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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Scherben
Eingestellt am 20. 04. 2007 17:47


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I Schwarz
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2006

Werke: 5
Kommentare: 2
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Scherben

„Sag mal, musst du immer deine Sachen auf mein Bett schmeißen?“
Sie hatte schon wieder diesen Tonfall in der Stimme, der ihn immer so aggressiv machte. Er verdrehte die Augen, presste sich beide Hände auf die Ohren, und schaute krampfhaft in das Comic vor ihm.
Nicht Aufregen, einfach ignorieren. Sie war es nicht wert, dass er nur ihretwegen ausrastete. Langsam beruhigte er sich wieder. Er nahm die Hände von den Ohren und blätterte um.
„Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?“
Er biss sich auf die Lippen, und beschwor sich ruhig zu bleiben.
„Hey Klaus, du sollst deinen Scheiß aus meinem Bett nehmen, oder ich befördere ihn höchstpersönlich in den Müll.“
Er rührte sich nicht. Er wusste, dass sie direkt hinter ihm stand, er spürte ihre Anwesenheit, ihren Atem auf seinem Nacken, aber er wollte jetzt keinen Streit. Er musste sich erst einmal beruhigen, dann könnte er mit ihr reden. Er musste hier raus. Es war einfach zu eng für sie alle hier. Vielleicht sollte er Karl besuchen gehen. Ja, genau das würde er machen, er würde Karl besuchen gehen, und erst am Abend wiederkommen. Obwohl, wieso sollte er überhaupt wiederkommen. Er könnte bei Karl übernachten, und erst am Morgen nach Hause gehen. Vielleicht könnte er sogar die ganzen Ferien dort verbringen, dann würde er wenigstens dem Streit mit seinen Schwestern aus dem Weg gehen. Vielleicht. Vielleicht würde er aber auch morgen schon wiederkommen, mal sehen.
Mit einem Ruck stand er auf. Er wandte der verdutzten Sara den Rücken zu, und ging zur Tür.
„Hey Klaus, wo gehst du denn hin?“
„Zu Karl. Sag Mama ich bin frühestens morgen zurück.“
„Sag mal tickst du noch ganz richtig, du kannst doch jetzt nicht einfach gehen. Nimm wenigstens erst mal deinen Krempel aus meinem Bett.“
Seine Hände ballten sich zu Fäusten, aber er sagte kein Wort. Mit einem dumpfen Knall flog die Haustür hinter ihm zu.
+
„Ach komm, so schlimm ist sie nun auch nicht. Sie ist nur ein wenig – anstrengend, aber eigentlich ist sie doch ganz nett.“
„Sie ist mehr als nur ein wenig anstrengend, sie ist unerträglich.“
Karl wandte den Blick ein wenig, um seinem Freund ins Gesicht zu schauen. Für einen Moment trafen sich ihre Blicke, dann schauten beide wieder auf die Straße unter ihnen. Karl hatte sturmfrei, weil seine Eltern mal wieder für eine Woche auf Geschäftsreise waren. Eigentlich hatte er eine Party veranstalten wollen, jetzt aber saßen sie allein auf dem Balkon, ließen die Beine baumeln und teilten sich eine Flasche des beträchtlichen Biervorrats, den Karl für die geplante Feier herangeschafft hatte. Er nahm einen Schluck, und gab die Flasche weiter.
„Na gut, dann ist sie halt mehr als ein bisschen anstrengend, aber das haben Geschwister nun mal so an sich, besonders Schwestern.“
„Vor allem ältere Schwestern, und ganz besonders sie.“
Keiner von beiden wusste was er sagen sollte, also schwiegen sie. Unter ihnen überquerte eine junge Familie die Straße. Klaus beobachtete sie. Vater, Mutter und drei Kinder. Wie wir dachte er. Die Kinder schubsten sich hin und her und lachten. Dieses Geräusch hatte er von Sara schon lange nicht mehr gehört. Natürlich hatte er sie lachen hören, viel häufiger sogar, als es ihm lieb gewesen wäre, aber dieses Lachen war anders. Es war nicht dieses Kichern, das ihn immer in den Wahnsinn trieb, und auch nicht dieses schadenfreudige Wiehern, wenn er mal wieder nicht weiter wusste. Es war ein freundliches Lachen, das zeigte, dass sie Spaß hatten und sich mochten.
„Na siehst du, bei denen klappt’s doch auch, warum sollte es bei euch nicht klappen?“
Karl deutete mit der halbleeren Bierflasche in Richtung der Kinder, die von ihren Eltern von der Straße gezogen und ausgeschimpft wurden. Klaus sagte nichts. Er griff nach dem Bier und nahm einen Schluck. Es war wirklich schon lange her, dass er Sara so lachen gehört hatte.
„Irgendwie musst du mit ihr auskommen Klaus. Es ist normal, dass Geschwister sich streiten, aber weißt du, ich hätte manchmal auch gern welche, jemanden zum reden, jemanden der mir bei meinen Hausaufgaben hilft...“
er brach ab, und schaute zu der jungen Familie hinüber. Sie bogen gerade um die Ecke, und verschwanden aus seinem Blickfeld. Eine rote Mütze war das letzte was er von ihnen sah.
„Glaub mir, so jemanden wie Sara willst du nicht zur Schwester haben.“
Klaus nahm den letzten Schluck, und ließ die Flasche fallen. Sie kam auf dem Bürgersteig auf, und zersprang in tausend Scherben. Wie unsere Familie, dachte er. Dann stand er auf, und holte eine neue Flasche Bier. Er setzte sich wieder neben Karl, und ließ die Beine baumeln. Das Telefon klingelte, doch keiner von beiden stand auf, um zu schauen wer es war. Sie sprachen auch nicht mehr. Jeder von ihnen ging seinen eigenen Gedanken nach. Klaus starrte zu der Stelle hin, wo die rote Mütze verschwunden war, und dann wieder die Scherben unter ihm an. Passanten kamen vorbei, und achtlos verteilten sie die Scherben, und zertraten sie. Schließlich kam der Müllmann und fegte sie fort, und ein dunkler Fleck am Boden, wo noch ein Rest Bier gewesen war, war alles das blieb.

