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Leselupe.de > Gereimtes
Schicksal
Eingestellt am 08. 03. 2003 10:51


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Platoya
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Schicksal

Die Seele jung, das Herz zu alt,
um etwas zu ver├Ąndern
am Dasein, das an Achtung arm,
und reich an Trauerr├Ąndern.

Was n├╝tzt es, wenn die Seele nie
die Kindheit ├╝berschreitet,
indessen sich im Lebenskern
vor Verzweiflung Verfall ausbreitet.

Die Resignation, mein Schirm vor der Welt,
die mich nicht altern l├Ąsst, doch nichts vergisst,
weil sie den K├Ârper nicht versehrt,
das Innere jedoch unaufhaltsam zerfrisst.

Das Wissen um den Lauf der Dinge
ist grausam und ein Fluch.
Trotz dass Tausende waren behaftet mit ihm,
bleibt die Erkenntnis dessen ein nie geschriebenes Buch.

Die Wiederholung stellt sich ein,
auch ohne jedes Wollen.
Sie ist f├╝r jene Unerfahrenen,
die auch was lernen sollen.

Wer sie erkennt, hat schon verlor┬┤n,
verflucht in alle Zeit,
ist er durch einen Umstand, der
sich nennt: Empfindsamkeit.

Die Simplen stecken alles weg,
ihr Friede hei├čt: Vergessen,
Gem├╝tlichkeit in stumpfer Runde,
und t├Ąglich gutes Essen.

Manchmal w├╝nscht┬┤ ich, ich w├Ąr┬┤ schon weg,
weilt┬┤ unter all den Leichen,
um manchen dran zu hindern,
mich mit euch zu vergleichen.

Nicht meine Wahl war es, zu sein
so anders als die meisten,
daf├╝r ist dieses Los zu hart,
kaum jemand kann sich┬┤s leisten.

War ich stets unbeugsam und stur,
und hasste Schein und L├╝gen;
dem Tod, vor dem mich nicht mehr bangt,
werd ich mich willig f├╝gen.

Der Dauerzustand Zweifel
hat mich dazu gebracht,
hier nichts mehr zu erwarten,
als eine ruhige Nacht.

Der Zweifel ist ein Teufel,
der nach Gewissen sucht,
und wer davon zu viel hat,
ist allezeit verflucht.






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Waldemar Hammel
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Als "Gedicht", naja.
Der Text ist eine Anklage gegen das Schicksal, und es wird in Form einer Orgie mit den sog. Reflexionstermini abgerechnet:
Schicksal, Dasein, Verzweiflung, Resignation, Zweifel, Wissen, Vergessen, Tod.
Emotional kommt die Aussage klar an, und selbst das Signum am Ende passt zum Text.

Allein: Die Sache ist ein Beispiel f├╝r menschliche Hybris. Da stellt sich der scheinbar wissende "Faust" in der Protagonist/in anklagend gegen die Welt, das Leben, in der Meinung, die Welt sei objektiv "so irgendwie", und sie erlebe Welt halt nur entsprechend.
Nicht erkannt wird, da├č "Welt" lediglich das sein kann, was wir in unseren K├Âpfen selbst als "Welt" uns zusammendenken und -f├╝hlen. Es gibt keine "an-sich-so-seiende" Welt, es gibt nur das subjektive Bild einer Welt im Kopf.

So klagt die Protagonist/in denn letztlich sich selbst an, ihre selbst zusammengedachte H├Âlle, in der sie lebt. Als einzigen Ausweg bietet sich ihr der Tod an, wiederum in der irrigen Meinung, dieser sei ein Objektivum.

Der Inhalt des Textes erinnert ein wenig an G.Benn, der irgendwo sinngem├Ą├č sagte: "Schon die H├Âherentwicklung des Lebens zur Molluske oder zum Wurm war zuviel, denn seitdem ist Empfindungsf├Ąhigkeit und damit Leiden angesagt."

Es ist dies einfach Ausfluss der irrigen Annahme aller sog. "Realisten", es g├Ąbe eine bewu├čtseinsunabh├Ąngige Realit├Ąt, die man ohne eigene Beteiligung, also auch ohne eigene Verantwortung, nur zu empfinden, zu erleben brauche, um sich danach ├╝ber ihr Schlechtsein herrlich beschweren zu k├Ânnen.

Ein brauchbares Beispiel f├╝r irrige Realismus-Annahmen ist gerade der Begriff "Schicksal".
Das scheinbar "Schicksalhafte" tritt immer dann auf, wenn von zwei Prozessebenen, die miteinander verkn├╝pft sind, und die simultan ablaufen, f├╝r den Erlebenden nur eine dieser Ebenen "einsehbar" ist. Es l├Ą├čt sich lustigerweise gerade in der Literatur gut verfolgen, wie "Schicksal", genau dieser Annahme entsprechend, von den Autoren stets m├╝hsam konstruiert werden mu├č.

