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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schicksale
Eingestellt am 24. 04. 2010 20:37


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Lothar Atzert
AutorenanwÀrter
Registriert: Apr 2010

Werke: 8
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Schicksale

Als ich ihn das erste mal sah, erschrak ich. Wo um Himmelswillen hatte es ihn hin verschlagen? Die einen werden in PallĂ€ste geboren und andere in HĂŒtten - das war schon vor Georg BĂŒchner so und wird es auch bleiben.
Doch sein Lebensraum war weder das eine, noch das andere: seine Bleibe befand sich zwischen Hoftor und Begrenzungsmauer zum Nachbarn. Und jedesmal, wenn das Tor geöffnet wurde, drĂŒckte es ihn gegen die Mauer. NatĂŒrlich konnte man genauso gut sagen, er drĂŒcke gegen das Tor - und das genau war das Problem: die Funktion des Öffnens drohte nachhaltig gestört zu werden fĂŒr die Bewohner unseres Hauses.
Wie mochte er bloß an diesen fĂŒr ihn so ungastlichen Ort gelangt sein, wo es nicht eine einzige gĂŒnstige Bedingung gab?
Aber was heißt das schon, gĂŒnstige Bedingung? Seine Mutter, die etwa hundert Meter weiter sehr viel bessere Bedingungen vorfand, hatten sie letzten Herbst erschlagen. Einfach so.
Überhaupt, auf welche Weise ein Wesen wohin gelangt - ist es nicht ein Mysterium? Die WĂŒrgefeige zum Beispiel gelangt als Same durch Vogelkot auf Baumkronen, von wo aus sie ihrem Wirt am Stamm hinab wĂ€chst, bis sie ihn mit ihren Wurzeln nach einigen Jahrzehnten erwĂŒrgt hat und dann folgt sie ihm nach.
Und von duluoz, wie der nach Tanger kam...oder Alexandra David-Neal nach Lhasa...
Oder Insekten, die ihre Brut anderen per Legestachel injizieren und diese anderen von innen heraus aufgefressen werden. Und Fische gibt es, da trĂ€gt das MĂ€nnchen den ganzen Schwarm die ersten Lebenstage im Maul. In Vaters Rachen herum zu schwĂ€rmen hĂ€tte ich als höchst unhygienisch empfunden. Doch weiß ich jetzt wenigstens, woher Rache und Rachitis kommen.
Aber sei\'s drum. Den Bewohner hier nannten die Menschen \"Essigbaum.\" Dessen BlĂ€tter versprĂŒhen im Herbst ein Feuerwerk an leuchtenden Farben. Purpurrot golden und indigo...
Vermutlich kam auch er per Vogelschiß in die mißliche Lage.
Nur gibt es wohl keinen Vogel, der in die kaum einen Daumennagel große Öffnung hĂ€tte treffen können, so daß wohl Winde noch das ihre beigesteuert haben werden. Wind und Regen und die Jahreszeiten... Und natĂŒrlich die Öffnung, deren Rand aus unverweslichem Beton bestand. Da nun fiel der Same vor einigen Jahren hinein, ging weiter unten im Unsichtbaren auf und es wuchs ein junges BĂ€umchen heraus. Wie und auf welche Weise das Loch entstanden sein mochte - das war wohl nicht mehr zu klĂ€ren.
Es muß, ein paar Jahre vor mir, schon einmal der Versuch gemacht worden sein, ihn auszureißen, da unterhalb einer Bruchstelle ein abzweigendes StĂ€mmchen herauswuchs. - Ach, nicht nur, daß die standortliche Bedingung ungĂŒnstig - es resultierten daraus verstĂ€ndlicherweise direkte Angriffe auf Leib und Leben des Essigbaumes. Und er mußte seine erbarmungswĂŒrdige Existens auch noch nach bestem Vermögen verteidigen.
So, schoß es mir durch den Kopf, machen wir es alle. Egal, wie gut oder schlecht die Bedingungen sein mögen - der Selbsterhaltungstrieb ist archaisch - wir nĂ€hmen selbst die schlechteste aller Existenzformen inkauf, nur um am Leben bleiben zu können. Und wievielen Wesen..... nehmen wir das ihre gewaltsam weg! Oder vergiften den Umraum, so daß sie nicht mehr wissen, wohin...
Dieser Widerspruch beschĂ€ftigte mich ein Leben lang: wie kann man jemandem etwas wegnehmen, wenn man selbst nichts von Geliebtem genommen haben möchte? Und irgendwie spĂŒrte ich irgendwann, wie, auch wenn ich niemals direkte Antwort empfing, diese Frage, dieses Antwortsuchen mein Wesen durch Handlungen strukturierte.
Wobei die körperlichen Systeme die ganze Zeit, gleich Vögel im Nest, nach Futter schrien: du mußt esen, essen, essen - und dadurch töten, töten, töten!