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no-name
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo I. Schwarz,

das ist eine wirklich traurige Geschichte. Sie liest sich flüssig, ich würde Dir allerdings empfehlen, Absätze einzufügen, das strukturiert Deinen Text und er liest sich leichter. Ich habe es im folgenden Mal versucht, vielleicht kannst Du Dich ja damit anfreunden...


Scherben

„Sag mal, musst du immer deine Sachen auf mein Bett schmeißen?“
Sie hatte schon wieder diesen Tonfall in der Stimme, der ihn immer so aggressiv machte. Er verdrehte die Augen, presste sich beide Hände auf die Ohren, und schaute krampfhaft in das den Comic vor ihm.
Nicht Aufregen, einfach ignorieren. Sie war es nicht wert, dass er nur ihretwegen ausrastete. Langsam beruhigte er sich wieder. Er nahm die Hände von den Ohren und blätterte um.
„Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?“
Er biss sich auf die Lippen, und beschwor sich, ruhig zu bleiben.
„Hey Klaus, du sollst deinen Scheiß aus meinem Bett nehmen, oder ich befördere ihn höchstpersönlich in den Müll.“
Er rührte sich nicht. Er wusste, dass sie direkt hinter ihm stand. Er spürte ihre Anwesenheit, ihren Atem auf seinem Nacken, aber er wollte jetzt keinen Streit. Er musste sich erst einmal beruhigen, dann könnte er mit ihr reden. Er musste hier raus. Es war einfach zu eng für sie alle hier. Vielleicht sollte er Karl besuchen gehen. Ja, genau das würde er machen, er würde Karl besuchen gehen, und erst am Abend wiederkommen. Obwohl, wieso sollte er überhaupt wiederkommen? Er könnte bei Karl übernachten, und erst am Morgen nach Hause gehen. Vielleicht könnte er sogar die ganzen Ferien dort verbringen, dann würde er wenigstens dem Streit mit seinen Schwestern aus dem Weg gehen. Vielleicht. Vielleicht würde er aber auch morgen schon wiederkommen, mal sehen.


Mit einem Ruck stand er auf. Er wandte der verdutzten Sara den Rücken zu, und ging zur Tür.
„Hey Klaus, wo gehst du denn hin?“
„Zu Karl. Sag Mama ich bin frühestens morgen zurück.“
„Sag mal tickst du noch ganz richtig, du kannst doch jetzt nicht einfach gehen. Nimm wenigstens erst mal deinen Krempel aus meinem Bett.“
Seine Hände ballten sich zu Fäusten, aber er sagte kein Wort. Mit einem dumpfen Knall flog die Haustür hinter ihm zu.


