so weiter... aber ich f├╝r mich finde das an der Geschichte nichts verbessert werden muss oder dergleichen, zumindest nicht nach einmaligem Lesen.
Ich finde sie ist sch├Ân geschrieben und vor allem das mit den Dialogen zwischendurch, die einen ├╝ber die Hintergr├╝nde aufkl├Ąren, finde ich sehr gut gel├Âst.

freundlich gr├╝├čend und ein sch├Ânes Fest w├╝nschend
~sturmwind~

__________________
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und doch wieder schwer

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Magic Magor
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2001

Werke: 5
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Dem kann ich mich nur anschlie├čen

Dieser Wechsel zwischen Krankenhaus und Vergangenheit ist fantastisch. Die bedr├╝ckende Stimmung kommt sehr gut r├╝ber. Also wie gesagt in der Schreibwerkstatt hat er meiner Meinung nach nichts zu suchen. Ab ins Kurzgeschichten Forum damit.

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ex-mact

???

Registriert: May 2001

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Moin,

es ist "nie zu sp├Ąt" :-)

In anderen ├ťbungen sind ja Beitr├Ąge auch erst sehr viel sp├Ąter eingegangen - wenn ich Zeit und Mu├če habe, gucke ich nat├╝rlich auch neue "Einsendungen" gerne an.
Ich muss auch hier wiederholen, was ich schon oft schrieb: all meine Kritik ist nur Gel├Ąchter im Wind - was der Autor daraus macht, bleibt ihm ├╝berlassen und ich stelle nur eine ganz spezielle Meinung dar, keinesfalls etwas "Absolutes".

- ein sch├Âner, glatter Anfang
- was ist "seitw├Ąrts einparken"? (R├╝ckw├Ąrts und Vorw├Ąrts kenne ich...)
- ein paar Stellen in w├Ârtlichen Reden sind "gestelzt"/unnat├╝rlich (z.B. "Warum? Es werden sicher noch zahlreiche folgen..")
- die Wendung am Schluss ist unvorhersehbar und daher nahezu "perfekt", allerdings macht dieser H├Âhepunkt eine m├Âgliche Fortsetzung schwierig, ich w├╝rde die Story sogar hier enden lassen
- falls die Story weitergehen sollte m├╝sste sp├Ątestens auf der n├Ąchsten Seite Ruth n├Ąher charakterisiert werden: sie ist "Viewpoint", wird aber fast nur durch die Beobachtungen anderer beschrieben
- ansonsten schlie├če ich mich gerne dem Lob hier an: sehr eing├Ąngig geschrieben und - bis auf wenige Rechtschreib/Grammatikfehlerchen - kaum wirklich zu verbessern. Die ├ťbungen wollen aber eine Basis f├╝r eine l├Ąngere Story legen, und dazu ist hier zu wenig Plotmaterial vorhanden

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Magic Magor
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2001

Werke: 5
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Zu wenig Plot?

Nun das kommt darauf an. Man kann die Geschichte sicher so wie sie ist stehen lassen. Aber es ist dennoch m├Âglich daraus einen l├Ąngeren Plot zu kreieren. Vielleicht geht es um die Erlebnisse von Ruth in der Anstalt oder um ihren Versuch danach wieder ein normales Leben zu f├╝hren, sie aber von allen Seiten (au├čer der Famillie) angefeindet wird.

Ich denke schon da├č es m├Âglich ist hier etwas mehr daraus zu machen. wir haben hier schlie├člich einen ziemlich interessanten Charakter.

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Deanna Rialto
???
Registriert: Nov 2001

Werke: 9
Kommentare: 3
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Danke...

... f├╝r die schnellen Antworten und nat├╝rlich f├╝r eure Vorschl├Ąge! Ich war ebenfalls der Meinung, dass es am wirkungsvollsten sei die Geschichte an dieser Stelle enden zu lassen. Ich weiss, dass die Finger├╝bungen eigentlich dazu diehnen sollten, den Anfang f├╝r eine l├Ąngere Story zu legen, aber ich habe die Regeln an dieser Stelle mal ein wenig "abgewandelt" weil ich das Gef├╝hl hatte, meine Idee w├╝rde als geschlossene Kurzgeschichte eher eine Chance haben. Mact, h├Ąttest du Verbesserungsvorschl├Ąge f├╝r die w├Ârtl. Rede? Ich war heute morgen schon dabei hier und dort an einigen Stellen zu k├╝rzen weil mir einige Aussagen nach nochmaligem Durchlesen etwas ├╝bertrieben und nicht ganz "authentisch" vorkamen, aber ganz sicher war ich mir noch nicht. Ansonsten bleibt nur noch zu sagen, dass ich mich sehr ├╝ber euer Lob gefreut habe und die Story dann bald ins Kurzgeschichtenforum verfrachten werde!

Salut,
D. Rialto

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