Aber töten aus Hunger war das eine - und töten aus VergnĂŒgen an einem lebendigen Teil, an TrophĂ€en also, das andere. Als ich darĂŒber nachzudenken begann, verlor ich Freund auf Freund. Eigentlich verlor ich alles - und gewann die Philosophie, die sich nur dem Bettler hingibt: das arme BĂ€umchen war ich selbst.
Die StĂ€rke seines StĂ€mmchens hatte bereits den Lochumfang erreicht und so waren seine Tage so oder so gezĂ€hlt. Dabei wollte er doch ein stattlicher Baum werden, in dem Vögel singen sollten und Nester bauen. Und glĂŒcklich seinen Samen weiter trĂŒgen.

Wie nur konnte ich ihm helfen? An seine Wurzel war nicht heranzukommen, das war ganz und gar unmöglich. Höchstens den Beton zertrĂŒmmern - mit einem Pressluftbohrer. Da hĂ€tten sie mich vermutlich eingeliefert in eine Nervenheilanstalt: Wegen Entfernens von Unkraut mittelst Preßlufbohrer - \"wg. RealitĂ€tsverlust.\"
Dann erinnerte ich mich plötzlich, was ich einmal irgendwo hörte: \"Du mußt viel Wasser reingießen, wodurch die Wurzel nicht mehr ganz so viel Halt hat.\" - und von Babette kam der Rat, mit dem Baum zu sprechen, ihm mein Rettungsvorhaben zu erlĂ€utern, denn ganz so blöd sind BĂ€ume nicht, die \"spĂŒren schon, wer es gut und wer es böse mit ihnen meint.\"

Und so kam es. Einen ganzen Tag lang goß ich Wasser in das Loch hinein und sprach dabei mit ihm ungefĂ€hr so: \"Sorg dich nicht, entspanne die Wurzel - du sollst einen schöneren, lustvolleren Ort bekommen, wo du nach GutdĂŒnken wachsen kannst, ganz wie es dir beliebt, mit anderen zusammen, freie Sicht auf den Himmel mit Sonne und Wolken und auch an Erdreich solls nicht fehlen.\"

Am nĂ€chsten Tag ging ich zuwerk - ein kurzer, entschlossener Ruck - und ich hielt das BĂ€umchen hoch gegen den Himmel in meiner Hand - mit dem grĂ¶ĂŸten Teil der Wurzel, was ja das Wichtigste war. Da kamen mir fast die TrĂ€nen und ich stammelte: \"Du hast es geschafft, jetzt sollst du es erleben, wie es aufwĂ€rts geht mit dir!\"
Und ich pflanzte voller Enthusiasmus den Essigbaum ins weiche Gras, abseits von Menschentritt und MaschinengebrĂŒll. Und sah, wie er wuchs und erfreute mich daran. Und als er im Herbst die BlĂ€tter abwarf, bangte ich um ihn bis in den FrĂŒhling hinein, wo er endlich wieder neue Triebe, neue BlĂ€tter bildete und so wurden wir irgendwie Freunde.

Dann kam der Tag, wo die Trauerweide gefĂ€llt wurde. Sie wurde gepflanzt einst mit denselben HĂ€nden, die gerade diesen Text hier niederschreiben. Die Königin des Gartens, ihre Poesie mißfiel den Nachbarn von Anfang an, da sie ihnen die Sicht versperrte. Nicht etwa aufs Hochgebirge, auf Schluchten oder das offene Meer hinaus, nichts dergleichen, auch nicht auf im Wind wogende Getreidefelder mit MohnblĂŒten am Wegrand - auf Plattenbauten und Parkplatztristesse war ihnen die Sicht genommen und einer beschwerte sich höchstamtlich, da er WeidenblĂ€tter in seinem Schlafgemache fand, die ihn wohl der Nachtruhe beraubten.
Kurz, sie wurde gefĂ€llt, wohlgemerkt am anderen Ende des Gartens. Und ich weinte hinter verschlossener TĂŒr, wĂ€hrend draußen einen ganzen Tag lang die KettensĂ€gen wĂŒteten.