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Platoya
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Schicksal


Hallo Waldemar,
danke f├╝r deine Beurteilung, auch wenn sie schon gleich im ersten Satz sehr abwertend ausgefallen ist. Immerhin hast du dir noch die M├╝he gemacht, eine kleine wissenschaftliche Abhandlung ├╝ber den Inhalt zu schreiben; wobei du auch teilweise richtig liegst mit der Einsch├Ątzung der zentralen Gestalt, denn es stimmt durchaus, dass unsere Welt nur das sein kann, was wir uns in unseren K├Âpfen zusammendenken. Nur eines hast du ├╝bersehen: das Los des Protagonisten w├Ąre ja gar nicht so trostlos, wenn der Druck von au├čen nicht w├Ąre, der ihm verhasst ist, diese Ma├čst├Ąbe der Gesellschaft, an denen er pers├Ânlich nicht gewillt ist, sich messen zu lassen.
Was mich interessieren w├╝rde, ist folgendes: ist denn, wenn einem die Zentralfigur des Gedichtes nicht zusagt, das Gedicht als Ganzes nur mit "na ja" einzusch├Ątzen oder liegt es an der Art, wie ich es geschrieben habe. Es mag schon sein, dass ich mit meiner Ausf├╝hrung nicht auf dem neusten Stand bin, obendrein gelingt es mir nicht, ein Gedicht wie einen mathematischen Bruch zu k├╝rzen. Aber ist denn jedes Gedicht, das aus mehr als zwanzig hingeworfenen W├Ârtern besteht, als gering einzusch├Ątzen?

P.


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Waldemar Hammel
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@ Platoya

Nicht jedes Gedicht, dessen Hauptfigur nicht gef├Ąllt, ist deshalb schlecht. Habe ich nicht behauptet.

Dein Gedicht ist als Gedicht zu wenig ausgeformt und zuwenig verdichtet (komprimiert, symbolifiziert), es hat mehr den Charakter einer Prosa.
Du merkst selbst, da├č es f├╝r das behandelte Thema viel zu lang, zu wortreich ist?

zur Aussage:
"das Los des Protagonisten w├Ąre ja gar nicht so trostlos, wenn der Druck von au├čen nicht w├Ąre, der ihm verhasst ist, diese Ma├čst├Ąbe der Gesellschaft, an denen er pers├Ânlich nicht gewillt ist, sich messen zu lassen."

Den Druck von au├čen sp├╝ren wir alle, und da mu├č man irgendwann entscheiden: Anpassen oder sich-Durchsetzen, ein chronisches Leiden daran, larmoyant ausgedr├╝ckt, ist wie eine psychische Krebserkrankung.

Warum z.B. "ist das Herz zu alt, etwas zu ├Ąndern" und/oder sich durchzusetzen? Das ist Eingest├Ąndnis der Schw├Ąche, und dann gilt: Anpassen. Entweder oder...
Nach meiner Erfahrung leiden wir alle viel zu oft unter Gespenstern, die nur solange Macht ├╝ber uns haben, bis wir entschlossen NEIN sagen. Das ist wie im Kinderm├Ąrchen: Man wird solange von Drachen verfolgt, bis man sich ihnen zum "Kampf" stellt.

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Platoya
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Ja, gut, damit magst du Recht haben, dass es nicht genug verdichtet ist und deshalb eher den Charakter von Prosa hat. Aber gibt es nicht schon immer diese Varianten von Gedichten: einmal die erz├Ąhlerische, und auf der anderen Seite die des aus symbolhafter Sprache zusammengesetzten. Mir liegt halt mehr die erste; werde mir aber M├╝he geben, meine Gedichte zuk├╝nftig kompakter zu gestalten.

Sicher sp├╝ren wir alle den Druck von au├čen, und man muss, wie du richtig sagst ÔÇ×irgendwannÔÇť entscheiden ÔÇ×Anpassen oder sich DurchsetzenÔÇť. Die Hauptfigur befindet sich halt noch auf dem Weg dorthin.
Aus der Erkenntnis heraus ist ihre traurige Lebensbetrachtung entstanden. Das hei├čt aber nicht, dass sie ein hoffnungsloser Fall ist. Die Einsicht ist der erste Schritt zur Ver├Ąnderung (Besserung). Unmut ist oft der Motor, der uns voranbringt. Vor jedem Hoch muss ein Tief gewesen sein.

Erst muss man etwas erkannt haben, um es ver├Ąndern zu k├Ânnen. Aber das geht nicht von einen Tag auf den anderen. Es ist ein Lernprozess, und dieser muss durchlebt werden. Keiner wird von sich behaupten k├Ânnen, dass er sofort nach Erkennen seines Problems in der Lage w├Ąre, dieses umgehend zu ├Ąndern.


Was hast du gegen Eingest├Ąndnis von Schw├Ąche? Ich wage zu behaupten, dass viele Gedichte aus ├Ąhnlichem Antrieb oder aus dem Gef├╝hl der Machtlosigkeit heraus entstanden sind. Genau wie Liebe, Hass, Trauer u.s.w. ist das Eingestehen von Schw├Ąche ein Gef├╝hl, das man beschreiben kann in einem Gedicht.

Sch├Ânen Tag noch.

P.

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