„Ach komm, so schlimm ist sie nun auch nicht. Sie ist nur ein wenig – anstrengend, aber eigentlich ist sie doch ganz nett.“
„Sie ist mehr als nur ein wenig anstrengend, sie ist unerträglich!
Karl wandte den Blick ein wenig, um seinem Freund ins Gesicht zu schauen. Für einen Moment trafen sich ihre Blicke, dann schauten beide wieder auf die Straße unter ihnen. Karl hatte sturmfrei, weil seine Eltern mal wieder für eine Woche auf Geschäftsreise waren. Eigentlich hatte er eine Party veranstalten wollen, jetzt aber saßen sie allein auf dem Balkon, ließen die Beine baumeln und teilten sich eine Flasche des beträchtlichen Biervorrats, den Karl für die geplante Feier herangeschafft hatte. Er nahm einen Schluck, und gab die Flasche weiter.
„Na gut, dann ist sie halt mehr als ein bisschen anstrengend, aber das haben Geschwister nun mal so an sich, besonders Schwestern.“
„Vor allem ältere Schwestern, und ganz besonders sie.“
Keiner von beiden wusste, was er sagen sollte, also schwiegen sie.


Unter ihnen überquerte eine junge Familie die Straße. Klaus beobachtete sie: Vater, Mutter und drei Kinder. Wie wir, dachte er. Die Kinder schubsten sich hin und her und lachten. Dieses Geräusch hatte er von Sara schon lange nicht mehr gehört. Natürlich hatte er sie lachen hören, viel häufiger sogar, als es ihm lieb gewesen wäre, aber dieses Lachen war anders. Es war nicht dieses Kichern, das ihn immer in den Wahnsinn trieb, und auch nicht dieses schadenfreudige Wiehern, wenn er mal wieder nicht weiter wusste. Es war ein freundliches Lachen, das zeigte, dass sie Spaß hatten und sich mochten.
„Na siehst du, bei denen klappt’s doch auch, warum sollte es bei euch nicht klappen?“
Karl deutete mit der halbleeren Bierflasche in Richtung der Kinder, die von ihren Eltern von der Straße gezogen und ausgeschimpft wurden. Klaus sagte nichts. Er griff nach dem Bier und nahm einen Schluck. Es war wirklich schon lange her, dass er Sara so lachen gehört hatte.


„Irgendwie musst du mit ihr auskommen Klaus. Es ist normal, dass Geschwister sich streiten, aber weißt du, ich hätte manchmal auch gern welche, jemanden zum Reden, jemanden, der mir bei meinen Hausaufgaben hilft...“
Er brach ab, und schaute zu der jungen Familie hinüber. Sie bogen gerade um die Ecke, und verschwanden aus seinem Blickfeld. Eine rote Mütze war das letzte was er von ihnen sah.
„Glaub mir, so jemanden wie Sara willst du nicht zur Schwester haben.“


Klaus nahm den letzten Schluck, und ließ die Flasche fallen. Sie kam auf dem Bürgersteig auf, und zersprang in tausend Scherben. Wie unsere Familie, dachte er. Dann stand er auf, und holte eine neue Flasche Bier. Er setzte sich wieder neben Karl, und ließ die Beine baumeln. Das Telefon klingelte, doch keiner von beiden stand auf, um zu schauen wer es war den Hörer abzunehmen. Sie sprachen auch nicht mehr. Jeder von ihnen ging hing seinen eigenen Gedanken nach. Klaus starrte zu der Stelle hin, wo an der die rote Mütze verschwunden war, und dann wieder auf die Scherben unter ihm an. Passanten kamen vorbei, und achtlos verteilten sie die Scherben, und zertraten sie. Schließlich kam der Müllmann und fegte sie fort, und ein dunkler Fleck am Boden, wo an dem noch ein Rest Bier gewesen war, war alles, das übrig blieb.


Die Absätze sind nur Vorschläge, man kommt sicher auch mit weniger aus. Was meinst Du?

Freundliche Grüße von no-name.

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