Es dauerte vierundzwanzig Stunden, bis ich den Mut fand, das Unfassbare zu besichtigen. Der Garten, das letzte Refugium, all seiner Schönheit bar. Und obwohl am andern Ende, weit vom Schuß und Auftrag... hatten die HolzfĂ€ller auch den kleinen Essigbaum niedergetrampelt.
Es heißt zurecht, man sei fĂŒr die verantwortlich, welche man rettet. Ich vermochte es nicht, die BĂ€ume zu schĂŒtzen und verlor an einem einzigen Tag nicht nur zwei Freunde, sondern auch das Vertrauen in die FĂ€higkeit, jemanden in diesen Tagen vor StaatswillkĂŒr und SpießbĂŒrgertum verteidigen zu können.


An dieser Stelle könnte die Geschichte zuende sein. Ist sie aber nicht! Ein paar Tage nach dem Baumfall, es war schon zu vorgerĂŒckter Stunde und ich wollte gerade schlafen gehen, erschien Doktor Mittelfinger - und ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, daß dieser, ein spindeldĂŒrres Kerlchen von Gestalt, nichts mit unserem hochverdienten Germanisten Ekkehart Mittelberg zu tun hat, wie böse Zungen einst unterstellten. Mittelfinger, der schon von Franz Xavers Opa Ariel Rieger aus Temeshvar erwĂ€hnt wurde, ist, nach eigenen Angaben \"Ă€lter, als die Neuzeit\" und angeblich im 19. Jahrhundert aus der Feder eines in der Irrenanstalt nahe Stuttgart einsitzenden Dichters entflohen.
\"Mein lieber Lotharius, in welcher trĂŒben Stimmung finde ich dich hier vor?\" sprach er, nachdem ich mich einigermaßen wieder gefaßt hatte, welches sein Kommen jedesmal auslöste. \"Was muß ich sehen - du bist betrĂŒbt ĂŒber das, was doch unablĂ€ssig in der Welt geschieht? Muß ich dich an deine eigenen Worte erinnern? Wer sagte doch \"Was man innerlich verdrĂ€ngt, erscheint in der Ă€ußeren Welt als Zeichen - was man da draußen genommen bekommt, wird vom Wahrhaftigen erhoben in ein inneres, charakterliches Wachstum, hin zu einer Welt von feinerem Stoffe und wahrer.\" - so hast du es einmal selbst genannt!\"
\"Ach, Mittelfinger, du hast gut reden - es darf ja nichts mehr wachsen in unserer Zeit, keinerlei Poesie, schau nur, was sie gemacht haben...\" entgegnete ich, \"Schönheit kommt jetzt von chirurgischen Eingriffen und bestimmen den Marktwert der verstĂŒmmelten Seelen und sie laufen vor mir davon und ich finde keinen Zugang mehr zu ihren Herzen. Verwehrt blieb mir auch, wie dir bekannt, jener, die ich aus tiefstem Grund so liebe, je zu begegnen, ihre Stimme zu umarmen, die dazugehörig karottfarbenen Lippen innig zu kĂŒssen, wie es unter Liebenden Sitte ist..\" doch er fegte es mit einer unwilligen Handgeste zur Seite und sprach: \"HĂ€ngst du etwa immer noch an den verworrenen Idealen eines Shelly, Byron und Keats? Ihre Namen - romantisch, wie das, was sie dichteten, zugegeben - sind doch auch nur GĂ€ste der Wirklichkeit. LĂ€ngst vermodert sind die Gebeine und erschöpft ihre Worte durch den Gebrauch eben der wettbewerbenden Menge. Schöpfe aus dir, spiele dein eigenes Spiel - und klage nicht nachahmend, wie die drei britschen Narren.\"
Er sann einen Moment nach und sprach dann unter un-nachahmlich dramatischem Gestus: \"Gehe hinaus in den Garten, nimm\' die verlorenen Weidenruten, stecke im weissen Osten, weiss und rein, wie der Beginn, eine in den Boden, flĂŒstere dazu das geheime Wort; gehe dann nach mittagsgelbem SĂŒden, wo das eine Leben in Vielen west, wiederhole den Vorgang; dann nach Westen, dem purpurenen Licht und der Liebe; zuletzt im grĂŒnen Norden vollende den Kreis. Einen fĂŒnften Zweig nimmst du mit dir und stellst ihn in eine Vase: dieser soll die neue Königsweide im Zentrum eigenstĂ€ndiger Poesie werden, blau und grenzenlos, wie die unendliche Tiefe des Raums. Pflanze sie, sobald sie genug Wurzeln hat, in die Gartenmitte. Und vor allem - bereue vergangene Schandtat! -danach laß Reue Reue sein und gehe gestĂ€rkt, wie nach gutem FrĂŒhstĂŒcksmahl, zuwerk.
Und was den Essigbaum angeht - richte ihn erneut auf, schiene ihn, hilf, Wunden zu heilen und benutze dabei die heilige Formel: Wenn man fĂ€llt, muß man aufstehen. FĂ€llst du wieder, mußt du wieder aufstehen, solange, bis du auf elementare Weise Fortschritte machst, sei es im Fallen oder im Aufstehen...\"...

........ich muß wohl, wie die JĂŒnger Jesu damals, eingeschlafen sein. Als ich die Augen aufmachte, war es draußen hell und ein paar Rotkehlchen jubilierten bereits. Hatte ich mal wieder getrĂ€umt? Von Doktor Mittelfinger war jedenfalls nichts mehr zu sehen. Nur an seine Anweisungen erinnerte ich mich noch exakt, so daß ich trotz der MĂŒdigkeit beschloß, in den Garten zu gehen und entsprechend zu handeln.
Und so geschah es. Tröstend lag Tau auf allen Wunden.
Der Weidenzweig, den ich in die Vase stellte, hat inzwischen starke Wurzeln getrieben. Auch die Ruten an den vier Ecken der Welt ergrĂŒnen. DemnĂ€chst wird die Königin ins Zentrum eingepflanzt. Ob es mit dem EssigbĂ€umchen noch was wird, bleibt indessen weiter fraglich.

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Lothar,

eine wirklich gute Geschichte hast du als Einstand verwendet, ich fĂŒhlte mich großartig unterhalten. Zwischendurch finde ich es persönlich ein bisschen abdriftend und weitschweifig, aber das ist natĂŒrlich Geschmackssache und hat keine Nachteilswirkung.
Ich vermute, dass dieser Text von Dir schon ein paar Jahre auf den Buckel hat wegen der (mittlerweile) fehlerhaften Verwendung von "ß".
Dazu existieren verschiedene Formatierungsfehler wie "/" & so, aber das ist ja korrigierbar. Auch manche Satz-bzw. Wortbildung könnte man evtl. vereinfachen. Ich hĂ€tte da ein paar Ideen, deren Verwendung ich Dir natĂŒrlich gern freistelle.
_____________________________________________________________

quote:
Als ich ihn das erste mal sah, erschrak ich.

Vielleicht eher sowas wie: "war ich erschrocken" oder "als ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte" oder Àhnliches, aber so, wie es oben steht, wÀre es wohl mit den Vergangenheitsformen nicht korrekt.


quote:
Wo um Himmelswillen hatte es ihn hin verschlagen? Die einen werden in PallĂ€ste geboren und andere in HĂŒtten - das war schon vor Georg BĂŒchner so und wird es auch bleiben.
Doch sein Lebensraum war weder das eine, noch das andere: seine Bleibe befand sich zwischen Hoftor und Begrenzungsmauer zum Nachbarn.


Die o.g. Formulierung finde ich gut, vor allem das mit den PallĂ€sten und HĂŒtten, doch letztendlich fehlt (mir) der Bezug zum Baum und deswegen passt der Vergleich mit den "Hineingeburten" m.M.n. nicht. Auch wĂŒrde ich den Hinweis auf Georg BĂŒchner rauslassen.


quote:
Und jedesmal, wenn das Tor geöffnet wurde, drĂŒckte es ihn gegen die Mauer. NatĂŒrlich konnte man genauso gut sagen, er drĂŒcke gegen das Tor - und das genau war das Problem: die Funktion des Öffnens drohte nachhaltig gestört zu werden fĂŒr die Bewohner unseres Hauses.

Das die Funktion des Öffnens fĂŒr die Bewohner nachhaltig gestört werden könnte, halte ich als Hinweis fĂŒr ĂŒberflĂŒssig, da dieser Grundgedanke des Prots. mit seiner spĂ€teren Motivation fĂŒr die Natur und fĂŒr die BĂ€ume kollidiert. Immerhin handelt der Prot ja aus edleren Motiven als den Öffnungsvorgang des Tores zu optimieren.

Seine Mutter, die etwa hundert Meter weiter sehr viel bessere Bedingungen vorfand vorgefunden hatte, hatten sie letzten Herbst erschlagen. Einfach so.

quote:
Überhaupt, auf welche Weise ein Wesen wohin gelangt - ist es nicht ein Mysterium? Die WĂŒrgefeige zum Beispiel gelangt als Same durch Vogelkot auf Baumkronen, von wo aus sie ihrem Wirt am Stamm hinab wĂ€chst, bis sie ihn mit ihren Wurzeln nach einigen Jahrzehnten erwĂŒrgt hat und dann folgt sie ihm nach.
Und von duluoz, wie der nach Tanger kam...oder Alexandra David-Neal nach Lhasa...
Oder Insekten, die ihre Brut anderen per Legestachel injizieren und diese anderen von innen heraus aufgefressen werden. Und Fische gibt es, da trĂ€gt das MĂ€nnchen den ganzen Schwarm die ersten Lebenstage im Maul. In Vaters Rachen herum zu schwĂ€rmen hĂ€tte ich als höchst unhygienisch empfunden. Doch weiß ich jetzt wenigstens, woher Rache und Rachitis kommen.

Diesen o.g. Bereich meine ich mit "abdriftend", was aber eben Geschmackssache ist. Einerseits bildet es den Leser unter UmstÀnden, andererseits hat es mit der "Kurzgeschichte" als solcher nichts zu tun.

quote:
Aber sei\'s drum. Den Bewohner hier nannten die Menschen \"Essigbaum.\" Dessen BlĂ€tter versprĂŒhen im Herbst ein Feuerwerk an leuchtenden Farben. Purpurrot golden und indigo...

Hier wĂ€ren jetzt die angesprochenen Formatierungsfehler zu finden (\). Auch versprĂŒhen die BlĂ€tter m.M.n. kein Feuerwerk aus leuchtenden Farben, sondern sind selbst purpurrot und indigo.

Dabei wollte er doch ein stattlicher Baum werden, in dem Vögel singen zwitschern sollten und Nester bauen.

quote:
- und von Babette kam der Rat, mit dem Baum zu sprechen, ihm mein Rettungsvorhaben zu erlĂ€utern, denn ganz so blöd sind BĂ€ume nicht, die \"spĂŒren schon, wer es gut und wer es böse mit ihnen meint.\"

Auf das personalisieren einer weiteren Figur ohne weitreichenderes Vorkommen in der KG wĂŒrde ich persönlich verzichten, da es nur Leserfragen aufwirft: Wer ist Babette?

quote:
Dann kam der Tag, wo die Trauerweide gefĂ€llt wurde. Sie wurde gepflanzt einst mit denselben HĂ€nden, die gerade diesen Text hier niederschreiben. Die Königin des Gartens, ihre Poesie mißfiel den Nachbarn von Anfang an, da sie ihnen die Sicht versperrte. Nicht etwa aufs Hochgebirge, auf Schluchten oder das offene Meer hinaus, nichts dergleichen, auch nicht auf im Wind wogende Getreidefelder mit MohnblĂŒten am Wegrand - auf Plattenbauten und Parkplatztristesse war ihnen die Sicht genommen und einer beschwerte sich höchstamtlich, da er WeidenblĂ€tter in seinem Schlafgemache fand, die ihn wohl der Nachtruhe beraubten.
Kurz, sie wurde gefĂ€llt, wohlgemerkt am anderen Ende des Gartens. Und ich weinte hinter verschlossener TĂŒr, wĂ€hrend draußen einen ganzen Tag lang die KettensĂ€gen wĂŒteten.

Ein fĂŒr mich fantastischer Textbereich. Absolut klasse!


Der ganze Textbereich mit "Mittelfinger" ist (fĂŒr mich) auch (zu) lang, aber wohl erforderlich. Ich wĂŒsste auch keine andere Lösung.

Insgesamt eine sehr gern gelesene Geschichte mit vielen hervorragenden Beobachtungen.

LG, KaGeb

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Lothar Atzert
AutorenanwÀrter
Registriert: Apr 2010

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Profil

Hallo KaGeb,
da hast Du Dir aber viel MĂŒhe gemacht und ich möchte mich herzlich dafĂŒr bedanken, zumal ich Dir bis auf einen Punkt beipflichten muß.
Oder nein, zwei Punkte:
1. Die alte Schreibweise mit ß ist mir gelĂ€ufig und ich werde sie deshalb beibehalten. Das mit den Formatierungsfehler ist natĂŒrlich lĂ€stiger.
2. FĂŒr mich persönlich zwitschern die Vögel nicht, sondern sie singen, meistens sogar wesentlich schöner, als Menschen. Bei Spatzen mag das Zwitschern angehen - obwohl, das ist dann eher wieder Getschilpe, ein blödes Wort - aber gut....

Das Abdriftende ist in dieser Geschichte sogar geringer, als in anderen. (Babette taucht öfters auf und wer meine Geschichten kennt, weiß, wer das ist. Gut, beim ersten mal ist es ein wenig befremdlich) So bin ich, mit meinem Mond im Wassermann in Haus 12 brauche ich das, wie andere die Luft zum atmen und... naja, so ist es eben! Hat das nicht auch mit Wiedererkennungswert zu tun?

Wie dem auch sei, ich danke Dir fĂŒr die ĂŒberaus freundliche Aufnahme.
LG
Lothar

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